Mercedes-Teamchef Ross Brawn ist nach den ersten Testwochen zufrieden

Formel 1 2011

— 15.02.2011

Brawn: Mercedes auf einem guten Weg

Teamchef Ross Brawn über die Erkenntnisse aus den bisherigen Testfahrten, die Fabelzeiten von Michael Schumacher und die künftigen Entwicklungen

Aus Mercedes ist man bislang überhaupt nicht schlau geworden. In der ersten Testwoche in Valencia blieben die Silberpfeile eher blass, eine Woche später stellte sich die Situation in Jerez schon anders dar. Nico Rosberg hatte zwar viel Pech mit der Technik des MGP W02, aber Michael Schumacher konnte vor allem am Freitag mit einer Tagesbestzeit glänzen. Teamchef Ross Brawn analysiert die Testfahrten im Interview.

Frage: "Ross, wie würdest du den Test in Jerez zusammenfassen?"
Ross Brawn: "Die zweite Testwoche in Jerez war extrem nützlich. In dieser Phase liegt unser Fokus auf Zuverlässigkeit, Arbeit mit KERS und dem Verständnis bezüglich der neuen Reifen. An den beiden mittleren Tagen des Tests hatten wir eine gute Zuverlässigkeit, konnten viele Kilometer abspulen und somit wichtige Daten sammeln, die wir nun vor dem nächsten Test in Barcelona auswerten."

Frage: "Du hast gesagt, ihr habt kleine 'Probleme' beheben können. Welche waren das?"
Brawn: "Es geht für uns hauptsächlich um Standfestigkeit. Auch wenn wir die drittmeisten Kilometer aller Neuwagen gefahren sind, so waren wir dennoch mit unserer Zuverlässigkeit nicht ganz zufrieden. Das ist aber der ganz normale Ablauf in einer Saisonvorbereitung."

"Man überprüft die Komponenten, sorgt dafür, dass alles gut zusammenspielt. Zusätzlich haben wir aber die Herausforderungen mit KERS und den neuen Reifen. Wir haben mit unserem neuen MGP W02 unsere kleinen Problemchen gehabt, aber wir haben auch schon entsprechende Lösungen in der Pipeline."

Frage: "Die Fahrer hatten nach dem ersten Test von einem guten Gefühl berichtet. Ist das immer noch der Fall?"
Brawn: "Michael und Nico haben sich auf Anhieb wohlgefühlt im Auto. Das ist auch immer noch so. Michael hatte in Jerez mit 226 Runden eine bessere Zuverlässigkeit im Wagen. Das hat uns wichtige Daten im Hinblick auf den Barcelona-Test beschert."

"Nico hatte etwas Pech, weil wir ausgerechnet an jenen Tagen, an denen er im Auto saß, kleine Probleme hatten. Trotzdem haben wir gute Arbeit geleistet. In Barcelona und Bahrain erlebt er sicherlich bessere Tage."

Frage: "Michael ist am Freitag Bestzeit gefahren und war am Samstag Zweiter. War das eine Showrunde oder ganz normales Geschäft?"
Brawn: "Es macht überhaupt keinen Sinn, irgendwelche Showrunden mit wenig Benzin zu drehen, wenn man seine wirklich wichtigen Aufgaben längst noch nicht erledigt hat. Michael hat es in Jerez doch schon gesagt. Er war nicht mit besonders wenig Sprit unterwegs."

"Wir machen einfach unser Ding weiter und konzentrieren uns auf unser eigenes Programm. Nur die Teams selbst kennen die Wahrheit hinter den Rundenzeiten bei den Testfahrten. Ich kenne alle Fakten und bin mit unseren Fortschritten während der ersten beiden Testwochen sehr zufrieden."

Frage: "Wie hat die Einführung von KERS und dem verstellbaren Heckflügel bislang geklappt?"
Brawn: "KERS ist eine der größten Herausforderungen des Jahres. Für unser Team ist das System komplett neu, auch wenn Mercedes damit 2009 erstmals einen Grand-Prix-Sieg erringen konnte. Team und Piloten arbeiten intensiv daran, sich an die komplexe Technologie von KERS zu gewöhnen. Wir müssen verstehen, wie man es am besten einsetzt, also das Beste herausholt. Das wird ein fortlaufender Prozess sein."

"Bezüglich des verstellbaren Heckflügels waren wir das einzige Team, dass schon beim Abu-Dhabi-Test im vergangenen Jahr ein solches System an Bord hatte. Wir haben damit schon viele Kilometer abgespult. Die Technologie haben wir für das neue Auto weiterentwickelt. Nun kommt noch ein neuer Heckflügel mit weiteren Verbesserungen."

"Michael und Nico haben sich ganz schnell an dieses neue Hilfsmittel gewöhnt und sind mit der Funktionsweise sehr zufrieden. Gemeinsam mit anderen Teams haben wir das FIA-Signalsystem beim Jerez-Test erstmals ausprobiert. Das hat sehr gut funktioniert."

Frage: "Ihr habt für Bahrain ein umfangreiches Update in Aussicht gestellt. Wie beurteilst du die bisherige Leistung des Autos? Sind die Updates voll im Plan?"
Brawn: "Wir haben uns Ende des vergangenen Jahres ganz bewusst dafür entschieden, mit einem recht schlichten Auto in die Wintertests zu gehen und dann ein großes Update für das erste Rennen in Bahrain zu bringen."

"Mit den neuen Pirelli-Reifen und der Rückkehr von KERS wollten wir einfach sicherstellen, dass wir für den ersten Test ein funktionsfähiges Auto zur Verfügung haben. Das war sicherlich die richtige Entscheidung. Die letzten Details des Bahrain-Updates sind jetzt gerade festgelegt worden. Wir sind sehr glücklich mit den Fortschritten, die uns dieses Paket bescheren wird."

"Beim aktuellen Paket haben wir ein paar Kompromisse gemacht. Wir wissen, dass noch mehr Leistung in diesem Auto steckt. Natürlich wissen wir nicht, wo die anderen Teams genau stehen. Wir wissen auch nicht, welche Entwicklungsschritte bei denen geplant sind. Niemand bekommt vor dem echten Saisonstart in Bahrain ein realistisches Bild."

Fotoquelle: xpb.cc

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