Sebastian Vettel hütet sich vor vorschnellen Prognosen für die Saison

Formel 1 2011

— 19.02.2011

Vettel will "die Kiste wieder fliegen lassen"

Sebastian Vettel über seine bisherige Testbilanz, seine Erfahrungen mit den neuen Reifen, vorsichtige Vergleiche mit der Konkurrenz und den Neustart bei Null

Für Sebastian Vettel sind die Testfahrten in Barcelona bisher bestens gelaufen. Gestern und heute holte der Red-Bull-Pilot die Bestzeit. Doch der Weltmeister will das nicht überbewerten und hütet sich vor vorschnellen Prognosen für die neue Saison. Die Reifen könnten seiner Meinung nach ein entscheidender Faktor werden. Und wer wo steht, das könne man jetzt noch nicht sagen.

Frage: "Wie zufrieden bist du mit dem Verlauf deines heutigen Arbeitstages?"
Sebastian Vettel: "Ich denke, es war ganz okay. Am Nachmittag haben uns die roten Flaggen ein bisschen rausgehauen und wir hatten dann noch ein kleines Problem. Am Vormittag mussten wir auch kurz Halt machen."

"Aber es sind mehr so Sicherheitssachen. Auch, wenn mal etwas kaputt geht, dass man sich die Zeit nimmt, und möglichst genau nachschaut und wechselt. Dann steht das Auto manchmal auch ein bisschen länger, aber das gehört zum Testen dazu."

Frage: "Du bist mit deinen Testfahrten weitgehend durch. Wie lautet deine Zwischenbilanz?"
Vettel: "Rutschig (schmunzelt; Anm. d. Red.). Nein, also ich glaube, dass wir vor allem viel über die Autos lernen konnten, über die Autos. Und man sieht ja, dass die Reifen noch nicht allzu lange halten, und dann wird es eben irgendwann einmal ziemlich rutschig."

Frage: "Fehlt dir beim Testen mit den Reifen bisher der Regen? Und würdest du dich ärgern, wenn es ausgerechnet morgen anfangen würde zu regnen?"
Vettel: "Im Moment fehlt allen der Regen. Wenn es morgen anfängt, dann haben natürlich die, die ersten zwei Tage unterwegs waren, vielleicht einen kleinen Nachteil. Aber im Endeffekt bekommt man ja auch ein bisschen mit, was den Tag über passiert. Wie sich der Reifen anfühlt, das kann einem ja dann auch der andere Fahrer sagen. Training ist immer gut, aber wenn es nicht ist, dann kann man es eben nicht ändern."

Frage: "Welche Neuerung spielt deiner Meinung nach bei der Titelentscheidung die wichtigste Rolle? KERS, die Reifen, der verstellbare Heckflügel?"
Vettel: "Momentan können wir sagen, dass die Reifen die größte Veränderung darstellen. Denn wenn man auf die Strecke geht, sieht man, dass die Autos recht viel rutschen. Es ist ziemlich anders, der Speed ist geringer, die Rundenzeiten sind langsamer, die Abnutzung ist recht hoch. Das macht sicher bisher den größten Unterschied aus.

"KERS ist für alle das Gleiche. Mehr oder weniger jeder wird KERS haben. Und was den Heckflügel angeht, werden wir in den Rennen sehen, wie es ist. Das ist jetzt schwer zu beurteilen."

Frage: "Denkst du, dass wir mit den Reifen noch Überraschungen erleben werden? Vor allem zu Saisonbeginn?"
Vettel: "Ja, das könnte sein."

Frage: "Wie würdest du jetzt die Konkurrenz beurteilen? Du hast ja wahrscheinlich auch schon ein bisschen auf die anderen schauen können..."
Vettel: "Es ist immer noch sehr, sehr schwer, weil man nicht weiß, wer zu welchem Zeitpunkt mit welchen Reifen draußen ist. Sind es neue Reifen oder gebrauchte Reifen- das macht sehr viel aus. Dazu kommt wie immer die Benzinfrage. Aber ich gehe davon aus, dass alles in allem Ferrari ziemlich weit vorn dabei ist."

"McLaren ist bisher ein bisschen schwer zu lesen, weil bei denen relativ unregelmäßig gefahren wurde. Man weiß natürlich nie, was da gemacht wird. Und ich hoffe, dass wir da irgendwo mit dabei sein können. Bei Mercedes ist es ähnlich wie bei McLaren noch nicht ganz klar. Man versteht nicht immer alles, und das hängt meistens mit den Reifen zusammen, weil man einfach so schwer sagen kann, welche Reifen wann drauf waren und wie sie abgebaut haben."

"Die Saison hat noch gar nicht angefangen. Wir haben erst die Wintertests, und jeder versucht, sich vorzubereiten. In dieser Phase ist es schwer, einzuschätzen, wo man steht, wie schnell das Auto ist und so weiter. Man spult sein Programm ab. Ich denke, dass wir kühlen Kopf bewahren und uns auf uns selbst konzentrieren müssen. Wir versuchen natürlich, das Auto so gut wie möglich zu verbessern, und dann sehen wir weiter, wenn die Saison beginnt."

Frage: "Als Weltmeister will man sicher dort weitermachen, wo man am Ende der Saison aufgehört hat. Was ist die Devise bei dir?"
Vettel: "Es geht von vorne los, und alle sind auf der Jagd nach uns. Wir müssen schauen, dass wir zum Anfang der Saison ein gutes Auto hinstellen, fit und standfest sind. Die vergangene Saison ist abgehakt, es geht von vorne los. Alle fangen bei Null an. Man muss sich wieder voll reinhängen und voll konzentrieren. Sonst hat man von Anfang an keine Chance."

Frage: "Wie lautet also dein Ziel für die ersten Rennen? Gleich an der Spitze anfangen, anders als im vergangenen Jahr, wo du anfangs einige Probleme hattest?"
Vettel: "Die Rennen zu beenden (schmunzelt; Anm. d. Red.). Ich denke, um als Erster anzukommen, muss man zuerst ankommen. Ich freue mich schon auf die ersten Rennen und bin gespannt, wie viele Boxenstopps wir machen werden. Denn im vergangenen Jahr war klar, dass auf den meisten Strecken einmal gestoppt wird. Und ich denke, dass wir in diesem Jahr einige Stopps mehr machen werden."

Frage: "Ist es für dich vom Kopf her etwas anderes, jetzt als Weltmeister in die Saison zu gehen?"
Vettel: "Ich denke, wenn wir in Bahrain - oder woanders - in die Saison starten, dann fangen wir alle mit null Punkten an. Egal ob ich das bin, Heikki oder jemand anderes. Wir haben alle die gleiche Punktzahl, nämlich null. Natürlich war das vergangene Jahr für mich und das gesamte Team sehr gut. Aber ich denke, es wäre falsch, sich beim Start in die Saison nur auf die Meisterschaft zu konzentrieren. Wir müssen uns auf die ersten Rennen konzentrieren, auf unser Auto, wir müssen sicherstellen, dass es zuverlässig ist, dass wir keine Probleme haben. Und dann wird sich ohnehin bald zeigen, wie gut das Auto und wie gut das Paket ist. Und ob wir die Chance haben, um den Titel zu kämpfen oder nicht."

Frage: "Wäre alles andere als eine Verteidigung des Titels eine Enttäuschung für dich?"
Vettel: "Ich glaube, man muss immer sehen, wie sich das Jahr gestaltet. Das Ziel ist ganz klar: Wir wollen die Titel, die wir haben, verteidigen. Und ich will meinen Titel verteidigen. Aber jetzt ist es noch viel zu früh. Es ist gerade einmal Februar und die Saison geht bis zum ersten Advent, fast bis in den Dezember. Es liegt also einiges vor uns. Und ich denke auch, dass während der Saison noch sehr viel passieren kann. Von daher ist es im Moment überhaupt nicht das Ziel, sich auf die Meisterschaft und die letzten Rennen zu konzentrieren. Sondern wir schauen erst einmal, dass wir gut in die Saison starten. Und dann wird sich der Rest ergeben."

Frage: "Wie ist es als Weltmeister in der Boxengasse? Hat man mehr Freunde oder mehr Feinde als früher?"
Vettel: "Freunde oder Feinde - richtige Feinde in dem Sinne haben wir glaube ich nicht. Es will einem ja keiner an die Gurgel. Ich denke, der Kampf auf der Strecke und die Rivalität sind ganz normal. Wenn man die Nummer eins auf dem Auto hat, dann ist jeder hinter einem her. Aber das ist jedes Jahr das gleiche Spiel, und es geht bei Null wieder los. Und schneller macht es mich nicht, dass ich die Nummer eins auf dem Auto habe. Ich muss nach wie vor noch versuchen, die Kiste fliegen zu lassen und schneller zu fahren als alle anderen."

Frage: "Wir haben mit Heikki Kovalainen gesprochen. Jeder hat ihn gefragt, ob er denkt, dass ihr momentan die Schnellsten seid und euch nur noch ein bisschen zurückhaltet. Und er sagte, dass du bei einem Test auf einer schnellen Runde an ihm vorbeigefahren bist und ihm gewinkt hast, so als Bild..."
Vettel: "Ich weiß nicht, ich glaube, ich habe 'Hi' zu ihm gesagt (lacht; Anm. d. Red.) - aber ich weiß nicht, ob ich wirklich auf einer schnellen Runde war. Normalerweise habe ich da keine Zeit zum Winken. Es hängt immer davon ab. Manchmal ist man fünf Sekunden schneller als das andere Auto, weil man auf einem frischeren Reifensatz und mit etwas weniger Benzin unterwegs ist."

"Wenn man selbst in den ersten paar Runden ist und der andere schon seit 15, 20 Runden auf der Strecke ist, dann hat man auch Zeit, ihm zu winken. Denn seine Reifen sind dann komplett hinüber, und man kommt recht einfach an ihm vorbei. Wir werden sehen, wie sehr sich die Rennen durch die Reifen, die Heckflügel und so verändern."

Frage: "Sport ist auch immer Frieden. Was jetzt an einigen Orten passiert, wo die Formel 1 fahren sollte, passiert, ist nicht so schön zu sehen. Was meinst du dazu?"
Vettel: "Ich finde, das eine hat mit dem anderen erst einmal gar nichts zu tun. Ich denke, im Moment ist die Entscheidung noch nicht gefällt, ob wir in Bahrain in die Saison starten werden oder nicht. Wenn wir dort fahren, dann ist es glaube ich auch sicher genug. Und wenn nicht, dann gibt es wahrscheinlich genug Gründe, die dagegen sprechen und wir werden uns etwas anderes suchen, oder eben erst in Australien fahren. Das steht im Moment alles noch in den Sternen."

Fotoquelle: xpb.cc

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