Bei McLaren freut man sich über die zusätzliche Entwicklungszeit

Formel 1 2011

— 22.02.2011

Bahrain-Absage: Wer profitiert?

Wer profitiert von der Absage des ersten Rennens am meisten: Mark Webber, weil der Auftakt in seiner Heimat steigt, oder McLaren, weil mehr Zeit bleibt?

Geht man nach der Testtabelle der vergangenen vier Tage in Barcelona, dann müsste sich Ferrari am meisten über die Absage des Saisonauftakts in Bahrain ärgern. Denn das erste Rennen findet nun um zwei Wochen später als geplant, am 27. März, in Australien statt, was der Konkurrenz (zumindest theoretisch) zwei Wochen mehr Zeit gibt, einen etwaigen Rückstand aufzuholen.

Daraus schließt Ex-Grand-Prix-Pilot Martin Brundle: Die Absage ist gut für die, die jetzt noch Entwicklungsrückstand haben, und schlecht für die, die derzeit an der Spitze des Kräfteverhältnisses stehen. Das sind seiner Meinung nach vor allem Red Bull und Ferrari. Doch sein Landsmann David Coulthard widerspricht in einem Gastbeitrag im 'Telegraph': "Was die sportlichen Auswirkungen der Absage angeht, stimme ich Martin nicht zu."

Coulthard widerspricht Brundle

Sein künftiger Kollege als 'BBC'-Kommentator habe nämlich eine Fehleinschätzung getroffen: "Er glaubt, dass den Teams geholfen wird, die Probleme haben. Von dem, was ich höre, stehen Ferrari und Red Bull momentan an der Spitze des Feldes, was im Umkehrschluss heißen würde, dass Mercedes und McLaren die Profiteure wären - oder in anderen Worten: Lewis Hamilton und Jenson Button", analysiert der Red-Bull-Botschafter.

"Ich will nicht den britischen Jungs die Laune verderben, aber die Situation ist für alle gleich", glaubt Coulthard. "Ja, McLaren hat nun zwei zusätzliche Wochen in der Fabrik, aber Ferrari hat die ja auch. Bei nur einem verbleibenden Test, vom 8. bis 11. März in Barcelona, haben sie nicht viel mehr Streckenzeit, um neue Teile zu testen oder an der Zuverlässigkeit zu arbeiten. Der ursprüngliche Testplan gilt ja eigentlich immer noch."

Doch auch Hamilton scheint sich wegen des späteren Saisonauftakts Hoffnungen zu machen: "Wir sind noch dabei, das Auto, die Reifen und die Systeme zu verstehen", wird der McLaren-Pilot von 'Turun Sanomat' zitiert. "Wir schaffen im Gegensatz zu Webber noch keine 140 Runden am Tag. Dass die Weltmeisterschaft nun in Australien beginnt, stört mich also nicht, denn so gewinnen wir Zeit. Wir müssen noch aufholen, bis es losgeht."

Auch für die "deutschen Silberpfeilen" von Mercedes könnte die Verschiebung eine gute Nachricht darstellen, denn bis auf zwei Tagesbestzeiten von Michael Schumacher und zuletzt Nico Rosberg verlief der Winter bisher nicht überdurchschnittlich. Norbert Haug sieht seine Autos laut 'auto motor und sport' noch nicht einmal in den Top 10 und sagt nun über die Absage des Bahrain-Grand-Prix: "Wir begrüßen und unterstützen die Entscheidung."

Webber: Saisonauftakt zu Hause

Allerdings stellt der Mercedes-Sportchef klar, dass das nichts mit der derzeitigen sportlichen Situation zu tun hat, sondern: "Unser wichtigstes Anliegen ist es, die Sicherheit unserer Teammitglieder zu gewährleisten." Mark Webber nickt zustimmend: "Die Absage war angesichts der Ereignisse die richtige Entscheidung. Jetzt freuen wir uns auf Melbourne. Es wäre nett gewesen, nach Bahrain zu fliegen, aber ich hoffe, dass sie das Rennen bald wieder austragen können."

Der Red-Bull-Pilot bekommt durch die Bahrain-Absage einerseits einen Saisonauftakt in der Heimat geschenkt, andererseits gilt sein RB7 als derzeit schnellstes Auto, was laut der Brundle-Theorie einen früheren ersten Renntermin wünschenswert gemacht hätte. Aber Webber lassen solche Spekulationen kalt: "Ganz egal, in welcher Situation du gerade bist - alle brauchen in dieser Phase des Jahres noch ein bisschen mehr Zeit."

"Wir wären in zwei Wochen bereit gewesen, aber so haben wir noch einmal zehn Tage mehr", sagt er. "Andererseits muss die Fracht nach Melbourne früher weggeschickt werden, also bleibt es unterm Strich wahrscheinlich eh gleich. Für das Ergebnis in Melbourne wird das keinen großen Unterschied machen - vielleicht sogar eher auf die Rennen danach, weil einige darauf weniger gut vorbereitet sein werden, als sie sonst gewesen wären."

Melbourne sei "zufällig mein Heimrennen, auf das ich mich natürlich freue. Es ist ein sensationeller Event und wir sind gut in Form, daher wünsche ich mir klarerweise ein sehr gutes Ergebnis. Beim ersten Grand Prix werden wir jedenfalls viele Antworten erhalten." Die, die "AussieGrit" (Webbers Nickname auf Twitter) am meisten interessiert: Kann er nach zwei fünften, einem neunten und zwei Nicht-Top-Ten-Plätzen im zehnten Anlauf endlich sein Heimrennen gewinnen?

Fotoquelle: pacepix.com

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