Ross Brawn lässt sich von den bisherigen Testzeiten nicht beunruhigen

Formel 1 2011

— 25.02.2011

Brawn: "Der Silberpfeil wird immer besser"

Ross Brawn im Interview: Warum er sich trotz der Kühlprobleme für Melbourne keine Sorgen macht und wie die Testfahrten bisher verlaufen sind

In einem Punkt waren sich die Experten schnell einig: Der neue Mercedes MGP W02 scheint zumindest in seiner derzeitigen Form kein ganz großer Wurf zu sein. Doch kaum hatten die ersten Hiobsbotschaften (Norbert Haug: "nicht Top-10-fähig") ihren Weg an die Öffentlichkeit gefunden, schien es auch schon wieder etwas besser zu laufen. Teamchef Ross Brawn bringt die Fans von Nico Rosberg und Michael Schumacher im Interview auf den neuesten Stand der Dinge.

Frage: "Ross, wie lautet deine Meinung zur Verschiebung des Bahrain-Grand-Prix?"
Ross Brawn: "Die Entscheidung, den Grand Prix von Bahrain zu verschieben, war sicher richtig. Bahrain hat im Moment andere Prioritäten. Sie müssen zusammenarbeiten, um ihre Situation zu bereinigen - und zwar abseits des Rampenlichts, das das erste Formel-1-Rennen der Saison mit sich bringen würde."

Marginal veränderter Testplan

Frage: "Wie sehen die veränderten Testpläne des Teams angesichts der Absage des Bahrain-Tests aus?"
Brawn: "Wir werden für einen viertägigen Test von 9. bis 12. März an den Circuit de Catalunya in Barcelona zurückkehren. Nico wird den MGP W02 am Mittwoch und Samstag fahren, Michael am Donnerstag und Freitag."

Frage: "Ist die zusätzliche Zeit vor dem ersten Rennen ein Vorteil für das Team?"
Brawn: "Sie hat keinen großen Einfluss auf das Entwicklungsprogramm, weil wir zwischen Bahrain und Melbourne ohnehin keine großen Ausbaustufen geplant hatten. Die zusätzlichen zwei Wochen sind aber eine gute Gelegenheit, sich zu sammeln - und sie bedeuten zusätzliche Vorbereitungszeit vor dem ersten Rennen in Melbourne. Die Auto-Spezifikation für Melbourne bleibt aber gleich."

Frage: "Was hat das Team vergangene Woche beim Barcelona-Test erreicht?"
Brawn: "Barcelona war der letzte Test mit unserer Präsentations-Spezifikation. Wir haben durchschnittlich fast 500 Kilometer pro Tag geschafft, also um über 50 Prozent mehr als bei den Tests davor. Es war eine gute Woche und wir haben die Gelegenheit genutzt, um am Basis-Setup zu arbeiten, unser Verständnis der Nutzung der Reifen auf eine einzelne Runde zu verbessern und die Performance auf den Longruns zu verbessern. Wir haben zudem mit Nico und Michael jeweils gleich im ersten Versuch eine Renndistanz zurückgelegt - und danach war das Auto in einem guten Zustand und wies keinerlei Probleme auf."

Frage: "Du hast nach Jerez erwähnt, dass ihr beim Fahrbetrieb noch Kompromisse eingehen musstet. Welche Kompromisse waren das und haben sie die Performance beeinträchtigt?"
Brawn: "Die größte Herausforderung war ein Problem mit der Kühlung. Die kurzfristigen Modifikationen, die wir deswegen an die Präsentations-Spezifikation anbringen mussten, haben einiges an Performance gekostet. Die Lösung wurde ins Karosseriedesign für das erste Update eingearbeitet und wird diese Performance vor dem ersten Rennen zurückgewinnen."

Frage: "Das Team hat in Barcelona unterschiedliche Frontflügel-Varianten getestet. Wozu?"
Brawn: "Der Frontflügel, den wir in Barcelona getestet haben, war noch nicht die finale Spezifikation für das erste Rennen, ist aber näher an dem Flügel dran, den wir in Melbourne verwenden werden. Unser vorheriger Frontflügel war stark an die 2010er-Version angelehnt, während wir in Barcelona einen Schritt näher zur 2011er-Version gegangen sind. Wir haben die Gelegenheit genutzt, um die Richtung zu untersuchen und bestätigen, bevor wir die Rennvariante draufschrauben."

Derzeit Rückstand auf die Konkurrenz

Frage: "Es heißt, dass ihr ein wenig hinter der Konkurrenz hinterherhinkt. Bist du besorgt?"
Brawn: "Das ist eine richtige Einschätzung. Uns ist die Pace unseres Autos bewusst und wir kennen den Abstand zur Spitze sowie die Gründe dafür. Diese sind teilweise durch unsere Kühlprobleme zu erklären. Es war von Anfang an unser Plan, das Auto in einer Basis-Spezifikation zu präsentieren und dann mehr Zeit ins erste Update zu stecken. Das bedeutet unweigerlich, dass es so aussieht, als seien wir noch weiter hinten, als wir in Wahrheit sind. Im Wissen aller Fakten bin ich zufrieden mit unserer derzeitigen Position und den Entwicklungen, die noch kommen."

Frage: "Wie war das Feedback der Fahrer nach dem Barcelona-Test?"
Brawn: "Michael und Nico wussten nach Barcelona viel besser, wie sie die Reifen verwenden müssen und wie sie ihren Fahrstil anpassen müssen, um das Maximum aus den Pirelli-Mischungen herauszuholen. Viel Zeit wendeten wir auch dafür auf, die Fahrer auf Rennwochenend-Szenarien vorzubereiten, zum Beispiel Renn- und Qualifyingsimulationen mit KERS und dem verstellbaren Heckflügel. Beide Fahrer sind zufrieden mit den Fortschritten."

Frage: "Bist du zuversichtlich, dass ihr die Zuverlässigkeitsprobleme ausgestanden habt?"
Brawn: "Ja. Mit einem neuen Auto rechnet man immer mit Defekten. Zum Glück hatten wir nur wenige, die das Auto zum Stehen gebracht haben, daher war der Schaden für das Testprogramm überschaubar. Unsere Kilometer waren gut. Wir haben während der bisherigen drei Tests 4.300 Kilometer zurückgelegt. Je mehr du fährst, desto mehr Gelegenheit hast du, etwaige Probleme zu erkennen und sie zu lösen, bevor die Saison beginnt."

Frage: "Welche Gründe gibt es, die dich nach Barcelona optimistisch stimmen?"
Brawn: "Barcelona war sicher unser bisher bester Test und wir haben seit der Präsentation des MGP W02 in Valencia beständige Fortschritte gemacht. Die Zuverlässigkeit ist jetzt besser und unser Update entwickelt sich gut, wird beim vierten und letzten Test in Barcelona erstmals am Auto sein. Nach dem vierten Platz im Vorjahr wollen wir uns diesmal steigern."

Frage: "Wird der MGP W02 gut genug sein, um mit den drei Topteams mitzuhalten, wenn die Saison beginnt?"
Brawn: "Dafür ist es noch zu früh, aber ich bin mir sicher, dass wir alle nach dem letzten Barcelona-Test mehr wissen werden. Wir haben eine sehr gute Basis, auf die wir aufbauen können. Unser Team macht gute Fortschritte und der Silberpfeil wird immer besser. Unser Ziel ist und bleibt, uns im Vergleich zum Vorjahr zu steigern und mit den Besten mitzuhalten."

Fotoquelle: xpb.cc

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