Red-Bull-Partner: Nissan schickt die Nobelmarke Infiniti in die Formel 1

Formel 1 2011

— 01.03.2011

Nach der Krise: Die Japaner kommen zurück

Nissan schickt die Nobelmarke Infiniti ab sofort als Partner von Red Bull in die Formel 1: Der erste Schritt zu einem möglichen Werkseinsatz ab 2013?

Honda verabschiedete sich 2008, im Jahr darauf folgte Toyota und schließlich zog Reifenpartner Bridgestone zum Ende vergangenen Jahres den Formel-1-Stecker. Die Königsklasse hatte selten eine solch geringe Beteiligung aus Japan. Die dortigen Unternehmen hatten im Zuge der weltweiten Wirtschaftskrise jeden Yen zweimal umgedreht und sich gegen ein weiteres Engagement in der teuren Formel 1 ausgesprochen.

Doch nun deutet sich eine Kehrtwende an, denn die japanischen Autobauer treten wieder auf große Motorsportbühnen - wenn auch zunächst noch zaghaft. Toyota fährt 2011 als Motorenpartner des Le-Mans-Teams Rebellion einen halben Werkseinsatz mit Aussicht auf künftige Erweiterung. Honda verpackt seine LMP1-Ambitionen im Kürzel HPD (Honda Performance Development) und lässt neue Autos von Marussia-Virgin-Designer Nick Wirth entwerfen.

Bei Nissan fährt man sogar dreigleisig. Der drittgrößte Autohersteller der Welt schickt in einem getarnten Werkseinsatz vier GT-R in der GT1-Weltmeisterschaft an den Start. In Le Mans hat man Signature als Partnerteam und Semi-Werksmannschaft, um den Nismo-Motor in der LMP2 nach vorne zu bringen. Möglicherweise will man in zwei Jahren auch nach dem Gesamtsieg an der Sarthe greifen. Gleichzeitig folgt nun der Angriff in der Formel 1.

Mit der Nobelmarke Infiniti wird Nissan neuer Partner von Red Bull. Der Deal wurde über die enge Verknüpfung zwischen Red-Bull-Motorenpartner Renault und Nissan eingefädelt. Die Franzosen und Japaner pflegen seit Jahren eine enge Allianz. "Renault gehören 44 Prozent von Nissan und Nissan gehören 15 Prozent von Renault. Die Bindung ist also wirklich sehr eng", sagt Infiniti-Vizepräsident Andy Palmer gegenüber 'Autosport'.

Vettel fährt Infiniti: Neue Märkte erobern

Die Nissan-Marke soll in den kommenden Jahren neue Märkte erobern. "Wir haben entschieden, dass die Marke deutlich wachsen soll. Wir wollen in Westeuropa zulegen, aber auch in China, Russland und Asien." Die Formel 1 passt perfekt in dieses Konzept. In China fährt man schon, Indien kommt in diesem Jahr hinzu und bald will man auch in Russland gastieren. Ebenso wichtig ist die Tatsache, dass die Königsklasse 2012 in die USA zurückkehrt - Infinitis bisher wichtigster Absatzraum.

"Die USA sind unser größter Markt", erklärt Nissan-Marketingchef Simon Sproule in der 'Autoweek'. "Auch wenn die Formel 1 in den USA relativ wenig bekannt ist, wird uns die Rückkehr dorthin sicherlich helfen können. Es ist definitiv so, dass wir mit den Produkten der Marke Infiniti ohnehin eher diejenigen ansprechen, die sich für hochklassige Rennserien interessieren." Nissan vertreibt die Autos der Nobelmarke seit 2009 auch in Europa. Allein in Deutschland baute man in den vergangenen Monaten vier Standorte auf.

Der Formel-1-Einstieg soll die Bekanntheit von Infiniti steigern. Man will die Werte von Toyota-Tochter Lexus in Europa erreichen, oder beispielsweise die Honda-Sportwagenmarke Acura auf dem amerikanischen Markt möglichst in den Schatten stellen. "Wir haben gerade den Deal unterzeichnet, aktivieren nun die Möglichkeiten", sagt Sproule zu den nächsten Schritten. Durch die Partnerschaft mit Red Bull umgibt man sich sofort mit Weltmeistern.

"Das hilft bestimmt", meint der Marketingfachmann. "Wir haben zwei tolle Fahrer, darunter den Weltmeister. Sebastian fährt sogar schon einen Infiniti. Diese Zusammenarbeit wird uns bei der Aktivierung unseres Programmes helfen." Die Verantwortlichen der Nissan-Gruppe lassen keine Zweifel daran aufkommen, dass man es mit dem Schritt in die Formel 1 sehr ernst meint. 2011 und 2012 wird man mit dem Schriftzug auf dem Red Bull RB7, der Teamkleidung und den Fahreroveralls zu sehen sein.

Japaner sollen Hybrid optimieren

"Wir sind nicht den traditionellen Weg gegangen, sind nicht dahergekommen und haben ein Team gekauft", beschreibt Vizeboss Andy Palmer. "Zu allererst sind wir in einer Marketingpartnerschaft. Wir haben allerdings größte Zuversicht, dass sich daraus eine technische Zusammenarbeit entwickeln wird. Und zwar in den Bereichen, in denen Infiniti und die Nissan-Gruppe ihre größten Stärken haben." Das Wort KERS nimmt in diesem Zusammenhang noch niemand explizit in den Mund.

Fest steht aber, dass Nissan sich als Vorreiter im Bereich Elektroantrieb sieht. Dieses Know-how könnte im Zuge des künftigen Motorenreglements der Formel 1 äußerst nützlich sein. Die Leistung der Triebwerke wird im Zuge der Neuregelungen ab 2013 reduziert, die Rolle von Hybridtechnik wird gleichzeitig noch wichtiger. "Es gab schon Gespräche", verrät Sproule. "Im Moment gibt es noch keinen Platz für Nissan-Techniker im Team. Aber es gibt großes Interesse bei der Zusammenarbeit im Rahmen einiger Projekte."

In den kommenden beiden Saisons wird man sich gegenseitig beschnuppern, Arbeitsfelder abstecken und gemeinsame Marketingmaßnahmen durchführen. 2013 könnte dann der große Angriff erfolgen. "Wir werden weiterhin eng mit Renault zusammenarbeiten. Deren Name wird auf absehbare Zeit auf dem Auto sein", sagt Christian Horner und nennt dabei keinen konkreten Zeitraum. Der Renault-Vertrag läuft ausgerechnet Ende 2012 aus.

Ab 2013 werden die Triebwerke im Heck des Red Bull womöglich schon den Namen Infiniti tragen, zumindest wird die Hybridtechnik sicherlich aus Japan kommen. "Diese Partnerschaft läuft im Moment parallel zu jener mit Renault", erklärt der Teamchef. "Der Fokus liegt auf den zukünftigen Technologien, ganz speziell auf die Dinge, die im neuen Motorenreglement ab 2013 geregelt werden", fügt Horner an und macht damit deutlich, dass Infiniti das KERS-Herz höher schlagen lassen soll.

Fotoquelle: Infiniti

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