Ab 2011 zeichnet Pirelli für die Belieferung der Teams mit Rennreifen verantwortlich

Formel 1 2011

— 15.03.2011

Pirelli und die Balance zwischen Leistung und Extrastopp

Paul Hembery erläutert, weshalb er Vierstopp-Strategien für möglich hält und warum dieser Umstand für mehr Formel-1-Spannung sorgen könnte

Fans und Experten sind sich schon seit geraumer Zeit darin einig, dass die Pirelli-Reifen in diesem Jahr eine Schlüsselrolle in der Formel 1 einnehmen. Der neue Lieferant der "Königsklasse" wurde nämlich darum gebeten, Pneus anzubieten, welche die Fahrer und ihre Teams zu mehr Boxenstopps zwingen. Dieser Aufforderung kam Pirelli nach - und rechnet daher mit einer sehr spannenden Saison.

Wer sich eine große Haltbarkeit wünsche, finde in der Formel 1 ohnehin nicht die richtige Plattform, sagt Pirellis Motorsport-Direktor Paul Hembery im Gespräch mit 'Reuters'. "In jedem Fall stellt ein Formel-1-Rennen über 60 Runden nicht gerade eine große Distanz dar, auch wenn man nur einen Reifensatz hat." Vielmehr gehe es den Verantwortlichen darum, eine möglichst gute Show zu bieten.

Das Spektakel auf der Strecke will man nun durch einen höheren Reifenverschleiß fördern. "Wir wollen zeigen, dass man ein Hochleistungs-Produkt herstellen kann, das die Show verbessert. Wir wollen unter Beweis stellen, dass man mit den Reifen, der Auswahl der Pneus und der Taktik im Rennen einiges bewirken kann", fasst Hembery den Ansatz seines Unternehmens zusammen.

Gibt es dank Pirelli bald mehr Überholmanöver?

"Das große Ziel ist: Wir werden Fahrer haben, die zu unterschiedlichen Zeiten an die Box kommen. Das hängt von den Mischungen ab, die sie gewählt haben, und natürlich vom Verschleiß. Die Autos werden jedenfalls mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten unterwegs sein", erläutert der Pirelli-Sprecher und nennt das große Ziel dieser Maßnahmen: "All das sollte das Überholen fördern."

Nicht zuletzt, weil man sich von den Teams eine individuelle Herangehensweise bei der Taktik im Rennen erhofft. "Was wir bei den Tests gesehen haben, deutet nicht darauf hin, dass es ein 'Schema F' gibt. Die Reifen werden bei unterschiedlichen Teams und unterschiedlichen Fahrstilen unterschiedlich stark beansprucht. Es geht wohl um die Balance zwischen Leistung und einem Extrastopp."

"Ich muss aber sehr vorsichtig bei dem sein, was ich sage. Ich kenne nämlich die Daten der Fahrzeuge", meint Hembery. "Daher nur so viel: Es scheinen sich ziemlich deutliche Unterschiede bei den Strategien der Teams herauszubilden." Wie der Motorsport-Direktor von Pirelli bei 'Autosport' weiter ausführt, entwickle sich "je nach Team" eine Tendenz zu Zwei- bis Vierstopp-Strategien.

Hembery freut sich auf mehr Boxenstopps im Rennen

"Wir hatten es auf zwei Boxenstopps pro Rennen abgesehen, nun scheint es eher Richtung drei Reifenwechsel zu gehen. Wir werden schon bald erfahren, wo wir dabei stehen", hält Hembery fest und merkt an: "Es gab Jahre, als zahlreiche Stopps in der Formel 1 absolut an der Tagesordnung waren. Wir hatten viele großartige Rennen, die durch kluge Strategien entschieden wurden."

"Man muss nur einmal daran denken, dass Michael Schumacher viele Rennen dadurch gewann, dass er gemeinsam mit Ross Brawn die richtigen Entscheidungen traf. Sollten wir erneut dorthin kommen, dann wäre das aus der Sicht der Fans sicherlich eine spannende Geschichte", findet Hembery. Der Brite wünscht sich daher nichts sehnlicher als möglichst viele unterschiedliche Reifentaktiken.

"Wenn manche Teams auf eine Zweistopp-Strategie setzen und andere Rennställe mit vier Reifenwechseln planen, dann wäre das sehr aufregend. Es wird gewiss interessant sein zu sehen, wie sich die letzten Runden eines Rennens gestalten", erläutert Hembery und verteidigt den Kurs seines Unternehmens einmal mehr. Man liefere schließlich genau das, was man von Pirelli verlangt habe.

Gummiabrieb kann alles durcheinander wirbeln

"Die Beschreibung lautete im Prinzip: 'Wir wollen ein Rennen wie in Kanada.' Wir investierten viel Zeit und viel Energie, um eine solche Situation herzustellen", gibt Hembery zu Protokoll. "Die Teamchefs der Formel 1 waren es nämlich, die uns darum gebeten hatten." Unklar ist laut dem Pirelli-Motorsport-Direktor zum jetzigen Zeitpunkt nur, wie sehr sich die Streckenentwicklung auf die Pneus auswirkt.

Aufgrund der kühlen Bedingungen in Spanien konnte man kein realistisches Rennszenario erproben, weshalb dieser Punkt noch ein Fragezeichen darstellt. Hembery: "Wenn man Gummi auf die Strecke legt, verlängert man die Lebensdauer der Reifen. Das kann von Freitag bis Sonntag bis zu 40 Prozent an Haltbarkeit bedeuten. Es gibt also noch einige Variablen, die wir in Betracht ziehen müssen."

"Gewisse Elemente konnten wir während der Testfahrten einfach nicht simulieren", meint Hembery, macht sich deswegen aber keine Sorgen. "Die Teams werden bei den ersten Rennen bestimmt ihre ganz eigenen Ideen haben. Das sollte recht aufregend werden", sagt der Pirelli-Chef. "Werden die Rennställe über kurz oder lang alle die gleichen Taktiken anwenden? Das weiß ich wirklich nicht."

Fotoquelle: Pirelli

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