David Coulthard wird wohl auch 2011 für Mercedes in der DTM antreten

Formel 1 2011

— 21.03.2011

Coulthard: Vettel startet in Phase zwei

Ex-Formel-1-Pilot David Coulthard analysiert den Aufstieg von Sebastian Vettel: "Man verändert sich im Verlauf der Zeit ganz automatisch"

Sebastian Vettel ist der große Glücksfall für Red Bull. Der junge Heppenheimer hat den Erfolg der gezielten Nachwuchsförderung nachgewiesen, hat enormen sportlichen Erfolg und ist als Sympathieträger für den Energydrink-Hersteller Gold wert. Entsprechend logisch war vor einigen Tagen der wichtige Schritt, den Vertrag mit dem amtierenden Formel-1-Weltmeister zu verlängern.

Vettel steht mit seinen 23 Jahren bereits auf dem Gipfel. Viele Fachleute sind sich dennoch einige, dass sich der Deutsche in den kommenden Jahren noch weiter steigern wird. "Als Fahrer durchläuft man in der Karriere verschiedene Phasen. Mit dem WM-Titel hat Vettel nun die erste Phase abgeschlossen", analysiert Ex-Grand-Prix-Pilot David Coulthard in der 'BBC'.

"In der ersten Phase bist du jung und teils etwas naiv. Alles ist neu und aufregend, und du lässt dich von Instinkten leiten. In Phase zwei bist zu schon etabliert und etwas gereifter", sagt der Schotte. "Die Piloten kommen heutzutage schon sehr jung in die Formel 1." Vettel machte dabei keine Ausnahme. Schon als 19-Jähriger absolvierte der heutige Champion sein Debüt.

"Die Jungs haben nicht mehr die Zeit, wirklich erwachsen zu werden, bevor sie ins Rampenlicht von Medien und Öffentlichkeit rücken. Damit geht viel Lobhudelei und Bewunderung einher", sagt Coulthard. Geradezu zwangsläufig verändere man sich als Mensch durch solche Aufmerksamkeit und solchen Rummel. "Die Leute haben mir immer gesagt, ich solle mich keinesfalls ändern. Aber die Realität sieht anders aus."

Der Reifeprozess in der Formel 1

"Man muss sich ändern", sagt der Schotte, der wohl auch 2011 für Mercedes in der DTM antreten wird. "Dein Umfeld ändert sich, du wirst erwachsen und entwickelst gewisse Vorlieben. Bei Sebastian begeistert mich, dass er selbstbewusst ist und eine innere Ruhe hat, ohne dabei arrogant zu wirken", lobt Coulthard den jungen Red-Bull-Superstar. "Michael Schumacher wirkte von außen betrachtet oft arrogant. Bei Sebastian ist das überhaupt nicht der Fall."

"Ob er wirklich einfach so ist, oder ob er sich so darstellt, das werden wir in Zukunft sehen. Es würde mich aber wirklich überraschen, wenn er jetzt plötzlich distanziert oder sogar unnahbar würde", meint der frühere Red-Bull-Pilot. "Er hat ein großes Ziel erreicht. Nun drückt er den Reset.Knopf und beginnt wieder von vorne. Genauso hat es Fernando Alonso immer gemacht - bei Minardi, Renault, McLaren und nun bei Ferrari."

"Fernando ist allerdings anders, irgendwie giftiger", sagt Coulthard. "Er strahlt irgendwie aus, dass wenn man ihn ärgert, er alle Mittel zum Zurückschlagen verwendet. Wenn man ihn in Ruhe lässt, dann macht er keinen Ärger. Ich habe das immer respektiert. Auch zu der Zeit, als es bei McLaren hieß: 'Der Brite und der fiese Spanier'. Man muss das Verhalten respektieren, solange es berechenbar bleibt. Das ist nichts Negatives. In gewisser Form hat Vettel die Art auch."

Der Spanier und der Deutsche seien sich auf in einer anderen Hinsicht ähnlich. Aus vergangenen Fehlern wird gelernt, man reitet nicht lange auf einem Fauxpas herum. "Deren Job ist es, einen Rennwagen am Limit zu bewegen. Da passieren nun einmal Fehler", erklärt Coulthard. "Wichtig ist, wie man damit umgeht. Letztes Jahr hat Vettel seinem Teamkollegen nach dem Crash in Istanbul den Vogel gezeigt. Das würde er jetzt wahrscheinlich anders machen."

Vettel ist auf Rekordjagd

"Ich bin ein echter Fan von ihm. Nicht deswegen, weil ich immer noch mit dem Team verbandelt bin, sondern weil ich es begeisternd finde, welchen Respekt er vor dem Sport hat und wie er konsequent an sich arbeitet", berichtet der Schotte. Aus den Worten des aktuellen Weltmeisters sei zwischen den Zeilen zu hören, dass es Vettel natürlich auf neue Rekorde abgesehen habe. Auch wenn er dies nie konkret aussprechen würde.

"Ob es dabei um Statistik oder das Ego geht, weiß ich nicht. Ich denke aber, es geht ihm um die Statistik", sagt Coulthard. "Er spricht nie offen darüber, dass er Schumachers Rekorde brechen will, aber ich schätze, dass er es will. Man muss nur einmal schauen, wie er es immer auf schnellste Rennrunden abgesehen hat. Er macht das schätzungsweise aus Spaß, aber auch wegen seiner Jagd nach Rekorden."

"Es bleibt bisher immer die Frage: Ist er so gut wie Hamilton oder Alonso? Das müssen wir mal sehen", sagt Coulthard. "Bisher hat sich Vettel nur gegen Webber auf bestem Material durchsetzen müssen. Mark hatte einen langen Weg bis in ein Topauto. Von Minardi über Jaguar und Williams zu Red Bull. Dort hat er geholfen, das Team zu dem zu machen, was es jetzt ist. Das hat ihn bestimmt etwas Speed gekostet. Erst mit 33 Jahren hatte er sein Topauto, gleichzeitig aber auch schon andere Sachen um die Ohren - zum Beispiel die GP3."

"Durchschnittlich lag der Unterschied zwischen Vettel und Webber im Qualifying bei einer Zehntelsekunde - also quasi nichts. Dabei muss man bedenken, dass Mark aufgrund seiner Größe nie die optimale Gewichtsverteilung hinbekommen hat", verrät Coulthard. "Bei optimaler Gewichtsverteilung wäre der Zweikampf um ein Zehntel zugunsten Webbers ausgegangen. Das ganze Kräfteverhältnis hätte sich verschoben."

Privat ist privat

"Die beiden sind gleich schnell. Einer ist reif und hat abseits der Formel 1 Verpflichtungen, der andere ist jung und abseits des Rennsports weniger Aufgaben. Die gleiche Situation vor fünf Jahren, dann wäre vermutlich Mark als Weltmeister aus der Saison hervorgegangen", sagt der Red-Bull-Berater. "Es wäre toll, wenn wir Vettel gegen Hamilton und Alonso sehen könnten - alle auf dem Höhepunkt ihrer Leistungsfähigkeit. Sebastian ist schnell, klug und jung. Im Laufe der Zeit werden wir vielleicht die Antworten auf einige sportliche Fragen bekommen."

Ganz bewusst habe sich Vettel dazu entschieden, sein Privatleben nicht in der Öffentlichkeit zu dulden. "Wenn er an der Strecke ist, dann macht er Rennsport. Wenn er nicht an der Strecke ist, dann macht er, was er gerne möchte", sagt Coulthard. Vettel habe in seinen jungen Jahren ganz konkrete Vorstellungen davon, die Dinge zu laufen haben. "Erklärt man ihm aber, dass es nicht geht, dann macht er einfach weiter. Er hält sich nicht mit nutzlosen Kämpfen auf."

"Er hat ein hohes Maß an Intelligenz und sozialer Kompetenz. Das sollte aus ihm einen würdigen Champion und einen guten Repräsentanten dieses Sports machen", meint der Schotte. Der Rat von Coulthard: Vettel soll jede aktuelle Minute genießen, denn in Zukunft werde die Öffentlichkeit ihm immer mehr abverlangen, private Stunden werden äußerst rar.

Fotoquelle: pacepix.com

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