Die Anforderungen an den Fahrer sind anders, aber nicht kleiner geworden

Formel 1 2011

— 23.03.2011

"Es geht nach wie vor um das pure Fahren"

Experte Marc Surer und Mercedes-Sportchef Norbert Haug finden nicht, dass das neue strategische Element in der Formel 1 das pure Fahren entwertet

Komplizierte Heckflügel-Einsatzregeln, noch mehr Knöpfe am Lenkrad, Reifen, die schon nach 15 Runden auseinanderfallen, und Fahrer, die aufgrund der neuen Regeln ein Sicherheitsrisiko befürchten - als Formel-1-Fan hat man vor der Saison 2011 allen Grund, sich Sorgen zu machen, dass man die Königsklasse des Motorsports nicht mehr voll durchschauen könnte.

Außerdem stellt sich vor allem die puristische Fraktion des Fahrerlagers die Frage, ob es wirklich Sinn der Sache sein kann, dass nicht mehr zwingend derjenige am schnellsten ist, der am besten mit Gas, Bremse und Lenkrad umgehen kann, sondern dass das strategische Element immer mehr in den Vordergrund rückt. "Es ist kein Einkampf mehr mit dem Auto, sondern ein Zehnkampf mit allen möglichen Dingen", erklärt Mercedes-Sportchef Norbert Haug.

Wird das Fahren entwertet?

Aber: "Es geht nach wie vor um das pure Fahren", relativiert Marc Surer. "Der Fahrer muss so schnell wie möglich sein, ohne dabei seine Reifen zu ruinieren. Das heißt, der Fahrerfaktor ist wieder ein ganz großes Thema - und natürlich die Abstimmung. Dafür wird die Qualifikation ein bisschen entwertet, weil du mehr ans Rennen denken musst, was die Nutzung der Reifen angeht. Daher werden die Rennen wichtiger sein als die Qualifikationen, was in der Vergangenheit eher andersrum war."

"Der, der das Timing des Knöpfedrückens am besten draufhat, ist im Vorteil", stimmt Haug dem 'Motorsport-Total.com'-Experten zu, schränkt aber ein: "Er muss - das dürfen wir alle nicht vergessen - in erster Linie fahren. Es nützt nichts, wenn ich meinen Rear-Wing-Flap zur richtigen Zeit bediene, aber sonst a) nicht das richtige Auto habe und b) einen Fahrfehler mache. Das Fahren wird dadurch nicht leichter, sondern es wird insgesamt anspruchsvoller."

"Es war früher nie leicht, aber die Aufgabenstellungen sind von Jahr zu Jahr immer komplexer geworden. Entweder hat man in der Aerodynamik was weggenommen oder man hat die Motoren limitiert. Es sind immer neue Aufgaben dazugekommen - und das muss auch so sein, glaube ich", fährt der Mercedes-Sportchef fort. "Aber die Formel 1 von heute ist wesentlich anspruchsvoller als vor fünf oder zehn Jahren - für alle Beteiligten. Das ist das Limit dessen, was machbar ist."

Timing der Boxenstopps entscheidend

Heikel ist die Reifenproblematik. Aufgrund des schnellen Verschleißes der Pirellis kann ein um zwei oder drei Runden zu spät angesetzter Boxenstopp über Sieg oder Niederlage entscheiden. "Stimmt, das ist ein neues Element", gibt Experte Surer zu Protokoll. "Im Vorjahr hatten wir das nur in Kanada. Dort war es schlussendlich aber doch nicht so tragisch. Insofern glaube ich, dass das nicht ganz so wild wird, wie einige befürchten."

"Es wird mehr drunter und drüber gehen", sagt er. "Das fängt schon im Qualifying an. Wenn du keine freie Runde hast und nochmal ansetzen musst, ist dein Reifen vielleicht schon eingebrochen - vor allem beim superweichen Pirelli geht das ganz schnell. Das Qualifying bedeutet also noch mehr Stress als bisher. Die Topteams müssen zudem sehr haushalten, weil sie für das Rennen auch noch frische Reifen brauchen. Das ist nicht mehr so einfach zu kalkulieren wie jetzt."

Auch Haug ist sich der Reifenproblematik bewusst: "In diesem Jahr wird es drauf ankommen, den idealen Punkt zum Boxenstopp zu finden. Eine Runde oder zwei Runden zu viel zu fahren, kann mit einer sehr deutlichen Zeiteinbuße einhergehen. Man kann in Runde 14, 15, 16 noch manierliche Zeiten fahren, aber von einer Runde auf die nächste vielleicht ein ganz großes Zeitdefizit haben. Deshalb muss das Timing des Boxenstopps exakt passen."

Fotoquelle: xpb.cc

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