Der berühmte Vettel-Finger ist wieder da: Das war Weltmeisterlich, Sebastian!

Formel 1 2011

— 26.03.2011

Weltmeisterlich: Vettel fährt überlegen auf Pole!

Sebastian Vettel deklassiert in Melbourne die Weltelite - Lewis Hamilton und Mark Webber erste Verfolger - Enttäuschung bei Mercedes und Nick Heidfeld

Dass in der Startaufstellung für den Grand Prix von Australien ein Red Bull ganz vorne stehen würde, ist angesichts der Wintertests keine große Überraschung. Die Art und Weise, wie Sebastian Vettel heute im Albert-Park von Melbourne den Rest der Welt deklassiert hat, aber sehr wohl: Der Weltmeister fuhr mit sensationellen 0,778 Sekunden Vorsprung auf Pole-Position!

Bestzeit im ersten, zweiten und dritten Sektor, Bestzeit auch in allen drei Qualifying-Abschnitten - sehr viel eindrucksvoller kann man gar nicht in eine neue Saison starten. "Wir ziehen unser Ding durch und arbeiten immer weiter", jubelte er schon am Boxenfunk, als er von Renningenieur Guillaume Rocquelin über die souveräne Bestzeit in Q3 informiert wurde. "Wir sind, was wir sind. Das ist ein tolles Auto - danke dafür, Jungs!"

"Ich bin sehr glücklich mit dem heutigen Ergebnis. Die Saison so zu beginnen, ist ein sehr gutes Zeichen", strahlt der Deutsche. "Das hat heute Spaß gemacht, wir waren wirklich schnell." Aber er weiß : "Die Punkte gibt es erst morgen. Der Schlüssel ist, das Rennen zu beenden. Beim Testen hatten wir keine Zuverlässigkeitsprobleme, insofern sieht es gut aus. Aber es ist ein hartes Rennen und die Reifen sind auch eine Unbekannte."

KERS war gar nicht nötig...

Vettel konnte es sich leisten, beim (erfolglosen) zweiten Versuch, seine Bestzeit noch einmal zu unterbieten, auf den KERS-Knopf zu verzichten. Doch eine Steigerung war gar nicht mehr notwendig, denn auch Teamkollege Mark Webber konnte nicht mehr zulegen und der Zeitsprung von Lewis Hamilton (McLaren) war nicht groß genug. Nun staunen alle: "Bei Sebastians Zeit musste ich zweimal hingucken", applaudiert Force-India-Testfahrer Nico Hülkenberg.

Sogar Webber, der seinen zweiten Platz beim Heimrennen in der Schlussminute noch an Hamilton verlor, zog vor Vettels Performance den Hut: "Ich kam einfach nicht auf seine Zeiten und bin darüber sehr enttäuscht", gesteht der Lokalmatador. "Ich habe mein Bestes gegeben. Jetzt muss ich mir alles anschauen und mir überlegen, wie ich mich steigern kann. Gerade in Australien hätte ich natürlich gerne besser ausgesehen, aber es hat nicht sollen sein."

Hamilton knackte Webber um 88 Tausendstelsekunden und ist "begeistert", dass es für die erste Startreihe gereicht hat: "Das Auto fühlt sich fantastisch an, wir haben seit den Tests einen Riesenschritt gemacht. Das ist eine großartige Ausgangslage für das Rennen." Noch dazu, wo er sich einen weichen Satz Pirelli-Reifen in Q1 aufsparen konnte - eine selbstsichere Lässigkeit, die sich ansonsten nur Red Bull erlaubte.

Jenson Button (McLaren) landete mit 1,250 Sekunden Rückstand auf Platz vier, hat damit beim in Melbourne traditionell chaotischen Rennverlauf aber nach wie vor gute Chancen, seinen Vorjahressieg zu wiederholen. Enttäuschend dagegen Ferrari: Fernando Alonso (+1,445) auf Rang fünf, Felipe Massa (+2,070) gar nur Achter - und das nach den starken Wintertests, nach denen die Scuderia aus Maranello sogar als WM-Mitfavorit gehandelt wurde.

Enttäuschung bei den Silberpfeilen

Auch Mercedes konnte die hohen Erwartungen nicht erfüllen: "Da geht nix", seufzt Nico Rosberg, der zumindest ins Top-10-Finale einzog und dort mit knapp zwei Sekunden Rückstand Siebter wurde. Aber er relativiert: "Das ist nicht die wahre Geschichte - ich glaube nicht, dass wir ganz so weit weg sind." Michael Schumacher sieht das vielleicht anders, denn für den siebenfachen Weltmeister war schon nach zwei von drei Qualifying-Abschnitten Schluss.

"Ich bin mit anderen Erwartungen hierhergekommen. Jetzt müssen wir Ursachenforschung betreiben. Schon überraschend, wo wir uns gerade wiederfinden", seufzt Schumacher, dem in Q2 nur 89 Tausendstelsekunden auf Sebastien Buemi (Toro Rosso) fehlten. "Nico hat es aus verschiedenen Gründen etwas besser hinbekommen, Faktum ist aber, dass die Gesamtzeit, die mit unserem Auto möglich ist, nicht gut genug ist"

Erfreulich verlief das Qualifying aus Schweizer Sicht: Das Sauber-Team, in Q1 noch auf den Plätzen fünf und sechs, brachte Kamui Kobayashi auf den neunten Startplatz und Buemi wurde Zehnter. Rookie Sergio Perez wird morgen als 13. ins Rennen gehen. Stark auch der Russe Witali Petrow, der in Q1 Dritter war, alle Hürden sicher meisterte und in Q3 als Sechster die starke Testform des Renault-Teams bestätigen konnte.

Bitter allerdings, dass sein Stallgefährte Nick Heidfeld nach dem ersten Abschnitt die Segel streichen musste: "Quick Nick" war zunächst 18., schaffte dann eine Verbesserung auf P17, wurde aber wieder zurückgereicht, als sich Ferrari-Schwergewicht Massa in letzter Minute doch noch vor dem blamablen Aus rettete. "Auf den weichen Reifen habe ich keine freie Runde hinbekommen. Ich habe mich zurückfallen lassen, musste aber zwei, drei Autos überholen", ärgert sich Heidfeld.

Sutil fängt Highspeed-Dreher ab

Enttäuscht war auch Adrian Sutil, der glaubt, dass Platz zwölf möglich gewesen wäre. Letztendlich wurde er 16. - und kassierte eine Niederlage im Stallduell mit Paul di Resta. "Vom Speed her bin ich ganz zufrieden", analysiert der Force-India-Pilot. "Das ist besser, als wir gedacht haben. Nach Barcelona sah es definitiv schlechter aus." Beim spektakulären Dreher bei Start und Ziel habe er "ein bisschen zu früh KERS oder den Heckflügel betätigt", gibt Sutil zu.

Doch mit so einem Fehler war er heute in bester Gesellschaft: Rubens Barrichello, erfahrenster Formel-1-Pilot aller Zeiten, kam zu Beginn von Q2 beim Anbremsen der dritten Kurve außen auf den Streckenrand, hatte keinen Grip mehr, drehte sich ins Kiesbett und buddelte sich dort ein - Platz 17. Damit stellte Rookie Pastor Maldonado im Stallduell auf 1:0, auch wenn der Venezolaner selbst nicht über Rang 15 hinauskam.

Von den drei (eigentlich nicht mehr ganz so) neuen Teams schaffte Lotus die Qualifikation am sichersten. Zwei Sekunden Rückstand auf das Mittelfeld sind aber eine Enttäuschung: "Da kommt noch mehr", versichert Mike Gascoyne. "Heikki hatte ein Problem mit dem Heckflügel und wir bekommen die Reifen nicht auf Temperatur." Was laut Teamchef Tony Fernandes eben jene zwei Sekunden kostet, die man gerne bald finden würde.

Für Timo Glock und seinen Teamkollegen bei Marussia-Virgin, Jerome D'Ambrosio, ist die erfreulichste Nachricht, dass sie die 107-Prozent-Hürde locker genommen haben. Das kann nicht jeder von sich behaupten: HRT nahm zwar nach den peinlichen Trainingsvorstellungen mit beiden Autos am Qualifying teil, spielte aber überhaupt keine Rolle. Selbst Vitantonio Liuzzi fehlten mehr als eineinhalb Sekunden auf die erforderliche Zeit...

Fotoquelle: xpb.cc

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