Sebastian Vettel startete eindrucksvoll in seine erste Saison als Weltmeister

Formel 1 2011

— 26.03.2011

Ohne KERS: Vettel verhöhnt die Konkurrenz

Das Fahrerlager zieht den Hut vor der unglaublichen Streckenrekord-Pole von Sebastian Vettel in Melbourne - Spekulationen um Red Bulls KERS

"Das war die Leichtigkeit eines Weltmeisters, was der da gemacht hat. Wahnsinn, echt gut!" Timo Glock bringt nach dem heutigen Qualifying in Melbourne am besten auf den Punkt, was die Formel 1 denkt. Denn den einstigen Super-Qualifyer Mark Webber beim Heimrennen zu schlagen, ist eine Sache, ihm im gleichen Auto fast eine Sekunde Rückstand zu verpassen, bedeutet aber eine ganz andere Liga.

Zugegeben, Webber war noch nie ein Albert-Park-Spezialist. Schon 2009 (um 0,416 Sekunden) und 2010 (0,116) verlor er dort das Stallduell mit Vettel. Heute wurde er aber nicht nur zum dritten Mal hintereinander auf heimischem Boden geschlagen, sondern regelrecht gedemütigt - zumal es an seinem Auto keine offensichtlichen Probleme gab. "Ich habe mein Bestes gegeben, aber ich kam einfach nicht auf seine Zeiten", resigniert der Australier.

Auch bei Ferrari ist man "wirklich erstaunt, wie viel Vettel seinem Teamkollegen aufgebrummt hat", zeigt sich Technikchef Aldo Costa verblüfft. Renault-Teamchef Eric Boullier findet die Zeiten des 23-jährigen Deutschen im dritten Sektor "einfach erstaunlich" - Vettel brummt Webber dort mehr als eine halbe Sekunde auf. Und Ross Brawn betont: "Sebastian hat eine sehr gute Runde erwischt. Das andere Auto war nicht so stark."

Auf den Spuren von Ferrari

Riesenvorsprung auf die Konkurrenz, von manchen schon als Weltmeisterteam gefeiert - Rubens Barrichello kennt solche Situationen aus Ferrari-Zeiten nur zu gut: "Ich war bei Ferrari, als das Auto in einer anderen Liga fuhr. Das war klasse", erinnert er sich. Einziger Unterschied: Während Vettel heute seine Kreise um Webber zieht, war Barrichello damals derjenige, um den (von Michael Schumacher) Kreise gezogen wurden...

"Manchmal", schildert der heutige Williams-Routinier das Ausmaß der damaligen Ferrari-Dominanz, "hatten wir sogar noch in der Qualifikation einiges an Sprit im Auto, weil wir unsere wahre Geschwindigkeit nicht zeigen wollten. Ich frage mich sogar: Weshalb ist Sebastian diese letzte Runde überhaupt gefahren? Er hätte sich diesen Reifensatz doch aufsparen können. Er hatte schon eine überaus gute Rundenzeit registriert."

Vettel konnte es sich auch so leisten, die Konkurrenz zu verhöhnen, verzichtete sogar auf den Einsatz von KERS. Was die Frage aufwirft: Warum? Mercedes-Teamchef Brawn spekuliert: "Haben sie überhaupt KERS? Warum das Gewicht mitschleppen, wenn du es dann nicht verwendest?" Er erinnert sich, dass "wir 2009 auch kein KERS hatten" - und trotzdem am Saisonbeginn von Sieg zu Sieg gefahren sind. Aber damals waren die Rahmenbedingungen für KERS weniger günstig als heute.

Die Aussagen der Red-Bull-Fahrer klären das Rätsel jedenfalls nicht auf. "Wir haben es im Qualifying nicht verwendet, das stimmt", sagt Vettel kryptisch und antwortet auf die Frage nach dem Grund dafür: "Es war nicht vollständig geladen." Webber kurbelt die Spekulationen sogar noch mehr an, indem er geheimnisvoll sagt: "Wir haben es heute aus Gründen nicht verwendet, die wir für uns behalten möchten." Aber was ist morgen im Rennen?

"Wenn du KERS im Qualifying nicht fährst, dann ist es unwahrscheinlich, dass du es im Rennen fahren wirst", vermutet McLaren-Teamchef Martin Whitmarsh. Dass Red Bull KERS an Bord, aber nicht aktiviert hatte, gilt als unwahrscheinlich. "Wenn man KERS nicht im Auto hat, gewinnt man ein bisschen Zeit durch die bessere Gewichtsverteilung. KERS an Bord zu haben, was an sich ein Nachteil ist, und es nicht zu verwenden, verschlimmert die Situation", erklärt Nick Heidfeld.

Warum wurde KERS nicht aktiviert?

Was zu wilden Spekulationen führt. Eine Variante: Der RB7 ist zwar mit kleinen Batterien und den notwendigen Elementen für die Energiezufuhr zur Antriebsachse ausgestattet, aber nicht mit Generator und Co. Das würde bedeuten, dass man die KERS-Batterien einmalig für den Start, aber nicht mehr während des Rennens aufladen kann. Vorteil wäre eine Gewichtsersparnis. Dass Vettel KERS ohne logischen Grund nicht aktiviert hat, glaubt jedenfalls niemand.

Wenn ein voll ausgebautes KERS an Bord ist, bringt es laut Heidfeld "einige Zehntel, aber keine halbe Sekunde" - und einen zusätzlichen Boost auf dem Weg zur ersten Kurve. Aber man muss auch die Nachteile sehen: "KERS hat nicht nur Vorteile, wenn ich zum Beispiel ans Gewicht denke", so Brawn. "Aber KERS verhilft zu Raketenstarts und wird auf die ganze Saison gesehen sicher zu einem stärkeren Paket beitragen."

Übrigens: Das McLaren-Argument, dass Hamilton unter normalen Umständen näher an Vettel drangewesen wäre, zieht nicht. Denn nicht nur Hamilton hatte kein KERS, sondern eben auch der Weltmeister. Whitmarsh: "Lewis hatte auf seiner Runde einen Hybrid-KERS-Defekt. Das tut doppelt weh, denn erstens verlierst du dadurch Leistung und zweitens beeinflusst es die Bremsbalance. Insofern hat Lewis das sehr gut gemeistert."

"Der Grund war ein Kühlproblem", geht er auf die genauen Ursachen des Ausfalls ein. "In einem Formel-1-KERS werden die Batterien sehr hart rangenommen. Es gibt ein Flüssigkeits-Kühlsystem. Wenn es damit ein Problem gibt, kochen die Batterien sehr schnell hoch. Für so einen Fall gibt es Sicherheitsmaßnahmen, weil es sonst zu einer Explosion kommt. Deswegen hat sich das KERS ausgeschaltet."

Fotoquelle: Red Bull

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