Sebastian Vettel fuhr beim Saisonauftakt einen dominanten Sieg heraus

Formel 1 2011

— 27.03.2011

Red Bull und die große KERS-Finte

Von wegen spezielles KERS nur für den Start: Red Bull verzichtete beim Saisonstart komplett auf die Hybridtechnik - Christian Horner: "Wollten es nicht verraten"

Nach dem dominanten Sieg von Sebastian Vettel beim Saisonauftakt in Melbourne lüftet Red Bull auch das Geheimnis um den Einsatz von KERS. Die Weltmeistermannschaft hatte das System am Samstag im Qualifying nicht aktiviert, daher brodelte sofort die Gerüchteküche. Von einer "Light-Version" des Hybrids war die Rede.

Man sprach schnell von einem System, das nur beim Start für Extraschub sorgt, im weiteren Rennverlauf aber keine Wirkung mehr hat - ein sogenanntes Start-KERS. Aber all diese Mutmaßungen erweisen sich rückblickend als falsch. Red Bull verzichtete komplett auf den Einsatz der Hybridtechnik. "Wir hatten fast das ganze Wochenende kein KERS", gibt Teamchef Christian Horner lächelnd zu.

"Wir wollten es vorher niemandem verraten", sagt der Chef der Weltmeistermannschaft. Der Erfolg im ersten Grand Prix des Jahres gibt den Teamverantwortlichen Recht. "Sieht so aus, als hätten wir es nicht gebraucht", strahlt Horner. "Wir wollten vor dem Rennen nicht darüber sprechen. Am Freitag haben wir das System ausprobiert, aber waren mit der Zuverlässigkeit nicht glücklich."

"Wir empfanden KERS als ein potenzielles Risiko, daher haben wir es ausgebaut und im weiteren Verlauf des Wochenendes ganz darauf verzichtet", berichtet der Red-Bull-Teamchef. Sogar beim Start verlor Vettel keinen Boden auf den KERS-Wagen von Lewis Hamilton. Ein positives Signal für Red Bull, ein negatives für die FIA, die den Hybrid gern als "grüne Note" in der Formel 1 etablieren möchte.

Red Bull stellt mit der - zumindest vorübergehenden - Abkehr von der Hybridtechnik all die Vorhaben des Automobil-Weltverbandes auf den Kopf. Der Wunsch nach mehr KERS wird vom Aerodynamik-Guru Adrian Newey jäh ausgebremst. Der britische Stardesigner geht beim Bau seiner Autos keine Kompromisse ein. Und wenn zusätzlich die Zuverlässigkeit des Systems nicht stimmt, dann hat es eben keine Chance.

"Es ist ein komplexes System, aber auch durchaus eine interessante Technologie", sagt Horner, der schon vor dem Saisonstart immer wieder betont hatte, dass seine Mannschaft nicht gerade auf den Bau von KERS spezialisiert sei. Schon vor Wochen deutete der Brite somit an, dass Red Bull womöglich auf ein solches System verzichten könnte.

"Adrian ist Adrian", schmunzelt Horner. "Er würde niemals Kompromisse eingehen und sein Auto um ein solches System herum konzipieren. Es geht nur, wenn es in sein aerodynamisches Gesamtkonzept passt, was natürlich die Aufgabe der Integration von KERS ungleich schwieriger macht." Typisch Newey: Offenbar arbeitet man mit KERS im Grenzbereich, hat daher (noch) nicht die ausreichende Standfestigkeit.

Warum sollte Red Bull die Gefahren mit einem unzuverlässigen Hybrid eingehen? Der RB7 ist auch so schnell genug, wie das Wochenende in Melbourne eindeutig belegt hat. "Die Jungs in Milton Keynes haben einen grandiosen Job gemacht", sagt Horner, "wie man deutlich sehen konnte. Wir waren standfest und haben das Rennen dominiert."

Trotz des großen Erfolges durch den amtierenden Weltmeister, runzelt Horner dennoch bei einem Thema die Stirn. Der Unterschied zwischen Vettel und seinem Teamkollegen Mark Webber war am gesamten Wochenenden eklatant. "Das ist schade für Mark. Aber wir haben als Team ein tolles Resultat geholt", sagt der Teamchef mit Blick auf den fünften Platz des Australiers bei dessen Heimspiel.

"Es war schon ein ungewöhnlich großer Abstand zwischen den beiden Jungs", findet auch Horner. "Wir müssen uns das noch einmal ganz genau anschauen und herausfinden, wie genau diese Unterschiede zustande kommen. Mark ist recht ruppig mit den Reifen umgegangen, er hatte mehr Verschleiß. Mal schauen, ob das an irgendetwas am Auto liegt. Gestern haben wir nichts gefunden, aber vor Malaysia schauen wir noch einmal ganz genau hin."

Fotoquelle: xpb.cc

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