Witali Petrow konnte den Ferrari von Fernando Alonso im Rennen kontrollieren

Formel 1 2011

— 27.03.2011

Renault: Boullier ist "stolz, glücklich und erleichtert"

Nach dem Podestplatz von Witali Petrow beim Saisonauftakt in Melbourne atmet man bei Renault tief durch: Mut wird belohnt - Dennoch: "Was wäre gewesen, wenn..."

Nach der Zieldurchafhrt in Melbourne lagen sich bei Renault alle in den Armen. Wirklich alle? Nicht ganz! Zwei hübsche Damen entfernten sich aus dem Jubelszenario und hielten sofort zwei Schilder mit Grüßen an den verletzten Robert Kubica in die Fernsehkameras. Witali Petrow hatte soeben Rang drei eingefahren. Es tauchte schnell die Frage auf, was mit Kubica möglich gewesen wäre.

"Diesen Gedanken verdränge ich. So etwas ist nutzlos. Das könnte nur Frustration mit sich bringen", schüttelt Teamchef Eric Boullier mit dem Kopf. Der Franzose kann es jedoch nicht von sich weisen. In der Stunde des Erfolgs gingen solche Gedanken durch seinen Kopf. "Ich habe darüber nachgedacht", gibt er schließlich peinlich berührt zu, "aber will das nicht vertiefen."

"Ich habe mich dazu gezwungen, nicht weiter darüber nachzudenken", sagt Boullier und will ab sofort nichts mehr mit der Formulierung "Was wäre, wenn.." zu tun haben. "Das ist schließlich alles hypothetisch. Wir müssen mit dem leben, was wir haben." Und damit konnte das Team bestens leben. Immerhin zeigte Petrow eine bärenstarke Vorstellung, fuhr als erster Russe auf ein Formel-1-Podium.

"Ich bin stolz, glücklich und erleichtert", erklärt der Teamchef, den die Ungewissheit bezüglich der Leistungsfähigkeit von Auto und Fahrer wohl quälte. Man hatte zwar schon während der Wintertest mehrfach gute Leistungen zeigen können, aber für solche Auftritte gibt es schließlich keine WM-Punkte. "Wir wussten nicht, wie es laufen würde. Wir hatten einen harten Winter."

Mut wird belohnt

"Im vergangenen Jahr haben wir uns sehr frühzeitig auf die Entwicklung des neuen Autos konzentriert. Wir haben ganz bewusst neue Wege eingeschlagen, konnten aber nie sicher sein, ob es funktionieren wird", erklärt Boullier die mutige Herangehensweise an die neue Saison. "So gesehen ist es eine große Erleichterung, nun dieses Ergebnis eingefahren zu haben. Es war ein hartes Stück Arbeit, zahlt sich aber offenbar nun aus."

Renault hatte die Szene mit einem neuartigen Auspuffsystem überrascht und somit einen neuen Trend entfacht. Die Konkurrenz analysierte den Ansatz in Windeseile und machte sich an entsprechende Umsetzungen an den eigenen Autos. Während einige Kontrahenten dabei auf große Probleme stießen, funktionierte das Renault-System beim Saisonauftakt problemlos und stabil.

"Ich denke, dass wir dieses Niveau halten können, denn schon zum nächsten Rennen haben wir einige Updates", gibt Boullier eine kleine Kampfansage in Richtung Ferrari und Co. ab. Die Szenen im Rennen ähnelten jenen aus dem Saisonfinale von Abu Dhabi. Allerdings nur auf den ersten Blick. Petrow hatte erneut Fernando Alonso hinter sich, konnte diesen aber locker kontrollieren.

Die schnellste Rennrunde des Spaniers war zwar um eine halbe Sekunde schneller als der beste Umlauf des Russen, aber auch dies gibt nicht das wahre Kräfteverhältnis wider. Petrow stoppte nur zweimal, Alonso holte sich drei Sätze frischer Pneus ab, war entsprechend immer auf besseren Reifen unterwegs. Renault konnte sich die andere Taktikvariante leisten.

Das Loch im Heidfeld-Auto

"Bezüglich Reifenverschleiß stehen wir wohl ganz gut da", berichtet Technikchef James Allison zufrieden. "Die Autos konnten über lange Stints ein recht hohes Tempo halten. Unser Speed war über das gesamte Wochenende nicht übel, wir konnten immer weiter zulegen. Das war gut."

Weniger gut war das Ergebnis, das Kubica-Ersatzmann Nick Heidfeld einfahren konnte. Aber der augenscheinlich mäßige Auftritt des Mönchengladbachers hatte seine Gründe. Erstens hatte er im Training kein Glück und dann kam auch noch Rennpech hinzu. "Es gab im Startgetümmel eine Kollision", sagt Allison. Der Zwischenfall blieb von den Kameras unbeobachtet.

"Wenn man sich das Auto von der Seite anschaut, dann entdeckt man ein riesiges Loch. So groß, sodass man dort hineinklettern könnte", schildert der Technikchef amüsiert. "Von der rechten Seite ist nicht mehr viel übrig." Boullier nimmt im Fahrerlager mehrere Journalisten an die Hand, zeigt die ramponierte Seite des Heidfeld-R31.

"Man konnte die Schäden im TV nicht sehen. Aber wenn man es sich anschaut, dann versteht man, dass die Balance hinüber war und KERS nicht mehr funktionieren konnte", so der Teamchef. Der Franzose muss anerkennen, dass unter solchen Umständen kein besseres Ergebnis für Heidfeld machbar war. Aber dennoch stellt sich die Frage erneut: Was wäre gewesen, wenn... "Ich will nicht mehr darüber nachdenken", winkt der Teamchef ab.

Fotoquelle: xpb.cc

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