Berger weiß, warum sich die Konkurrenz an Red Bull die Zähne ausbeißt

Formel 1 2011

— 29.03.2011

Berger: Warum Brawn kein Newey ist

Gerhard Berger erklärt, warum Red Bull 2011 Weltmeister wird, wieso Brawn Mercedes nicht retten kann und weshalb Alonso besser als Vettel ist

Alle Teams haben 2011 ihre Messer gewetzt. Renault baute ein innovatives Auspuffsystem, Mercedes strotzte nach der Schlussoffensive bei den Tests vor Selbstvertrauen und für das leicht umstrukturierte Ferrari-Team zählte nach den beeindruckenden Test-Longruns ohnedies nur noch der Titel. Doch als Sebastian Vettel nach dem souveränen Start-Ziel-Sieg in Melbourne ohne das Energie-Rückgewinnungs-System KERS sein Red-Bull-Team ermahnte, man müsse Fortschritte machen, da wurden die Gesichter der geschlagenen Konkurrenz noch länger.

Die "Bullen" wirken tatsächlich noch stärker als vor einem Jahr. Das sieht auch Gerhard Berger so. Muss sich der Heppenheimer den Titel 2011 nur noch abholen? "In der Formel 1 darf man nie glauben, dass alles reibungslos geht", meint der Tiroler gegenüber 'ServusTV'. "Man muss aber sagen, dass das Auto eine Klasse für sich ist und Sebastian als Weltmeister noch eine Klasse stärker ist. Er hat heute eine ganz andere Herangehensweise als noch vor einem Jahr, er wird mit diesem Auto sehr schwer zu schlagen sein."

Dennoch ist der ehemalige Rennfahrer und Teamchef der Ansicht, dass nach wie vor Fernando Alonso "der beste Fahrer der Formel 1" ist. "Er ist aber am Zenit angelangt", glaubt Berger. "Sebastian ist nur deshalb nicht der Beste, weil er noch jünger und unerfahrener ist. Er lernt noch jedes Mal irrsinnig viel. Ihm fehlt auch noch die technische Erfahrung eines Alonso. Wenn er so weiter macht, ist er bald der Beste."

Warum Brawn kein Newey ist

Dass Alonso aber trotz seiner unbestrittenen fahrerischen Klasse gegen Vettel derzeit keine Chance hat, liegt vor allem am Umfeld. "Vettel hat eine unglaubliche Qualität, mit Newey den besten Designer, ist stabil, hat einen Vier-Jahres-Vertrag und Red Bull hat Ressourcen wie die besten", zählt Berger die Erfolgsfaktoren des 23-Jährigen auf. "Das bringt man nicht so leicht aus dem Gleichgewicht. Dennoch wendet sich das Blatt in der Formel 1 immer wieder und dann kommt jemand anderer. Ich glaube aber nicht, dass es dieses Jahr passiert."

Viele erinnert die Erfolgspaarung Vettel und Newey bereits an das erfolgreichste Gespann eines Fahrers und eines Technikchefs aller Zeiten: Michael Schumacher und Ross Brawn, die bei Ferrari und Benetton insgesamt sieben Fahrer-WM-Titel einfuhren. Diesem Vergleich kann Berger aber nicht viel abgewinnen. Er ortet ein Missverständnis.

"Brawn ist ein technischer Manager, kein Konstrukteur wie Adrian Newey oder früher John Barnard oder Rory Byrne", klärt der zehnfache Grand-Prix-Sieger auf. "Byrne hat Schumachers Ferrari damals innovativ gestaltet, hat ihn an den Fahrstil Schumachers angepasst und damit Weltmeisterschaften gewonnen. Diese Person fehlt heute bei Ferrari, bei Mercedes und bei fast allen Teams. Deshalb ist Red Bull so stark."

Berger kritisiert Mercedes

Ausgerechnet Mercedes, wo Brawn heute die Fäden zieht, scheint trotz der vielversprechenden Tests auch dieses Jahr die Abwärtsspirale nicht verlassen zu haben. Der W02 geizt zudem mit innovativen Ideen. Auch für Berger ist Mercedes neben Ferrari die große Enttäuschung des Saisonstarts. "Schumachers Aussagen nach den Tests waren ganz klar, dass sie die Verfolger von Red Bull sein werden", erinnert sich der 51-Jährige. "Diese Leistung war enttäuschend. Da fehlt der Künstler, der das Auto zeichnet und Visionen hat."

Lob gibt es hingegen für die Truppe um Sensationsmann Witali Petrow, der Dritter wurde. "Renault hat das zweitbeste Auto", glaubt Berger. "Wäre Kubica gefahren, wären sie ganz klar an der zweiten Stelle gewesen. Und McLaren hat es in letzter Sekunde noch hingekriegt." Hervorheben möchte er auch sein Ex-Team Toro Rosso: "Sie haben ganz eigenständig ein Auto gebaut, das nicht von einem schnellen Auto abgezeichnet wurde. Sie haben eigene Lösungen gemacht, was für ein so kleines Team sehr beeindruckend ist."

Dennoch rechnet der Österreicher nicht damit, dass irgendeines der geschlagenen Red-Bull-Rivalen Vettel & Co. in Sepang beim nächsten Rennen gefährlich werden können: "Malaysia ist aerodynamisch noch anspruchsvoller - und da liegt die große Stärke von Red Bull. Daher werden sie noch überlegener sein. Und sie haben noch nicht einmal KERS verwendet - da gibt es Reserven."

Fotoquelle: xpb.cc

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