Adrian Newey ist mit dem neuen Red Bull RB7 wieder ein großer Wurf gelungen

Formel 1 2011

— 31.03.2011

Newey erwartet harten Kampf gegen McLaren

Red-Bull-Designer Adrian Newey sieht in seinem Ex-Team McLaren harte Konkurrenz: "Sie haben einen großen Schritt gemacht, indem sie uns kopierten"

Adrian Newey ist durch seine Lösungen am neuen Red Bull RB7 auch in diesem Jahr der Trendsetter - vor allem wenn es um das Auspuffsystem geht. Der Brite ging bei seinem Entwurf einen nicht ganz so radikalen Weg wie Renault, aber präsentierte der Formel 1 offenbar erneut eine hoch effiziente Lösung. Die dominante Vorstellung von Sebastian Vettel in Melbourne hat dies eindrucksvoll unterstrichen.

Newey erwartet allerdings im Verlauf der Saison die zunehmend harte Gegenwehr seines ehemaligen Arbeitgebers McLaren. Lewis Hamilton hatte mit dem kurzfristig stark verbesserten MP4-26 im Albert Park immerhin Rang zwei erreicht. McLaren zeigte zwischen Tests und Grand Prix erhebliche Fortschritte - man spricht von einer Sekunde.

"Sie haben einen Sprung gemacht, indem sie unseren Auspuff kopiert haben, das muss man mal so deutlich sagen", erklärt Newey. "Tatsache ist aber, dass sie bestimmt weitere Fortschritte schaffen werden. Ich bin sicher, dass die uns richtig Druck machen." Der Red-Bull-Technikchef kennt die Möglichkeiten der Konkurrenz aus Woking. Immerhin war er bis zu seinem Teamwechsel 2006 dort beschäftigt.

Formel 1: Kopieren geht über studieren

Die Konkurrenz schaut derzeit beim RB7 ganz genau hin. Das Auspuffsystem von Newey verbindet zwei wichtige Faktoren: viel Luft unter dem Auto, wenig Probleme mit Hitze. Fachleute gehen davon aus, dass im Verlauf des Jahres nahezu alle Teams ein solches System kopieren werden. "Bei uns funktioniert es, bei McLaren offenbar auch", sagt Newey. "Einerseits schmeichelt das, andererseits schmerzt es, falls uns mal jemand mit unseren eigenen Waffen besiegt."

Noch ist die Konkurrenz aber nicht so weit. Red Bull hat derzeit einen geschätzten Vorteil von einer halben Sekunde oder sogar noch mehr. Außerdem hat die Mannschaft aus Milton Keynes den Extra-Schub von KERS noch in der Hinterhand. In Melbourne verzichtete man auf den Einsatz der Hybridtechnik, in Malaysia könnte dies schon anders sein. "Wenn es zuverlässig ist, dann setzen wir es im Rennen ein", verspricht Newey.

Der Brite ist kein großer Fan von KERS. Zwar bringt der zusätzliche Schub des Systems - je nach Strecke - einen Vorteil von bis zu einer halben Sekunde, gleichzeitig schleppt man aber mehr Gewicht mit sich herum. Hinzu kommt die Ungewissheit, weil diese Systeme bisher noch keine perfekte Zuverlässigkeit zeigen. "Wir werden uns wohl am Freitagabend in Sepang entscheiden", so der Red-Bull-Designer.

"KERS ist beim Start natürlich ein Vorteil", sagt der Brite. "Selbst wenn du in der ersten Startreihe stehst, läufst du beim Verzicht auf KERS in Gefahr, schon vor der ersten Kurve diese Positionen zu verlieren." In typischer Newey-Manier hat Red Bull das System in aggressiver Bauweise in den Wagen integriert, um aerodynamisch wenige Kompromisse eingehen zu müssen.

Britische Trophäe für den Design-Guru

Für seine kreativen Ansätze beim Bau von Rennwagen wurde Newey am Abend in London ausgezeichnet. Der 52-Jährige erhielt die begehrte Seagrave-Trophy, die vor ihm beispielsweise schon Nigel Mansell, Burce McLaren oder Jackie Stewart entgegennehmen durften. "Der Wagen ist dermaßen schön. Ich würde Geld dafür bezahlen, wenn ich ihn mal fahren dürfte", scherzte Stewart bei der Preisübergabe.

"Wenn man die Piloten damit fahren sieht, wirkt das alles so leicht und einfach, sodass Stirling Moss und ich vielleicht sogar ein Comeback wagen könnten", scherzt der dreimalige Formel-1-Weltmeister. "Er ist ein Genie", lobt Damon Hill, der 1996 in einem Newey-Auto Weltmeister wurde. "Er hat einen Instinkt dafür, wie die Luft um ein Auto herumfließt, und wie er diese Luft auf brilliante Art nutzen kann, um das Auto dadurch schneller zu machen."

"Adrian ist einzigartig", beschreibt Red-Bull-Teamchef Christian Horner. "Er arbeitet in einem großen Team, das alle modernen Möglichkeiten hat, aber trotzdem zeichnet er oft Dinge per Hand. Ich glaube nicht, dass es in der Formel 1 noch viele Designer gibt, die mal einen Stift in die Hand nehmen und auf einem Zeichenbrett Entwürfe malen. Aber es funktioniert!"

Mit seiner ganz eigenen Art und teils extremen Lösungen schafft es Newey mit beeindruckender Regelmäßigkeit, die schnellsten Autos der Formel 1 zu bauen. Das war zu Beginn der Karriere bei Leyton House schon ansatzweise erkennbar, später bei Williams und McLaren sehr deutlich, nun bei Red Bull ebenso. "Mein Wechsel zu Red Bull war damals ein großes Risiko", blickt Newey zurück. "Aber ich brauchte eine neue Herausforderung. Und jetzt steht mein Name plötzlich auf dieser Trophäe..."

Fotoquelle: xpb.cc

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