Jean-Francois Caubet (rechts) im Gespräch mit Bernie Ecclestone

Formel 1 2011

— 31.03.2011

Renault möchte viertes Team beliefern

Der unabhängige Motorenhersteller Renault möchte bald ein viertes Team beliefern - Konzern gibt für die Formel 1 nur noch 65 Millionen Euro aus

Am Renault-Team besitzt der Automobilhersteller Renault paradoxerweise keine Anteile mehr, dafür statten die Franzosen gleich drei Teams mit ihren Motoren aus: Renault, Red Bull und Lotus. Für die Zukunft ist sogar eine Aufstockung des Engagements geplant: "Die Strategie wird wahrscheinlich sein, vier Teams auszurüsten", erklärt Jean-Francois Caubet, Geschäftsführer der Motorenabteilung in Viry-Chatillon.

"Das Problem bei vier Teams ist, dass man nicht einfach nur vier Teams beliefert, sondern man bildet technische Partnerschaften. Ich glaube aber, es ist machbar, vier Teams auszurüsten", unterstreicht der Franzose. Möglich wäre zum Beispiel eine erneute Kooperation mit Williams. Das britische Team und der französische Motorenhersteller haben schon früher zusammengearbeitet. Außerdem steigt Williams-Wunschpartner Volkswagen nun doch nicht in die Formel 1 ein.

Caubet ist jedenfalls davon überzeugt, dass ein Programm mit mehreren Rennställen positiv für die Qualität der Renault-Motoren sein kann: "Der Wettbewerb zwischen unseren Partnerteams kann uns nur weiterbringen", betont er. "Unsere Motorenwerkstatt in Viry wusste oft nicht exakt, wo wir mit unserem Triebwerk standen. Mit drei Teams lässt sich der Einfluss der Motoren viel besser einschätzen - und wir erhalten mehr Input."

Vorteile durch mehrere Teams

"Während der Wintertests haben wir von unseren drei in die Teams eingebetteten Ingenieuren und von Remi Taffin, der das Programm koordiniert, permanent Feedback bekommen", berichtet Caubet. "Ich habe gesehen, wie neugierig sie die Rundenzeiten verglichen haben und konnte erkennen: Wir haben zu unserem Kampfgeist zurückgefunden und sind wieder stolz auf unsere Ergebnisse." Nach "Crashgate" hatte Renault in der Formel 1 ja zunächst schwierige Zeiten zu überstehen.

Jetzt ist alles anders und Renault ist mit den drei aktuellen Partnern in der Formel 1 mehr als zufrieden: "Wir sind stolz auf Red Bull, weil sie die amtierenden Champions sind. Wir sind stolz auf das Team Lotus, weil sie sich in der Königsklasse etabliert haben. Und natürlich sind wir sehr stolz auf unser früheres Werksteam Lotus-Renault, mit dem wir immer noch eng verbunden sind", gibt Caubet zu Protokoll.

Bei Renault in Frankreich stand die Formel 1 nach "Crashgate" auf dem Prüfstand. Praktisch zeitgleich wirkte sich die Weltwirtschaftskrise auf die Automobilhersteller aus. Also entschied man sich dazu, das hauseigene Werksteam an Genii Capital zu verkaufen und nur noch als Motorenlieferant aktiv zu bleiben. Zudem nimmt Renault noch die PR des früheren Werksteams mit, das immer noch seinen alten Namen trägt.

Renault identifiziere sich "sehr mit der Formel 1", sagt Caubet und verweist auf die Firmenzentrale in Paris, aber auch tausende Niederlassungen auf der ganzen Welt, wo überall die Poster von Witali Petrow und Co. an der Wand hängen. Trotzdem ist es nicht selbstverständlich, dass Renault Grand-Prix-Sport betreibt, denn: "Wenn die Formel 1 im Vorstand diskutiert wird, ist die erste Frage immer: Was kostet es und wie viel bringt es?", lächelt Caubet.

Kosten fast halbiert

Eine Frage, die er auch gleich detailliert selbst beantwortet: "Die Kosten für Enstone und Viry-Chatillon betrugen früher ungefähr 120 Millionen Euro. Die Gesamtkosten für das Team beliefen sich auf 220 Millionen, aber 100 kamen durch Sponsoren rein. Heute kostet uns Viry 65 Millionen. Die Gesamtkosten liegen bei 100 Millionen, was netto 65 entspricht." Schließlich bezahlen die drei Kunden ja auch für ihre Motoren.

Außerdem kann das Formel-1-Image für die Werbung genutzt werden. Caubet rechnet vor: "Unser Budget für diese Saison liegt insgesamt bei rund 75 Millionen Euro. Früher war es doppelt so viel." Zehn bis 15 Millionen fließen in die jährliche Entwicklung des Motors, 15 bis 20 Millionen ins Marketing. "Also werden es ungefähr 100 Millionen sein. Der Werbewert beträgt aber fast dreimal so viel wie diese 100 Millionen Euro", zeigt sich der Geschäftsführer zufrieden.

Dass die Motorenabteilung als eigenständige Einheit neu gegründet wurde, hält er "für den richtigen Weg. Es ist immer aufregend, an einem ehrgeizigen und zugleich soliden Projekt teilzunehmen - ehrgeizig, weil es eine außergewöhnliche Herausforderung bedeutet, einen großen Automobilhersteller zu vertreten, der Siege erwartet, und solide, weil wir einen klaren Plan haben und die Formel 1 Bestandteil einer umfassenden Strategie ist. Das halte ich für außergewöhnlich."

"Wir gehen in enger Abstimmung mit unserem Mutterkonzern vor", erklärt Caubet. "Was wir schon immer gesagt haben, gilt seit der Neugründung umso mehr: Die Formel 1 ist sowohl in puncto Return on Investment als auch durch ihre Öffentlichkeitswirkung eine exzellente Plattform. Allerdings ist die Wirkung des Engagements stets an die sportlichen Höhen und Tiefen gekoppelt, während die Kosten immer etwa gleich hoch bleiben. Das haben wir für keine ideale Situation gehalten."

Konzern steht hinter der Neuausrichtung

"Wir haben deshalb unsere Strategie gründlich überprüft. Unsere jetzige Aufstellung steht komplett im Einklang mit unserer Muttergesellschaft Renault - sowohl kurzfristig für 2011 und 2012, aber auch mittelfristig ab 2013", sagt er und ergänzt: "Ein weiterer interessanter Aspekt ist die Tatsache, dass wir eine ziemlich exklusive Position in der Formel 1 einnehmen. Renault ist der einzige unabhängige Motorenpartner. Das heißt, wir beliefern nicht gleichzeitig ein Werksteam und Kundenteams."

Dass er dabei Cosworth übersieht, sei dem Franzosen verziehen. Fest steht aber, dass das Engagement in der Formel 1 wirtschaftlicher geworden ist, was auch dem in den vergangenen Jahren veränderten Reglement zu verdanken ist. "Vor zehn Jahren hatten die Motoren eine Lebensdauer von 350 bis 400 Kilometern. Jetzt sind es 2.500 Kilometer", argumentiert Rob White, Technischer Direktor der Renault-Motorenabteilung in Viry.

Die Regel, dass pro Saison und Auto nur noch acht Motoren eingesetzt werden dürfen, wirken sich auch im Winter aus, denn: "Wir können mit einem Motor auch mehr testen als früher", erläutert White. "Aber man braucht immer noch ungefähr einen Motor, um ein Motorenmapping ordentlich hinzubekommen. Man braucht immer noch ein paar Motoren, um sicher sein zu können, dass bestimmte Komponenten die erforderliche Distanz überstehen."

Natürlich werden auch auf dem Prüfstand Motoren verbraucht, die nie die Rennstrecke sehen, "um Änderungen zu überprüfen". Dies sei als "Service für die Kunden" zu verstehen, unterstreicht White. Einsparen könne man diese Motoren nicht: "Die Motoren, die wir auf dem Prüfstand einsetzen, sind für die Vorbereitungen auf die Rennstrecke unbedingt notwendig", gibt der Brite abschließend zu Protokoll.

Fotoquelle: Renault

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