Gary Paffett hat großen Anteil am schnellen Aufschwung bei McLaren

Formel 1 2011

— 01.04.2011

Paffett und das Geheimnis des McLaren-Aufschwungs

An der kurzfristigen Verbesserung des McLaren hatte Testpilot Gary Paffett großen Anteil: Was in Woking passierte - Zuversicht: "Können Red Bull schnappen!"

Beim Test im grauen Mittelfeld, beim ersten Rennen plötzlich auf der Sonnenseite der Formel 1. Der kurzfristige Aufschwung von McLaren pünktlich zum Auftakt in Melbourne war beeindruckend. Innerhalb von zehn Tagen kitzelte das Team aus dem anfangs mäßigen MP4-26 deutlich mehr heraus. Eine Sekunde konnte man zulegen, heißt es. Und es soll noch längst nicht Schluss sein mit der Aufholjagd.

"Natürlich sind wir zufrieden", lacht McLaren-Testpilot Gary Paffett zufrieden im Interview mit 'CNN'. Lewis Hamilton zeigte sich als schnellster Vettel-Verfolger, Jenson Button wurde als Sechster unter Wert geschlagen. "Wir haben die Plätze zwei und sechs geholt, hätten sogar mit beiden Autos auf dem Podest sein können. Nach unseren Testleistungen war ein solches Ergebnis eigentlich undenkbar", so der dritte Mann bei den britischen Silberpfeilen.

"Man arbeitet im Winter am Auto, macht Simulationen und Versuche im Windkanal. Man ist natürlich zuversichtlich, dass man dabei einen guten Job abliefert. Die Ingenieure und Techniker geben alles, um ein möglichst schnelles Auto zu bauen", beschreibt Paffett die Arbeit in der Formel-1-Pause. "Wo du aber tatsächlich stehst, das erfährst du leider wirklich erst beim Test."

Und dort gab es die große Ernüchterung für McLaren. "Schon nach dem ersten Test war uns klar, dass wir sehr deutlich hinter dem Red Bull zurückliegen - mehrere Sekunden sogar", berichtet der DTM-Pilot. In Woking schrillten die Alarmglocken. "Da wurde die Arbeit nochmal beschleunigt. Keine Panik, aber absolut fokussiert auf dringende Verbesserungen für Melbourne."

Der Auspuff ist der Schlüssel

Die McLaren-Technikcrew hatte während der Tests die Schwachstellen des MP4-26 ausgemacht. Einerseits stimmte die Zuverlässigkeit nicht, andererseits zeigte Red Bull, wie man mit den Abgasen am besten umgeht. "Die größte Herausforderung der aktuellen Formel 1 ist die Nutzung der Abgase. Man muss diese heißen Abgase möglichst optimal unter das Auto blasen", beschreibt Paffett.

"Wenn man den richtigen Weg wählt, dann bringt das unglaublich viel Abtrieb. Wenn man den falschen Punkt wählt, dann kann das schon bis zu einer Sekunde bezüglich der Rundenzeit ausmachen", sagt der Brite. Genau dort lag die fehlende Performance des neuen McLaren. Man kopierte die Red-Bull-Lösung, amüsierte Stardesigner Adrian Newey damit, und legte enorm zu.

"Wir hatten im Winter ein eigenes System entwickelt. Das arbeitete eigentlich genau so, wie wir uns das vorgestellt hatten", sagt Paffett mit Blick auf die ursprüngliche Kreation von Neil Oatley, Paddy Lowe, Tim Goss und Co. "Trotzdem mussten wir kurzfristig noch einmal umrüsten. Wir haben das gebaut, im Werk simuliert und gehofft, dass es auch auf der Strecke funktioniert."

Der neue Auspuff schob McLaren plötzlich in die erste Verfolgerposition hinter den favoristierten Red Bull, Ferrari und Mercedes konnte man in Melbourne deutlich bezwingen. Ob man Vettel bald schnappen kann? "Ja, absolut", ist Paffett überzeugt. "Wir haben im vergangenen Jahr gezeigt, dass wir erhebliche Fortschritte machen können. Wir sind bezüglich der Verbesserung innerhalb der Saison ganz bestimmt eines der besten Teams."

Red Bull ist zu packen

"Der Abstand ist jetzt nicht so groß wie zu Beginn der Saison 2010. Und im vergangenen Jahr haben wir schnell aufgeholt und mit um die WM gekämpft", zeigt sich der 30-Jährige voller Zuversicht. "Unser Auspuffsystem und der dazugehörige Unterboden sind brandneu. Das alles ist nur zwei Wochen vor dem Rennen in Melbourne entstanden. Da steckt noch viel Potenzial darin."

Das britische Traditionsteam reiste sofort nach dem Australien-Grand-Prix zurück nach Woking. Dort standen genaue Analysen des Auspuffsystems auf dem Programm. Weitere Fortschritte werden erwartet. "Es geht noch weiter voran. Wir sind zuversichtlich, das wir Red Bull packen können", so die Kampfansage von Paffett in Richtung des Weltmeisterteams.

McLaren wird am derzeitigen Lösungsansatz, den man von Red Bull kopierte, zunächst festhalten. Die eigene Entwicklung fiel durch den Rost, ein extremes System nach Renault-Vorbild kommt nicht in Frage. "Die Abgase nach vorne zu führen und dann vor den Seitenkästen unter das Auto zu leiten, so etwas hat vorher noch nie jemand ausprobiert", schildert Paffett.

"Das ist mutig, aber es funktioniert offenbar ziemlich gut. Petrow ist in Melbourne auf das Podium gefahren. Das zeigt, dass deren Auto ganz gut funktioniert", lobt der Brite die Entwicklung der Konkurrenz. "Den Auspuff ganz nach vorne zu verlegen verlangt unwahrscheinlichen Aufwand. Da ist dann die Frage, ob sich dieser Aufwand wirklich auszahlen kann, ob man wirklich entsprechend viel Performance daraus ziehen kann."

Die Paffett-Arbeit im Hintergrund

Paffett gibt allerdings zu, dass die Renault-Lösung bei den Tests für Staunen sorgte. "Oft gehe ich zu den Ingenieuren und sage: 'Habt ihr das gesehen?' Dann sagen die mir meistens, dass sie so etwas ausprobiert und verworfen haben. Ab und zu stehen die aber auch staunend da und sagen, dass es interessant ist. Dann geht es mit dieser Idee sofort in den Windkanal und in den Simulator."

Der McLaren-Testpilot durfte virtuell solche Ansätze austesten. Man entschied sich dann aber für den Red-Bull-Weg. Paffett nimmt in solchen Fällen eine enorm wichtige Rolle ein. "Das Team und auch Lewis und Jenson danken mir meine Arbeit sehr oft. Wir agieren als Einheit. Von außen kann man meist nicht sehen, wie viel Anteil ich an den Entwicklungen habe, weil ich im Hintergrund arbeite."

"Ich erinnere da an Silverstone 2010", sagt der DTM-Pilot nicht ohne Stolz. "Da hatten wir Entwicklungen am Auto, die am Freitag absolut nicht funktionierten. Ich bin dann per Hubschrauber nach Woking geflogen, habe im Simulator die ganze Nacht gearbeitet. Da sind die passenden Setups entstanden, die dann bestens funktionierten."

"Ähnlich war das jetzt vor Melbourne. Wir haben einen Auspuff simuliert, der noch nie auf der Strecke ausprobiert wurde. Auch die Setups wurden per Simulator erarbeitet. Dann kamen wir nach Melbourne und das gesamte Paket arbeitete vom ersten Moment an perfekt", so Paffett. "Im Hintergrund passiert dermaßen viel. Das Auto für Melbourne ist einzig im Simulator für den Saisonauftakt so schnell gemacht worden."

Fotoquelle: xpb.cc

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