Mike Gascoyne stand in Mlebourne plötzlich vor einem Rätsel

Formel 1 2011

— 02.04.2011

Reifen: Lotus hofft auf die Hitze Malaysias

Beim Auftakt in Melbourne hatte Lotus plötzlich ein Problem mit der Reifentemperatur - Jetzt hofft Mike Gascoyne, dass man in Sepang einen Vorteil hat

Das Lotus-Team war bester Dinge zum Saisonauftakt nach Melbourne gekommen. Nach den Wintertests hatte die Mannschaft den Eindruck, einen großen Schritt nach vorn gemacht zu haben. Bei den letzten Testfahrten in Barcelona konnte Heikki Kovalainen in seinen Rennsimulationen die gleichen Zeiten wie Force-India-Pilot Paul di Resta fahren. "Wir dachten uns, die Rundenzeit ist da, die Rennpace sieht gut aus", sagt Lotus-Technikchef Mike Gascoyne.

Das machte der Truppe die Hoffnung, sich in Melbourne im Mittelfeld etablieren zu können. Doch im Qualifying von Melbourne folgte der Rückschlag. Kovalainen und Trulli waren vier Sekunden langsamer als die Spitze, zweieinhalb Sekunden fehlten ihnen auf die direkte Konkurrenz. Mehr als die Startplätze 19 für Kovalainen und 20 für Trulli waren nicht drin.

Gascoyne und seine Leute rätselten: "Plötzlich waren wir zweieinhalb Sekunden hinten und dachten uns, wie zur Hölle ist das denn passiert?" Die Antwort: "Die Jungs haben die Reifen nicht zum Arbeiten gebracht. Das war offensichtlich." Zwar wurden Kovalainen und Trulli im Qualifying auch noch durch Lenkprobleme ausgebremst. Aber der Hauptgrund war, dass Lotus mit dem T128 wegen der im Vergleich zu anderen Autos geringeren Downforce Probleme hat, die Pneus auf die richtige Temperatur zu bringen.

Schon beim Test in Barcelona hatte sich angedeutet, dass Lotus auf eine schnelle Runde größere Probleme hat als beim Longrun. Dort gab es die Schwierigkeiten aber vor allem mit den harten Reifen: "Mit den weichen war es besser, und mit dem supersoften lagen wir im Durchschnitt", analysiert Gascoyne die Reifentemperaturen in den Barcelona-Testdaten. "Das Bild, das wir hatten, war: Je weicher der Reifen, umso einfacher ist er auf Temperatur zu bringen."

In Melbourne war es dann aber anders herum. Die Strecke ist anders als Barcelona, die äußeren Bedingungen waren kühler. "Auf den weichen Reifen lagen wir 20 Grad unter der durchschnittlichen Reifentemperatur. Im Niemandsland. Bei den harten Reifen war die Abweichung etwas geringer", berichtet Gascoyne.

Die Schwierigkeiten, die Reifen gleich auf Temperatur zu bringen, traten auch deshalb etwas unerwartet auf, weil Lotus bei den Testfahrten zu oft durch Zuverlässigkeitsprobleme ausgebremst wurde. "Wenn wir bei den Tests jeden Tag ein Qualifying gefahren wären, wie das manche getan haben, hätten wir erkannt, dass es da ein Problem gibt", erklärt der Technikchef.

"Aber wir hatten nicht genügend Daten, um es zu erkennen. Selbst wenn wir erst vor dem Training in Melbourne gewusst hätten, dass es ein Problem gibt und daran gearbeitet hätten, dann wären wir eine oder anderthalb Sekunden schneller gewesen", sagt Gascoyne. "Es ist sehr frustrierend. Wir haben wirklich erwartet, ein paar Zehntel hinter Force India zu sein und nicht zweieinhalb Sekunden."

Er und das Team waren aber davon überzeugt, dass es im Rennen selbst dann besser laufen würde. Denn schon im Training zeigte sich, dass Kovalainen und Trulli nach vier, fünf Runden plötzlich zulegen konnten: "Das ist ein klassisches Zeichen, dass der Reifen beginnt zu arbeiten." Diese Einschätzung bestätigte sich dann: "Wenn man sich die Rundezeiten aus dem Rennen genau anschaut, dann waren wir 2,7 Sekunden hinter Sebastian Vettel, eine Sekunde hinter Force India und zwei Sekunden schneller als die Virgins. Wir haben gesagt, dass wir im Rennen besser sein würden als im Qualifying, und so war es dann auch."

Doch das Reifenproblem war damit noch lange nicht gelöst: "Wenn wir im Verkehr waren oder eine langsame Runde gefahren sind, konnten wir danach nicht gleich wieder durchstarten." Denn die Pneus brauchten erst wieder eine Weile, um die richtige Arbeitstemperatur zu bekommen.

Das Fazit: Die geringere Downforce des T128 sorgt zwar dafür, dass die Reifen nicht so schnell abbauen wie bei anderen Boliden. Aber sie sorgt auch dafür, dass das Potenzial von Reifen und Auto erst nach mehreren Aufwärmrunden genutzt werden kann. Das sei frustrierend, aber wenigstens wisse man jetzt, dass es Probleme geben könnte, wenn man ähnliche Bedingungen wie in Melbourne hat.

Beim nächsten Rennen soll die Situation allerdings eine ganz andere sein. Das, was im kühlen Melbourne ein Nachteil war, soll im heißen Malaysia ein Vorteil werden. "Es ist gut möglich, dass wir dort keinerlei Probleme haben, unsere Reifen auf Temperatur zu bringen. Das wäre im Rennen sehr gut, wenn alle anderen ihre Reifen überstrapazieren", blickt Gascoyne voraus.

"Ich denke, dass wir dort wesentlich besser aussehen werden", betont er. "Malaysia könnte toll werden. Denn wenn die Reifen funktionieren, können wir das Auto nutzen. Und die Longruns sehen gut aus." Und dann will Lotus zeigen, dass man wirklich einen Schritt nach vorn gemacht hat.

Fotoquelle: xpb.cc

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