Lewis Hamilton hofft auf eine weitere Steigerung mit dem McLaren MP4-26

Formel 1 2011

— 07.04.2011

Hamilton: "Will nicht immer Zweiter werden"

Lewis Hamilton ist mit der aktuellen Form von McLaren zufrieden, will in Zukunft aber mehr - Vom angeblichen Flirt mit Red Bull will der Brite nichts wissen

Frage: "Lewis, dein Saisonstart verlief gemessen an den vorherigen Testergebnissen hervorragend. Wre nach Betrachtung der gesamten Daten vielleicht sogar noch mehr mglich gewesen?"
Lewis Hamilton: "Das ist schwierig zu sagen. Tatsache ist, dass Sebastian schon beim ersten Boxenstopp einen zu groen Vorsprung hatte. Frher war es so, dass du als Gewinner hervorgingst, wenn du lange fahren konntest. Heutzutage ist es aber so, dass du eher frher zum Stopp kommen solltest. Im Nachhinein wre ich vielleicht lieber etwas eher zum Reifenwechsel hereingekommen."

"Aber so etwas lsst sich nachher immer leicht sagen.Vielleicht htte ich auch hinter jemandem landen und festhngen knnen, so wie es Jenson passiert ist. Das ist alles mig. Mein Auto war spter zwar beschdigt, aber ich konnte das Tempo dennoch hochhalten. Schneller als Sebastian htte ich aber ohnehin wohl kaum fahren knnen."

Frage: "Wie berrascht warst du, als du erfahren hast, dass Red Bull in Melbourne sogar noch ohne KERS unterwegs war?"
Hamilton: "Nicht so richtig berrascht. Die waren auch so unglaublich schnell. Die haben dermaen viel Abtrieb, sodass sie KERS bisher einfach nicht brauchen. Irgendwann werden sie es aber einbauen und benutzen mssen. Der Abstand lag in Melbourne bei etwa einer Sekunde. Ich hoffe, dass wir hier schon nher dran sein knnen."

Frage: "Wie sind die Aussichten im Titelkampf?"
Hamilton: "Solange ich mich fr die erste Startreihe qualifizieren und im Rennen Zweiter werden kann, ist alles in Ordnung. Wenn man sich die Champions der Formel 1 anschaut, dann haben die auch oft wichtige Punkte mit zweiten und dritten Pltzen geholt. Aber natrlich ist es nicht mein ultimatives Ziel, immer nur Zweiter zu werden. Ich will gewinnen. Jetzt mssen wir aber das Beste herausholen, und mit der Zeit arbeiten wir uns nach vorne. In den ersten drei Rennen mssen konstant Punkte her, danach haben wir hoffentlich bald ein Auto, mit dem wir um Siege kmpfen knnen."

Abstand zu Red Bull bei einer Sekunde

Frage: "Was darf man in Malaysia von McLaren erwarten?"
Hamilton: "Hoffentlich eine hnliche Leistung wie in Meblourne. Niemand wei aber bisher, wie sich die Situation mit den Reifen unter vernderten Bedingungen darstellen wird. Hier fngt es offenbar immer genau um 16 Uhr an zu regnen, also genau zur Qualifyingzeit. Es knnten schwierige Bedingungen werden. Interessant wird es allemal."

Frage: "In Melbourne war Vettel vor allem in den schnellen Kurven deutlich schneller. Wird dieser Faktor hier in Sepang im Falle von Regen minimiert werden?"
Hamilton: "Ja, der Abstand war in solchen Passagen wirklich riesig. Wir haben unser Auto aber seit Melbourne noch einmal weiter verbessert. Ich hoffe, dass wir die Lcke weiter verkleinern konnten. Mal sehen, wie es hier sein wird. Ich hoffe, dass es keinen Regen gibt. Wenn es hier mal regnet, dann schttet es gleich wie aus Kbeln. Das wre nicht gut."

"Im vergangenen Jahr war es im Qualifying nass und im Rennen trocken. Das Problem ist wirklich, dass es hier gleich immer solche Wolkenbrche gibt. Da hilft dir dann auch kein Abtrieb mehr. 2009 war es hier dermaen heftig, da sind wir wie verrckt herumgerutscht. Grundstzlich bin ich im Regen oft schnell. Ich wrde aber ein Rennen im Trockenen bevorzugen."

Frage: "Wird sich die Hackordnung der Topteams hier etwas verschieben?"
Hamilton: "Es luft bei allen Teams gleich. Alle verbessern sich immer weiter. Die bringen kleine Updates und wir ebenso. Natrlich hoffe ich, dass uns der grere Schritt gelingt. Aber ob der Abstand nun gleich bleibt, oder ob er wirklich vielleicht kleiner wird, das mssen wir mal abwarten. Wir wollen auf jeden Fall nher herankommen."

Frage: "Im vergangenen Jahr hattest du im Qualifying in Malaysia Pech. Damals habt ihr zu lange in der Box abgewartet. Habt ihr daraus gelernt?"
Hamilton: "Ja, unser Team hat ganz sicher daraus gelernt. Wir waren damals in den Trainings richtig schnell und haben es dann im Qualifying hergeschenkt. Sollte die Situation nun hnlich sein wie im Vorjahr, dann werde ich ganz schnell herausfahren und eine Rundenzeit markieren. Den Fehler machen wir nicht noch einmal."

Frage: "Wird es vielleicht zur groen Lotterie? Wenn zum Regen auch noch die Ungewissheit mit Reifen, verstellbarem Heckfkgel und KERS hinzukommt..."
Hamilton: "Nein. Wenn es konstant nass ist, dann mssen wir eben konstant gut im Regen fahren. Was mir etwas Sorgen bereiten knnte, ist die Situation mit den Reifen. Wir haben die richtigen Regenreifen und die Intermediates, die aber nicht lange halten."

"Sollten wir uns auf diesen Reifen qualifizieren mssen, dann bleiben uns nur wenige Stze von den recht schnell abbauenden Pneus fr das Rennen. Ob das reicht? Es wird interessant."

Ferrari und Mercedes auch mit Chancen?

Frage: "Erwartest du Ferrari wieder in der Form wie in Melbourne?"
Hamilton: "Nein. Sie hatten in Australien leichte Probleme, aber die gehen aus solchen Situation oft gestrkt hervor. Dort hatten sie Probleme, weil die Reifentemperaturen nicht stimmten. Aber hier werden die Pneus wohl kaum zu khl sein. Ich rechne mit ihnen, auch mit Mercedes."

Frage: "Hast du hier ein Auto, das dir mglicherweise sogar einen Sieg ermglicht?"
Hamilton: "Ich glaube nicht. Unser Rckstand im vergangenen Rennen lag bei einer Sekunde. Ich schtze nicht, dass wir so viel haben gutmachen knnen in den paar Tagen. Ich hoffe aber, dass wir etwas nher dran sein knnen."

Frage: "Wie wichtig wird die Strategie?"
Hamilton: "Man kann es bisher kaum einschtzen. Im vergangenen Rennen waren wir alle von der Haltbarkeit der Reifen im Rennen erstaunt. Das hatte in dieser Form niemand erwartet. Alle waren davon ausgegangen, dass man drei oder vier Stopps machen msste, aber es waren letztlich zwei ausreichend."

"Hier ist die Strecke anders, die Temperaturen viel hher. Keine Ahnung, wie sich die Reifen hier verhalten werden. Es kann trocken sein oder nass. Mit den Regenreifen wissen wir ohnehin nicht, wie es wird. Grundstzlich wird in einer solchen Situation die Wahl der richtigen Strategie natrlich ungemein wichtig."

Frage: "Es gab zuletzt einige Gerchte um einen angeblichen Flirt zwischen dir und Red Bull..."
Hamilton: ""Ich schere mich nicht darum. Ich bin ganz auf meinen Job fokussiert, bin glcklich im Team. Wir machen zusammen einen tollen Job. Ich bin oft und gern in Woking in der Firma. Wir sind bester Dinge, dass wir weiter an Performance zulegen knnen. Ich habe am vergangenen Rennwochenende zu Martin Whitmarsh gesagt: 'Ich gehre zu euch. Ich bin fr euch hier, um alles zu geben'. Ich will mehr Rennen gewinnen als die anderen. Das ist mein Ziel."

Frage: "Hast du im Moment das komplizierteste Lenkrad aller Zeiten im Auto?"
Hamilton: "Nein, es war frher schon hnlich. Das ist alles kein Problem. Ich habe schon in den vergangenen zwei Jahren sehr intensiv an Anpassungen des Lenkrads gearbeitet, es gab viele Vernderungen. Ich bin stolz darauf. An keinem anderen Teil habe ich dermaen viel mitgewirkt."

"Wir haben viel Arbeit dort hineingesteckt. Hauptschlich habe ich wert darauf gelegt, dass alles mglichst einfach geht. Es ist wirklich leicht zu handhaben, nicht so berladen. Man merkt im Grunde gar nicht, dass wir nun KERS und den verstellbaren Flgel hinzubekommen haben."

Wenn Brunderherz Gas gibt...

Frage: "Noch eine Frage zu den Reifen: Gibt es nicht mehr - wie in den zurckliegenden Jahren - eine Art natrliches Boxenstoppfenster, das sich zwanglufig ergibt?"
Hamilton: "Nein. Frher gab es bei den Pneus ab einem gewissen Punkt immer Graining. Das gibt es bei unseren jetzigen Reifen nicht mehr. Wenn die Pirellis abbauen, dann rubbelt eben viel Gummi ab, aber ohne den Graining-Effekt. Das bringt dann beispielsweise die Frage auf, wie weit man heutzutage mit dem Sturz gehen kann."

"Wir hatten das Gefhl, dass wir in Melbourne schon den optimalen Weg dafr gefunden hatten. Es war im ersten Stint gut und im zweiten auch. Aber dann haben wir Sauber gesehen."

Frage: "Hast du berhaupt schon Erfahrung mit den Regenreifen machen knnen?"
Hamilton: "Ja, die Regenreifen bin ich gefahren und auch die Intermediates. Und genau die sind meine grte Sorge. Aber wir haben gesehen, dass sich die Reifen in Melbourne pltzlich ganz anders verhalten haben. Vielleicht lag es nur an den Temperaturen, vielleicht auch an anderen Faktoren."

Frage: "Du bist in der vergangenen Woche nach Grobritannien geflogen, um beim Renndebt deines Bruders Nicolas dabei zu sein. Wie war es?"
Hamilton: "Das war komisch. Er war immer der Kleine. Jetzt ist er fast 20 Jahre alt und ein groer Typ. Dort fuhr er dann pltzlich selbst Rennen, gab Interviews. Ein seltsames Gefhl. Ich habe schon oft Menschen bei Rennen zugeschaut, aber das war eben mein Bruder - sehr cool. Ich habe es genossen."

Frage: "Du hast ihn immer als eine Inspiration gesehen..."
Hamilton: "Ja, aber ich will das auch nicht berbewertet wissen. In anderen Familien ist es aber nun einmal so, dass zwei Jungs viel herumtoben und spielen. Bei ihm gab es leider immer die krperlichen Hrden. Trotzdem hat er immer gelchelt, war immer frhlich. Und das begeisterte mich. Wenn ich mal einen schlechten Tag hatte und irgendetwas nicht gut lief, dann erinnerte ich mich wegen ihm immer daran, dass meine Probleme vergleichsweise minimal klein sind."

"Es gibt dermaen viele Menschen, denen es so viel schlechter geht, die viel grere Probleme haben und trotzdem lcheln. Das hat mir immer gezeigt, dass ich ganz bestimmt keinen Grund habe, ber irgendetwas zu klagen. So etwas verinnerlicht man mit der Zeit. Dadurch fllt es einem leichter, immer den Kopf hoch zu halten und immer weiter zu arbeiten."

Fotoquelle: xpb.cc

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