Marussia-Virgin: Timo Glock muss auf den großen Schritt nach vorn noch warten

Formel 1 2011

— 08.04.2011

Glock: Noch ein Jahr Geduld gefragt

Timo Glock scheint mit Marussia-Virgin den ersehnten Anschluss ans Mittelfeld immer noch nicht zu schaffen: "Verfalle aber nicht in Depressionen"

Timo Glocks Geduld wird seit einigen Monaten immer wieder auf eine harte Probe gestellt. Seit seinem Wechsel zu Marussia-Virgin (2010 noch Virgin) geht es nicht recht voran. Dass die Debütsaison des Teams schwierig werden würde, war dem Hessen vor dem Start ins Jahr 2010 klar gewesen, dass es allerdings dermaßen viele Probleme gab, war schwierig zu verdauen.

Zur Saison 2011 wollte das britische Team, das neuerdings mit russischer Lizenz antritt, den Sprung in Richtung Mittelfeld schaffen. Dies ist offenbar nicht gelungen. "Ich verfalle jetzt nicht in irgendwelche Depressionen, oder zweifele an mir", sagt Glock mit der Gelassenheit eines kampferprobten Veterans. Der Deutsche ist geduldig geworden, hat gelernt mit den etwas langsameren Prozessen des noch jungen Teams umzugehen.

"Ich habe trotzdem noch Spaß, weil die Atmosphäre im Team sehr gut ist", sagt der 29-Jährige. Glockt kennt - und schätzt - die britische Arbeitsweise im Motorsport. Er kennt sie aus seiner GP2-Zeit bei iSport bestens. "Meine Mechaniker reißen sich auch für Platz 20 den Hintern auf. Das motiviert mich ebenso wie das Ziel, unsere Probleme auszusortieren und den Abstand zu verkürzen."

Offene Worte intern und extern

Im Rahmen des Saisonauftaktes in Melbourne hatte es kurz mal den Anschein, als sei der Geduldsfaden beim Odenwälder gerissen. Allzu offen platzierte er die Forderung, sein Team müsse grundsätzlich umdenken und Windkanalversuche unternehmen. "Ich genieße die Freiheit, meine Meinung im Team zu sagen. Die gleiche Meinung darf ich auch öffentlich vertreten", erklärt er.

"Wenn wir nach vorne kommen wollen, dann müssen wir die Probleme offen und klar ansprechen. Wenn wir nie die Wahrheit ansprechen und die Fakten nicht auf den Tisch legen, dann werden wir nie einen Schritt nach vorne machen", sagt Glock und bringt seine Entschlossenheit auf den Punkt. Gleichzeitig bringen diese Worte auch die Loyalität zum Team zum Ausdruck.

"Die Probleme werden im Team gut angegangen. Wir sind auf dem Weg, die passenden Lösungen zu finden. Wir können manche Dinge nicht so schnell umsetzen wie das beispielsweise bei Toyota der Fall war", nimmt Glock die Prozesse als gegeben hin. "Dort hätten wir die Probleme aber nicht so offen heraus darlegen können. Das ist immer so, wenn du in einem größeren Team bist."

"Bei uns wird es schnell und offen ausgesprochen. Die Umsetzung dauert dann eben etwas länger, weil auch die finanziellen Mittel nicht so vorhanden sind wie bei anderen Teams", sagt Glock, der dem Team keine Deadline zur Lösung der größten Probleme setzt. Die Dinge bei Marussia-Virgin dauern eben "so lange wie wir brauchen. Mal gucken", zuckt der Wahlschweizer mit den Schultern.

Ein weiteres Jahr für die Katz?

"Eigentlich hatte ich gehofft, dass wir zu Anfang des Jahres deutlich näher am Mittelfeld sind. Das ist leider nicht der Fall. Dies wirft uns im Plan wieder zurück", sagt Glock mit Blick auf die Enttäuschung zum Jahresstart. "Somit wird es mindestens noch dieses Jahr dauern, um die richtige Richtung zu finden, damit wir einen richtigen Sprung zum Folgejahr machen können."

Zwar rühmt sich Designer Nick Wirth immer damit, dank seiner CFD-Rechner könnten Updates viel schneller entstehen als beim klassichen Windkanal-Entwicklungsweg, aber es dauert trotzdem bis zum Istanbul-Rennen, bis das erste Update an den MVR-02 kommt. "Wenn nicht ein riesiges Upgrade kommt von vier Sekunden, was ich mir derzeit nicht vorstellen kann, dann wird es dieses Jahr schwierig", sagt Glock.

"Wir müssen diese Saison nutzen, um uns so vorzubereiten, damit wir nächstes Jahr eine gute Basis haben", meint der erfahrene Pilot. Indirekt hat Glock damit die gerade erst begonnende Formel-1-Saison abgehakt. Zu langsam mahlen die Marussia-Virgin-Mühlen. Kein Vergleich zum einstigen Formel-1-Schlaraffenland Toyota. "Ich trauere gar nichts nach", mag Glock nicht zurückschauen.

Fotoquelle: xpb.cc

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