Aldo Costa weiß noch nicht, wo genau bei Ferrari der Wurm drin ist

Formel 1 2011

— 09.04.2011

Auf Ideensuche: Ferrari kündigt Flexi-Flügel an

Ferrari ist nach dem schwachen Saisonstart ratlos und wird auf der Suche nach einer Lösung demnächst auch einen flexiblen Frontflügel entwickeln

Ferraris Technischer Direktor Aldo Costa hält nur selten Medienrunden für internationale Journalisten. Dementsprechend hapert es mit seinem Englisch und dementsprechend ist er auch nicht ganz so abgebrüht wie etwa sein Chef Stefano Domenicali, wenn es darum geht, möglichst nichtssagende Antworten zu geben. Das sorgte nach dem heutigen Qualifying in Sepang für eine gleichermaßen unterhaltsame wie informative Pressekonferenz in der Ferrari-Hospitality.

Pressesprecher Luca Colajanni hätte schon fast einen Herzinfarkt bekommen, als Costa verriet, dass Rory Byrne gerade einen neuen Supersportwagen baut (von dem noch niemand etwas wusste), doch beim Thema Flexi-Flügel brachte der Italiener seinen Landsmann aus der PR-Abteilung dann komplett zur Verzweiflung. Anstoß der Diskussion war die Tatsache, dass Ross Brawn das Thema Flexi-Flügel für Mercedes abgehakt hat, weil das Reglement seiner Meinung nach zu streng ist und man auf diesem Gebiet nichts mehr holen kann.

Flexi-Flügel wird gerade entwickelt

"Wir dachten uns erst das Gleiche wie Ross, um ehrlich zu sein, aber die Regeln lassen da ein bisschen Spielraum für Einfallsreichtum", verrät Costa. "Wir gehen tiefer in die Evaluierung dieser Frontflügel hinein. Ja, wir werden auch bald einen flexiblen Frontflügel haben." Colajanni dürfte Costa für diese Aussage nachträglich wohl den Kopf gewaschen haben, denn auch wenn jeder weiß, dass praktisch alle Teams im Bereich Flexi-Flügel forschen, so will es doch keiner zugeben, solange man keine so gute (und zumindest derzeit legale) Lösung hat wie Red Bull.

Zur Klarstellung: Flexible Flügel sind nicht grundsätzlich verboten. Selbst FIA-Chefinspektor Charlie Whiting hat vor Sepang bestätigt, dass Red Bulls Frontflügel alle erforderlichen Belastungstests bestanden hat und es somit keinen Grund gibt, gegen das österreichisch-britische Team vorzugehen. Natürlich stichelt die Konkurrenz weiter in Richtung von Adrian Newey und Co., aber hinter vorgehaltener Hand arbeiten fast alle an ihren eigenen Projekten. Nur bei Costa war die Hand heute nicht ganz so streng vorgehalten wie sonst...

Auch was das aktuelle Formtief von Ferrari angeht, nimmt er sich kein Blatt vor den Mund: "Red Bull und McLaren haben einen besseren Job gemacht als wir", gesteht der Byrne-Nachfolger. Bis zum ersten Barcelona-Test sei man wunderbar im Plan gelegen, doch für den zweiten Barcelona-Test habe ein Update nicht die erwünschten Verbesserungen gebracht. Dass dies nur an einer schlechten Frontpartie liegt, lässt er so aber nicht stehen: "Wenn es so einfach wäre, hätten wir unsere Probleme schon gelöst."

Ferrari tappt im Dunkeln

"Wir wissen noch nicht, woher die Probleme kommen", so Costa. "Wir arbeiten daran, aber das ist eine komplexe Evaluierung, die wir in verschiedenen Umfeldern durchführen - natürlich nicht nur hier an der Strecke." Sondern auch zu Hause in der Fabrik, im Windkanal, auf Prüfständen und CFD-Computern. Am Freitag habe man "zu verstehen versucht, woher das Leistungsdefizit plötzlich kam. Das ist keine leichte Aufgabe, die mit gestern nicht beendet ist, denn an einem Freitag kann man kaum testen. Wir werden in China fortfahren und in Europa auch einen Geradeaus-Test einlegen."

"Ich fürchte, unser Rückstand ist größer als vergangenes Jahr. Das kann ich nicht leugnen", räumt Costa offen ein. "Wir müssen reagieren und wir werden reagieren. Unsere Struktur ist stark und wir haben gute Leute. Wir kriegen das hin. Wir dachten, dass unsere Entwicklung reichen würde, haben maximal gepusht. Aber das Ergebnis sagt uns, dass andere besser waren. Der Abstand ist kleiner als in Australien, aber immer noch groß. In Maranello haben wir gute und talentierte Leute, die sich gerade ärgern. Die werden reagieren. Ich vertraue ihnen und dem Team."

Ob es schon bis Istanbul mit einem signifikanten Update klappen wird, "hängt davon ab, ob wir rechtzeitig herausfinden, was in der Frühphase der Entwicklung schief gegangen ist. Das würde gleich ein ordentliches Stück ausmachen", glaubt der 49-Jährige. "Und dann müssen wir in der Weiterentwicklung sehr aggressiv sein, ganz klar. Wir müssen uns fragen, wie wir es anstellen, aber wir müssen unsere Herangehensweise definitiv ändern. Die anderen zwei Teams fahren in ihrer eigenen Liga und darauf müssen wir reagieren."

Erstes Update schon für Schanghai

"Wir haben schon gute Updates für China und die Türkei in der Pipeline und wir planen interessante Dinge für die Rennen zu Saisonmitte", kündigt Costa an. "Wir haben unser Programm. Ob es reichen wird, weiß ich nicht. Wir müssen versuchen, das Bisschen mehr zu pushen." Denn während des Testwinters galt Ferrari noch als einer der WM-Mitfavoriten - was die Frage aufwirft, ob das Team seither zu konservativ und verhalten zu Werke gegangen ist. Doch auf eine Diskussion "Aggression statt Tradition" will sich der Italiener nicht einlassen.

Stattdessen sieht er das Thema ganz rational: "Um schneller zu entwickeln als die anderen, musst du ein gewisses Tempo anschlagen und Woche für Woche etwas Neues erfinden, neue Teile, neue Systeme", weiß Costa. "Die zwei Teams haben das besser gemacht als wir. Da müssen wir von ihnen lernen und dann die notwendigen Änderungen in der Herangehensweise adaptieren, die erforderlich sind." Das klingt fast nach einer neuerlichen Task-Force in Maranello, wie sie schon im vergangenen Jahr für die Wende gesorgt hat.

Von der Idee eines italienischen Journalisten, den 150° Italia auf den Stand der Präsentation zurückzubauen, hält Costa indes nichts: "Dass das Auto zum Zeitpunkt der Präsentation schneller war, ist ja nicht gesagt", winkt er ab und erklärt: "Im Moment sind wir viel schneller als beim Launch, aber das Problem ist, dass wir in einigen Bereichen nicht die erwarteten Fortschritte erzielt haben. Die Fortschritte waren da, aber kleiner als bei der Konkurrenz." So ist Ferrari derzeit hinter Red Bull und McLaren bestenfalls die Nummer drei im Feld.

Fotoquelle: xpb.cc

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