Auch für die Mechaniker bedeutet das Rennen in Sepang Schwerstarbeit

Formel 1 2011

— 10.04.2011

So sehr leiden die Formel-1-Stars in Sepang

Zwei TV-Journalisten machen den "Stresstest": Im Rennoverall um die Strecke joggen und wie sich das auf den menschlichen Körper auswirkt

Extreme Hitze, eine fast unerträgliche Luftfeuchtigkeit und immer mal wieder sintflutartiger Regen: Der Grand Prix von Malaysia gilt aufgrund seiner extremen äußeren Bedingungen unter Fahrern als der härteste Grand Prix der Saison.

Um einmal die enorme Belastung der Piloten am eigenen Leib zu verspüren und für die Zuschauer zu veranschaulichen, haben die beiden 'RTL'-Reporter Michael Niermann und Felix Görner den ultimativen "Stresstest" gemacht. Bei einer Außentemperatur von 35 Grad und einer Luftfeuchtigkeit von rund 80 Prozent joggten sie am Donnerstag eine Runde um den Parcours - und das in kompletter Fahrermontur: feuerfeste Unterwäsche, Rennanzug, Sturmhaube. Während dieses Experiments wurden Herzfrequenz, Wasserverlust und Körperkerntemperatur gemessen. Dazu wurden die beiden mit einer Wärmebildkamera gefilmt.

Puls im Grenzbereich

Sofort nach dem Ankleiden ging der Puls um 20 Schläge hoch. Beim Zieldurchlauf hatte Niermann eine Herzfrequenz von 187 Schlägen, seine Körperkern-Temperatur lag bei fast 40 Grad! Bei Görner betrug der Wasserverlust durch das Schwitzen knapp zwei Liter. Diese Ergebnisse lassen erahnen: Der Malaysia-Grand-Prix verlangt den Piloten physisch alles ab. Bei den Extrembedingungen im Cockpit die Konzentration zu halten ist eine brutale Herausforderung.

"Obwohl ich ein trainierter Marathonläufer bin (Bestzeit: 2:57 Stunden; Anm. d. Red.) war dieser Lauf das Härteste, was ich jemals gemacht habe", staunt Görner. "Man fühlt sich bei der Hitze mit dem feuerfesten Anzug wie ein Ballon, der gleich platzt. Die Rennkleidung hat überhaupt keine Kühlung, der Körper schreit nach Atmung, aber kann es nicht. Schnell fühlt man sich wie von heißem Honig übergossen. Alles klebt und heizt sich auf. Die Haut brennt vor Hitze, der Puls rast und der Kopf kocht unter der Fahrermaske."

"Schon nach wenigen Metern war der Puls im roten Bereich bei 170", fährt er fort. "Es ist ein Gefühl wie in der Sauna, aus der man nicht mehr herauskommt. Für die Fahrer müssen die Strapazen enorm sein, da man im Cockpit wie in einer heißen Sardinenbüchse sitzt. Weltmeister Sebastian Vettel spricht von Cockpit-Temperaturen zwischen 60 und 70 Grad - und das fast über zwei Stunden Renndistanz. Die Jungs sind Vollprofis und müssen hart trainiert sein, ansonsten verlieren sie die Konzentration und können keine Höchstleistung bringen."

Enormer Gewichtsverlust in kurzer Zeit

Auch Niermann ist beeindruckt: "Man hat ja selten das Gefühl, in Grenzbereiche seiner körperlichen Leistungsfähigkeit zu kommen, aber bei dieser Runde war mir relativ schnell klar, dass ich dort ganz sicher landen würde. Es war grenzwertig. Ich verlor fast 1,5 Kilo Gewicht in 25 Minuten, der Puls ging hoch auf fast 190 und ich hatte das ständige Gefühl, als könne mein Körper nicht mehr atmen. Das Schlimmste war nicht die Hitze im Overall, sondern der Hitzestau unter der Sturmhaube. Da denkst du, dir platzt gleich die Rübe."

"Am Ende der Runde hätte man mir viel Geld bieten können - ich wäre nicht weitergelaufen", schildert er. Aber nicht nur die Fahrer, sondern auch die Mechaniker müssen in Sepang Höchstleistungen bieten, denn die Boxengasse ist im Gegensatz zur neuen Hightech-Anlage in Abu Dhabi nicht gekühlt. "Das ist ein ernsthaftes Problem", weiß Williams-Teammanager Dickie Stanford. "Wenn sie in der Box arbeiten, hat es draußen 40 Grad. In der Box sind es vielleicht sogar 55."

Zum Glück sind die körperlichen Voraussetzungen der Mechaniker recht gut, auch wenn es sich nicht durchwegs um durchtrainierte Vorzeigeathleten handelt. Stanford: "Die Jungs sind ziemlich fit. Wir haben zu Hause in der Fabrik sogar ein eigenes Programm, um sie ins Fitnessstudio zu bekommen. Wir verwenden isotonische Getränke, geben ihnen viel Wasser - und wenn sie während des Rennens ihre Overalls tragen, haben wir wahrscheinlich 20 Ventilatoren, um sie zu kühlen."

Fotoquelle: Red Bull

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