Sebastian Vettel und Nick Heidfeld freuen sich über ihre starken Leistungen

Formel 1 2011

— 10.04.2011

Deutsche Festspiele: Vettel gewinnt, Heidfeld Dritter!

Genau wie schon 2010 stehen in Sepang wieder zwei Deutsche auf dem Podium - Jenson Button Zweiter - Mercedes schwer geschlagen

Der Weltmeister ist weiterhin nicht zu schlagen: Sebastian Vettel (Red Bull) feierte heute in Sepang seinen vierten Sieg hintereinander und baute damit seine derzeitige Vormachtstellung in der Formel-1-WM weiter aus. Ein bisschen erklang die deutsche Nationalhymne bei der Siegerehrung aber auch fr Nick Heidfeld (Renault), der sich nach einem verkorksten Saisonauftakt als Dritter eindrucksvoll zurckmeldete.

Damit standen beim Grand Prix von Malaysia zum ersten Mal seit Malaysia 2010 (Sieger Vettel, Nico Rosberg Dritter) wieder zwei Deutsche auf dem Podium. Besonders Heidfeld war die Erleichterung darber anzusehen: Bei der Zieldurchfahrt ballte er mehrmals die Faust, ebenso whrend der Siegerehrung. Gestrt wurde die deutsche Party auf dem Podium nur von "Reifenflsterer" Jenson Button (McLaren), der fr eine kontrollierte Fahrt mit Platz zwei belohnt wurde.

Vierter Vettel-Sieg hintereinander

"Ein groartiger Tag, ich knnte gar nicht glcklicher sein", jubelt Vettel und gratuliert seinem Landsmann im goldenen Overall: "Ich freue mich fr Nick, er hat das verdient. Nach langer, langer Zeit und harter Kritik, die er einstecken musste, hat er bewiesen, dass Australien nicht die Regel war." Heidfeld selbst ist ebenfalls erleichtert: "Nach dem sechsten Startplatz heute hier zu sitzen, damit htte ich ehrlich gesagt nicht gerechnet."

Die gestern herausgefahrene Startaufstellung wurde schon in der ersten Kurve komplett auf den Kopf gestellt: Zwar konnte Vettel von der nach rechts verlegten Pole-Position aus seine Fhrung verteidigen, aber auf der Auenbahn erwischten beide Renaults einen hervorragenden Start. So schnappte sich Heidfeld sogar noch Lewis Hamilton (McLaren), whrend sich sein Teamkollege Witali Petrow hinter Button zunchst an fnfter Stelle einreihte.

"Der Start war entscheidend", schildert Vettel die Perspektive des Polesetters. "Ich hatte einen guten Start und war in Kurve eins berrascht, pltzlich etwas Schwarzes hinter mir zu sehen! Ich dachte: 'Wo kommt der denn her?' Dann habe ich mich aber am Ausgang der ersten Kurve darauf konzentriert, dass er nicht auch noch an mir vorbeikommt. Nick hat mir im ersten Stint ein bisschen geholfen, denn so konnte ich mich absetzen."

Heidfeld selbst empfand seinen Start als "fantastisch, genau wie in Australien. Allerdings kam ich dort von Platz 18 relativ weit nach vorne, aber damit, dass es auch so weit vorne so klappen wrde, das htte ich nicht gedacht." Gut kam auch Michael Schumacher (Mercedes) weg, der aus der ersten Runde hinter den beiden Ferraris als Achter zurckkam. Teamkollege Nico Rosberg fuhr hingegen nur langsam von der Linie weg und war pltzlich 13.

Wieder KERS-Probleme bei Red Bull

Weit nach hinten durchgereicht wurde auch Mark Webber (Red Bull): Schon gestern mussten beim Australier die KERS-Batterien gewechselt werden, dennoch funktionierte das System heute nicht - auf den langen Geraden in Sepang ein verheerender Nachteil. Webber war dann auch im anfnglichen Zweikampf mit Kamui Kobayashi (Sauber) vllig machtlos, weil Kobayashi den verstellbaren Heckflgel (DRS) und KERS aktivieren konnte, er selbst aber keines der beiden Systeme hatte.

"Wenn alle KERS haben, nur du selbst nicht, ist es schwierig, dich nach vorne zu kmpfen", seufzt der Red-Bull-Pilot, der brigens als einziger von 24 Startern (HRT war diesmal qualifiziert, aber bis zum Doppelausfall Schlusslicht) auf eine regulre Vierstoppstrategie setzte. Das Team hielt sich vor dem Start beide Varianten offen: "Wir haben ihn whrend des Rennens auf vier Stopps umgestellt", besttigt Teamchef Christian Horner.

Whrend Vettel an der Spitze ein souvernes Rennen fuhr und nach neun Runden schon 6,3 Sekunden Vorsprung hatte, erhhte Hamilton die Schlagzahl gegen Heidfeld. Der hielt dem Druck zunchst stand, beim Boxenstopp in Runde 13 verlor er jedoch an Boden: "Mein erster Boxenstopp war nicht perfekt, ich habe da ein bis zwei Positionen verloren. Und dann begann es auch noch zu trpfeln." Aber nicht so stark, dass es notwendig gewesen wre, auf Intermediates zu wechseln.

Fr Heidfeld, auf einmal nur noch Fnfter, lief es in der Folge "besser und ich hatte ein bisschen Glck mit Fernando, der an die Box kommen musste, genau wie spter auch Lewis", schildert der Renault-Pilot. Im Finish wurde es allerdings noch einmal hei: "Mark kam von hinten mit berschuss angeflogen, aber als er hinter mir war, lieen wohl seine Reifen nach. Auerdem verwendete ich KERS, um mich zu verteidigen."

"Quick Nick" beweist Nervenstrke

Webber war auf frischeren Reifen als Heidfeld und bte enormen Druck aus, hatte jedoch den Nachteil des deaktivierten KERS. Heidfeld leistete sich dann einen kleinen Fehler, im Kurvengeschlngel konnte sein Verfolger daraus aber keinen Nutzen ziehen. Als Webber in der letzten Runde selbst einen kleinen Schnitzer einbaute, war die Sache gegessen und Renault hatte im zweiten Rennen das zweite Podium in der Tasche.

Petrow konnte diesmal nicht punkten, doch was zuerst nach einem Patzer aussah, war in Wahrheit ein bizarrer Unfall: Der Russe kam an achter Stelle liegend nur leicht von der Strecke ab, aber auf dem Weg zurck hob sein schwarz-goldener Bolide wie eine Rakete ab! "Diese Bodenwelle sollte dort nicht sein", kritisiert Force-India-Testpilot Nico Hlkenberg. Petrow hatte pltzlich sein Lenkrad lose in der Hand und musste aufgeben. Hlkenberg: "Sicher kein schnes Gefhl...."

An der Spitze kam gegen Rennmitte wieder etwas Bewegung rein, als Vettel in Runde 29 angewiesen wurde, KERS ab sofort nicht mehr zu verwenden, und Verfolger Hamilton zockte, indem er aus dem Rhythmus der anderen ausbrach und nicht auf weiche, sondern auf harte Pirellis wechselte. Doch der Schuss ging nach hinten los, denn in der zweiten Rennhlfte und besonders im letzten Stint brach sein Tempo stark ein. Im Finish musste er sogar einen zustzlichen Boxenstopp einlegen.

So fiel Hamilton noch hinter Ferrari-Pilot Fernando Alonso auf Rang sechs zurck. Mit seinem frheren Teamkollegen hatte er sich zuvor ein Rad-an-Rad-Duell um Platz zwei geliefert, in dem Verfolger Alonso das hhere Tempo anschlug. Doch der Spanier verschtzte sich beim Herausbeschleunigen aus einer schnellen Rechtskurve, fuhr auf den McLaren auf und brach sich dabei eine Frontflgel-Endplatte ab. Das machte eine Reparatur notwendig.

Alonso trotz Problemen optimistisch

Auch DRS funktionierte bei Alonso nicht, trotzdem hatte er sein Temperament nach dem Rennen erstaunlich gut im Griff: "Wir waren konkurrenzfhig, konnten Rad an Rad mit den Leuten um uns herum kmpfen. Das stimmt mich fr nchste Woche optimistisch", gibt er sich vershnlich. Teamkollege Felipe Massa wurde mit 36,9 Sekunden Rckstand Fnfter, gut zehn Sekunden hinter dem Duell Heidfeld vs. Webber um den dritten Platz.

An der Spitze hatte der schnelle "Reifenflsterer" Button, der im letzten Stint sogar von seiner Crew gebremst werden musste, keine echte Chance mehr gegen Vettel, auch wenn der Abstand auf der Ziellinie nur 3,2 Sekunden betrug. Vettel hatte die Situation mhelos im Griff: "Bis zum letzten Stint war es nicht leicht. Nachdem Lewis ein Problem hatte, hatte ich Jenson hinter mir und ich konnte den Abstand locker kontrollieren."

Dass KERS wieder nicht funktionierte, "war nicht geplant, aber auf einmal ging es wieder. Daran mssen wir arbeiten, aber vor zwei Wochen hatten wir KERS noch gar nicht. Heute funktionierte es wenigstens am Start. Wre das nicht der Fall gewesen, htte ich Pltze verloren und das Rennen wre ganz anders verlaufen", glaubt Vettel und betont: "Wir drfen jetzt nicht nachlassen, denn es war hier viel knapper in Australien. Aber heute genieen wir einmal unseren Sieg."

Fr Button war es "ein verwirrendes Rennen. Du musstest die Boxenstopps richtig lesen und einschtzen, ob es Sinn macht, die Reifen zu schonen oder nicht", berichtet der McLaren-Pilot. "Mit dem harten Reifen hatte ich am Ende unglaublich viel Grip. Das Team hat mir dann gesagt, ich soll die Reifen schonen, was mir gar nicht so leicht fiel, denn als Rennfahrer willst du immer pushen, was das Auto hergibt. Jetzt freue ich mich auf China. Hoffentlich knnen wir Red Bull dort herausfordern."

Frust-Wochenende fr Mercedes

Davon kann Mercedes im Moment nur trumen: "Unter Rennbedingungen sind wir im Verhltnis zum Qualifying zu langsam, obwohl uns da auch schon eine Sekunde und mehr fehlt. Das wissen wir und daran mssen wir arbeiten", seufzt Schumacher. Rosberg wirkt ebenfalls frustriert, wenn er sagt: "Ich hatte einen sehr schlechten Start. Dann ist das Auto halt nicht schneller gegangen. Das war kein gutes Wochenende fr uns."

Schumacher rckte durch den Petrow-Crash immerhin in die Punkternge auf, schnappte sich dann im Finish auch noch Paul di Resta (Force India). Dass der siebenfache Weltmeister einmal im Kiesbett war und sich Rosberg zwischendurch vom Mercedes-Kundenfahrer di Resta frotzeln lassen musste, geht in der Rennanalyse aus Sicht der Silberpfeile fast schon unter. Am Ende wurde Schumacher mit eineinhalb Minuten Rckstand Neunter, Rosberg berrundet Zwlfter.

Nach der Disqualifikation von Melbourne gab es heute dank Kobayashi (8.) die ersten WM-Punkte fr Sauber. Der Japaner fuhr mit zwei Stopps durch und besttigte damit den Eindruck, dass der C30 sehr schonend mit den Pirelli-Reifen umgehen kann. Teamkollege Sergio Perez musste allerdings schon gegen Rennmitte abstellen: "Buemi hat vor mir irgendetwas aufgewirbelt. Das hat mich getroffen und ich konnte nicht mehr weiterfahren", rgert sich der Mexikaner.

Das berholmanver des Rennens (brigens eines von vielen) setzte Webber in der 50. Runde, als er ohne KERS auen in der ersten Kurve an Massa vorbeizog. Insgesamt sahen 16 Autos die Zielflagge, mit Petrow wurden aber 17 gewertet. Doppelausflle gab es fr Williams und HRT, auerdem erwischte es noch Jerome D'Ambrosio (Marussia-Virgin) und Jarno Trulli (Lotus). Die haben jedoch schon in einer Woche in Schanghai Gelegenheit zur Wiedergutmachung.

Fotoquelle: xpb.cc

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