Ferrari hat auch nach dem zweiten Rennen der Saison viel Aufholbedarf

Formel 1 2011

— 10.04.2011

Trotz Enttäuschung: Ferrari wittert Morgenluft

Fernando Alonso verlässt Sepang trotz 30 Punkten Rückstand in der Fahrer-WM bester Laune, aber Stefano Domenicali ortet noch viel Aufholbedarf

Neben Red Bull war eigentlich Ferrari als WM-Mitfavorit gehandelt worden, doch diese Rolle hat inzwischen eher McLaren eingenommen. In den ersten zwei Rennen kam nämlich die Ernüchterung: Vierter und Siebter beim Saisonauftakt in Melbourne, Fünfter und Sechster in Sepang. Nach zwei von 19 Rennen ist Ferrari damit die Nummer drei in der Konstrukteurswertung, lediglich sechs Punkte vor Renault.

Fernando Alonso erlebte heute einen turbulenten Tag: Erst büßte er am Start Boden ein, dann fightete er mit Nick Heidfeld und den McLarens um Platz zwei, anschließend lieferte er sich trotz stumpfer Waffen (verstellbarer Heckflügel defekt) einen sensationellen Zweikampf mit Lewis Hamilton und schlussendlich wurde ihm eine Karambolage mit dem ehemaligen McLaren-Teamkollegen zum Verhängnis. Die 20-Sekunden-Zeitstrafe blieb ohne Folgen, Platz sechs blieb unterm Strich stehen.

Für einen Ex-Weltmeister auf Ferrari eigentlich kein Grund, glücklich zu sein, aber: "Heute war ein fantastischer Tag für uns", strahlt Alonso und begründet: "Wir konnten mit McLaren und Webber kämpfen. In Australien konnten wir auch schon halbwegs mit Jenson und Webber mithalten. Das gibt mir ein gutes Gefühl, denn wir hatten nicht erwartet, mit denen zu kämpfen. Die Atmosphäre ist nach der heutigen Pace viel positiver und wir sind vor China insgesamt viel glücklicher."

Kein Wutausbruch bei Alonso

Über das verpasste Podium sei er "nicht traurig", denn "es war ein sehr schönes Gefühl, mit den McLarens und einem Red Bull zu kämpfen - und ich habe eine Runde lang geführt, glaube ich (sogar zwei: Runde 14 und 26; Anm. d. Red.). Davon durften wir nach Australien oder dem gestrigen Qualifying noch nicht einmal träumen", gibt sich der Spanier optimistisch und zieht folgendes Fazit: "Ich verlasse Sepang viel glücklicher."

Dass sich Alonso nicht mehr über das defekte Drag-Reduction-System (DRS) aufregte, verwunderte viele Zuschauer, schließlich ist er für sein Temperament bekannt. Allerdings haben diesmal beide Seiten einen Fehler gemacht: Hätte das DRS ordnungsgemäß funktioniert, wäre es nie zur Kollision mit Hamilton gekommen, die war aber an sich vermeidbar. Das sahen die Rennkommissare genauso, die ihm dafür eine bedeutungslose 20-Sekunden-Strafe aufbrummten.

Fehler Alonso? "Kann ich nicht sagen", weicht Teamchef Stefano Domenicali aus und nimmt seinen Starpiloten in Schutz: "Ich mag die Art und Weise, wie er fährt - er ist fantastisch. Und man sollte nicht vergessen, dass es dieses Jahr ein Riesenproblem ist, von der Ideallinie zu gehen. In dem Moment, wo du von der Ideallinie gehst, bekommst du Gummikügelchen auf die Reifen und verlierst Performance. Das ist dieses Jahr eine schwierige Situation."

"Wenn du nicht in einer geordneten Situation überholen kannst, musst du halt Risiken eingehen. So ist es eben. Schade, denn ohne das Problem mit dem Heckflügel hätte er wirklich attackieren können", so Domenicali. "Wir wissen noch nicht genau, wie es dazu kommen konnte, aber es muss so um Runde acht oder neun passiert sein - sehr früh jedenfalls. Es sieht derzeit nach einem mechanischen Problem aus, aber wir müssen das noch untersuchen."

KERS als DRS-Ersatz

Alonso selbst glaubt, dass DRS erst "ab Runde 15 oder 20" ausgefallen ist: "Von da an war das Überholen sehr schwierig", berichtet er. "Ich habe versucht, KERS an anderen Stellen zu drücken, um dem Vordermann nahe zu kommen. Ich habe beim Bremsen attackiert und die Linie am Kurvenausgang geändert. Ohne das Heckflügel-Problem wäre es einfacher gewesen, Lewis zu überholen, und dann hätte es kein Problem gegeben. Vielleicht hat uns das einen Podestplatz gekostet."

Seitens Ferrari will man nun sicherstellen, dass so etwas nicht mehr vorkommen kann: "Das ist eine neue Situation in der Formel 1, der wir uns stellen müssen", spielt Domenicali auf DRS, KERS und Co. an. "Wir müssen sicherstellen, dass wir am meisten davon profitieren. Aus Teamsicht muss ich sicherstellen, dass das System funktioniert, denn sonst haben wir beide Ziele nicht erreicht: keine Show und kein Vorteil durch dieses neue Element. Das ist für mich im Moment das Wichtigste."

Bei der Rennanalyse fällt aus Ferrari-Sicht auf: Alonsos schnellste Rennrunde war nur um 0,146 Sekunden langsamer als die Bestzeit von Mark Webber, während gestern im Qualifying noch 0,932 Sekunden auf den anderen Red Bull gefehlt hatten. "Aus irgendeinem Grund läuft es im Rennen besser als am Samstag", grübelt der 29-Jährige. "Vielleicht liegt es daran, dass wir die Reifen weniger stark verschleißen und unsere Rundenzeiten konstanter sind."

"Das kann schon sein. Darauf haben sie ja im Winter die ganze Zeit hingearbeitet", stellt 'Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer fest. Domenicali ergänzt: "Wir wissen, dass unser Renntempo viel besser ist als im Qualifying. Der Schlüssel ist die Nutzung der Reifen im Rennen. Heute haben wir gesehen, wie groß die Unterschiede sogar zwischen Fahrern sein können, die das gleiche Auto fahren. Das ist also ein wichtiger Faktor."

Es fehlt an Anpressdruck

Tatsache ist aber auch, dass Ferrari selbst im Renntrimm noch nicht mit der absoluten Spitze mithalten kann. Seit den Upgrades des letzten Barcelona-Tests scheint man im Entwicklungsrennen zurückgefallen zu sein. Das soll angeblich vor allem an der Vorderachse liegen, wie man hört. Domenicali ortet aber auch ein fundamentales Problem: "Wo wir einen Schritt machen müssen, ist der Anpressdruck. Das ist der Schlüssel zu unserer Performance."

"Wenn wir das hinkriegen, stehen wir in der Startaufstellung weiter vorne. Dann steckst du in der ersten Kurve nicht im Verkehr und kannst im Rennen nach vorne statt nach hinten schauen", begründet er. "Ganz klar: Wir müssen uns darauf konzentrieren, im Qualifying besser zu werden. Gestern war der Abstand groß, aber heute waren wir auf Augenhöhe mit allen anderen - Vettel mal ausgenommen. Ein Podium wäre eindeutig möglich gewesen."

Allerdings nicht für Felipe Massa, bei dem ein Boxenstopp verpatzt wurde. "Die Anzahl der Boxenstopps ist gestiegen", erklärt Domenicali. "Damit steigt natürlich auch die Wahrscheinlichkeit, dass bei einem der Boxenstopps etwas schiefgeht - und damit wiederum steigt der Druck auf das Team, perfekt zu arbeiten. Leider hatten wir heute ein Problem beim Boxenstopp von Felipe, das viele Positionen gekostet hat."

Indes erwartet Alonso für Schanghai "ein schwieriges Wochenende". Aber: "Heute hat man gesehen, dass ein Rennen lang ist. Gestern sah es noch nicht gut aus, aber heute wären wir unter normalen Umständen Zweiter oder Dritter geworden. Wir fliegen im Wissen nach China, dass es schwierig wird, aber wir werden schon unsere Chancen bekommen, wenn wir alles richtig machen", gibt der Ferrari-Pilot abschließend zu Protokoll.

Fotoquelle: xpb.cc

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