Sepang-Sieger Sebastian Vettel schaltete KERS aus Sicherheitsgründen ab

Formel 1 2011

— 11.04.2011

Red Bulls KERS zeigt weiterhin Macken

Der Paddock rätselt weiterhin über Red Bulls KERS: Warum funktioniert das System nicht richtig und welchen Zweck hat Helmut Markos Geheimniskrämerei?

82 zusätzliche PS für bis zu 6,7 Sekunden pro Runde - in der Theorie ist KERS eine tolle Sache. Doch bei Red Bull funktionierte das Hybridsystem in den ersten beiden Saisonrennen wenig bis gar nicht: Mark Webber war ohne die Extra-Power gestern völlig aufgeschmissen und selbst Sieger Sebastian Vettel musste in Sepang phasenweise auf KERS verzichten.

In Runde 29, also etwa zu Halbzeit im Grand Prix von Malaysia, funkte Renningenieur Guillaume Rocquelin Vettel ins Cockpit, er solle den KERS-Knopf nicht mehr drücken. "Irgendwann sagte er mir, dass ich KERS nicht verwenden soll", bestätigt Vettel, unterstreicht aber: "Danach aktivierten wir es schon wieder. Ich weiß nicht, was das Problem war. Offensichtlich gab es einen Defekt, denn KERS stellt normalerweise einen Vorteil dar."

Zumindest am Start rettete ihm KERS aber "das Leben", sagt Vettel und spielt damit auf Nick Heidfelds grandiose Attacke an, der sonst möglicherweise sogar in Führung gegangen wäre. Ganz anders erging es Webber: Der Australier konnte die Zusatzleistung am Start als einziger Topfahrer nicht abrufen und fiel vom dritten auf den zehnten Platz zurück. Auch später im Rennen zeigte die TV-Grafik bei ihm keine KERS-Nutzung an.

Warum spricht Marko nicht Klartext?

Doch Helmut Marko bleibt weiterhin nebulös, wenn er auf KERS-Probleme angesprochen wird: "Mark hatte am Start Probleme, aber die waren nicht nur auf KERS zurückzuführen. KERS ist ja in mehreren Phasen verfügbar", so der Red-Bull-Motorsportkonsulent in der 'RTL'-Nachberichterstattung, um gleich anschließend abzulenken: "Aber gehen wir zu einem anderen Thema." Warum Red Bull nicht über KERS reden will, weiß niemand so genau.

Steckt hinter den verschleiernden Aussagen mehr oder will man nur die Konkurrenz in die Irre führen, wenn man schon einen Schwachpunkt hat? Diese Taktik hat in Melbourne schon einmal funktioniert. Dort ließ Red Bull alle im Dunkeln tappen, was prompt Gerüchte über ein KERS nur für den Start schürte. Dabei wurde das System nach dem Freitagstraining freiwillig deaktiviert, weil es sonst vielleicht Zuverlässigkeitsprobleme verursacht hätte.

Zumindest Christian Horner spricht etwas detaillierter über Webbers Schwierigkeiten: "Das KERS schaltete in den Sicherheitsmodus. Die Ursache war elektrischer Natur. Davor ist das noch nie aufgetreten", verrät der Teamchef und ergänzt: "Mit Sebs KERS gab es kein Problem." Beim Führenden habe man KERS präventiv nicht genutzt, um kein Risiko einzugehen. Als komfortabler Spitzenreiter war der Deutsche auf die Zusatzleistung ohnehin nicht angewiesen.

"Wir haben ein System, das im Vergleich zu den Systemen einiger Rivalen noch nicht so ausgereift ist", gesteht Horner. "Da wollten wir einfach kein unnötiges Risiko eingehen, zumal die Hitze hier ein besonders hartes Umfeld für KERS ist. Daher sind wir konservativ an das Thema herangegangen." Für Schanghai ist erneut geplant, mit Hybridtechnik zu fahren: "Wir haben heute viele Daten gesammelt, aus denen wir für nächste Woche einiges lernen können."

Keine Chance gegen Kobayashi

Denn wie groß der Nachteil ist, kein KERS zu haben, zeigte sich an Webbers Zweikampf mit Kamui Kobayashi: Der Red Bull war zwar so klar schneller als der Sauber, dass Webber sogar im Kurvengeschlängel vorbeigehen konnte, aber mit dem doppelten Nachteil ohne KERS und dem verstellbaren Heckflügel (darf nur der Angreifer aktivieren) wurde er auf den zwei langen Geraden immer wieder zurücküberholt.

"Mein Start", schildert der Australier seine Schwierigkeiten in Sepang, "war schon von Haus aus nicht gut, aber bis zur ersten Kurve wirst du ohne KERS gekillt. Nach Kurve zwei wieder. Ich habe dann probiert, ein paar Leute zu überholen, aber ohne KERS kamen sie immer wieder an mir vorbei. KERS ist also eindeutig ein Vorteil." Zumindest wenn es zuverlässig ist - eine Baustelle, die Red Bull schnell in den Griff bekommen muss.

"Unser KERS setzt sich aus drei Komponenten zusammen", erklärt Konsulent Marko. "Die eine kommt von Magneti Marelli, die IP-Rechte liegen bei Lotus-Renault und wir bei Red Bull haben unsere eigene Weiterentwicklung gemacht." Im Vergleich zum erprobten Basis-KERS von Renault gebe es "doch signifikante" Unterschiede: "Darum glauben wir auch, dass wir in der Entwicklung, vor allem in der Feinabstimmung, noch nicht am Limit angelangt sind."

Im Fahrerlager wird gemunkelt, dass Stardesigner Adrian Newey, ein bekannt kompromissloser Aerodynamik-Fanatiker, seinen Ingenieurskollegen aufgetragen hat, das Renault-KERS für Red Bull so kompakt wie möglich zu adaptieren, damit er mehr Spielraum hat, um sich mit der Außenhaut des RB7 austoben zu können. Dabei könnten zum Beispiel die Batterien zu klein geraten sein. Aber im Moment sind all das nur Spekulationen.

Fotoquelle: xpb.cc

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