Sam Michael könnte seinen Posten als Technischer Direktor bald verlieren

Formel 1 2011

— 13.04.2011

Frust bei Williams: Personelle Änderungen?

Toto Wolff plant Überraschungsbesuch in Schanghai: Wackeln die Arbeitsplätze von Sam Michael und Co. nach dem schlechten Saisonstart?

Im Winter noch als heißer Außenseitertipp gehandelt und für das radikale Heck des FW33 gelobt, steht Williams nach zwei Saisonrennen als einziges der etablierten Teams noch ohne einen WM-Punkt da. "Ich bin darüber sowohl überrascht wie auch frustriert", gibt Adam Parr, als Vorstandsvorsitzender einer der wichtigsten Entscheidungsträger in Grove, zu.

"Obwohl wir für den FW33 ein ambitioniertes Konzept haben, den Vorteil von Kontinuität auf der Motorenseite und der zweiten Saison mit Rubens, läuft es nicht", kritisiert der Brite. "Angesichts unserer relativen Stärke während der Wintertests und der außergewöhnlichen Arbeitslast, die jeder bei Williams in dieses Auto gesteckt hat, ist das besonders schlimm." Man habe zwar schon Neuerungen in der Pipeline, "aber das ändert nichts an der Tatsache, dass wir schlecht gestartet sind".

Erfolglosigkeit geht weiter

Das will das einstige Erfolgsteam, das seit 1997 keinen WM-Titel und seit 2004 keinen Grand Prix mehr gewonnen hat, nicht auf sich sitzen lassen. Daher kündigt Parr Konsequenzen an: "Wir werden uns nicht nur den kurzfristigen Problemen widmen, sondern wir werden zusammenarbeiten, um das Team für 2012 und darüber hinaus zu stärken. Jeder Aspekt wird durchleuchtet, nichts ist heilig. Aber wir werden das methodisch machen und nicht auf reaktive Weise."

Maßnahme Nummer eins: Laut Informationen von 'Motorsport-Total.com' wird Williams-Anteilseigner Christian "Toto" Wolff höchstpersönlich auf Überraschungsbesuch nach Schanghai fliegen, um sich vor Ort ein Bild von den Abläufen im Team zu machen. Der Österreicher hält sich normalerweise stets im Hintergrund, doch angesichts der derzeitigen Lage sieht er sich dazu gezwungen, auch selbst in die möglicherweise notwendige Umstrukturierung einzugreifen.

"Nachdem ich mir ein Jahr lang alles angeschaut habe, habe ich jetzt ein wesentlich klareres Bild", erklärt der 39-Jährige. Man habe "fünf, sechs Kernthemen", die es in den nächsten Wochen zu durchleuchten gilt. Davon ausgenommen sind die Fabrik in Grove und das Budget - beides sieht Wolff nicht als limitierende Faktoren. Aber: "Es geht um die Umsetzung der Themen - und die hat mit Menschen zu tun", deutet er personelle Veränderungen an.

"Es liegt am Faktor Mensch und daran, wie die Menschen zusammenarbeiten", glaubt er. "Wir haben einen Switch von der Gründergeneration in die nächste. Das funktioniert nicht - aus welchen Gründen auch immer." Allerdings meint er damit weniger den kommerziellen Übergang von Frank Williams und Patrick Head zu sich selbst und Parr, sondern es sei "nur die technische Seite" betroffen, "von Patrick Head zu Sam Michael".

Neuer Technischer Direktor gesucht?

Head, der seinen langjährigen Posten als Technischer Direktor im Jahr 2004 an den damals erst 33-kährigen Australier Michael übergeben hat, sei ein "genialer Gründer mit einer unheimlichen Historie", lobt Wolff und ergänzt: "Vor einiger Zeit hat die nächste Generation die Verantwortung bekommen. Das hat nicht funktioniert." In Branchenkreisen wird daher schon spekuliert, dass Michael noch in diesem Jahr vor die Tür gesetzt werden könnte.

Unter der technischen Regie des früheren Jordan-Renningenieurs hat Williams bisher erst einen Grand-Prix-Sieg gefeiert. Dem stehen 112 Siege unter Heads 35-jähriger Führung gegenüber. Doch weder ist Michael die einzige Personalie, die zur Diskussion steht, noch wird ausschließlich das Personal durchleuchtet. Auch der Cosworth-Motor gilt nicht unbedingt als Formel-1-Spitzenreiter, aber "mit solchen Baustellen will ich mich jetzt nicht beschäftigen", betont Wolff.

"Es steht alles zur Evaluierung, aber in allererster Linie muss sich das Team selbst an die Nase nehmen und nicht schauen, welcher der Lieferanten Fehler macht", ermahnt der Williams-Anteilseigner. "Wenn ich die fünf, sechs Faktoren zusammenrechne, dann sollten wir am wenigsten an Cosworth rütteln. Dass der Motor vielleicht nicht so stark ist wie der Mercedes, haben wir schon vor eineinhalb Jahren gewusst. Das ist das letzte Thema, das zur Diskussion steht."

Handlungsbedarf besteht bei Williams nicht zuletzt auch wegen des stark unter Druck geratenen Aktienkurses an der Frankfurter Börse. Die Williams-Aktie wurde am 2. März mit einem Einstiegskurs von 25 Euro emittiert und ist bis heute auf unter 19 Euro gefallen. Zumindest auf dem Papier wurden damit schon 60 Millionen Euro an Firmenwert vernichtet. Sportliche Topergebnisse könnten jedoch zu einer erheblichen Kurskorrektur führen.

Fotoquelle: xpb.cc

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