Sebastian Vettel jubelt inmitten der neu eingekleideten McLaren-Fahrer

Formel 1 2011

— 16.04.2011

Pole auch in China: Vettel deklassiert Button und Co.

Mark Webber prominentes Q1-Opfer, Sebastian Vettel weiterhin auf Wolke sieben: Das Qualifying in Schanghai hatte eine Menge zu bieten...

Weltmeister Sebastian Vettel schwebt weiterhin auf Wolke sieben - und die besteht in Schanghai im Gegensatz zu gestern, als viele Industriefabriken noch in Betrieb waren, nicht aus Smog, sondern basiert auf Euphorie! Denn der Red-Bull-Pilot zeigte erst im entscheidenden Moment, wie berlegen er an diesem Wochenende ist, und sicherte sich eine weitere Pole-Position.

Es ist die 18. seiner Karriere und die dritte im dritten Qualifying dieser Saison - und noch dazu eine besonders se, weil sein Teamkollege und damit schrfster Rivale Mark Webber im WM-Rennen einen weiteren herben Rckschlag hinnehmen musste. Somit sind Vettels Hauptkonkurrenten um den Sieg in Schanghai die beiden McLaren-Piloten Jenson Button und Lewis Hamilton, die heute erstmals mit (gewhnungsbedrftigen) roten Rennoveralls unterwegs waren.

Button resigniert gegen Vettel

Button fehlten am Ende 0,715 Sekunden - in der Formel 1 eine halbe Ewigkeit: "Im Eifer des Gefechts glaubst du immer, dass was geht, aber letztendlich war Sebastian berlegen", resigniert der Vorjahressieger. "Ich bin frh rausgegangen, um eventuell ein zweites Mal auf Pole attackieren zu knnen, aber als ich dann Sebastians Zeit sah, war mir klar, dass es bestenfalls um den zweiten Platz geht. Aber ich bin damit nicht unzufrieden."

Vettel und Button waren die einzigen Topfahrer, die sich in Q3 die Variante offenhielten, zwei Runs zu fahren. Vettels Vorlage war dann aber so stark, dass er seinen zweiten Versuch abbrechen konnte, um nicht unntig Reifen zu verschwenden. Insofern ist seine Ausgangslage fr den Hattrick am Saisonbeginn hervorragend: "Ich bin guter Dinge", sagt er, "aber es kann auch gefhrlich sein, wenn man sich zu sicher ist. Ich passe auf, dass das nicht passiert."

"Wir haben es wieder geschafft, aber ich versuche, mich und das Team stets daran zu erinnern, dass jedes einzelne Mal schwierig ist. Es war nicht so leicht, wie es ausgesehen hat", gibt der amtierende Weltmeister und zweifache Saisonsieger zu Protokoll. "Ich hatte in Q2 einen Fehler, Q3 war zum Glck besser. Wieder mal gute Arbeit, aber morgen sind das nur acht Meter Unterschied. Mit dem Auto und allem anderen bin ich aber so glcklich, wie ich nur sein kann."

Entwarnung: Kein Sitzstreik

Erschrocken sind seine Fans, als Vettel im Parc Ferme minutenlang sitzen blieb. Zwar gab er mittels Daumen hoch Entwarnung, aber zunchst wusste niemand genau, was der Grund fr seine Sitzeinlage war. Inzwischen ist bekannt: Vettel wartete darauf, dass ihm ein FIA-Mitarbeiter wegen des Wiegens das Okay gibt, aussteigen zu drfen. "Vielleicht habe ich den bersehen", nimmt es der bisherige Dominator aller vier Sessions an diesem Wochenende aber gelassen.

Hamilton drehte im Top-10-Finale nur einen einzigen Run und verlor das Stallduell gegen Button um 42 Tausendstelsekunden. Warum so eine Taktik, Lewis? "Das letzte Rennen hat gezeigt, wie wichtig es ist, im Rennen frische Reifen zu haben", argumentiert er und sieht sich fr das Rennen "in einer guten Position", denn: "Ich habe noch frische Options und frische Primes und noch einen Satz Options, der in einigermaen gutem Zustand ist."

Die grte "Rundenschleuder" des Qualifyings war brigens Nico Rosberg (4./Mercedes) mit 19 Umlufen, whrend Webber mit acht auskam. Doch dass Reifensparen nicht immer der richtige Weg sein muss, belegt Webbers Schicksal: Der Australier, nach gewaltigen technischen Problemen im Freien Training ohne KERS unterwegs, verzockte sich mit den hrteren Pirelli-Primes und verpasste den Einzug unter die besten 17 um drei Zehntelsekunden.

Kobayashi zeigt vor, wie es geht

"Wir haben gedacht, es wrde auch so reichen", rgert sich Webber. "Letztlich habe ich die Reifen nicht zum Arbeiten gebracht. Unser Problem. Natrlich wre ich mit den weichen Reifen schneller gewesen, aber wir haben uns verschtzt." Auf die Frage, wer die Taktik festgelegt hat, entgegnet er: "Die Entscheidung wurde an der Boxenmauer getroffen." Ironie an der Geschichte: Kamui Kobayashi (Sauber) stieg als 17. mit den wenigsten Runden (vier) in Q1 auf...

Rosberg agierte deutlich konservativer, wurde dafr aber belohnt: Platz vier, eine Sekunde hinter Vettel, nur zwei Zehntelsekunden hinter McLaren. "Das ist natrlich ein positives Ergebnis", jubelt er. "Ich bin ein bisschen berrascht, aber wir haben wirklich einen Schritt nach vorne gemacht." Zuvor hatte Sportchef Norbert Haug gesagt, dass es derzeit "undenkbar" sei, "McLaren oder Red Bull zu schlagen, aber wenn wir bei den Verfolgern mitmischen knnen, ist das in Ordnung."

Mission erfllt, wenn auch nur mit einem Auto. Denn Michael Schumacher schrammte als 14. am Cut vorbei - zum dritten Mal im dritten Qualifying der Saison. Darber, ob es ohne rote Flagge anders ausgesehen htte, "darf man gerne spekulieren", aber: "Faktum ist, dass es nicht gereicht hat, weil ich die Runde nicht zusammengebracht habe. Schade, denn wir hatten uns vor dem Wochenende Platz fnf und sechs vorgenommen gehabt. Das war auch mehr als realistisch."

Chaos in den letzten zwei Minuten

"China ist nicht so ganz mein Pflaster", seufzt Schumacher und vergisst dabei, dass er in Schanghai 2006 seinen bisher letzten Grand-Prix-Sieg gefeiert hat. Doch 2010 wurde er in einem Regenrennen regelrecht vorgefhrt und auch heute vergab er die intakte Chance auf den Finaleinzug letztendlich selbst, als er sich in der vorletzten Kurve verbremste. Das Chaos in den letzten 2:02 Minuten von Q2 war wohl nicht ausschlaggebend.

Dass es in Q2 berhaupt so hektisch wurde, lag an Witali Petrow, der an vierter Stelle liegend ausrollte. "Da stimmt etwas mit den Gngen nicht", funkte er an die Renault-Box. Kommentar von Rubens Barrichello (15./Williams): "Ich hoffe, er kriegt eine Strafe, denn es ist nicht fair, in der Mitte der Fahrbahn stehen zu bleiben." So kam es zu hektischem Treiben in der Boxengasse, weil die Zeit fr einen abschlieenden Run knapp wurde.

Whrend Rosberg trotz Verkehrs im letzten Sektor noch eine Verbesserung schaffte, warfen Schumacher und auch Nick Heidfeld (Renault) ihre verbleibende Minichance weg. Heidfeld hatte hoch gepokert und war als einziger Fahrer noch nicht auf die Strecke gegangen, hatte daher noch keine Zeit auf seinem Konto. Im hektischen Treiben der letzten 122 Sekunden gelang es ihm nicht mehr, eine Top-10-Zeit zu setzen - Startplatz 16.

Heidfeld rgert sich zurecht

"Natrlich wre mehr drin gewesen als P16, aber das war einfach ein bisschen Pech. Alle wollten noch eine Runde fahren, aber es war nicht viel Zeit", analysiert der Deutsche und glaubt, dass seine Position in der Boxengasse, als die Session wieder erffnet wurde, entscheidend war: "Wir waren leider im Pack nicht ganz vorne und hatten daher viel Verkehr. Es wre besser gewesen, auf weichen Reifen frher rauszugehen, aber im Nachhinein ist man immer schlauer."

Hinter den beiden Ferraris (Fernando Alonso: "Ein Podestplatz wird schwierig") berraschten Jaime Alguersuari (Toro Rosso/+2,452) und Geburtstagskind Paul di Resta (Force India/+2,484) in der vierten Startreihe, unmittelbar vor Sebastien Buemi (Toro Rosso/+2,497). Di Restas Teamkollege Adrian Sutil wurde Elfter: "Durch die rote Flagge hat es mir die letzte Runde genommen, sonst wre Q3 wahrscheinlich mglich gewesen. Aber ich bin mit dem elften Platz zufrieden", sagt er.

Ansonsten gab es keine nennenswerten berraschungen, abgesehen vielleicht davon, dass sowohl HRT wie auch Marussia-Virgin nicht die geringste Mhe mit der 107-Prozent-Hrde hatten. Morgen werden also alle 24 Autos in den achten Grand Prix von China starten - und fr 23 davon wre ein Sieg eine Riesenberraschung. Unter normalen Umstnden wird es fr Vettels Gegner nmlich ganz schwierig, dessen Siegesserie zu beenden...

Fotoquelle: xpb.cc

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