Martin Whitmarsh hat nach dem ersten Saisonsieg von McLaren gut lachen

Formel 1 2011

— 17.04.2011

Whitmarsh-Analyse: Strategie im Rennen umgestellt

Martin Whitmarsh über Jenson Buttons Anfängerfehler, die umgestellte Strategie und das Nervenflattern beim teaminternen Überholmanöver

Die (britischen) Silberpfeile haben heute eine goldrichtige Entscheidung getroffen und damit den Grand Prix von China gewonnen. Denn eigentlich hatte McLaren vor, Lewis Hamilton und Jenson Button nur zweimal an die Box zu holen, doch genau das kostete Sebastian Vettel den Sieg. Die Umstellung auf drei Stopps entpuppte sich daher als rennentscheidend.

Ebenso wie der Raketenstart, denn Button führte nach der ersten Runde vor Hamilton und Vettel. "Die Fahrer haben einen Superstart hingelegt und wir fanden, dass es sehr gut lief", erklärt Teamchef Martin Whitmarsh. "Dann baten wir Jenson, an die Box zu kommen, aber ich schätze, er hat das nicht gehört. Daher kam er eine Runde später als geplant rein. Die Kombination davon mit seinem Stehenbleiber in der Red-Bull-Box hat ihn Position gekostet."

Buttons geistiger Aussetzer war eine der Szenen des Rennens: Der Brite fuhr in Führung liegend an die Box, bog aber nicht erst bei der McLaren-, sondern schon bei der Red-Bull-Crew von der Fast-Lane ab. Die Red-Bull-Mechaniker winkten ihn durch, sodass Vettel in der Boxengasse an ihm vorbeiging. "Das sah komisch aus, aber normalerweise macht er solche Fehler nicht", nimmt Whitmarsh Button trotz des Anfängerfehlers in Schutz.

Button kostet auch Hamilton Position

"Lewis musste deswegen leider auch eine Runde später reinkommen, was ihn ebenfalls Positionen kostete. In der Runde, in der er von Massa überholt wurde, wäre er sonst schon an der Box gewesen", bedauert der Brite. "Nach der ersten Runde der Boxenstopps nicht mehr Erster und Zweiter, sondern Fünfter und Sechster zu sein, war niederschmetternd, aber ich bin stolz, dass die Fahrer und das Team ruhig und konzentriert geblieben sind."

Dann der entscheidende Moment: "Nach all dem wurde uns klar, dass wir von der eigentlich geplanten Zweistoppstrategie auf drei Stopps wechseln müssen. Zu dem Zeitpunkt war Lewis auf seinem neuen Satz Options, die wir nicht maximal ausschöpften, weil es sein kürzester Stint war. Aber wir haben die Strategie umgestellt, was ein entscheidender Moment im Rennen war - genau wie natürlich die fantastischen Überholmanöver beider Fahrer", so Whitmarsh.

Hamilton wechselte in der 15. Runde an dritter Stelle liegend von Options auf Options und wechselte nur zehn Runden später erneut. Was viele nicht wussten: Ausgerechnet in jenem (kürzesten) Stint hatte er jenen weichen Pirelli-Reifensatz drauf, den er sich gestern im Qualifying gespart hatte. Das war im Nachhinein betrachtet sicher die richtige Strategie, wie seine starke Pace am Rennende beweist, hatte aber eigentlich nicht ganz den erhofften Effekt.

"Das war gar nicht so entscheidend, denn die neuen Options wurden für den zweiten Stint aufgezogen. Das war genau die Zeit, in der wir die Strategie umgestellt haben, also war es der kürzeste Stint", erläutert Whitmarsh. "Das war die richtige Entscheidung, aber dadurch haben wir nicht das Maximum aus diesem Satz rausgeholt. So gesehen hat die Entscheidung gestern den Ausgang heute nicht entscheidend beeinflusst, auch wenn sie auf jeden Fall richtig war."

Nervenflattern beim Überholmanöver

Zu Beginn der 36. Runde dann ein Highlight, als sich Hamilton vor der ersten Kurve innen an Button vorbeiquetschte. Button spielte dabei fair mit. "Die beiden haben großartige Überholmanöver gezeigt - gegeneinander, was für mich ein ziemlich angespannter Moment war, aber auch gegen andere Autos. Das war toll anzusehen und es war ihr Beitrag zu einem hervorragenden Rennen", ist Whitmarsh stolz auf seine beiden Racer.

Allerdings blieb ihm dabei das Herz stehen: "Ich habe nie Freude daran, wenn unsere beiden Fahrer gegeneinander racen. Wenn du das live ansiehst, ist das angsteinflößend, denn du weißt, dass die Katastrophe nur ein paar Zentimeter entfernt ist. Aber andererseits sollen sie gegeneinander racen, denn das ist die Philosophie dieses Teams. Letztendlich hat das zu einem fantastischen Nachmittag beigetragen und es ist ja alles gut gegangen."

Mit Red Bull sei es nach drei Rennen schon "sehr eng", betont der 52-Jährige, durch dessen Körper nach dem ersten Saisonsieg "alle möglichen Emotionen" fließen: "Es war ein herausforderndes Wochenende. In den Rennen ist jetzt so viel Action, es gibt so viele Boxenstopps. Man muss die Reifen genau im Auge behalten. Wenn du nur ein bisschen daneben liegst, hast du Pech gehabt", gibt er zu Protokoll.

"Es war fantastisch, unseren ersten Sieg des Jahres zu holen. Das war sehr wichtig, denn emotional verteufelst du ein Jahr, wenn du von den ersten Rennen keines gewinnst. Umso wichtiger ist dieser Sieg für das Team, das für die Arbeit, das es in den vergangenen sechs Wochen geleistet hat, belohnt wurde", sagt Whitmarsh und lobt abschließend Hamilton: "Nico, Vettel und Massa haben ihn nicht freiwillig vorbeigelassen. Er hat das großartig gemacht!"

Fotoquelle: McLaren

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