Mark Webber manövrierte sich vom 18. Startplatz auf den dritten Rang nach vorne

Formel 1 2011

— 18.04.2011

Webbers Weg zu Platz drei: Die etwas andere Strategie

Das Feld von hinten aufzurollen, ist man bei Red Bull nicht gewohnt, doch Mark Webber und Ian Morgan meisterten auch diese Herausforderung

Nachdem Mark Webber in der Qualifikation von China schon nach der ersten Teilsession die Segel streichen musste, schien alles auf ein weiteres schwieriges Rennen für den Australier hinzudeuten. Der 34-Jährige zog sich allerdings überaus achtbar aus der Affäre, zeigte seine beste Saisonleistung und kletterte erstmals 2011 auf das Formel-1-Podium - und all dies trotz seines 18. Startplatzes.

Die Ausgangslage der beiden Red-Bull-Fahrer - Sebastian Vettel ging von der Pole-Position ins dritte Rennen des Jahres - hätte also kaum unterschiedlicher sein können. "Mark hatte ein ganz anderes Rennen als Sebastian", bestätigt Teamchef Christian Horner. "Er ging mit der harten Reifenmischung an den Start. Diese Pneus waren zu Beginn noch nicht konkurrenzfähig", erklärt der Ex-Rennfahrer.

"Danach absolvierte Mark drei Stints mit neuen weichen Reifen. Dabei überholte er unheimlich viele Fahrzeuge, um seine Strategie umzusetzen", meint Horner und merkt an: "Gegen Rennende waren seine Pneus in deutlich besserer Verfassung als die Reifen seiner Vorderleute. Eine Kombination aus guter Strategie und fantastischer Umsetzung brachten ihn in Schanghai auf das Siegertreppchen."

Das frühe Quali-Aus eröffnet neue Möglichkeiten

"Mark ist großartig gefahren, was ihm sicherlich einiges an Selbstbewusstsein bescheren wird", gibt Teamchef Horner zu Protokoll. Ohne die Taktik, welche ihm die Mannschaft um Ian Morgan, den leitenden Renningenieur von Red Bull, zurechtgelegt hatte, wäre Webber aber vermutlich nicht bis in die Topregion des Starterfeldes vorgedrungen. Nach der Qualifikation war ein Umdenken angesagt.

Startplatz 18 sei zwar ein "enttäuschendes Ergebnis" gewesen, doch es gelte trotzdem, "das Beste aus der jeweiligen Situation zu machen", erläutert Morgan. "Die Umstände, die wir beim Großen Preis von China hatten, waren sehr speziell. Wir hätten normalerweise wohl kaum drei frische weiche Reifensätze gehabt." Diese Pneus waren übrig, weil Webber nicht über Q1 hinausgekommen war.

Entsprechend viele strategische Möglichkeiten taten sich dem 34-Jährigen und seiner Crew auf. "Es ist unsere Aufgabe, ihm die schnellstmögliche Taktik zu verschaffen und ihn möglichst oft frei fahren zu lassen, damit er die Geschwindigkeit seines Autos ausnutzen kann. Es ist eine komplett andere Herangehensweise an das Rennen", beschreibt Morgan den Rennplan seines Red-Bull-Piloten.

Webber arbeitet sich durch das Feld nach vorne

"Normalerweise bewegen wir uns nämlich in der Spitzengruppe und treten gegen unsere direkten Konkurrenten an. Wir legen unsere Taktik manchmal darauf aus, vor unseren Gegnern zu bleiben, was nicht immer die schnellste Strategie sein mag. Die Position zu halten ist aber oft überaus wichtig. In Schanghai mussten wir hingegen eine ganz andere, aber sehr interessante Taktik wählen."

"Dies zu meistern, ist eine Herausforderung", stellt der leitende Renningenieur der Titelverteidiger heraus. "Wir nutzten die weichen Reifen, um die Autos im Hinterfeld zu überholen und langsam aber sicher nach vorne zu gelangen." Webber hätte sich fahrerisch an die neue Situation anpassen müssen. "Er musste aggressiv vorgehen, weil er keine andere Wahl hatte, als zu überholen."

"Fährt man an der Spitze, kann man sich sein Rennen einteilen und sich vielleicht etwas defensiver verhalten. Man will ja nichts Dummes anstellen und ein gutes Ergebnis wegwerfen", sagt Morgan und fügt hinzu: "Liegst du hingegen weiter hinten, hast du auch weniger zu verlieren. Wichtig ist aber auch, dass man die Ruhe bewahrt und geduldig bleibt." In China meisterte Webber diese Aufgabe perfekt.

Fotoquelle: xpb.cc

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