Martin Whitmarsh und Ross Brawn finden das neue Reglement gelungen

Formel 1 2011

— 19.04.2011

Silberpfeil-Teamchefs begrüßen neues Reglement

Martin Whitmarsh und Ross Brawn sind Fans des neuen Reglements und erinnern daran, dass die Formel 1 auch früher schon ähnlich funktioniert hat

So ganz schlüssig ist man sich im Fahrerlager und vor Millionen von TV-Schirmen auf der ganzen Welt noch nicht, ob man die neue Formel 1 mit all ihren Änderungen (Pirelli-Reifen, verstellbarer Heckflügel, KERS, etc.) gut finden soll. Die Rennen sind anno 2011 kein reiner Temposprint mehr, sondern es sind die besten Strategen gefragt.

Dabei geht es im Gegensatz zu früher nicht mehr darum, Tankstopps ideal zu timen (Nachtanken ist bekanntlich seit 2010 verboten), sondern vielmehr darum, die Überholhilfen richtig einzusetzen und vor allem mit den Reifen schonend umzugehen. Denn dass ein um sieben Runden älterer Reifensatz unter Umständen über Sieg oder Niederlage entscheiden kann, musste Sebastian Vettel am vergangenen Wochenende in Schanghai schmerzlich erfahren.

Mehr Boxenstopps, mehr Überholmanöver

Formel 1 neu bedeutet auch: teilweise über 100 statt gut 20 Boxenstopps pro Rennen und Überholmanöver als Massenware. Kritiker finden, dass es nichts mehr mit traditionellem Racing zu tun hat, wenn Lewis Hamilton in einer schnellen Kurve wegen der frischeren Reifen mühelos an Vettel im mit der besten Aerodynamik gesegneten Red Bull vorbeiziehen kann, andere wiederum begrüßen, dass die Rennen nun meist bis in die letzten Runden hinein spannend bleiben.

Letzterer Gruppe gehört Martin Whitmarsh an: "Ich bin jetzt vielleicht ein bisschen voreingenommen, aber wir kommen gerade von Strecken, auf denen es normalerweise keine überragende Show gegeben hat, wenn es trocken war. Ich glaube aber nicht, dass sich in Malaysia irgendjemand beschwert hat - und niemand würde sich über das epische Rennen beschweren, das wir in Schanghai erlebt haben", findet der McLaren-Teamchef.

Viele vergessen nämlich: Die Kunst, mit dem Material intelligent hauszuhalten, hat es in früheren Formel-1-Epochen auch schon gegeben. Am besten in Erinnerung ist vielen vielleicht die Turbo-Ära, als diejenigen, die zu oft am "Dampfrad" gedreht haben, zwar sensationell schnell waren, dafür dann aber in der letzten Runde nicht selten keinen Sprit mehr hatten. Zu durch Boxenstopps unterbrochenen Sprints wurden die Grands Prix erst während der Tankstopp-Ära ab 1994.

"Einige der jungen Fahrer sind vielleicht ein bisschen sauer, weil sie Reifen hatten, mit denen sie voll durchfahren konnten", glaubt Ross Brawn. "Aber es ist noch gar nicht so lange her, da ging es in der Formel 1 darum, mit den Reifen hauszuhalten. Mit den Reifen, mit den Bremsen, mit allem. Vor 15 Jahren gab es auch Rennen, in denen du nicht voll fahren konntest, weil du auf die Bremsen, auf die Reifen, auf alles achten musstest."

Formel-1-Fahren wird zu einer neuen Kunst

"Einige Fahrer hatten eine Reputation als Autozerstörer, weil sie zu aggressiv gefahren sind", erinnert sich der Mercedes-Teamchef. "Heutzutage sind die Autos so gut, dass die Fahrer sie die ganze Zeit maximal pushen können. Die Reifen zu schonen, wird in den nächsten ein, zwei Jahren definitiv eine wichtige Kunst sein. Ich betrachte das nicht als störend, sondern ich sehe das als ziemlich interessanten Aspekt der Formel 1."

Whitmarsh nickt zustimmend, kann den neuen Elementen ebenfalls etwas abgewinnen: "Während eines Rennens verwendest du frische Reifen, Primes, gebrauchte Reifen. Du musst immer abschätzen, wohin sich die Balance entwickelt. In Malaysia fuhr Jenson auf einer sehr anspruchsvollen Strecke 19 Runden mit den Primes und war fantastisch unterwegs. Er hat es geschafft, den Punkt des beginnenden Abbaus genau zu erraten."

"Bei jedem Boxenstopp wird der Frontflügel umgestellt und an die Balance, mit der man mit dem neuen Reifen rechnet, angepasst. Da geht es um Reifendruck und Temperaturen. Diese Reifen reagieren sehr empfindlich auf die Art und Weise, wie sie verwendet wurden, auf die thermischen Zyklen", so der Brite. "Manchmal trifft man das alles richtig, manchmal auch nicht. Wenn du daneben liegst, dann wirst du den ganzen Stint auf diesen Reifen ernsthafte Probleme haben."

Doch die neue Formel 1 ist nicht nur für die Fahrer und Boxencrews eine Herausforderung, sondern auch für die Designer. Denn wie Sauber mit dem C30 bewiesen hat, kann ein ideal auf die Pirelli-Reifen abgestimmtes Auto manchmal einen Boxenstopp weniger machen als die Konkurrenz. Das spart je nach Strecke bis zu 25 Sekunden. Die durch reines Tempo wettzumachen, ist nicht unmöglich, aber auch nicht einfach...

Fotoquelle: xpb.cc

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