Peter Sauber ist sich nicht sicher, ob der Turbo die richtige Entscheidung ist

Formel 1 2011

— 19.04.2011

Skepsis gegenüber Turbomotoren wächst

Nicht nur bei unseren Lesern, sondern auch bei Peter Sauber wächst die Turbo-Skepsis, Adam Parr von Williams verteidigt diesen hingegen leidenschaftlich

2013 soll in der Formel 1 ein neues Motorenformat eingeführt werden. Geplant sind derzeit 1,6-Liter-Turbos mit vier Zylindern in Reihe und maximal 12.000 Umdrehungen pro Minute. Außerdem soll der Formel 1 ein "grüner Anstrich" verpasst werden. Aus diesem Grund hat die FIA vor, die Kapazität des Hybridsystems KERS zu vervierfachen.

Demgegenüber stehen Befürchtungen (nicht nur von Formel-1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone), dass der Sound im Vergleich zu den aktuellen V8-Triebwerken erheblich an Faszination verlieren könnte. Das scheint für die Fans ein Killerkriterium zu sein, denn in einem Online-Voting von 'Motorsport-Total.com' gaben in den vergangenen Wochen immerhin 65,46 Prozent an, dass sie sich "überhaupt nicht" auf die Turbo-Einführung im Jahr 2013 freuen.

Nur 16,28 Prozent begrüßen das neue Motorenformat "sehr", während 10,37 Prozent meinen, sie wissen zu wenig darüber, und 7,89 Prozent "ziemlich egal" ist, ob sich etwas ändert oder nicht. Nun scheint die Stimmung aber auch bei den Verantwortlichen zu kippen. Dem Vernehmen nach steht nur Renault noch hundertprozentig hinter dem Turbo. Die Franzosen haben mit der Entwicklung des neuen Motors in Viry-Chatillon bereits im vergangenen September begonnen.

Ferrari der schärfste Turbo-Gegner

Doch Ferrari hat mit dem Vierzylinder-Reihenturbo keine Freude mehr, weil die berühmten Sportwagen aus Maranello vornehmlich mit V8- oder V12-Aggregaten befeuert sind, während Mercedes mit den Kosten argumentiert - schließlich kostet es geschätzte 100 Millionen Euro, einen völlig neuen Formel-1-Motor zu entwickeln. Das wäre auch für Cosworth, den einzigen unabhängigen Motorenhersteller, ein großer Brocken.

Und weil diese Kosten letztendlich wohl auch die Kundenteams treffen würden, die keinen eigenen Motor bauen, wächst auch bei denen der Widerstand: "Ich sehe die Gründe dafür ein, dass es Hersteller gibt, die keine Freude an einem Vierzylinder haben. Ich verstehe das", erklärt Peter Sauber. "Bei uns - und ich glaube, das gilt auch für andere mittelgroße Teams - steht im Vordergrund, dass wir die Motoren zu einem vernünftigen Preis bekommen."

"Wenn die Entwicklungskosten für einen neuen Motor auf die Teams übertragen werden, ist das keine Lösung", unterstreicht der Schweizer im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. "Die Hersteller und die FIA wissen ganz genau, dass die Motoren nicht teurer werden dürfen." Derzeit kostet ein Motorenvertrag rund acht Millionen Euro pro Saison. Ursprünglich hatte die Teamvereinigung FOTA einen Einheitspreis von fünf Millionen Euro anvisiert, doch da spielte Cosworth nicht mit.

Interessanterweise gibt es ein Team, das voll hinter dem Turbo steht: "Diejenigen, die nichts ändern wollen, sind die, die aus irgendeinem Grund glauben, dass sie dadurch einen Vorteil verlieren würden", unterstellt Adam Parr, Vorstandsvorsitzender von Williams, gegenüber 'Reuters'. Nur so kann er sich offenbar erklären, dass Ferrari den neuen Motor erst am liebsten schon 2012 eingeführt hätte, jetzt aber gar nichts mehr davon wissen will.

V8-Technologie nicht der neueste Stand

"Warum brauchen wir überhaupt einen neuen Motor? Nun, wir haben diesen V8, der in der einen oder anderen Form schon seit Jahren verwendet wird", argumentiert Parr. "Die Technologie ist überholt, hat nichts mit dem zu tun, was in der echten Welt los ist, und ist eine erhebliche Hürde, wenn es darum geht, neue Partner zu gewinnen und den Sport wachsen zu lassen." Allerdings hat sich zum Beispiel Volkswagen trotz Turbo gegen einen Formel-1-Einstieg entschieden.

Parr: "Der neue Motor wird eine Turbine haben, um Elektrizität für die Aufladung des Motors zu generieren, und eine weitere, um Energie aus dem Auspuff rückzugewinnen. Diese kommt in Batterien und kann wieder verwendet werden. Der Antrieb wird aus vier Zylindern über 800 PS erzeugen. Das wird fantastisch klingen! In der Boxengasse werden die Autos nur mit Elektroantrieb fahren. Das ist Spitzentechnologie, das ist die Zukunft der Straßenautos."

Doch das Problem ist: Seriennahe Technologien machen in der Formel 1 vor allem dann Sinn, wenn Automobilhersteller aktiv sind, die für diese auch einen praktischen Nutzen haben. Doch selbst von den drei großen Werken, die momentan in der Königsklasse des Motorsports an den Start gehen, sind angeblich zwei gegen den Turbo. Fest steht, dass FIA und Hersteller sich möglichst bald auf einen gemeinsamen Nenner einigen sollten.

Die Teams haben noch etwas mehr Zeit: "Wir können schnell reagieren", sieht Peter Sauber seine Chassisingenieure in Hinwil noch nicht unter Zugzwang. "Wobei es natürlich ein Unterschied ist, ob wir einen V8 bekommen, einen V6 oder einen Vierzylinder-Reihenmotor. Aber für die Hersteller ist es natürlich ganz wichtig, denn ich gehe davon aus, dass der eine oder andere schon angefangen hat, am Vierzylinder zu arbeiten."

Fotoquelle: xpb.cc

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