Das Toro-Rosso-Lenkrad (hier das Modell von 2010) ist mit Knöpfen vollgepackt

Formel 1 2011

— 23.04.2011

Lenkrad: Von Knöpfen und Schaltern

Daniel Ricciardo, Dritter Fahrer bei Toro Rosso, gibt einen Einblick in die zuweilen verwirrende Welt eines aktuellen Formel-1-Lenkrads

Die ohnehin schon hohe Anzahl an Knöpfen und Drehschaltern an den Lenkrädern moderner Formel-1-Boliden hat sich zu Beginn der Saison 2011 dank der neuen technischen Regeln nochmals erhöht. Stellvertretend für die "Schaltzentralen" der Grand-Prix-Fahrzeuge des Jahrgangs 2011 erklärt Toro-Rosso-Testpilot Daniel Ricciardo das Lenkrad seines STR6.

"Wir sind definitiv schwer beschäftigt, aber wir kommen damit klar", sagt Ricciardo mit Blick auf die von den Piloten im Cockpit zu bewältigende Arbeit. Das Lenkrad seines Toro Rosso verfügt über nicht weniger als 22 Knöpfe - verglichen mit den vier Buttons, die der Australier vom Lenkrad seines Renault-World-Series-Boliden her kannte (je einen für den Funk sowie die Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzung in der Boxengasse und zwei, um verschiedene Display-Modi abzurufen) ein enormer Anstieg.

Ricciardo beginnt seine Ausführungen auf der linken Seite des Toro-Rosso-Lenkrads. "Dort finden sich sechs Knöpfe: einer für den Funk, einer für den verstellbaren Heckflügel (Drag-Reduction-System oder kurz DRS; Anm. d. Red.), einer, um Reserveöl aus einem entsprechenden Behälter abrufen zu können und einer, um die Trinkflasche zu aktivieren." Ein fünfter Button auf der linken Seite sorgt in Kombination mit dem gedrückten Bremspedal dafür, dass die aktuelle Verteilung der Bremsbalance auf dem Cockpitdisplay erscheint. Darüber hinaus befindet sich der Leerlaufknopf auf der linken Lenkradhälfte.

Betätigung des DRS sicherer als der F-Schacht

Was DRS betrifft, so setzen andere Teams inzwischen auf ein Pedal. "Wir haben dafür einen Button, den wir mit dem Daumen betätigen", so Ricciardo, der darauf verweist, dass diese Variante im Vergleich zum Vorjahr die deutlich sicherere ist. Damals musste der Großteil der Piloten den zu Beginn der Saison 2011 verbotenen F-Schacht aktivieren, indem eine Hand vom Lenkrad genommen werden musste. Bei einigen wenigen Teams funktionierte das System, indem der Fahrer sein Knie vor einer Öffnung in der Cockpitwand platzierte.

Auf der rechten Seite des Lenkrads sind beim Toro Rosso STR6 fünf Buttons zu finden: einer für die Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzung in der Boxengasse, einer für das Abrufen der durch KERS umgewandelten Bremsenergie, der Knopf für den Rückwärtsgang und einer, um dem Team die Nachricht, zum Boxenstopp hereinzukommen zu bestätigen. Mit dem fünften Button auf der rechten Seite legt der Fahrer in der Einführungsrunde oder in der Boxengasse das Mapping für die Kupplung fest, um einen möglichst optimalen Start hinlegen zu können.

Anders als der DRS-Button, der solange gedrückt werden muss, wie der Pilot den Heckflügel flach gestellt haben will, hat der KERS-Knopf im Toro Rosso zwei Stufen: Ein und Aus. Die Herausforderung in Bezug auf KERS besteht laut Ricciardo darin, "den richtigen Moment zum Deaktivieren zu finden". Über ein Display bekommt der Fahrer den jeweils aktuellen Verbrauch der Zusatzleistung angezeigt. "Unsere Skala zählt ausgehend von 100 Prozent rückwärts", erklärt der Australier. "Das Team gibt dir dann beispielsweise per Funk durch, dass am Ausgang der nächsten Kurve 50 Prozent verbraucht werden sollen. Das heißt, du musst ständig das Display im Auge behalten."

"Im mittleren Bereich des Lenkrads gibt es eine Vielzahl von Drehschaltern." Diese erlauben es dem Piloten, verschiedene Einstellungen zu justieren. "So lässt sich beispielsweise die Maximaldrehzahl des Motors während der Fahrt nach unten korrigieren." Die entsprechende Anweisung dazu kommt nach Aussage des 21-Jährigen in der Regel per Funk von der Box und lautet beispielsweise "Mix 7", woraufhin der Fahrer den entsprechenden Drehschalter auf Position sieben stellt.

Zentraler Drehschalter als multifunktionale Einheit

Obwohl ein Verstellen des Frontflügels während der Fahrt seit Beginn der aktuellen Saison nicht mehr erlaubt ist, verfügt der Toro Rosso des Jahrgangs 2011 nach wie vor über den dafür vorgesehenen Drehschalter im mittleren Bereich des Lenkrads, wie Ricciardo verrät. "Wenn wir auf der Strecke das Gefühl haben, wir könnten etwas mehr oder weniger Frontflügel gebrauchen, stellen wir den Schalter auf die gewünschte Position. Daraufhin erhält das Team per Telemetrie diese Information und kann die Veränderung beim nächsten Boxenstopp vornehmen."

Der größte Drehschalter auf dem Lenkrad befindet sich in zentraler Position. "Damit lassen sich verschiedene Settings für die Kupplung, Startprogramme, eine reduzierte Benzinzufuhr für Safety-Car-Phasen und sogar die Helligkeit des Displays einstellen", gibt der Australier preis.

Auf der Rückseite des Lenkrads finden sich schließlich die Schaltwippen zum Wechseln der Gänge sowie der Kupplungshebel. Nach Aussage Ricciardos geht die Arbeit am Lenkrad im Laufe der Zeit "in Fleisch und Blut über - genau wie das Gasgeben oder Bremsen". Trotz der Vielzahl an Einstellungsmöglichkeiten gelingt des den Fahrern in der Regel, den Überblick zu behalten. "Unterm Strich sind es nicht die Knöpfe, die das Auto fahren, sondern nach wie vor der Pilot", so der Dritte Mann im Toro-Rosso-Team abschließend.

Fotoquelle: xpb.cc

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