Norbert Haug will für Istanbul keine Versprechungen abgeben

Formel 1 2011

— 26.04.2011

Haug: "Gingen nicht durch Zufall in Führung"

Worauf Norbert Haug die großen Fortschritte beim China-Grand-Prix zurückführt und über den Fahrplan für die nächsten Rennen

Manch einer traute seinen Augen nicht, als in China nach den ersten Boxenstopps plötzlich Nico Rosberg im Mercedes-Boliden in Führung lag. In dem Boliden, der in Australien und Malaysia noch verspottet worden war. Dass der Deutsche am Ende wegen eines Spritproblems mit Platz fünf Vorlieb nehmen musste, tat der allgemeinen Euphorie der Truppe um Norbert Haug und Ross Brawn keinen Abbruch.

"In China waren wir von unseren Rundenzeiten - und zwar mit beiden Fahrzeugen - so unterwegs, dass wir auf jeden Fall unter den Top-3 der Teams waren", weiß Haug. Und prognostiziert: "Von vier geht es auf drei und dann weiter. Wir müssen einen Schritt nach dem anderen machen. Den einen haben wir in China gemacht."

Vor allem Rosberg trauerte nach dem Rennen einem möglichen Sieg nach, schließlich entsprach Platz fünf in Schanghai nicht dem Potenzial von Mercedes. Das weiß auch der Motorsport-Chef: "Mit der richtigen Benzinmenge an Bord wäre noch mehr möglich gewesen. Ich will mich gar nicht an den Siegchancen-Spekulationen beteiligen, das Rennen ist rum. Ich glaube, man hat gesehen, dass wir nicht durch Zufall zweimal im Rennen mit Nico in Führung gegangen sind und dass Michael Schumacher gleich in der ersten Runde fünf Fahrzeuge überholt hat. Das war schon eine stabile und akzeptable Leistung, wenn auch der krönende Abschluss Podium gefehlt hat."

Ist Mercedes im Spitzenfeld angekommen?

Haug wird nach der heftigen Kritik nach den ersten zwei Rennen nicht müde, seine Truppe für die "Auferstehung" zu loben: "Die Kraft ist in dem Team. Sie haben gesehen, wie es noch eine Woche davor in Malaysia unter ganz anderen Bedingungen war, aber wer diesen Turnaround in einer Woche schaffen kann... All das spricht für die Klasse dieses Teams."

Dass man nun auch in Istanbul für Furore sorgen kann, will Haug nicht versprechen: "Es wird weitere Rückschläge geben. Man muss es auf den Punkt hinbekommen, was wir in China sicherlich wesentlich besser geschafft haben. Ob wir das jetzt in die Türkei transferieren können, weiß ich nicht. Es ist schwierig genug, das ganze Thema."

Der Grund für den Sprung nach vorne

Er glaubt aber schon, dass sich sein Team allgemein seit dem Saisonstart verbessert hat. "Die Strecke in China unterscheidet sich nicht wie Tag und Nacht von Malaysia", erklärt Haug gegenüber 'Autosport'. "Wir haben jetzt ein besseres Verständnis für das Auto. Ross hat sich mit den Jungs und mit den Ingenieuren zusammengesetzt und wir haben unsere Herangehensweise geändert."

Der Schwabe gibt einen Einblick in den Strategiewechsel: "Man kann die Reifen am Freitag sehr einfach zerstören, wenn man mit viel Sprit unterwegs ist. Wenn man aber ein gut ausbalanciertes Auto hat, dann kann man es sich leisten, mit viel Sprit zu fahren. Das hat uns Selbstvertrauen gegeben."

Auch den Problemen mit dem verstellbaren Heckflügel kommt man langsam auf die Schliche: "Wir haben sie großteils aussortiert. Wir verwenden ein anderes System als die anderen, aber es ist ein cleveres System, wenn es funktioniert. In China haben wir dafür gesorgt, dass es funktioniert." Im Gegensatz zu Rosberg sieht er das Ergebnis von China positiv: "Lieber ein fünfter Platz mit dem Tempo für Platz zwei oder drei, als ein dritter Platz. Obwohl ich auch das nehmen würde."

Fotoquelle: xpb.cc

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