Auch Adam Parr hat nach Schanghai seinen Rücktritt angeboten

Formel 1 2011

— 03.05.2011

Williams lehnt Parrs Rücktrittsangebot ab

Sam Michael und Jon Tomlinson haben Williams freiwillig verlassen, das Kündigungsangebot von Adam Parr wurde vom Team hingegen abgelehnt

Sam Michael (Technischer Direktor) und Jon Tomlinson (Chefaerodynamiker) werden das Williams-Team am Jahresende verlassen. Allerdings werden die beiden - zumindest offiziell - nicht gefeuert, sondern sie verlassen das Unternehmen auf eigenen Wunsch. Nach dem enttäuschenden Saisonauftakt werden damit Konsequenzen gezogen.

"Der Saisonbeginn war inakzeptabel - nicht nur, weil die Leistung schlecht war, sondern weil wir damit nicht gerechnet hatten", erklärt Adam Parr, Vorstandsvorsitzender des britischen Teams. "Sam und ich haben über die Situation gesprochen. Er kam zu dem Schluss, dass er am Saisonende zurücktreten sollte, um dem Team die Gelegenheit zu geben, sich neu zu sammeln und die richtige technische Richtung für die Zukunft zu finden. Nicht ohne Widerstand nahm ich seine Kündigung an."

Beide Abgänge freiwillig

"Ich schätze Sam nämlich sehr", unterstreicht der britische Geschäftsmann. "Wir haben fünf Jahre zusammengearbeitet und wir kommen extrem gut miteinander aus. Ich habe mich schon darauf gefreut, noch viele Jahre mit ihm zu arbeiten, daher ist es ein Rückschlag, ihn zu verlieren. Jon und Sam standen sich ebenfalls immer sehr nahe, daher hat sich auch Jon aus freien Stücken dazu entschieden, zu kündigen."

Im Zuge dieses (mehr oder weniger freiwilligen) Köpferollens in Grove stellt sich natürlich die Frage, ob auch Parr selbst seinen Rücktritt angeboten hat. Dies sei "absolut" der Fall gewesen, unterstreicht der Leiter des Williams-Tagesgeschäfts: "Ich habe Frank (Williams), Patrick (Head; Anm. d. Red.) und Toto Wolff meine Kündigung angeboten. Ich habe ihnen gesagt: 'Ich bin verantwortlich und ich übernehme Verantwortung. Ich werde alles tun, was ihr sagt.'"

Doch Williams, Head und Wolff, die große Stücke auf Parr halten, nahmen dieses Angebot nicht an. Für Parr bedeutet das jedoch nicht, "dass ich mich nicht für das verantwortlich fühle, was passiert ist, denn das tue ich". Heute Morgen gestand er das in einer Ansprache ein: "Ich habe gerade zur Belegschaft gesprochen und ihnen erklärt, dass ich mich verantwortlich fühle und dass ich mich für meinen Anteil an dieser Situation entschuldige."

Michael und Tomlinson werden noch bis zum Jahresende versuchen, das aktuelle Auto auf Vordermann zu bringen: "Im FW33 steckt noch eine Menge Potenzial. Sam und Jon brauchen wir, um dieses Potenzial zu entfalten", erklärt Parr, warum Neuzugang Mike Coughlan zunächst nur als Chefingenieur an Bord kommt und noch nicht sofort die Leitung der Technikabteilung übernimmt - auch wenn er in Wahrheit natürlich schon alle Weichen stellen wird.

Keine Gnadenfrist für Michael

Dennoch bedeutet diese Übergangslösung, dass Michael und Tomlinson noch einige Monate Zeit haben, das Blatt zu wenden und ihre Reputation zu retten. Doch was, wenn aus dem FW33 doch noch ein Topauto wird? Müsste man dann nicht darüber nachdenken, die heutige Entscheidung über Bord zu werfen? "Der Weg ist vorgegeben", verneint Parr, denn: "Es würde zu viel Unsicherheit schaffen, unsere Meinung zu ändern."

Außerdem nimmt er die beiden Abgänge bei aller Wertschätzung nicht von aller Kritik aus: "Im Vorjahr sind wir schlecht gestartet, aber dann haben wir uns gut entwickelt. Ich gehe davon aus, dass uns das auch dieses Jahr gelingen wird. Tatsache ist aber, dass es uns nicht gelungen ist, das starke Ende der vergangenen Saison in dieses Jahr mitzunehmen. Das ist der Kreis, den wir jetzt brechen müssen, um neu anzufangen", stellt der 45-Jährige klar.

Dass weitere personelle Änderungen notwendig sind, glaubt er nicht: "Ich habe mich mit allen Aerodynamikern zusammengesetzt. Die allgemeine Meinung ist, dass es nicht an der Struktur liegt. Wir haben gute Leute, die ein gutes Auto bauen können", so Parr. Nun liege es an Coughlan und dem neuen Chefaerodynamiker, der noch dieses Jahr zu Williams stoßen soll, das einstige Erfolgsteam ab 2012 wieder auf die Überholspur zu bringen.

Fotoquelle: Williams

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