Sebastian Vettel strahlt vor dem vierten WM-Lauf Lockerheit und Zuversicht aus

Formel 1 2011

— 05.05.2011

Vettel: "Können uns nicht beschweren"

Sebastian Vettel kommt als WM-Führender zum Europa-Auftakt nach Istanbul und strahlt derzeit jede Menge Lockerheit und Zuversicht aus

Obwohl Sebastian Vettel in Schanghai wegen einer falschen Reifenstrategie seine erste Saisonniederlage erlitten hat (wenn man einen zweiten Platz als Niederlage bezeichnen kann), läuft es für den Red-Bull-Piloten blendend. In der Weltmeisterschaft hat er vor dem Europa-Auftakt im eigentlich asiatischen Teil von Istanbul schon 21 Punkte Vorsprung auf Lewis Hamilton. Kein Wunder, dass seine Laune gut ist.

Frage: "Sebastian, kannst du vor dem Europa-Auftakt die ersten drei Rennen aus deiner Sicht noch einmal zusammenfassen?"
Sebastian Vettel: "Erster, Erster, Zweiter (lacht; Anm. d. Red.)."

Frage: "Das war's?"
Vettel: "Wir hatten einen besseren Start als in den letzten Jahren. Sowas kann nur helfen, denn wir haben in den letzten Jahren gesehen, wie wichtig es ist, einen guten Start zu haben und schon am Anfang viele Punkte mitzunehmen. Damit können wir sehr zufrieden sein. Bis jetzt ist es eine sehr interessante Saison mit den neuen Regeln, dem verstellbaren Heckflügel, speziell den neuen Reifen. Wir konnten auch sehr viel lernen, was uns für die nächsten Rennen wieder helfen wird. Bis jetzt lief es ganz gut. Wir können uns nicht beschweren. Das Auto ist konkurrenzfähig. Zu diesem Zeitpunkt ist das das Wichtigste."

Reifen die größte Änderung

Frage: "Was war von den Regeländerungen bisher die spannendste für dich?"
Vettel: "Die schwierigste Änderung im Umgang und im Verständnis sind die neuen Reifen. Die drei Strecken, die wir bisher hatten, waren doch sehr unterschiedlich, aber irgendwo lässt sich vielleicht doch ein Trend erkennen. Man muss die Augen und Ohren offen halten, um daraus zu lernen und den gleichen Fehler nicht zweimal zu machen."

Frage: "Euer KERS hat Ostern auf dem Prüfstand verbracht. Was sind die letzten Neuigkeiten?"
Vettel: "Bis jetzt haben wir Grund, zuversichtlich zu sein, aber eine Garantie gibt es nie. Wir müssen es noch bestätigen, aber wir haben einen Schritt nach vorne gemacht und sind zuversichtlich, dass es hier funktionieren wird. Gefeit vor einem Kurzeinsatz ist man natürlich nie, aber bis jetzt sind wir sehr zufrieden damit, was wir in den drei Wochen unternehmen konnten. Wir hoffen, dass es hier funktioniert."

Frage: "Im Vorjahr hat es hier zwischen dir und Mark Webber gescheppert. Denkst du daran noch manchmal?"
Vettel: "Man weiß es natürlich, aber im Prinzip ist es schon lange her. Ändern kann man es eh nicht mehr. Es war eigentlich schon direkt danach abgehakt und kein Thema mehr. Wenn ich morgen aus der Box fahre, ist es auch kein Problem. Die Sache liegt so weit zurück und hinter uns, aber wir müssen nach vorne schauen."

Frage: "Wie überrascht seid ihr von der Kälte hier?"
Vettel: "Es ist frisch! Ich habe mir auf dem Weg hierher noch die kurzen Hosen eingepackt, aber dann meinte mein Vater, dass die Wettervorhersage nicht so gut ausschaut. Ich habe gesagt: 'Wir gehen nach Istanbul, da ist es immer warm!' Dann habe ich geschaut und die kurzen Hosen daheim gelassen. Bis jetzt lag mein Vater richtig."

Frage: "Welche Auswirkungen haben die Temperaturen auf das Auto?"
Vettel: "Eigentlich keine, sage ich mal. Es wird nicht ganz so heiß, das heißt, es wird nicht ganz so schwierig, die Temperaturen im Griff zu halten. Was das für die Reifen bedeutet, bleibt abzuwarten. Bei den bisherigen Rennen war es eigentlich immer recht warm. Wenn es so kalt bleibt wie heute - es soll ja am Wochenende ein bisschen wärmer werden -, dann kann das mit Sicherheit einige Auswirkungen haben. Und wenn es nass ist, müssen wir dieses Jahr zum ersten Mal Regenreifen aufziehen. Lassen wir uns überraschen."

Istanbul noch einmal genießen

Frage: "Gefällt dir die Strecke hier und wärst du enttäuscht, sollte sie vom Kalender gestrichen werden?"
Vettel: "Es ist eine besondere Strecke. Kurve acht ist jedes Jahr wieder eine Herausforderung. Die Strecke hat ihren eigenen Rhythmus. Leider sieht man im Fernsehen nicht die Höhenunterschiede, denn es geht ziemlich stark auf und ab. Es wäre schade, nicht mehr hierher zu kommen, aber zunächst mal hoffe ich, dass am Sonntag viele Zuschauer kommen und wir die Leute davon überzeugen können, hier zu bleiben. Wenn nicht, kann ich auch nichts dagegen machen."

Frage: "2006 hast du hier in deinem ersten Formel-1-Training auf BMW gleich Bestzeit erzielt. Damals warst du noch ein junger Spund..."
Vettel: "Es ist schön, hierher zurückzukehren, denn hier hat vor fünf Jahren alles angefangen. Ist schon eine Weile her, wenn man die Jahre zählt, dabei kommt es mir gar nicht so lang vor! Ich mag die Strecke. Sie ist immer eine Herausforderung, denn es gibt hier ein paar Kurven, die man nirgendwo sonst findet. Wenn wir wirklich das letzte Mal hier fahren, dann wäre das schade, aber umso mehr sollten wir es dieses Jahr genießen."

Frage: "Welchen Trend habt ihr bei den Reifen erkannt und wie kann man als Fahrer darauf eingehen?"
Vettel: "Die drei Strecken waren sehr unterschiedlich, auch die jeweiligen Bedingungen. In Malaysia war es sehr heiß und sehr schwül, in Melbourne war es warm und in China zwar auch warm, aber eher trocken. Wenn man etwas herauslesen konnte, dann dass der Reifen nicht ganz so gut hält (grinst; Anm. d. Red.) - bei einem Rennen ein bisschen besser, beim anderen ein bisschen weniger, aber im Vergleich zum letzten Jahr sind wir da in einer ganz anderen Region. Darauf muss man sich einstellen."

"Wir konnten sehr viel lernen und innerhalb dieser drei Rennen mit den Reifen einen Schritt nach vorne machen - mit ihm hauszuhalten, ihn einzuschätzen, wann er vielleicht abfällt, wann es Zeit ist, an die Box zu fahren und so weiter. Aber es passieren auch noch Fehler - oder ich will nicht sagen Fehler, aber dass man im Nachhinein betrachtet ein bisschen daneben lag, wie wir beim letzten Rennen. Dort haben wir uns zu sehr auf die Zweistoppstrategie fixiert und waren nicht offen genug für drei Stopps. Aber bis jetzt können wir mit unserem Start ganz zufrieden sein. Es ist auch wichtig, dass man Dinge falsch macht, damit man sie das nächste Mal richtig machen kann."

Frage: "Was ist, wenn es am Sonntag regnet?"
Vettel: "Dann brauchen die Zuschauer einen Regenschirm! Was die Pirelli-Regenreifen angeht: Keine Ahnung, denn ich bin noch nie damit gefahren. Einige Fahrer haben ein paar Runden damit getestet, aber wir werden es schon herausfinden. Morgen soll es ja regnen, da haben wir die erste Gelegenheit."

Keine Angst vor einer Trendwende

Frage: "Du bist Weltmeister, führst die Fahrer-WM an, alles läuft gut. Denkst du als Fahrer manchmal daran, dass es bald wieder schwieriger laufen wird?"
Vettel: "Man muss einen Schritt nach dem anderen machen, denn es macht keinen Sinn, zu weit nach vorne zu schauen oder ständig nach hinten zu schauen. Man sollte sich immer auf das konzentrieren, was gerade passiert und vor einem liegt. Sicher hatten wir bisher einen guten Start, aber niemand kann garantieren, dass es hier so weitergehen wird. Wir müssen wieder hart arbeiten und sicherstellen, dass wir die gleichen Ergebnisse wie in den letzten drei Rennen abliefern."

Frage: "Du bist zum ersten Mal als Weltmeister in Europa. Lebst du nun in einem Motorhome oder im Hotel und bringst du deine Familie noch mit? Was hat sich verändert?"
Vettel: "Alles ist noch genau gleich, abgesehen von der Startnummer. Aber ich bin noch der gleiche Mensch. Ich liebe das Fahren, den Rennsport. Natürlich macht mir das Gewinnen am meisten Freude - und das ist auch dieses Wochenende das Ziel -, aber der Weg dahin ist ein langer. Wenn ich ans Vorjahr denke, dann kommen schöne Gefühle auf, aber das macht uns dieses Jahr nicht schneller. Auf der Strecke müssen wir immer noch hart arbeiten. Darum kann ich sagen, dass alles noch genau gleich ist."

Frage: "Welche Bedeutung hat den Renningenieur Guillaume Rocquelin, auch 'Rocky' genannt, für dich? Welche Strippen zieht er im Team und wie wichtig ist er für dich?"
Vettel: "'Rocky' ist mein Renningenieur und der Renningenieur ist immer die erste Anlaufstelle für den Fahrer. Er ist auch der, der mit dem Fahrer über Funk kommuniziert, wenn es darum geht, was man am Auto macht, was man ändert."

"Das betrifft die Trainings, aber auch die Zeit danach, wenn man die Arbeit aufbereitet und sich darum kümmert, dass am Fahrzeug selbst alles rund läuft. Das ist der Renningenieur. Deswegen ist er für mich wirklich die erste Anlaufstelle, mit der Wichtigste im Team. Es gibt noch einige Leute daneben - nicht nur 'Rocky' und mich, sondern auch viele Leute dahinter. Jeder hat seine Aufgabe. Für mich ist 'Rocky' so ein bisschen das Mädchen für alles. Bei ihm kann ich all meine Sorgen und meinen Kummer loswerden."

Frage: "Und wie wichtig ist dein Physiotherapeut Tommi Pärmäkoski?"
Vettel: "Tommis Aufgabe ist ein bisschen anders. Während des Wochenendes kümmert er sich hauptsächlich darum, dass es mir gut geht. Unter der Woche ist es sein Job, dass ich mich fit halte und fitter werde. Für uns liegt dort eher die Arbeit, wo man zusammen trainiert. Am Wochenende geht es darum, dass ich ständig versorgt, nicht hungrig und nicht durstig bin."

Fotoquelle: xpb.cc

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