Da geht's lang! Rubens Barrichello weist seinem Williams-Team den Weg...

Formel 1 2011

— 05.05.2011

Erfahrener Barrichello übt Kritik an Williams

Nach dem durchwachsenen Saisonbeginn übt Rubens Barrichello Kritik am Team: "Als würde ich aus dem Auto steigen, um den Reifendruck zu kontrollieren"

Nach dem durchwachsenen Saisonbeginn mit null Punkten in den ersten drei Rennen zog das Williams-Team diese Woche erste Konsequenzen: Technikchef Sam Michael und Chefaerodynamiker Jon Tomlinson werden ihr Büro in Grove - angeblich auf eigenen Wunsch - am Jahresende räumen. Das Kommando übernimmt stattdessen Ex-McLaren-Mitarbeiter Mike Coughlan, bekannt durch seine Rolle in der Spionageaffäre.

Routinier Rubens Barrichello hat von der Personalrochade aus den Medien erfahren und bedauert dies - nicht nur, weil er immer große Stücke auf Michael gehalten hat, sondern auch, weil die Kommunikation seiner Meinung nach eines der Hauptprobleme des Teams ist: "Ich wäre gern gefragt worden", ärgert er sich. "Das muss sich ändern. Williams muss mehr als Familie arbeiten, solche Dinge sollen nicht über die Presse kommuniziert werden."

Zu viele Mitarbeiter überlastet?

Allerdings sieht er durchaus ein, dass akuter Handlungsbedarf besteht: "Ich finde, Williams braucht Veränderungen - das ist offensichtlich", sagt Barrichello und kreist den vermeintlichen Sargnagel ein: "Es gibt im Moment zu viele Leute, die sich um zu viele Aufgaben kümmern. Das ist so, als würde ich aus dem Auto steigen, um den Reifendruck zu kontrollieren. Das funktioniert nicht, oder? Aber bei Williams machen das im Moment zu viele Leute."

"Meiner Meinung nach müssen wir klarer abstecken, wer was zu tun hat", fordert der elffache Grand-Prix-Sieger, mit 308 Rennteilnahmen für fünf verschiedene Teams längstdienender Formel-1-Pilot aller Zeiten. "Derzeit liefert der Windkanal hervorragende Neuerungen, wir haben genauso viele Verbesserungen wie ein normales Team. Es kommt ständig etwas Neues, aber nicht immer können wir das auf der Strecke umsetzen."

"Wenn wir die Teile ans Auto schrauben, wird es nicht besser - oder zumindest nicht so sehr wie erhofft oder vom Windkanal angekündigt. Darum entwickelt sich das Team während der Saison manchmal besser, manchmal schlechter", analysiert Barrichello. "Ich weise das Team oft darauf hin, denn bei allen Teams, bei denen ich bisher war, wurden nur die Dinge ans Auto geschraubt, wo wir uns sicher waren, dass sie funktionieren. Alles andere sorgt nur für Verwirrung."

"Im Vorjahr haben wir zwar Fortschritte gemacht, aber einige Dinge haben auch für Verwirrung gesorgt", kritisiert er und fährt fort: "Es ist an der Zeit für eine Änderung. Leider sind es zu viele Änderungen, sodass es dauern wird, bis das Auto wirklich gut wird, aber wir brauchen die Änderungen. Eine Antriebswelle in einem anderen Winkel bringt uns nicht weiter. Unser Getriebe ist sehr radikal, aber das Auto ist nicht dort, wo es sein sollte."

Keine Verbesserung über Nacht

Von der Umstrukturierung der Technikabteilung erwartet sich Barrichello keine Wunder über Nacht: "Das beste Beispiel ist Adrian Newey", argumentiert er. "Er hat bei Red Bull wohl länger gebraucht, als er selbst erwartet hatte, aber jetzt gewinnen sie. Wir müssen also abwarten. Wenn du in eine neue Schule kommst, musst du dir auch zuerst neue Freunde suchen, neue Dinge lernen. So etwas ist immer ein Fragezeichen."

Am meisten ärgert Barrichello aber, dass das Team seine Ratschläge nicht immer umgesetzt und seine Erfahrung damit nicht genutzt hat: "Es gibt Probleme, auf die ich hingewiesen habe", bemängelt der 38-Jährige. "Meine Erfahrung ist da, aber es war mein erstes Jahr im Team. Manchmal habe ich ihnen gesagt, dass dies und jenes ein Problem ist. Dann kam als Antwort: 'Oh ja, aber dies und jenes.' Es gibt immer Lösungen."

"Der einzige Grund, warum ich auf solche Dinge hingewiesen habe, ist, dass ich schon bei vielen Teams war, die so eine Änderung gemacht haben und zwar auf diese und jene Weise. Dadurch wurde es besser. Ich habe versucht, mit diesem Wissen einige der Problemlösungen abzukürzen. Leider dauert das. Jetzt sehen sie, dass ich manchmal recht hatte und dass es einfach zu lange gedauert hat", seufzt Barrichello abschließend.

Fotoquelle: Williams

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