So sieht ein Sieger aus: Sebastian Vettel stellte seinen RB7 auf die Pole-Position

Formel 1 2011

— 07.05.2011

Vettel: "Wenn es funktioniert, bist du der Held"

Red-Bull-Fahrer Sebastian Vettel spricht in der Pressekonferenz über seine Fahrt zu Startplatz eins und das Risiko, nur eine schnelle Runde zu drehen

Das "Zocken" zahlte sich aus: Sebastian Vettel reichte im entscheidenden Q3 eine schnelle Runde zur Pole-Position in der Türkei, denn an die Zeit des deutschen Rennfahrers kam im Zeittraining niemand mehr heran. Vettel konnte es sich sogar leisten, den Rest des Qualifyings am Monitor zu verfolgen - im Auto saß er nicht mehr. In der Pressekonferenz spricht er über diese "seltsame Situation" und über seine Aussichten für den vierten Grand Prix des Jahres: Der 23-Jährige ist auf den Sieg aus.

Frage: "Sebastian, die vierte Pole-Position beim vierten Rennen. Deine Serie hält an..."
Sebastian Vettel: "Allerdings, doch erst einmal muss ich mich beim Team und den Mechanikern entschuldigen, denn am Freitag beschädigte ich das Auto doch erheblich. Wir konnten nicht mehr fahren und verpassten das 2. Freie Training. Meine Crew reparierte das Fahrzeug aber pünktlich für den Samstag und leistete dabei richtig gute Arbeit."

"Seit dem frühen Morgen waren wir vorne dabei, also bin ich sehr zufrieden mit diesem Ergebnis. Es war kein sorgenfreier Samstagmorgen, aber wir mussten ja auch einiges aufholen. Ich mag diese Strecke, was eine Hilfe ist. Es war schön zu sehen, dass ich auch ohne viele Runden auf dem Buckel zurückkommen und den Rhythmus finden konnte."

"Alles in allem bin ich sehr zufrieden. Es war durchaus auch ein bisschen witzig, denn während der Session entschieden sich Mark und ich dazu, den zweiten Versuch in Q3 auszulassen. Das ist ein sehr seltsames Gefühl, wo die anderen doch auf der Strecke sind."

"Dir ist bewusst, dass sie dich schlagen können, aber dir selbst sind dabei die Hände gebunden, weil du nur Zuschauer bist. Gut ist natürlich, dass wir uns einen Reifensatz für das Rennen aufsparen konnten. Insgesamt ist es aber ein recht seltsames Gefühl. Ich bin sehr zufrieden - speziell nach dem verhagelten Freitag."

Ein ungewöhnliches Wochenende für Vettel

Frage: "Wie wäre es denn, wenn du den nächsten Renn-Freitag einfach einmal sausen lässt?"
Vettel: "Ich glaube, das wäre keine gute Idee (lacht; Anm. d. Red.). Es lief heute sehr gut, doch ich bin sicher nicht stolz darauf, dass ich am Freitag einen solchen Schaden angerichtet habe. Ich machte meinen Jungs wirklich viel Arbeit. Am Samstagmorgen gaben sie mir aber das Gefühl, dass überhaupt nichts passiert ist."

"So etwas hilft natürlich. Außerdem darf man sich nicht verrückt machen lassen. Es ist nicht ganz einfach, denn am Freitag hatte es mir durchaus wehgetan, eineinhalb Stunden lang nur zuzusehen. Das war aber in gewisser Weise auch sehr interessant. Üblicherweise tue ich das ja nicht. Normalerweise sitze ich ja im Auto und fahre - und diese Variante ziehe ich auch vor."

"Wir hatten heute einen guten Tag, was auch daran lag, dass Mark am Freitag im Trockenen gefahren war. Je besser dein Freitag läuft, umso besser ist dein Samstag. Wir konnten die Informationen von Mark über weite Strecken für uns anpassen und ich fühlte mich von Anfang an wohl im Auto."

Frage: "Du hast es angesprochen: In Q3 seid ihr Red-Bull-Fahrer vorzeitig ausgestiegen. Falls ihr noch einmal hättet reagieren müssen - wäre das möglich gewesen?"
Vettel: "Nun ja, sobald ich einmal die Gurte gelöst habe und aus dem Auto bin, würde es mindestens zwei bis drei Minuten dauern, bis ich wieder drin sitze und die Gurte festgezurrt sind."

"Damit wäre nicht mehr genug Zeit übrig geblieben, um nochmals hinauszufahren. Wir taten das, weil wir Grund zur Zuversicht hatten. Stehst du aber erst einmal neben dem Auto, sind dir die Hände gebunden und du kannst nicht mehr reagieren. Das ist seltsam."

Frage: "Wie zuversichtlich warst du nach dieser ersten Runde, dass es reichen würde?"
Vettel: "Deswegen sind wir ja gleich zu Beginn von Q3 hinausgefahren. Falls wir eine zweite Chance gebraucht hätten, wäre das drin gewesen. Meine erste Runde war okay und für sich selbst hat man schon das Gefühl, ob man fünf Hundertstel oder fünf Zehntel hätte schneller sein können."

"Ich hatte nicht viel Luft nach vorne, also war ich zufrieden. Es stimmt aber: Da kann einiges passieren. Wenn du am Limit fährst, kann dir ein Fehler unterlaufen oder die Runde ist nicht zu einhundert Prozent sauber. Machst du deinen Versuch am Ende der Session, hast du keine zweite Chance."

"Zudem gehst du in einem solchen Fall das Risiko ein, dass sich vor dir jemand dreht oder dass jemand einen Fehler macht, der in einer gelben Flagge oder sogar in eine Rotphase mündet. Das hatten wir zum Beispiel im vergangenen Jahr. Es gibt also ein Für und ein Wider für diese Herangehensweise. Wir waren aber zuversichtlich und es ging sich aus."

KERS oder kein KERS, das ist hier die Frage

Frage: "Wann fiel die Entscheidung, den letzten Versuch sein zu lassen? Hattet ihr das bereits im Briefing vor der Qualifikation besprochen?"
Vettel: "Wir trafen diese Entscheidung bereits am Donnerstag. Na, was denkst du denn? Natürlich hatten wir vor der Qualifikation darüber gesprochen."

"Man denkt über alle möglichen Szenarien nach, weil man weiß ja nie. Wenn du in das Zeittraining gehst, hast du keine Ahnung, wie schnell die anderen sein werden und wie viel Sprit sie bisher an Bird hatten. Du kennst deine eigenen Werte, doch spätestens seit dem Rennen in China wissen wir, dass sich der Motorsport verändert hat."

"Wichtig ist, die Reifensituation im Blick zu haben. Nach unseren ersten Versuchen fühlten wir uns sicher. Man spielt dieses Spiel so lange, bis einmal der Tag kommt, an dem es schiefgeht. Wenn es funktioniert, bist du der Held. Wenn nicht, dann nicht."

Frage: "Wie ist es dir mit dem KER-System ergangen? Irgendwelche Probleme?"
Vettel: "KERS ist drin und wir arbeiten hart daran. Ich kann aber keine Garantie dafür geben, dass am Sonntag alles gut läuft. Ich bin zuversichtlich, aber Garantien gibt es keine. Selbst wenn man einkaufen geht, hat man hinterher vielleicht ein böses Erwachen."

"So ist es auch bei uns, was das KER-System angeht. Klar: Die Leute arbeiten Tag und Nacht daran und versuchen, es schnellstmöglich in den Griff zu kriegen. Ich denke, wir haben einen Schritt nach vorne gemacht. Lassen wir uns überraschen. Die Hoffnung stirbt zuletzt."

Frage: "Darf man das so verstehen, dass KERS nun besser funktioniert?"
Vettel: "So einfach ist es nicht. Man geht nicht heim, löst das Problem, kehrt zurück und die Probleme sind vergessen. Es ist ein kompliziertes System."

"Teams wie McLaren sind in diesem Bereich noch immer vorneweg, weil sie diese kleinen Schwierigkeiten vielleicht schon 2009 erlebten. Wir müssen da hingegen noch immer aufholen, sammeln aber immer mehr Zuversicht. Niemand kann allerdings garantieren, dass es nicht doch wieder Probleme gibt."

Vettel: Ein Sieg zum Muttertag?

Frage: "Was erwartest du vom Rennen am Sonntag? Wird es sich ähnlich gestalten wie schon der Große Preis von China, was die Anzahl der Reifenwechsel und das Spektakel anbelangt?"
Vettel: "Da müssen wir abwarten. Die bisherigen Rennen waren auf jeden Fall allesamt sehr interessant anzuschauen. Wir sind während der Grands Prix recht beschäftigt, doch wenn wir die TV-Bilder erst einmal zu Gesicht bekommen, sind wir durchaus angetan davon, wie viel Action geboten ist."

"Istanbul ist allerdings eine etwas andere Strecke als Schanghai. Die Kurven, nach denen der verstellbare Heckflügel aktiviert werden kann, sind hier nämlich etwas schwieriger zu erwischen als die Pendant-Passage in China. Wir werden sehen, wie es funktioniert. Vor uns liegt in jedem Fall ein hartes Rennen. Die Reifensituation steht sicherlich wieder im Vordergrund."

"Warten wir einmal ab, wie viele Boxenstopps wir letztendlich absolvieren müssen. Ich drücke uns ganz sicher die Daumen, dass wir von Anfang bis ins Ziel auf den Funk zurückgreifen können. Das ist doch sehr nützlich (lacht; Anm. d. Red.). Wenn deine Reifen nachlassen, kannst du mit deinem Team darüber reden, was zu tun ist und wo du liegst. Ich bin zuversichtlich und wir haben ein gutes Auto."

"Hoffen wir einfach, dass das Spektakel für die Zuschauer hinter uns stattfindet. Die Vorzeichen stehen gut. Wir können stolz sein auf das Erreichte, doch die härtere Aufgabe liegt noch vor uns. Ich hoffe auf ein gutes Rennen und wünsche mir, am Sonntag an gleicher Stelle zu sitzen, um dann alle Mütter am Muttertag zu grüßen."

Frage: "In Istanbul hat bisher noch kein deutscher Formel-1-Pilot gewonnen. Warum könnte sich das am Sonntag ändern?"
Vettel: "Weil es im vergangenen Jahr nicht geklappt hat."

Frage: "Dein Teamkollege Mark Webber steht auf Startplatz zwei. Sehen wir auch in diesem Jahr ein enges Red-Bull-Duell zwischen dir und ihm?"
Vettel: "So heiß war es im vergangenen Jahr nicht, denn es war ziemlich kurz (lacht; Anm. d. Red.). Ich hätte mich gefreut, wenn es damals noch ein bisschen länger angehalten hätte, doch es kam dann zu einem abrupten Ende."

"Das liegt ein Jahr zurück und ich denke, wir haben unsere Lektion gelernt. Dass wir nun wieder auf dieser Strecke antreten, verändert nichts an den Tatsachen. Wir versuchen auch am Sonntag, unser Bestes zu geben. Das gilt sowohl für mich als auch für Mark."

"Das Rennen wird auf jeden Fall nicht am Anfang oder in der Mitte entschieden, sondern am Ende. Vor uns liegt ein langer Weg. Es gibt genug Dinge, um die wir uns am Sonntag kümmern müssen. Ob man dann auch einmal jemanden überholen oder sich gegen einen anderen Fahrer verteidigen muss, wird sich zeigen."

"Wenn man schon von vorne losfährt, hoffe ich natürlich auf ein ruhiges Rennen. Bei den vergangenen Grand Prix konnte man aber sehen, dass es drunter und drüber ging. Insofern sprechen die Vorzeichen dagegen. Ich ziehe es jedenfalls vor, Mark neben mir zu haben, als irgendjemanden sonst. Schauen wir einmal."

Mercedes und Rosberg als neue Gegner

Frage: "Der Abstand zu deinem Stallgefährten ist recht groß. Wie erklärst du dir das?"
Vettel: "Keine Ahnung. Unterm Strich versuchte ich halt einfach nur, alles aus dem Auto herauszuholen. Mit meiner Runde war ich sehr zufrieden. Es ist aber recht schwierig, sich nach der Qualifikation hinzustellen und zu sagen: 'Ja, dieser Versuch war zu einhundert Prozent perfekt.'"

Frage: "In Nico Rosberg ist ein neuer Gegner mit vorne dabei. Wie ernst musst du den Mercedes-Piloten im Rennen nehmen?"
Vettel: "Sehr ernst, glaube ich. Schon beim vergangenen Rennen in Schanghai war Mercedes unheimlich stark unterwegs. Lassen wir uns einmal überraschen."

"Ich denke, wir haben die bessere Ausgangslage inne, denn ich fahre direkt vor ihm los. Dann muss man sehen. Die Rennen sind sehr lang und es kann einiges passieren. Es wird nicht in der ersten Kurve entschieden, sondern erst auf dem Zielstrich. Dabei ist jeder ein Gegner. Unterschätzen darf man niemanden."

Frage: "Sprechen wir noch einmal über die Anzahl deiner Pole-Positions. Du gehst nun zum fünften Mal in Folge von Startplatz eins ins Rennen. Glaubst du, du kannst den Rekord von Ayrton Senna brechen, dem dies acht Mal in Folge gelungen war?"
Vettel: "Ich denke, Ayrton war ein Meister der Qualifikation."

"Ich weiß es nicht. Ich nehme es Schritt für Schritt. Es gibt so viele gute Jungs und so viele Rekorde. Je mehr man darüber spricht, umso geringer werden deine Chancen. Ich ziehe es daher vor, nicht allzu viele Worte über solche Dinge zu verlieren."

Fotoquelle: xpb.cc

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