Nico Rosberg macht sich Hoffnungen auf das erste Podium der Saison

Formel 1 2011

— 07.05.2011

Die Mercedes-Analyse: Mindestziel Podium?

Das Qualifying in Istanbul lässt Nico Rosberg von noch mehr träumen - Ross Brawn analysiert, warum Mercedes plötzlich konkurrenzfähig ist

Nach dem verkorksten Auftakt in Melbourne und Sepang wurde die starke Performance in Schanghai von vielen als Strohfeuer eingestuft. Doch Mercedes war dieses Wochenende in Istanbul von Anfang an konkurrenzfähig und konnte diese Performance auch heute im Qualifying bestätigen. Nico Rosberg fuhr auf den dritten Platz, nur 0,120 Sekunden hinter dem langsameren Red Bull (Mark Webber).

Vor dem Qualifying war die Unsicherheit noch groß, ob die Trainingsleistungen wirklich bestätigt werden können: "Ich weiß nicht, ob es in die ersten Startreihen reicht", gab Sportchef Norbert Haug nach dem dritten Freien Training zu. "Bisher war das ein originaler Speed und nicht irgendetwas Dargestelltes mit wenig Gewicht. Hoffentlich können wir das wiederholen." Auch Rosberg war skeptisch: "Es ist nicht wirklich so, dass wir viele Upgrades auf das Auto gebracht haben..."

Kaum Neuerungen, aber schneller

Stattdessen ist es Mercedes offenbar gelungen, das zu konsolidieren, was bereits am Auto war - genau wie im letzten Saisondrittel 2010, als es plötzlich aufwärts ging, ohne dass viele neue Teile gekommen wären. Neu ist am MGP W02 in Istanbul nur der Heckflügel, der bei den Überseerennen Probleme gemacht hat, und der Ölkühler. Denn die Temperaturen hatte Mercedes bisher schlechter im Griff als die meisten Konkurrenten.

Für Teamchef Ross Brawn ist die Steigerung ohne Updates aber durchaus erklärbar: "Wir kamen beim letzten Test in Barcelona mit neuen Teilen an, also ziemlich spät. Das Auto schien okay zu sein, aber wir hatten nicht viel Erfahrung mit diesem Paket. In den ersten zwei Rennen hatten wir Zuverlässigkeitsprobleme, Probleme mit dem Heckflügel, mit KERS, andere Probleme. Dadurch haben wir die Richtung in der Abstimmung verloren", erklärt er.

"Nach Malaysia haben wir uns hingesetzt und uns genau überlegt, wie wir das Auto abstimmen müssen, damit es mit diesen Reifen funktioniert. Wir waren einfach nicht auf dem richtigen Weg, also haben wir am Setup ein paar Dinge umgestellt", berichtet der Brite. Prompt war der neue Silberpfeil konkurrenzfähig: "In China haben wir erstmals die Vorteile einer stabilen Basis gesehen, weil dort alles funktionierte."

Doch Rosberg ist mit Platz drei noch nicht zufrieden. Der bessere Topspeed (vier km/h auf Red Bull) und das Hybridsystem KERS, das Red Bull immer noch nicht im Griff hat, könnten ihn am Start mit ein bisschen Glück in Führung bringen. "Ich greife immer an", kündigt das in der Formel 1 immer noch sieglose Fahrtalent an. "Vor allem am Start habe ich eine sehr gute Chance, denn ich stehe auf der sauberen Seite. Der Unterschied zwischen links und rechts ist hier ziemlich groß."

Rosberg rechnet mit einem Podium

"Dann sehen wir weiter. Es wird nicht einfach, aber wir werden es versuchen. Ein Podium sollte auf jeden Fall drin sein", glaubt der 25-Jährige. Dafür braucht es aber ein ordentliches Renntempo - und darüber hängt derzeit noch ein großes Fragezeichen: "Im Rennspeed haben wir vielleicht ein kleineres Problem, was die Rundenzeiten betrifft, aber es scheint sich in die richtige Richtung zu entwickeln. Wir werden Schritt für Schritt hinkommen", räumt Sportchef Haug ein.

Auch Brawn gibt zu, dass die Longruns am Freitag "nicht sehr gut" waren, allerdings könne man die wegen der gelben Flaggen in Kurve acht nur bedingt bewerten. Trotzdem: "Eine der Prioritäten über Nacht war, Setups zu finden, von denen wir glauben, dass sie im Rennen besser sind. Heute sind wir nicht mit viel Benzin gefahren, also haben wir Dinge umgestellt, von denen wir glauben, dass sie uns morgen helfen werden, aber mit Sicherheit werden wir das erst morgen wissen."

Rosberg hingegen sieht dieses Thema ganz entspannt: "Ich mache mir keine Sorgen, ganz im Gegenteil. Ich bin sehr optimistisch", sagt er. "Das Auto ist seit Freitag besser geworden - und man weiß nie, wer bei den Longruns wie viel Benzin drin hatte. Unser Renntempo ist gut, wie wir schon in Schanghai bewiesen haben. Und im Vergleich zu den Jungs hinter mir habe ich einen weichen Reifensatz mehr. Das wird mir helfen. Nach vorne wird es schwieriger, aber wir werden sehen."

Der Deutsche verbrauchte nämlich in Q3 nur einen neuen Option-Reifensatz, im Gegensatz etwa zu den McLaren-Piloten. Brawn rechnet vor, was das bringen kann: "Ein Reifen, der drei oder vier Runden auf dem Buckel hat, ist am Anfang um drei oder vier Zehntel schneller als ein brandneuer Reifen. Dieser Unterschied zieht sich dann durch den ganzen Stint. Am Beispiel Webber hat man in China gesehen, wie erheblich das sein kann."

Kobayashi als ungewollter Helfer

Schon im ersten Qualifying kam Mercedes diesmal mit den härteren Pneus durch, weil der einzige K.O.-Platz neben den drei neuen Teams durch die technischen Probleme von Sauber-Pilot Kamui Kobayashi mehr oder weniger fix vergeben war. Im zweiten Qualifying gingen Rosberg und Michael Schumacher zunächst auf harten Pneus raus, was erwartungsgemäß nicht ausreichend war. Dennoch verbrauchten sie nur einen frischen Satz weicher Pirelli-Options.

"Dass Kobayashi in Q1 ausgeschieden ist, hat die Möglichkeit eröffnet, einen Reifensatz zu sparen. Außerdem waren wir konkurrenzfähig, also konnten wir mit den weichen Reifen haushalten", gibt Brawn Einblicke in die Reifenstrategie, die übrigens auch bei Schumacher angewendet wurde: "Auch Michael ist in keiner schlechten Position. Er kann seinen Satz frische Options nun zu dem Zeitpunkt im Rennen verwenden, wenn es wichtig ist."

Doch bei aller Euphorie ist klar, dass eine Veränderung der Bedingungen Mercedes wieder zurückwerfen könnte. So spricht der Silberpfeil zum Beispiel stark auf Veränderungen der Windrichtung und -stärke an. "Unser Auto ist recht sensibel, anspruchsvoll und kompliziert, es braucht sehr viel Pflege beim Setup", erklärt Haug. "Aber wenn es dann zusammenpasst, dann können wir durchaus auch recht schnell sein."

So war zum Beispiel die Basisabstimmung des Unterbodens viel zu niedrig angesetzt, sodass am Freitag die Bodenplatte in Kurve acht stark aufsetzte. Auch in Sachen Kühlung ist man bei Mercedes immer noch am Limit. Das soll sich jedoch bald ändern: "Im Verlauf der nächsten zwei Rennen erwarten wir ein neues Kühlpaket, das uns mehr Spielraum geben sollte, wenn wir wieder zu Hitzerennen kommen", bestätigt Brawn.

Benzinverbrauch diesmal keine Sorge

Eine weitere Sorge ist der Benzinverbrauch, denn in Schanghai konnte Rosberg sein mögliches Tempo nicht halten, weil er Benzin sparen musste. Doch davor hat inzwischen keiner mehr Angst: "Wir haben uns beim letzten Mal einfach verrechnet, aber daraus haben wir gelernt", winkt der Dritte des Qualifyings zum Grand Prix der Türkei entspannt ab. "Morgen erwarte ich Business as usual - ich mache mir keine Sorgen deswegen."

Auch Brawn kann sich nicht vorstellen, dass eine Situation wie vor drei Wochen noch einmal auftreten wird. Der Grund für die Fehlkalkulation in Schanghai war schnell gefunden: "Normalerweise steckten wir dieses Jahr in den Rennen immer hinter anderen Autos fest und waren nicht konkurrenzfähig. Das war in China anders", so Brawn. "All diese Faktoren kombiniert haben dazu geführt, dass uns das auf dem falschen Fuß erwischt hat. Das sollte morgen nicht passieren."

Für Verwunderung sorgte Mercedes im Qualifying übrigens auch, als Schumacher via Funk dazu aufgefordert wurde, die "magische Wippe" zu betätigen. Der siebenfache Weltmeister gehorchte seinem Renningenieur Mark Slade - und fuhr zu jenem Zeitpunkt prompt absolute Bestzeit im dritten Sektor. Wie inzwischen bekannt ist, handelt es sich dabei um eine Wippe am Lenkrad, die verschiedene Parameter wie Motorenmapping und Differenzial kombiniert auf Maximalstellung bringen kann.

"Das kannst du entweder einzeln am Display bedienen oder mit einer Wippe", klärt Brawn auf. "Man kann die Wippe betätigen, um die schnellsten Einstellungen zu erreichen. Das macht es für den Fahrer einfacher. Die Wippe fasst alle Einstellungen auf eine Bedienung zusammen - an oder aus. Das ist die magische Wippe." Nachsatz angesichts des achten Startplatzes von Schumacher: "Leider war sie heute nicht magisch genug!"

Fotoquelle: xpb.cc

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