Jubel bei Sebastian Vettel: Erstmals siegte ein Deutscher beim Türkei-Rennen

Formel 1 2011

— 08.05.2011

Vettel: "Solche Tage muss man genießen"

WM-Spitzenreiter Sebastian Vettel sicherte sich den dritten Sieg im vierten Rennen und schwärmt regelrecht von Red Bull und seinem RB7-Fahrzeug

Sebastian Vettel war auch beim vierten Formel-1-Rennen des Jahres klar der tonangebende Fahrer. Der junge Deutsche hatte seinen Red Bull RB7 schon am Samstag auf die Pole-Position gestellt und fuhr am Sonntag zu einem souveränen Rennerfolg. In der Pressekonferenz spricht der 23-Jährige über seinen dritten Sieg im vierten Grand Prix, verweist aber auf die starke Konkurrenz hinter ihm. Die Erleichterung ist dem deutschen Rennfahrer allerdings anzumerken - die WM-Führung ist ausgebaut.

Frage: "Sebastian, in der Türkei mussten die meisten Fahrer einen 'Plan B' verwenden, doch bei dir schien alles vollkommen nach Plan zu laufen..."
Sebastian Vettel: "Ja, es war ein sauberes Rennen. Ich hatte einen guten Start, was sehr wichtig war. Danach konnte ich einen Abstand aufbauen. Dies gelang mir schon im ersten Stint. Das war von großer Bedeutung, denn so konnten wir es uns erlauben, eine Runde länger auf der Strecke zu bleiben und abzuwarten, was die anderen im Hinblick auf die Strategie in Petto hatten."

"Wir konnten dann darauf reagieren. Ich hatte stets drei bis acht Sekunden Luft auf meinen direkten Verfolger. Das macht dir das Leben wesentlich einfacher und du kannst auch besser herausfinden, welche Taktik am besten funktioniert. Alles in allem bin ich zufrieden. Uns fehlte der Freitag. Ich hatte einen Unfall und zerstörte das Auto doch ziemlich."

"Alle Jungs im Team - nicht nur meine Crew, sondern auch die Mannschaft von Mark - halfen beim Wiederaufbau des Fahrzeugs. Das bedeutete einige Überstunden für sie, was mir sehr leid tut. Ich denke, der Samstag und der Sonntag machen all dies wett. Ich bin sehr zufrieden mit diesem Ergebnis. Vielen, vielen Dank an das Team."

Red Bull war auch bei der Strategie topp

Frage: "Kommen wir auf deine Strategie zu sprechen. Es schien dir recht flüssig von der Hand zu gehen..."
Vettel: "Ja. Anfangs war aber nicht wirklich abzusehen, was passieren würde. Natürlich hat man eine grobe Vorstellung davon, wie lange die Reifen halten werden. Du musst aber schon bis zum Ende des ersten oder vielleicht auch zweiten Stints warten, um einen Trend zu erkennen."

"So arbeiten wir. Rückblickend kann man wohl sagen, dass ich wohl länger mit meinem ersten harten Reifensatz hätte fahren können. Du musst dich aber auf alle Eventualitäten vorbereiten. Ich hätte damit sicher bis zur Zielflagge durchfahren können, was uns 15 bis 20 Sekunden eingebracht hätte."

"Auf der anderen Seite hätte just in diesem Augenblick etwas passieren können. Bei einem Unfall oder einem Safety-Car-Einsatz wäre ich auf dem falschen Fuß erwischt worden und wäre mit gebrauchten Reifen dagestanden. Es war die richtige Entscheidung, noch einmal zum Reifenwechsel abzubiegen. Nach dem dritten Boxenstopp war Stint Nummer vier aber recht kurz."

"Wir hatten es ziemlich unter Kontrolle. Ich bin sehr zufrieden mit der Kommunikation während des Rennens und auch mit unserer Reaktion. Überhaupt bin ich sehr zufrieden, denn seit China konnten wir noch einmal einen Schritt nach vorne machen. Wir lernten unsere Lektion und müssen nun sicherstellen, diesen Schwung mit in die nächsten Rennen zu nehmen."

Frage: "Es sah auch von außen nach einem komfortablen Rennen aus. Du schienst keinerlei Probleme zu haben. War dein Auto ebenfalls so perfekt?"
Vettel: "Vor allem in den beiden ersten Stints kannst du schauen, wo du stehst. Die Reifen sind nicht einfach handzuhaben."

"Am Sonntag gab es einmal mehr unterschiedliche Strategien. Perfekt kriegt man es nie hin, weil jeder Pneu irgendwann einmal nachlässt. Damit musst du klarkommen. Ich denke, heute hatte jeder mit dem Reifenverschleiß zu kämpfen. Ich hätte jedenfalls nicht gedacht, dass die Strecke derart fordernd sein würde. Speziell in Kurve acht war das Auto nur schwer zu beherrschen."

"Das Feld anzuführen verschafft dir aber ein gewisses Extrapolster, denn wir hatten das Tempo, um im Notfall reagieren zu können. Zu keinem Zeitpunkt lag jemand direkt hinter mir. Das wäre eine vollkommen andere Situation gewesen. Wir hatten eine gute Geschwindigkeit und mit dem Auto war ich sehr zufrieden, auch wenn mir das Training am Freitag fehlte."

"Am Start ist alles ein bisschen schwierig, weil dir die Referenzpunkte fehlen. Du weißt nicht genau, wo mit viel Sprit die Bremspunkte liegen. Einmal bremste ich so, wie in der Qualifikation. Darauf hatte ich es aber nicht abgesehen. Es war ein gutes Rennen und wir hatten es ziemlich unter Kontrolle. Solche Tage hat man nicht oft, also muss man sie genießen."

KERS funktionierte ohne Fehler

Frage: "Wie war es um die Leistung von KERS bestellt?"
Vettel: "Ich hatte keine Probleme damit. Ich muss ein großes Kompliment aussprechen. Für euch mögen drei Wochen sehr viel zeit sein und für uns Fahrer bedeutet das etwas Freizeit. Das Team arbeitete aber sehr hart und ich hatte vom Start bis ins Ziel keinerlei Schwierigkeiten. Das stimmt mich sehr, sehr zufrieden."

Frage: "Ist der Einfluss der Reifen zu groß? Wird das nicht zu verwirrend und ist das Überholen nicht zu einfach?"
Vettel: "Jedes Rennen ist anders und es ist schwierig, einen Reifen zu bauen, der überall eine Zweistopp-Strategie zur Folge hat. Die Zuschauer auf den Tribünen haben es in meinen Augen aber am schwersten."

"Wenn sie eine Großleinwand vor sich haben, können sie das Rennen sicherlich gut verfolgen. Nach dem ersten Stint finden aber alle zehn bis 15 Runden weitere Boxenstopps statt. Das macht es schwierig für die Leute, an die Strecke zu kommen und einfach nur zuzuschauen. Vielleicht versteht man die Reihenfolge der Top 5, vielleicht der Top 10. Nicht jeder interessiert sich aber für den Führenden oder die Jungs auf den Plätzen."

"Die Piloten auf den Rängen elf bis 24 fahren ebenfalls mit. Für die Zuschauer ist das nicht einfach. Noch ist es aber recht früh, eine Einschätzung zur Situation abzugeben, denn wir hatten erst vier Rennen. Einmal war eine Einstopp-Strategie möglich, hier ging es um vier Reifenwechsel. Warten wir einmal ab, was in den nächsten Rennen passiert."

Frage: "Gibt es überhaupt irgendwelche Schwächen bei deiner Fahrweise, im Team, beim Auto?"
Vettel: "Noch liegt ein langer Weg vor uns. Wir hatten einen guten Start. Sobald man aber damit anfängt, sich für unschlagbar zu halten, bekommt man einen Tritt in den Hintern."

"Wir alle versuchen, zu gewinnen. Alle geben sich viel Mühe, doch irgendwann kommt der Tag, an dem dir jemand eine Lektion erteilt und dich in die Schranken verweist. Wir fahren auf dem allerhöchsten Niveau. Natürlich bin ich sehr zufrieden mit diesem Tag und unserem Saisonstart."

"Ich bin zufrieden, wie wir als Team zusammenarbeiten und an einem Strang ziehen. Es ist aber keine Zeit, um auszuruhen und zu denken, dass alles unter Kontrolle ist. Viele Jungs sind schnell, zum Beispiel Mark und Fernando, Lewis und Jenson oder auch Nico, der speziell in der Qualifikation gut unterwegs war."

"Mercedes fehlte es im Rennen etwas an Tempo, doch man konnte in den ersten vier Rennen sehen, dass jedes Team seine Höhen und Tiefen hatte. Es zeigt: Man muss jeden auf der Rechnung haben. Ich bin zufrieden. Wir waren bisher stets sehr konkurrenzfähig und manchmal war es recht komfortabel für uns - wie in Australien. In anderen Rennen war es doch sehr eng."

"An dieser Stelle möchte ich an das Qualifying in Malaysia erinnern, als es keineswegs klar war, dass wir McLaren hinter uns halten würden. Am Samstag war Mercedes sehr schnell. Gerüchten zufolge bringen viele Teams einige Updates zum nächsten Rennen mit. So wird sich das fortsetzen. Alle machen Druck und du musst das zur Verfügung stehende Material maximal ausnutzen."

Der "Bullencrash" ist weit weg

Frage: "Im vergangenen Jahr gab's den teaminternen Crash. Dachtest du in Runde 40 kurz an dieses Malheur zurück?"
Vettel: "Ich zählte nicht mit (lacht; Anm. d. Red.). Ich hatte zum Schluss ja lange Fernando hinter mir, erst danach war es wieder Mark. Da schoss mir dann so ein Gedanke durch den Kopf: "Zum Glück liege ich heute neun Sekunden vor ihm...' Ich denke, dieses Kapitel ist abgehakt. Das haben wir nun schon so oft besprochen. Hoffentlich werde ich 2012 nicht wieder mit solchen Fragen gelöchert."

Frage: "Drei Siege aus vier Rennen. Das ist ein ziemlich guter Saisonstart, oder?"
Vettel: "Ja. Im Hinblick auf die nackten Zahlen ist das absolut richtig. Ich kann mich wirklich nicht beschweren. Es war ein sehr guter Tag für uns."

"Wir kontrollierten das Rennen im Prinzip vom Start bis ins Ziel. Es war recht komfortabel für mich, als anfangs noch Nico hinter mir lag. So konnte ich viel schneller einen Abstand aufbauen, als wenn Mark an zweiter Stelle gewesen wäre. Diesen Puffer hatte ich im Lauf des Rennens immer und konnte daher entsprechend reagieren. Das stimmt mich sehr zufrieden."

"Diesen Sieg widme ich unserer Mannschaft. Ich zerstörte das Auto am Freitag, sie setzten es wieder zusammen. Jeder leistete seinen Beitrag. Als ich am Samstagmorgen in die Garage kam, verflogen alle Sorgen auf einen Schlag. Meine Mechaniker gaben mir nämlich den Eindruck, als ob gar nicht passiert gewesen war. Wir machten normal weiter und das war eine große Hilfe."

"Die Leute im Fahrerlager sehe ich von Zeit zu Zeit, doch meine Jungs sehe ich immer in der Garage und arbeite jahrein, jahraus mit ihnen zusammen. Das bedeutet, dass dir diese Menschen sehr nahe stehen. Wenn sie dir den Eindruck vermitteln, dass alles okay ist, fühlst du dich wohl. Es war ein gutes Rennen und ich bin sehr, sehr zufrieden."

Frage: "Dein Vorsprung in der Gesamtwertung wird größer und größer. Du hast nun schon 93 Punkte auf dem Konto..."
Vettel: "Es ist gut, in jedem einzelnen Rennen so viele Punkte wie möglich abzugreifen. Die Saison ist aber noch sehr lang. Wir sahen im vergangenen Jahr, wie schnell sich die Dinge verändern können. Fernando war im Rennen, dann wieder nicht, dann war er wieder am Ball. Ganz am Ende war es sehr eng."

"Wir müssen das wirklich Schritt für Schritt angehen und jedes Rennen für sich betrachten. Es geht darum, die Punkte zu maximieren. Ein guter Saisonstart ist aber in jedem Fall eine Hilfe, doch noch liegt ein langer Weg vor uns. Wir haben gerade einmal vier von 19 Rennen hinter uns gebracht. Da kann sich jeder selbst ausrechnen, wie viele Zähler noch zu holen sind. Wir müssen jetzt konzentriert bleiben."

Fotoquelle: xpb.cc

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