Alain Prost holte 1993 seinen letzten WM-Titel im Williams-Renault

Formel 1 2011

— 09.05.2011

Motoren: Steigt Williams auf Renault um?

Renault verhandelt derzeit intensiv mit einigen Teams über die Belieferung mit Motoren: Williams ist ein Kandidat - Renault-Geschäftsführer macht Druck

Williams befindet sich seit vielen Monaten in einem sportlichen Tief. Im vergangenen Jahr konnte der damalige Einsatzpilot Nico Hülkenberg die Briten mit seiner Pole-Position in Brasilien kurz ins Rampenlicht fahren, doch es blieb bei einem Strohfeuer. Die Traditionsmannschaft zieht aufgrund der anhaltenden Misserfolge Konsequenzen.

Technikchef Sam Michael wird das Team zum Ende des Jahres verlassen, auch Aerodynamikchef Jon Tomlinson wird seinen Schreibtisch räumen. Die beiden Techniker betonen zwar, dass sie sich freiwillig aus der ersten Williams-Reihe zurückziehen, aber es gab wohl keine realisitischen Alternativen zu diesem Schritt.

Williams will sich auf technischer Seite neu aufstellen, holt den ehemaligen McLaren-Mann Mike Coughlan wieder zurück in die Formel 1. Der Brite war im Zuge der "Spygate"-Affäre aus der Königsklasse verbannt worden, hat aber seine Strafe bald verbüßt. Die Verpflichtung von Coughlan ist nur ein Teil der Umstrukturierungen bei Williams.

"Es steht alles zur Evaluierung, aber in allererster Linie muss sich das Team selbst an die Nase nehmen und nicht schauen, welcher der Lieferanten Fehler macht", erklärte Williams-Teilhaber Toto Wolff im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. Klartext: Williams soll erst intern die Hausaufgaben machen, später dann die Stellschrauben bei Zulieferern drehen.

Williams hält öffentlich zu Cosworth

"Wir sollten am wenigsten an Cosworth rütteln. Dass der Motor vielleicht nicht so stark ist wie der Mercedes, haben wir schon vor eineinhalb Jahren gewusst. Das ist das letzte Thema, das zur Diskussion steht", erklärt der Österreicher. Auch wenn man den aktuellen Motorenpartner öffentlich nicht zu Diskussion stellen mag: Die Ehe zeigt erste Anzeichen einer Krise.

Auf der Motorenseite klopft Renault an die Williams-Tür. Renault-Geschäftsführer Jean-Francois Caubet gibt offen zu, dass man Gespräche mit den Briten aufgenommen hat. "Aber nicht nur mit denen", sagt der Franzose, der allerspätestens 2013 vier Teams mit Triebwerken aus seinem Hause fahren sehen möchte.

Renault will das Formel-1-Geschäft auch wirtschaftlich erfolgreich gestalten. Nachdem man sich werksseitig aus der Szene verabschiedet hat, wird die Motorenentwicklung zum reinen Business. Derzeit fahren Renault (in Besitz der Geniii-Gruppe), Lotus und die Weltmeistermannschaft Red Bull mit den Triebwerken aus Viry-Chatillon.

"Unser Ziel ist es, möglichst bald vier Teams auszurüsten. Dafür brauchen wir allerdings die Zustimmung der FIA, denn grundsätzlich dürften wir eigentlich nur drei Teams bedienen", sagt Caubet. Eine entsprechende Anfrage liegt dem Automobil-Weltverband bisher nicht vor. Ein Zeichen, dass die aktellen Verhandlungen noch nicht auf der Zielgeraden sind.

"Das tun wir dann, wenn es soweit ist", sagt der Renault-Geschäftsführer. Caubet geht davon aus, dass die Weichen innerhalb der kommenden Wochen gestellt werden. Die Zeit drängt. Wer schon 2012 den Motorenpartner wechseln will, muss die Partnerschaft nun schnell etalieren, damit beim Bau des künftigen Autos eine enge Zusammenarbeit stattfinden kann.

Williams erlebte mit Renault goldene Jahre

"Es geht in den Gesprächen nicht nur um die Lieferung von Motoren, sondern es ist immer eine Partnerschaft in mehreren Bereichen ein Thema. Zum Beispiel auch bezüglich KERS", sagt Caubet und macht damit auf die größten Hindernisse auf dem Weg zu einer möglichen Williams-Partnerschaft aufmerksam. Es geht auch um Politik.

Williams will sich als Hersteller von Hybridsystemen weiterhin einen Namen machen, kann kaum in der Formel 1 mit einem eingekauften System an den Start gehen. Also müsste das Williams-KERS an den Renault-Motor angepasst werden - keine leichte Aufgabe. Bei Red Bull scheint dieses Zusammenführen der Technologien aber endlich gelungen zu sein.

Das Weltmeisterteam um Sebastien Vettel hat für 2012 einen gültigen Vertrag mit Renault, auch die Mannschaft von Teamchef Eric Boullier wird weiter auf französische PS zählen. Die Vertragssituation von Tony Fernandes und dessen Lotus-Team ist unklar. Aber vermutlich wird man im Gleichschritt mit Red Bull agieren, denn immerhin bezieht man unter anderem deren Getriebe - kann sich einen Alleingang auf Motorenseite also kaum leisten.

"Red Bull hat einen Vertrag für 2012", bestätigt Caubet eindeutig. Wenn auch Renault und Lotus als Kunden bleiben, dann muss man sich nun noch ein Team angeln, um den eigenen Businessplan erfüllen zu können. Neben Williams kämen höchstens noch Toro Rosso, HRT und Marussia-Virgin als Kandidaten in Betracht.

Naheliegend ist jedoch eine Neuauflage der Partnerschaft mit Williams, die in den 1990er-Jahren die größten Erfolge hervorbrachte. "Wir müssen nun wirklich intensiv mit der Arbeit beginnen. Es läuft nebenbei so viel Politik", macht Caubet bezüglich der Verhandlungen etwas Druck. "Wenn es aufgeschoben wird, dann wird der Motorendeal eher nie zustande kommen."

Fotoquelle: GPP/xpb.cc

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