Bernie Ecclestone: Pokert er nur oder will CVC wirklich nicht verkaufen?

Formel 1 2011

— 09.05.2011

Weitere Interessenten an der Formel 1?

Bernie Ecclestone behauptet, dass es mehrere Kaufinteressenten gibt - Widersprüche häufen sich - Welche Rolle spielt BSkyB dabei?

"Die Formel 1 steht nicht zum Verkauf", hat Bernie Ecclestone in den vergangenen Wochen mehrfach klargestellt. Über das Interesse von Exor und News Corporation an einer Übernahme der obersten Formel-1-Holding Delta Topco von CVC Capital Partners und Co. machte er sich sogar öffentlich lustig, ebenso wie über die Teams, die ebenfalls Interesse an Formel-1-Anteilen zeigen.

Doch plötzlich schlägt der 80-jährige Geschäftsführer der Königsklasse des Motorsports ganz andere Töne an. Auf einmal sollen Exor und News Corporation nicht die einzigen Unternehmen sein, die in die Formel 1 einsteigen wollen: "Es gibt schon seit einiger Zeit auch andere Interessenten", wird Ecclestone vom Nachrichtendienst 'Bloomberg' zitiert. Allerdings verrät er keine Details, um wen es sich dabei handeln könnte.

Das Interesse von News-Corporation-Chef Rupert Murdoch nimmt er immer noch nicht ernst: "Jemand kann sagen, dass er etwas tun möchte, aber das bedeutet noch lange nicht, dass der Verkäufer auch verkaufen will. CVC hat sehr deutlich gemacht, dass sie nicht verkaufen wollen. Das müssen andere akzeptieren, ganz einfach." Dies stehe "zu 100 Prozent" fest, lässt Ecclestone über die von ihm selbst betriebe Internetseite 'formula1.com' ausrichten.

Widersprüchliche Aussagen von Ecclestone

Gegenüber 'Bloomberg' relativiert er diese Aussage teilweise, indem er mitteilt, dass "eine enorme Summe" notwendig wäre, um CVC einen Verkauf schmackhaft zu machen. "Ich schätze, der nächste Schritt ist, dass sie mit einem Angebot zurückkommen", sagt der Brite in Richtung Exor und News Corporation. Also ist wohl doch nicht zu 100 Prozent in Stein gemeißelt, dass ein Verkauf für CVC unter gar keinen Umständen in Frage kommt. Es muss nur der Preis stimmen.

Sollte News Corporation tatsächlich einsteigen, würde sich die Macht von einem 80-Jährigen (Ecclestone) zum nächsten (Murdoch) verlagern - oder doch nicht? "Rupert würde das nicht selbst machen, er hat viele Mitarbeiter", räumt sogar Ecclestone ein, dass das kein Gegenargument wäre. "Es wäre sein Sohn James, der die Führung übernehmen würde." Auf die Frage, ob er den für geeignet hält, seine Nachfolge anzutreten, entgegnet Ecclestone aber: "Nein."

"Sie versuchen schon lange, die TV-Rechte von uns zu kaufen, aber wir wollen das nicht, weil sie nicht frei empfangbar sind", so Ecclestone gegenüber 'formula1.com'. "Vor kurzem hatten sie in Deutschland, Großbritannien und Italien etwas vor, aber wir konnten uns nicht darauf einlassen. 'Sky' leistet unglaubliche Arbeit, aber ihre Zuschauerzahlen sind nirgendwo. Mit diesen Zahlen wäre es für die Teams unmöglich, Sponsoren zu finden. Das wäre Selbstmord."

Doch zwei Dinge werden in der Berichterstattung über die mögliche Übernahme der Formel 1 oft übersehen: Erstens haben Exor und News Corporation nie auch nur angedeutet, dass sie die Live-Übertragungen komplett vom Free- uns Pay-TV verlagern würden, und zweitens haben die beiden Unternehmen in ihrer bisher einzigen offiziellen Stellungnahme ausdrücklich betont, dass sie nicht zwingend an Mehrheits-Anteilseigner CVC herantreten werden.

Stattdessen hieß es in der gemeinsam formulierten Aussendung des Konsortiums am 3. Mai: "In den kommenden Wochen und Monaten werden Exor und News Corporation an mögliche Minderheits-Anteilseigner und zentrale Anspruchsgruppen des Sports herantreten." CVC wurde dabei (vorerst) ausdrücklich ausgeklammert: "Es besteht aber keine Sicherheit, dass dies zu einem Herantreten an die derzeitigen Eigentümer der Formel 1 führen wird."

CVC nicht der einzige Formel-1-Eigentümer

Hintergrund: CVC hält 63,3 Prozent der Formel-1-Holding Delta Topco und ist damit einflussreichster Eigentümer. Die LBI-Gruppe besitzt 15,3, Ecclestones Familienholding Bambino 8,5, Ecclestone selbst 5,3, JP Morgan Whitefriars 3,0 und Churchill Capital 0,7 Prozent. Die restlichen Anteile sind auf verschiedene Mitarbeiter des Formel-1-Imperiums aufgeteilt, darunter zum Beispiel Patrick McNally, Peter Brabeck-Letmathe und Martin Sorrell.

Theoretisch könnten Exor und News Corporation die Formel 1 also auch schleichend unterwandern, indem sie erst nach und nach die Minderheits-Anteilseigner auskaufen. Aber: "Die Eigentümervereinbarung gibt uns die volle Kontrolle", wird CVC-UK-Geschäftsführer Nick Clarry von der Ecclestone nahestehenden Internetseite 'Pitpass' zitiert. "Niemand kann verkaufen, ohne uns die Anteile zuerst anzubieten, und wir müssen alle Transfers absegnen."

Wie ernst die Übernahmepläne sind, kann derzeit kaum jemand seriös einschätzen. Keineswegs ausgeschlossen, dass Murdoch mit den aktuellen Entwicklungen in Wahrheit etwas ganz anderes erreichen möchte. Denn News Corporation versucht derzeit, die restlichen 61 Prozent von BSkyB zu übernehmen, dem Mutterkonzern der auch hierzulande bekannten 'Sky'-TV-Sender. Im Moment kontrolliert Murdoch nur 39 Prozent.

Ecclestone kann sich gut vorstellen, dass die Formel 1 für Murdoch nur ein Vorwand sein könnte, "um Geld zusammenzutrommeln", wie er via 'Pitpass' ausrichten lässt. Denn: "Wenn sie jemanden finden, der mit ein paar Milliarden daherkommt, dann können sie sagen: Wir können die Formel 1 nicht kaufen, aber was haltet ihr davon, bei 'Sky' einzusteigen? Das ist eine gute Methode, um herauszufinden, ob da draußen Geld verfügbar ist."

Hundertprozentig zu durchschauen sind die komplexen Zusammenhänge zwischen den Übernahmegerüchten, dem Concorde-Agreement und der Causa Gerhard Gribkowsky für Normalsterbliche kaum noch. Selbst Ecclestone grinst, wenn er geheimnisvoll sagt: "In letzter Zeit kursieren so viele Gerüchte, dass ich es mit Colin Chapman halte. Der hat gesagt: Warum sollte man eine gute Story mit der Wahrheit verderben?"

Fotoquelle: xpb.cc

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