FIA-Präsident Jean Todt ist entschlossen, die Formel 1 grüner zu machen

Formel 1 2011

— 14.05.2011

Todt: Formel 1 darf sich nicht verschließen

Der Streit über die neuen Motoren geht in Barcelona in eine neue Runde - Kann Bernie Ecclestone die drohende Wende verhindern?

Ab dem Jahr 2013 soll die Formel 1 deutlich grüner auftreten. Hauptgrund hierfür ist ein neues Motorenreglement, welches vorsieht, dass die aktuellen V8-Motoren der Vergangenheit angehören. Vor allem Bernie Ecclestone und Ferrari wehren sich vehement gegen diese Idee. FIA-Präsident Jean Todt gilt als Sympathisant dieser Änderung.

"Zuerst einmal muss ich festhalten, dass ich keine Probleme mit Jean habe. Uns verbindet eine sehr gute Freundschaft. Ich habe ihn damals von Peugeot in die Formel 1 geholt", erklärt Ecclestone gegenüber 'Formula1.com', bevor er seinen Standpunkt zum Theama Motoren klar kommentiert: "Ich bin nicht zufrieden mit den neuen Motoren."

"Man nehme ein GP3-Auto - so wird die Formel 1 in Zukunft klingen! Die Leute kommen wegen dem Sound und der Geschwindigkeit zu den Rennen", bemerkt das Formel-1-Urgestein. "Jean folgt dem, was einst Max Mosley angefangen hat. Ich weiß nicht, warum er die Idee des 'Grünen Rennsport' gestartet hat. Wenn man darüber nachdenkt, dass wir mehr Benzin verbrauchen als die Tour de France, sollte man eine andere Diskussion starten."

Ecclestone hat nur begrenzte Macht

Ecclestone kann sich mit den geplanten Lösungen für eine effizientere Formel 1 nicht anfreunden und regt zum Überlegen an: "Wenn man ernsthaft Emissionen einsparen will, müsste man die Promoter auffordern, die Zuschauerkapazitäten um zehn oder 15 Prozent zu verringern. 15 Prozent weniger Menschen, die zu den Rennen fahren, das würde etwas bringen. Das kann man dann auch für Fußball-Spiele anwenden."

FIA-Präsident Todt entschärft die Contra-Haltung des charismatischen Engländers: "Bernie Ecclestone ist lediglich der Halter der kommerziellen Rechte." Damit macht der ehemalige Ferrari-Rennleiter klar, dass Ecclestones Meinung offensichtlich weniger Macht hat, als man von außen vermuten mag.

"Die aktuellen 2,4-Liter-V8 einzufrieren wurde bereits zu einer Zeit entschieden, in der ich noch nicht FIA-Präsident war", stellt Todt fest. Danach folgte eine Initiative, die hauptsächlich durch die Hersteller hervorging: "Die Motoren-Arbeitsgruppe, einige FIA-Techniker, jeweils ein Vertreter eines aktuell vertretenen Herstellers sowie potentielle zukünftige Teilnehmer kamen mit dem Vorschlag für die 2013er Motoren zu mir."

Hersteller wollen neue Motoren

"Ich habe einige Bemerkungen dazu gegeben und dann wurde die Idee ohne Gegenstimmen gewählt", erklärt der Franzose und beschreibt den Werdegang weiter: "Der nächste Schritt war, die Idee beim Motorsport-Weltrat der FIA durchzubringen. Es wurde einstimmig gewählt."

"Es gibt 26 Mitglieder und zwei Vertreter der Formel 1. Das sind Ferrari und der Vertreter der kommerziellen Rechte, Bernie Ecclestone. Und ich wiederhole: Es wurde einstimmig gewählt", hält Todt fest. Die Konsequenz daraus: "Somit haben wir 2013 eine neue Motorenregel."

Im Rahmen des Spanien Grand Prix folgt die nächste Runde, bei der die Für- und Widersacher ihre Standpunkte einbringen können: "Ich bin gespannt auf die Stimmen bei unserem Treffen am 21. Mai. Da kommen in Barcelona alle Betroffenen zusammen. Ich werde mein Bestes geben um herauszufinden, wie der Entwicklungsstand ist."

Einstimmige Wahl

"Zudem bin ich froh, einen neuen Motorenlieferanten begrüßen zu dürfen. Die Firma PURE kommt neu hinzu", gibt Todt freudig bekannt. Er ist davon überzeugt, dass die Formel 1 keinen Schaden durch den tiefen Reglementeinschnitt nimmt und lässt festhalten: "Wir leben in einer Welt, in der sich die Dinge schnell ändern können."

Gemeint ist der allgemeine Ruf, nach effizienteren Lösungen. "Downsizing" ist das Thema und deshalb betrachtet der Mosley-Nachfolger die kommenden Änderungen positiv: "Im Moment gibt es keinen Grund, die Meinung zu ändern. Der Vorschlag wurde nach vielen langen Diskussionen und Treffen einstimmig gewählt."

"Die Welt verändert sich. Die Gesellschaft verändert sich", so Todt. "Beim Genfer Autosalon, der IAA in Frankfurt oder auch der Messe in China hat man gesehen, dass sich die Welt ändert. China gehört mittlerweile zu den größten Automobilmärkten der Welt. Das war vor einigen Jahren noch nicht so", bemerkt er.

"Bei einem Treffen mit Dieter Zetsche, dem Daimler-Vorstand, wurde klar, dass die Hersteller das Thema Elektroautos brennend interessiert", erklärt der 65-Jährige. "Nissan, Honda und Toyota konzentrieren sich auf Elektronik. Doch deren Hauptaugenmerk liegt auf der Wasserstoff und Hybridtechnik."

Neue Herausforderung

Man erkennt, dass sich Todt nicht an festen Traditionen orientiert und sehr modern denkt: "Man redet über das Zusammenspiel von Sport und Mobilität. Für mich ist es entscheidend, das alles mitzubedenken. Sicher ist es wahr, zu sagen, dass mehr Kraftstoff durch ein Fußballspiel oder ein Konzert verbraucht wird. Genauso sieht es auch mit dem Kerosinverbrauch aus, um zu den Rennen zu fliegen."

"Aber wir können der öffentlichen Meinung gegenüber nicht so verschlossen sein", mahnt er. "Und wenn zeigen können, dass die Formel 1 innerhalb der Boxengasse auch elektrisch funktionieren kann, wäre das ökologisch sympathisch."

Der Technologierträger Formel 1 könnte davon profitieren: "Für die Konstrukteure wäre das eine großartige Herausforderung", gibt Todt zu bedenken. "Man könnte am Start damit sicher 35 Prozent Treibstoff sparen. Für 2013 sollte man diese Idee sicher mit an Bord nehmen."

"Jedes Mal, wenn wir etwas ändern, müssen vier Parameter beachtet werden", erklärt der seit 2009 aktive FIA-Präsident. "Reduzieren wir Kosten? Das ist wichtig. Verbessern wir die Show? Das ist wichtig. Bedienen wir uns neuer Technologien? Das ist wichtig. Und verbinden wir damit die Sicherheit im Straßenverkehr? Für mich sind das die vier entscheidenden Faktoren."

Die Kritik von seinem früheren Arbeitgeber aus Maranello kommentiert Todt kurz und entschlossen: "Diese Welt habe ich vor ein paar Jahren verlassen. Ich weiß nicht, wie sie das intern kommunizieren. Aber wie ich bereits erwähnt hatte: Ferrari repräsentiert die Formel 1."

Fotoquelle: xpb.cc

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