Bernie Ecclestone hat auch mt 80 Jahren weiterhin alle Fäden in seiner Hand

Formel 1 2011

— 19.05.2011

Ecclestone: "Leute gratulieren mir zu den besseren Rennen"

Nach den ersten vier Rennen zieht Bernie Ecclestone Bilanz über die "neue" Formel 1 und äußert sich zu den Übernahmegerüchten rund um Rupert Murdoch

Bernie Ecclestone denkt auch mit 80 noch nicht an den Ruhestand. Wie eh und je kümmert er sich um die Belange der Formel 1, hat seine Finger überall im Spiel und macht seine Geschäfte. Am vergangenen Wochenende stattete der Brite dem neuen Red-Bull-Ring in Österreich einen Besuch ab und begutachtete die neue Strecke. Red Bull ist für Ecclestone wichtig geworden, denn Dietrich Mateschitz leistet sich gleich zwei Teams in der Königsklasse. Im Vergleich dazu war der Formel-1-Zampano nicht bei der Einweihung der neuen Boxenanlage in Silverstone.

Seit Jahren herrscht zwischen Ecclestone und dem BRDC, der sich um die britische Traditionsstrecke kümmert, ein angespanntes Verhältnis. In diesem Jahr unterscheiden sich die Formel-1-Rennen von der Vergangenheit. Es wird viel mehr überholt und ein Grand Prix entwickelt sich ganz anders als noch 2010. Die neuen Pirelli-Reifen, das Energierückgewinnungs-System KERS und der verstellbare Heckflügel haben Anteil and er neuen Show.

Für Ecclestone ist ein spektakuläres Rennen gut, denn damit kann er das Produkt Formel 1 wieder besser vermarkten. "Wir wollten für 2011 mehr Spannung, also Reifen, die nur ein Drittel der Distanz schaffen. Dafür war nur Pirelli bereit", bestätigt der Formel-1-Zampano gegenüber dem 'Blick'. "Und wir müssen ihnen danken. Das war mutig und hat die Show verbessert. Leute sprechen mich auf der Strasse an und gratulieren mir zu den besseren Rennen. Michelin und Bridgestone haben sich übrigens geweigert, solche Reifen zu bauen. Sie fürchteten um Ihr Image."

Für die vielen Überholmanöver sind in erster Linie die Reifen verantwortlich. KERS und DRS spielen zwar eine Rolle, aber nicht so eine große wie im Vorfeld vermutet. "Und 90 Prozent verdanken wir Pirelli. Der Effekt des verstellbaren Heckflügels ist noch nicht ganz klar. Und KERS war nie als Überholhilfe gedacht. Es sollte die Nachricht nach außen bringen, dass die Formel 1 tolle Dinge für die Umwelt tut. Doch wir haben das den Leuten draußen nicht erklärt."

Ecclestone kritisiert KERS

"Bei einigen Teams funktioniert KERS bei andern nicht. Somit verpufft der Wert der Entwicklung. Und dafür haben die Teams bis zu 15 Millionen Dollar ausgegeben. Wir wollten eigentlich sparen. Stattdessen haben wir unglaublich viel Geld ausgegeben - und keiner weiß warum. Wäre es nur ums Überholen gegangen, hätten wir es wie einst die A1-Serie machen können. Die hatten einen Knopf im Auto, mit dem sie kurzfristig die Drehzahl erhöhen konnten. Das hat die Teams ein paar Hundert Dollars gekostet."

Speziell KERS ist Ecclestone ein Dorn im Auge, denn er findet, dass "umweltfreundliche Technologie etwas für Tourenwagen ist. Da macht sie Sinn. Die Autos, die dort fahren, sehen wir auch auf der Strasse. Ein Formel-1-Auto nicht. Dieses Auto ist nur für einen bestimmten Zweck gebaut."

"Wenn wir die Gesamtenergie-Bilanz mit andern Sportarten vergleichen, stehen wir gar nicht so schlecht da. Bei der Tour de France wird mehr Benzin verbrannt als bei uns. Denken Sie nur an den riesigen Tross, der die Tour begleitet. Das meiste Benzin verbrauchen immer noch die Zuschauer, die mit den Autos an die Veranstaltung kommen. Aber sagen Sie mal einem Veranstalter, dass er zehn Prozent weniger Tickets verkaufen soll."

In Zukunft wird noch stärker auf den Umweltgedanken gesetzt. Beim neuen Reglement bb 2013 soll der Einsatz von KERS noch verstärkt werden. Dazu kommt ein Turbomotor mit nur vier Zylindern und kleinerem Hubraum. "FIA-Präsident Jean Todt weiß genau, was ich von diesen Regeln halte", sagt Ecclestone der kein Fan der neuen Bestimmungen ist. "Leute schauen sich die Rennen an, weil sie die Atmosphäre erleben, schnelle Autos sehen und den Lärm der Motoren hören wollen. Die FIA hat die Entscheidung aufgrund falscher Annahmen getroffen. Sie hat die Nebenwirkungen nicht bedacht und denkt jetzt nach."

"Der Anreiz wird mit diesen Vierzylinder-Turbos verschwinden. Die Fans bleiben daheim, einige Veranstalter könnten uns nicht mehr bezahlen. Die Teams verlieren Geld." Geld ist ein bestimmender Faktor im Leben des Briten. In den vergangenen Wochen gab es Spekulationen, wonach Medienmogul Rupert Murdoch die Formel 1 übernehmen will. Ecclestone wiegelt aber weiterhin ab.

Die Formel 1 steht nicht zum Verkauf

"Die Formel 1 gehört nicht mir. Ich bin von CVC nur Geschäftsführer und man will nicht verkaufen. Besitzer CVC ist happy. Mit dem eingenommenen Geld können sie andere Geschäfte betreiben." Ecclestone ist nicht überzeugt, dass ein Medien-Mogul mit der Formel 1 gut beraten wäre. "Bei der Murdoch-Gruppe gäbe es noch das Problem, dass sie nur Pay-TV-Sender haben. Unser Abkommen mit der EU verpflichtet uns aber, die Rennen auch ins freie Programm zu nehmen."

"Wenn wir morgen die Formel 1 für wenig Geld abstoßen müssten, wäre er vermutlich an einem Kauf interessiert", schätzt Ecclestone. "Murdoch ist jedoch eine gut organisierte und vernünftige Firma, die einen sehr guten Job macht. Aber ich sehe nicht, wie ihnen die Formel 1 für ihre Art Geschäfte nutzen soll." Dass sich die Teams die Formel 1 kaufen steht für den 80-Järhigen nicht zur Debatte. "Dazu fehlt ihnen das Geld. Sie müssen es sich bei den Banken borgen."

Derzeit wird im Fahrerlager wieder über das Concorde Agreement verhandelt, dass den Geldkuchen aufteilt. Seit jeher wird in den Verhandlungen gestritten, Piratenserien stehen im Raum und die Zukunft der Königsklasse hängt am seidenen Faden. Unter dem Strich konnte immer eine Einigung gefunden werden, auch wenn die Teams immer mehr Geld fordern. Seit dem ersten Concorde Agreement ist Ecclestone in die Verhandlungen und Streitereien involviert. Große Sorgen, dass es nicht zu einer Verlängerung kommt, macht er sich nicht.

"Vergessen Sie das Concorde Agreement. Die CVC hat die Formel 1 zu einem Zeitpunkt gekauft, als es praktisch kein Concorde Abkommen gab. Die Hersteller haben uns mit einer Konkurrenzserie gedroht. Es war also der schlechtmöglichste Zeitpunkt zu einem Kauf. Und CVC hat trotzdem gutes Geld bezahlt. Heute wäre das Risiko geringer. Die Teams wollten schon bei den letzten fünf Concorde Abkommen mehr Geld. Sie haben großes Glück, dass die Firma nicht mir gehört. Null Chancen, dass sie 70 Prozent bekommen."

Von Schumacher überrascht und enttäuscht

Derzeit ist Sebastian Vettel der große Favorit. Drei Siege in den ersten vier Rennen sprechen eine deutliche Sprache. Der Deutsche ist zusammen mit Red Bull nach dem Saisonauftakt auf Kurs zur Titelverteidigung. "Er ist ein Ausnahmetalent", findet Ecclestone. "Als ich Vettel zum ersten Mal fahren sah, sagte ich: Der wird mehrmals Weltmeister."

Dafür fährt ein anderer Superstar aus Deutschland auch im zweiten Jahr seines Comebacks nicht an der Spitze mit. "Ich bin überrascht und enttäuscht", sagt Ecclestone über Michael Schumacher. "Ich würde ihn gerne mal in einem Red Bull fahren sehen, weil ich nicht weiß, wie gut der Mercedes ist. Aber im Vergleich zu Teamkollege Rosberg sieht Schumi nicht gut aus. Nun, Michael ist ein Fighter, er will immer noch gewinnen. Und ich bin der erste, der jubelt, wenn er Vettel schlägt."

Ein Fahrer fehlt in diesem Jahr in der Startaufstellung. Robert Kubica absolviert nach seinem schweren Rallye-Unfall ein Rehabilitationsprogramm und bereitet sich auf ein Comeback vor. "Vor ein paar Tagen machte er einen starken Eindruck", sagt Ecclestone, der regelmäßigen Kontakt mit dem Polen pflegt. "Er kämpft wie ein Verrückter um sein Comeback. Wir können nur hoffen, dass er es packt. Kubica fehlt der Formel 1."

Fotoquelle: xpb.cc

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