Maldonado, Alguersuari, Perez, Webber und Alonso in der FIA-Pressekonferenz

Formel 1 2011

— 19.05.2011

FIA-PK: Vorfreude auf die Fiesta in Barcelona

Jaime Alguersuari, Fernando Alonso, Pastor Maldonado, Sergio Perez und Mark Webber stellten sich am Donnerstag den Fragen der Medienvertreter

Wenige Stunden vor dem Trainingauftakt zum ersten Saisonrennen auf europäischem Boden nahmen Jaime Alguersuari (Toro Rosso), Fernando Alonso (Ferrari), Pastor Maldonado (Williams), Sergio Perez (Sauber) und Mark Webber (Red Bull) Stellung zu den Fragen der Journalisten am Circuit de Catalunya bei Barcelona. Die Vorfreude auf den WM-Lauf in Spanien ist groß, denn die Fans gelten als überaus leidenschaftlich. Lesen Sie hier die Pressekonferenz vom Donnerstag im Wortlaut.

Frage: "Eine Frage an die Spanisch sprechenden Piloten: Fernando und Jaime, für euch ist der Große Preis in Barcelona ein Heimrennen. Wie steht es bei euch, Pastor und Sergio? Fühlt es sich ebenfalls wie ein Heimevent an?"

Sergio Perez: "Nicht wirklich. Es fühlt sich etwas heimischer an als sonst, doch meine Heimat ist nun einmal Mexiko. Ich genieße es aber stets, in Barcelona oder Spanien zu sein."

Frage: "Jaime, für dich ist es aber ein Heimrennen..."

Jaime Alguersuari: "Ja. Es fühlt sich klasse an, hier zu fahren. Es ist etwas Besonderes für mich, denn ich habe das Publikum im Rücken und auch das Wetter ist meistens prima. Ich lebe in Barcelona und daher ist es einfach toll, hier aufzutreten. Für mich ist dieser Event einer der besten der Saison."

Frage: "Macht es das einfacher oder schwieriger, hier zu fahren? Fühlst du die Unterstützung der Zuschauer?"

Alguersuari: "Nun, ich denke, das macht keinen Unterschied. Mir fällt es leichter, denn ich wohne wirklich fast um die Ecke. Ich muss kein Flugzeug erwischen oder eine größere Reise tun. Es ist halt etwas Einmaliges, eben nur ein Wochenende im Jahr. Die Strecke ist recht cool und schön zu fahren. Dieser Event macht Spaß."

Frage: "Pastor, wie lauten deine Gefühle? Deine Heimat ist ziemlich weit entfernt..."

Pastor Maldonado: "Barcelona ist sicherlich kein Heimrennen für mich, doch es gibt hier sehr viele Leute aus Venezuela. Hier zu sein ist auf jeden Fall immer sehr lustig. Ich freue mich, dass auch das Wetter passt. Es wird Spanisch gesprochen, was großartig ist für mich."

Heimspiel für den zweimaligen Champion

Frage: "Fernando, deine Eindrücke, bitte?"

Fernando Alonso: "Es ist schön, wieder hier zu sein. Barcelona und Valencia fühlen sich wie Heimrennen für mich an. In Spanien zu fahren, ist etwas Besonderes. Wie Jaime schon sagte: Es ist eine gute Motivation. Der Druck ist noch einmal etwas größer als sonst, doch ich empfinde das als positive Last. Die Fans auf den Tribünen sind eine klasse Unterstützung. Es handelt sich um ein Wochenende, das uns normalerweise sehr viel Spaß macht."

Frage: "Nigel Mansell sagte immer, die Fans im Rücken zu haben, wäre pro Runde etwa eine halbe Sekunde wert. Je nach seiner Gefühlslage war das vielleicht schon auch mal eine ganze Sekunde..."

Alonso: "Ich halte das für eine recht optimistische Rechnung. Du versuchst natürlich, dein Bestes zu geben. Das gesamte Team unterstützt dich dabei. Wir alle streben an diesem Wochenende nach Perfektion. Vielleicht ist dabei eine Extrazehntel drin."

Frage: "Nur eine Zehntelsekunde?"

Alonso: "Ja."

Frage: "Mark, du bist der Vorjahressieger. Bei sieben von bisher acht Rennen in Barcelona sahst du die Zielflagge. Würdest du den Circuit de Catalunya als gute Strecke für dich bezeichnen?"

Mark Webber: "Es hat ganz den Anschein, ja. Ich wusste aber nicht, dass ich hier schon so oft im Ziel war. Ich werde versuchen, diesen Trend aufrecht zu erhalten. Ich möchte ein gutes Wochenende haben und im Hinblick auf die vergangenen Rennen einen Fortschritt an den Tag legen. Ich will das tun, was ich im vergangenen Jahr getan habe - siegen. Das wäre klasse."

Webber und Perez wünschen sich problemlose Rennen

Frage: "Wie schwierig ist es, genau diesen einen Schritt nach vorne zu unternehmen?"

Webber: "Wir brauchen ein perfektes Wochenende. Das wissen wir. Um auf diesem Niveau den Sieg davonzutragen, muss alles stimmen. Es ist ja nicht so, dass ich es erst jetzt versuchen würde. Ich hatte schon bei den vergangenen Events nichts anderes im Sinn. Istanbul war das erste Rennen, wo ich ein sauberes Wochenende mit dem Auto hatte. Das war spitze."

"Wir brachten eine ordentliche Qualifikation zustande, einen guten ersten Stint und anschließend hatten wir ein gutes Rennen mit Fernando. Am Ende stand ein gutes Ergebnis. Die anderen Grands Prix waren aus unterschiedlichen Gründen deutlich chaotischer. Wir haben es ganz klar auf weniger turbulente Rennen abgesehen. Wir wollen weiterhin solide und saubere Rennen fahren und alles auf die Reihe kriegen. Das braucht es, um siegreich zu sein."

Frage: "Sergio, wie lautet dein Zwischenfazit? Wie lief es bisher für dich in der Formel 1?"

Perez: "Nun, bisher bin ich sehr zufrieden mit meiner Saison. Ich hatte ein sehr gutes Debüt und wurde Siebter und auch in den vergangenen Rennen hatte ich die nötige Geschwindigkeit, um konstant in die Punkte zu fahren."

"Aus unterschiedlichen Gründen gelang mir das nicht immer, doch meine Gewöhnung an die Formel 1 lief bisher prima. Ich bin daher sehr motiviert. Das Team unterstützt mich immens. Ich freue mich schon sehr auf dieses Wochenende. Nach mittlerweile vier Events bin ich meiner Meinung nach bereit, um den Fortschritt an den Tag zu legen, mit dem ich letztendlich Punkte anpeilen kann."

Frage: "Dein Sauber-Team hat hier einige Updates dabei. Es ist vermutlich recht schwierig zu sagen, wo sich dein Rennstall damit einsortieren wird. Was erhofft sich das Team von den Updates?"

Perez: "Ich denke, wir sind ziemlich optimistisch. Wir hoffen, dass alles nach Plan läuft. Viele Teams haben hier in Barcelona einige Verbesserungen am Start, also müssen wir Druck machen, um uns weiterhin zu steigern. Das Auto war bisher schon recht stark - vor allem in den Rennen."

"In der Türkei gab es an meinem Fahrzeug ein Problem mit dem Frontflügel. Ich trug schon in der dritten Kurve einen Schaden davon und verlor 40 Sekunden. Ich erholte mich aber davon und belegte zum Schluss den 13. Platz. Das ist recht gut. Wir müssen uns weiter verbessern. Ich bin zuversichtlich, dass wir an diesem Wochenende gute Arbeit leisten werden."

Alguersuari wartet auf den Durchbruch 2011

Frage: "Jaime, im vergangenen Jahr warst du in Barcelona in den Punkten. Dein Teamkollege Sebastien Buemi fuhr im jüngsten Rennen lange Zeit auf dem siebten Rang. Was sind deine Hoffnungen für dieses Wochenende?"

Alguersuari: "Ich hoffe, nun tritt endlich ein gewisser Wendepunkt in meiner Saison ein. Ab sofort würde ich gerne ein deutlich besseres Rennjahr haben. Aus unterschiedlichen Gründen war mein Auftakt 2011 nicht der allerbeste. Hoffentlich kann ich nun in die Punkte fahren. Wir werden sehen, ob die Strategie auf unserer Seite ist und ob sie eine Hilfe dabei ist, im Rennen konstanter zu sein."

"Wir wollen nach Möglichkeit einige Zähler sammeln und unserer Saison eine Wende zum Besseren verpassen. Dann sollten wir auch in Monaco und den weiteren Rennen punktefähig sein. Das Ziel ist, in den Top 10 anzukommen. Das Potenzial dafür konnten wir in diesem Jahr bereits aufzeigen. Das Auto ist speziell am Samstag deutlich konkurrenzfähiger als noch 2010."

"Das stellten wir in der Qualifikation bereits unter Beweis. Ich habe im Rennen jedoch noch ein bisschen zu kämpfen. In Malaysia und China hatten wir nicht die Chance, gut abzuschneiden. Dank Sebastien sammelten wir aber gute Erfahrungen. Er schien in den ersten Rennen kaum Probleme zu haben. Schauen wir einmal, was wir erreichen können."

Frage: "Nach dem Großen Preis der Türkei verbrachtest du etwas Zeit im Simulator. Was konntest du dabei lernen?"

Alguersuari: "Das war eine nette Geschichte. Wenn du für Red Bull fährst, kannst du auch den Simulator nutzen. Das ist ein gutes Gefühl. Es lohnte sich. Wenn man etwas lernen muss, ist der Simulator eine gute Art und Weise, genau das zu tun."

Frage: "Wie lange warst du vor Ort?"

Alguersuari: "Knapp zwei Tage lang. Wir fuhren der Kurs in Barcelona ab und auch die Strecke in Monte Carlo. Es lohnte sich."

Frage: "Pastor, erzähle uns von deiner bisherigen Formel-1-Saison. Was hältst du von deinem Abschneiden in den ersten Rennen?"

Maldonado: "Es war nicht einfach für uns. Speziell die beiden ersten Rennen waren schwierig, denn wir hatten Probleme an beiden Autos. Es war knifflig, die Fahrzeuge über die Ziellinie zu tragen. Ich verbessere mich von Rennen zu Rennen."

"Das macht Druck und wir arbeiten hart daran, endlich konkurrenzfähig zu werden. Ich bin zuversichtlich, von nun an in die Top 10 fahren zu können. Ich denke, das ist drin für uns. Dieses Team hat ein großes Potenzial. Wir müssen nur alles auf die Reihe kriegen und schließlich auch die Ergebnisse einfahren."

"Das Auto ist schnell. Wir müssen uns jetzt auf kleine Dinge konzentrieren und dann werden wir sehen. Wie ich schon sagte: Das Potenzial ist vorhanden. Wir müssen jetzt zusammenstehen. Es war schwierig für uns, doch es zeichnet sich ab, dass wir Punkte holen können."

Frage: "Das Auto wurde für dieses Rennen wieder mit Updates versehen. Wie lautet dein Eindruck zu diesen Verbesserungen?"

Maldonado: "Ich erwähnte es bereits: Das Team leistete sehr gute Arbeit. Vor allem in den zwei vergangenen Rennen war das der Fall. Wir haben hier ein sehr gutes Aeropaket am Start und hoffen, dass es funktioniert. In der Türkei standen wir kurz davor, den Einzug in Q3 zu schaffen. Hoffentlich gelingt uns das in Spanien. Wir geben unser Bestes, also schauen wir einmal."

Keine Updates bei Red Bull in Spanien?

Frage: "Mark, welche Updates hat dein Team in der Hinterhand?"

Webber: "Nichts."

Frage: "Nichts? Es sieht doch sonst immer ganz nach Weihnachten aus in eurer Box..."

Webber: "Es ist nicht Weihnachten. Wir haben neue Zündkerzen."

Frage: "Wie steht es um den abgasangeströmten Diffusor? Was denkst du darüber?"

Webber: "Was sagt denn das Regelwerk im Moment dazu?"

Frage: "Sag du es mir, ich weiß es nicht..."

Webber: "Da sitzen wir im selben Boot. Wir wissen es auch nicht. Die Regeln verändern sich stündlich."

Frage: "Was sagt dir dein Gefühl: Welche Leistung könnt ihr daraus ziehen? Ihr habt dieses Element nun ja schon seit geraumer Zeit am Auto..."

Webber: "Ja. Ich denke, das betrifft alle schnellen Teams."

Frage: "Glaubst du, ihr werdet dieses System verlieren?"

Webber: "Das liegt nicht in unseren Händen, mein Lieber. Zu Beginn dieser Woche wurde es verboten, dann wieder erlaubt. Nach Monaco findet ein weiteres Treffen der Technischen Arbeitsgruppe statt. Ich denke, es wird alle Topteams betreffen, die dieses System im Einsatz haben."

Frage: "Es wurde schon viel über das Überholen auf dieser Strecke gesprochen. Wird es in diesem Grand Prix anders laufen als bisher?"

Webber: "Es wird sicherlich besser sein als in der Vergangenheit. Es muss. Die Reifen spielen aktuelle eine große Rolle und mit dem verstellbaren Heckflügel verhält es sich ähnlich. Der letzte Sektor in Istanbul ist etwas offener, was unterschiedliche Manöver angeht. Kurve eins ist hier in Barcelona eine etwas andere Geschichte."

"Mit den Reifen und dem Heckflügel-System sollte es aber zu schaffen sein. Der Große Preis von Spanien wird nun aber etwas anders aussehen, als wir es gewohnt sind - zumindest, was das Überholen anbelangt. Hier gab es in der Vergangenheit nicht gerade die meisten Überholmanöver. Das wird sich am Sonntag vermutlich ändern."

Webber: Überholen in Barcelona wird einfacher

Frage: "Kann man in der Zielkurve nach wie vor nahe genug herankommen?"

Webber: "Ja, wenn jemand Schwierigkeiten mit seinen Reifen hat. Da spielt es keine Rolle, in welchem Auto du sitzt."

Frage: "Ist die Qualifikation nun weniger wichtig oder wichtiger, um Reifen zu sparen?"

Webber: "Nun, in den vergangenen Jahren war das Zeittraining von allergrößter Wichtigkeit. Das ist uns allen klar. Deine erste Runde war sehr wichtig. Vor allem, als das Nachtanken wieder eingeführt wurde. Es musste einfach passen."

"Als wir beim Boxenstopp noch tankten, war die Bedeutung ebenfalls noch sehr groß. Man konnte aber etwas machen, indem man länger oder kürzer draußen blieb. Dadurch gewann man Positionen. Bei den aktuellen Regeln kann man aber mehr gutmachen als in den vergangenen zehn Jahren. Es hat sich also einiges verändert."

Frage: "Mark, hast du eine Erklärung dafür, weshalb Sebastian Vettel in diesem Jahr derart dominant auftritt? Zweite Frage: Hast du mehr Selbstvertrauen, weil nun zwei Rennen anstehen, die du 2010 für dich entscheiden konntest?"

Webber: "Vollkommen klar ist, dass wir auf den Bridgestone-Reifen sehr, sehr, sehr ausgeglichen unterwegs waren. Auf den Pirelli-Pneus war das bisher nicht ansatzweise der Fall - speziell nicht auf neuen Reifen. Das soll keine Ausrede sein. Ich beantworte nur die Frage. Das ist das Einzige, was sich verändert hat."

"Für die Fahrer ist es eine große Veränderung, an die man sich gewöhnen muss. Seb leistet gute Arbeit und es liegt ganz klar an mir, besser zu werden. Zur zweiten Frage: Nun, ich mag Sepang und viele andere Kurse, wo wir schon waren, doch gewinnen konnte ich dort nicht. Barcelona ist eine weitere Strecke, die nicht schlecht ist. Monaco ist ein einzigartiger Ort, wie wir alle wissen."

"In diesem Jahr wird es dort im Hinblick auf die Strategie sehr interessant. Es gibt viele Rennbahnen, auf denen ich es liebe, zu fahren, aber noch nicht siegreich war. Hier und dort gewann ich vielleicht bereits, obwohl ich den jeweiligen Kurs nicht unbedingt liebe. Ich freue mich aber auf das Wochenende. Es war stets ein guter Grand Prix. Ganz besonders, seit Fernando an der Spitze mitmischt."

"Die Fans sorgen für eine gute Atmosphäre mit Feuerwerk und dergleichen. Das macht den Unterschied zu anderen Strecken aus. Es ist toll, vor Publikum zu fahren. Jetzt sind die Fans leidenschaftlich - abseits des Zweirad-Sports. Das ist einer der Gründe, weshalb ich meinen Helm im vergangenen Jahr ins Publikum warf. Ich wollte den Fans etwas zurückgeben. Sie lieben diesen Sport und das ist auch gut so."

Alonso fährt bis 2016 bei Ferrari

Frage: "Fernando, du hast deinen Ferrari-Vertrag vorzeitig bis 2016 verlängert. Das ist eine lange Zeit. Gleichzeitig deutest du an, deine Karriere wahrscheinlich bei Ferrari ausklingen zu lassen..."

Alonso: "Ja, das waren gute Nachrichten für mich und meine Karriere. Wir verlängerten den Vertrag bis 2016. Ich sagte auch, dass ich vorhabe, meine Karriere bei Ferrari zu beenden. Ich kann mir keinen besseren Ort vorstellen, wo man als Rennfahrer unterkommen kann. Ich darf mich glücklich schätzen, dass ich im vergangenen Jahr hier andocken konnte."

"Ich fühlte mich vom ersten Tag an zuhause in diesem Team. Ich habe die Möglichkeit, für Ferrari ins Lenkrad zu greifen. Ende 2016 werde ich sieben Jahre für diesen Rennstall angetreten sein. Das ist ein Privileg und ich freue mich sehr darüber. 2017 könnte es einen neuen Vertrag geben. Wir werden sehen. Das hängt davon ab, ob ich dann noch nicht zu alt bin und ob Ferrari noch immer zufrieden mit mir ist."

Frage: "Was bedeutet diese Stabilität? Wie ist es für einen Fahrer, zu wissen, dass er dem Team noch für so viele Jahre erhalten bleiben wird?"

Alonso: "Nun, für mich ist das keine große Umstellung, denn mir war schon von Anfang an klar, dass ich hier viele Jahre lang fahren würde. Egal, was die Zahlen im Vertrag vorgaben und in welchem Jahr mein Kontrakt ausgelaufen wäre. In meinem Fall war die Stabilität zu einhundert Prozent gegeben. Ich fühlte das auch beim Team. Es handelt sich lediglich um eine öffentliche Bestätigung."

"Im Team gab es keine Veränderung und Stabilität ist immer gut für einen Formel-1-Rennstall. Es gibt so viele Regeländerungen und noch mehr Dinge, die man im Auge behalten muss. Aus Fahrersicht und aus der Sicht des Teams ist es sicherlich richtig, langfristig zu denken, um eine gute Partnerschaft zu entwickeln und zu pflegen - und Maranello Erfolge einzubringen."

Frage: "Bis 2016 ist es noch lange hin. Wer hatte die Idee, den Vertrag vorzeitig zu verlängern? Du oder das Team?"

Alonso: "Ich denke, das kam von beiden Seiten. Wie ich schon sagte: Diese Entscheidung fiel uns sehr leicht. Vor ein bis zwei Wochen hatten wir damit begonnen, über die Zukunft zu reden. Beide Seiten wollten weitermachen."

"Ich war sehr zufrieden mit dem Team und das Team schien sehr zufrieden mit mir zu sein. Aus diesem Grund verständigten wir uns auf eine Verlängerung des Vertrags. Das Ergebnis ist das Jahr 2016 und nun sehen wir alle etwas klarer. Für alle Angestellten ist nun offensichtlich, dass Stabilität herrscht. Es war eine Entscheidung von beiden Seiten."

Frage: "Das war sicherlich die schnellste Vertragsverhandlung, die es bis dato gab..."

Alonso: "Ja, es war sehr... Ich denke, wenn beide Seiten weitermachen wollen, ist das die beste Lösung. So findet man sehr schnell einen Kompromiss, eine Entscheidung."

Frage: "Wie viele Titel würdest du bis zum Ende deines Vertrags gerne mindestens gewinnen?"

Alonso: "Die Formel 1 ist unmöglich vorherzusagen. Es ist ebenso unmöglich, über das Gewinnen von Meisterschaften nachzudenken, bevor die jeweilige Saison überhaupt begonnen hat. Wichtig ist, dass man weiterhin Spaß am Rennfahren hat."

"Natürlich gehe ich davon aus, im besten Team zu sein, um in den Titelkampf einzugreifen. Andere Teams haben gute und schlechte Phasen. Bei Ferrari hat man schon ein schlechtes Jahr, wenn man in der Gesamtwertung Platz drei oder Platz zwei belegt. Das ist etwas, was Ferrari einem Fahrer bieten kann."

"In diesen sechs Jahren möchte ich das Rennfahren genießen. Ich bin mir sicher: Die Gelegenheit wird kommen. So war es zum Beispiel im vergangenen Jahr. Wir schrammten nur um vier Punkte daran vorbei. Hoffentlich können wir erneut in den Kampf einsteigen und hoffentlich dann erfolgreich sein. Es ist aber unmöglich, in dieser Sache eine Vorhersage anzustellen."

Alonso weiß, wie man in Barcelona gewinnt...

Frage: "Sprechen wir über das Barcelona-Rennen: Du gewannst hier 2006 von der Pole-Position. Gleich dreimal warst du hier Zweiter. Acht von bisher neun Rennen beendetest du auf diesem Kurs. Was deine Landsleute aber wohl am meisten interessiert: Kannst du am Sonntag gewinnen?"

Alonso: "In der Formel 1 kann alles passieren. Jeder, der hier sitzt, kann das Rennen gewinnen. Man weiß vorher nie, was alles geschehen wird. Red Bull hatte den ersten Abschnitt der Meisterschaft ziemlich im Griff. Es wird schwierig, sie in diesem Rennen zu schlagen. Das ist beinahe unmöglich, was die Qualifikation anbelangt. Wir wollen aber etwas ändern und damit möchten wir in Barcelona beginnen."

"Wir führten in der Türkei einige Neuerungen ein, die prima zu funktionieren scheinen. Wir konnten einen Schritt nach vorne machen und den Abstand ein bisschen reduzieren. Der zweite Teil dieser Verbesserungen erlebt hier in Spanien seine Premiere. Hoffentlich gelingt uns damit ein weiterer Fortschritt. Wir wollen die Lücke noch kleiner machen. Wie die anderen aber schon sagten: Auch unsere Rivalen werden neue Teile am Start haben."

"Am Freitag oder erst am Samstag in der Qualifikation werden wir erfahren, welcher Rennstall bessere Arbeit leistete und ein paar Elemente mehr an die Strecke brachte. Wir werden sehen, wie konkurrenzfähig Ferrari in Barcelona sein kann. Wir sind auf jeden Fall optimistisch und zuversichtlich. Wir arbeiteten sehr intensiv und das Ziel ist, näher an Red Bull heranzurücken und schon bald mit ihnen zu kämpfen."

Frage: "Vor dem Rennen in der Türkei sagtest du, die Updates würden Ferrari rund zwei Zehntel einbringen. Letztendlich war es deutlich mehr. In der Qualifikation konntet ihr den Abstand zu Sebastian beinahe halbieren. Wo kam diese Steigerung her und was erwartest du an diesem Wochenende?"

Alonso: "Das lag an der Geschwindigkeit im Rennen und am Management der Reifen, würde ich sagen. In Malaysia lagen wir in der Qualifikation eine Sekunde zurück. In China betrug dieser Wert 1,4 Sekunden und in der Türkei war es wieder eine Sekunde. Die Distanz blieb mehr oder weniger gleich. Im Rennen kommt es aber darauf an, was man mit den Reifen anstellt und wie einfach das Auto zu fahren ist."

"Wichtig ist das Setup, das man sich am Freitag erarbeitet. Es kommt der Leistung am Sonntag zugute. In der Türkei gingen wir beim Setup offensichtlich in die richtige Richtung und waren im Rennen auch bei den Reifen etwas konkurrenzfähiger aufgestellt als erwartet. Diese Erfahrung möchten wir in die kommenden Grands Prix mit einfließen lassen."

"Hoffentlich werden wir weiterhin ein paar Vorteile bei der Reifennutzung haben. Wie es hier sein wird, weiß ich nicht zu sagen. Wir werden sehen, welche Leistung das Fahrzeug erbringen kann und wie die neuen Teile funktionieren. Aber wie ich schon sagte: Am wichtigsten sind die Herangehensweise an das Wochenende und der Umgang mit den Reifen."

Frage: "Fernando, traust du Mark zu, eine Schlüsselrolle in der Gesamtwertung zu spielen? Er ist schließlich der Einzige, der ebenfalls einen Red Bull fährt. Er könnte Sebastian viele Punkte wegnehmen..."

Alonso: "Mark nahm Sebastian im vergangenen Jahr ganz sicher einige Punkte weg. Bisher war das aber nicht der Fall. Die reinen Zahlen sagen, dass Vettel einen ziemlich großen Vorsprung hat."

"Danach kommt eine Gruppe von sechs bis acht Autos, die allesamt nicht allzu weit voneinander getrennt sind. Es ist nur Sebastian, der einen Vorsprung hat. Das liegt daran, dass er in den ersten vier Rennen fantastisch fuhr. Er machte keine Fehler, war sehr schnell und verdient es, diese Zähler zu haben. Es liegt an uns, diese Lücke zu schließen. Wir brauchen bessere Autos, besser als der Red Bull."

"Daran arbeiten wir. Wir wollen Rennen gewinnen. Die Meisterschaft ist lange. Es stehen noch genug Rennen aus, um aufzuholen. Um so etwas zu schaffen, ist aber das beste Auto im Feld erforderlich. In manchen Jahren klappte es. 2006 ging es mir so. Ich kann mich daran erinnern, in Kanada 32 Punkte Vorsprung auf Michael gehabt zu haben. Das entspricht etwa 75 bis 80 Punkten nach heutigem Maßstab."

"Michael hatte zwei Rennen vor Schluss noch den gleichen Abstand. Man kann jeden Rückstand wettmachen, doch dafür musst du das beste Auto im Feld haben. Daran arbeiten wir. Aber wie du schon sagtest: Wenn es so läuft wie 2010, dass Red Bull zwar das schnellste Auto hat, aber dass mal Mark, mal Sebastian gewinnt, die beiden nicht immer ankommen, hin und wieder verunfallen - dergleichen würde uns sicherlich in die Karten spielen."

Frage: "Eine Frage an Fernando und Mark: Im vergangenen Jahr war Red Bull in Barcelona pro Runde etwa eine Sekunde schneller als alle anderen. Im Vergleich zu den restlichen Fahrzeugen ist der Abstand in diesem Jahr fast noch größer. Wie groß sind eurer Meinung nach die Chancen, dass jemand Red Bull gefährden kann?"

Alonso: "Du sprichst von seinem Auto, also sollte vielleicht er darauf antworten. Es stimmt schon: Im vergangenen Jahr hatten wir hier einen Rückstand von rund einer Sekunde. In diesem Jahr war es bei bestimmten Rennen sogar etwas mehr, doch wir arbeiten hart."

"Ich denke, das trifft auf alle Teams zu, die Red Bull einfangen wollen. Theoretisch sollte der Vorsprung von Rennen zu Rennen schrumpfen. Hier wäre ich enttäuscht, wenn wir erneut eine Sekunde hinten liegen würden. Wir versuchen, ihnen das Leben an diesem Wochenende schwer zu machen."

Webber: "Ja. Im vergangenen Jahr gab es zwei Strecken, auf denen wir deutlich schneller waren als alle anderen. Es handelte sich um Barcelona und um Budapest. Speziell in der Qualifikation hatten wir dort ein sehr, sehr starkes Auto. Das überraschte sowohl uns als auch die Konkurrent. Wir hoffen natürlich darauf, wieder einen schönen Vorteil zu haben. Das muss aber nicht so sein."

"Das Auto sollte hier aber gut funktionieren. In der Qualifikation hatten wir 2010 einen großen Vorsprung und das Rennen gegen Lewis war unter Kontrolle. Er war damals unser schärfster Verfolger, bis wir er ein Problem mit dem linken Vorderreifen bekam. Seb hatte ebenfalls Schwierigkeiten und so wurde Fernando Zweiter. Das Rennen war aber ganz anders als die Qualifikation, wenn wir uns über die reine Geschwindigkeit unterhalten."

"Es war in den vergangenen drei Jahren ein gewisser Trend bei uns, in der Qualifikation stark zu sein - und stark genug im Rennen. Wir waren in der Vergangenheit auch nicht gerade erfolglos, was die Grands Prix betrifft. Ich hoffe daher, wir haben noch immer einen guten Vorsprung. Schauen wir einmal, was passiert."

Frage: "Eine Frage an die erfahrenen Piloten in dieser Runde: Angesichts der vielen Knöpfe und Hebel im Cockpit seid ihr Fahrer nun deutlich mehr beschäftigt als früher. Die Strategie wird vom Kommandostand aus vorgegeben, weil man so viele Dinge beachten muss, die man alleine gar nicht fassen kann. Findet ihr es schade, dass ein Fahrer nicht mehr so viel Kontrolle über die Taktik hat, wie das in der Vergangenheit vielleicht der Fall war?"

Webber: "Wie üblich wird es wohl niemanden geben, der dem ersten Teil der Frage zustimmt, was die Knöpfe und Regler im Cockpit anbelangt. Manchmal werden solche Themen gleich politisch, wenn manche Teams etwas mögen, andere nicht. Unterm Strich nutzen wir alle die gleichen Knöpfe oder zur gleichen Zeit - besonders in der Qualifikation."

"Ich bin kein großer Fan davon, dass wir uns zeitgleich die Finger wund drücken, nur damit am Ende keiner einen wirklichen Vorteil davon hat. Im Prinzip fahren wir um den Kurs und tun das Gleiche. Im Rennen ist es anders. Wir tun alles, um die Show zu verbessern. Es gibt aber Phasen am Wochenende, da braucht man nicht alle Spielzeuge verwenden."

"Im Hinblick auf die Strategie ist zu sagen, dass sich der Motorsport verändert hat, ganz klar. Was in der Türkei mit Fernando und mir passierte, sieht man nicht oft. Fernando überholte mich und ich konnte mich in einem späteren Rennabschnitt revanchieren. Ich wüsste zu gerne, wann wir so etwas das letzte Mal in einem Grand Prix gesehen haben, wobei es keine technischen Probleme mit den Autos gab."

"Wir machten eben unterschiedliche Phasen im Rennen durch. Das war sehr ungewöhnlich und wahrscheinlich wird so etwas wieder vorkommen. Das liegt hauptsächlich an den Reifen. Die Pneus spielen nun eine viel größere Rolle im Rennverlauf. Das stimmt. Und ja, wir bekommen viel Hilfe von der Boxenmauer aus."

"Das hatten wir aber schon immer, speziell zur Ära des Nachtankens. In dieser Hinsicht hat sich meiner Meinung nach nur wenig verändert. Vielleicht ist es jetzt etwas stressiger für uns Fahrer im Auto. Wir können vielleicht nicht so viel über die Taktik nachdenken, weil wir die Reifen schonen müssen und dergleichen mehr."

"Zu Zeiten des Nachtankens fuhr man einfach immer Vollgas und gegen den Benzinstand im Tank. Im Cockpit hat sich in Bezug auf die Strategie nicht viel getan. Wir haben nun mehr Boxenstopps, aber das ist für alle gleich. Die Leute am Kommandostand lassen uns also genau so viel Hilfe zukommen wir zu Beginn der 2000er- oder späten 1990er-Jahre."

Fotoquelle: xpb.cc

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