Schneller als das Auge: Fernando Alonsos Runde war nahezu perfekt

Formel 1 2011

— 21.05.2011

"Fast perfekte Runde": Alonso voll mit Adrenalin

Fernando Alonso packte im Barcelona-Qualifying eine der besten Runden seiner Karriere aus - Ferrari optimistisch für die bevorstehenden Strecken

Die beiden McLaren-Stars empfanden es im heutigen Qualifying in Barcelona nicht mehr für notwendig, nach ihrem ersten Q3-Run noch einmal auf die Strecke zu gehen. Doch sie hatten ihre Rechnung ohne Fernando Alonso gemacht, denn vor eigenem Publikum packte der Spanier eine der vielleicht besten Runden seiner Karriere aus und schob sich ausgerechnet in die gerade mal 35 Tausendstelsekunden zwischen Lewis Hamilton und Jenson Button.

Renningenieur Andrea Stella gratulierte seinem Schützling noch via Boxenfunk, Alonso brüllte sich unter dem Helm vor Freude seinen Adrenalinüberschuss von der Seele. Auch Technikchef Aldo Costa ist nach dem Studium der Telemetriedaten zutiefst beeindruckt: "Es war wirklich eine sehr gute Runde. Er hat sich im Vergleich zur Runde davor enorm gesteigert. Es war eine fast perfekte Runde, sehr, sehr gut - und zwar überall! Er war überall am Limit."

Massa nur noch Statist

Seinem Teamkollegen Felipe Massa (8.) nahm der Lokalmatador im gleichen Auto fast eine Sekunde ab, gleichmäßig verteilt auf alle drei Sektoren. Kein Wunder, dass Alonso "sehr glücklich" ist: "Das Adrenalin, das in so einer Runde durch deinen Körper strömt, ist kaum mit Worten zu beschreiben. Wir sind jede Runde am Limit, aber wenn du leicht über das Limit gehst und die Runde trotzdem hinkriegst, dann ist das für einen Rennfahrer ein ganz besonderes Gefühl", strahlt er.

"Es war eine ganz besondere Runde", schildert er. "In Kurve eins dachte ich, ich hätte zu spät gebremst, aber das Auto reagierte zum Glück gut, sodass ich die Kurve noch gekriegt und sogar Zeit gewonnen habe. Kurve drei ist voll gegangen - zum ersten und wahrscheinlich letzten Mal an diesem Wochenende! Jede Kurve war erstaunlich, ich hatte einfach Vertrauen ins Auto. Als ich über die Linie fuhr, dachte ich: So etwas kriegst du nicht mehr hin, selbst wenn du es 20 Mal probierst!"

"Ich bin zufrieden mit dem Qualifying, denn heute Morgen hatten wir kein gutes Gefühl", erinnert sich der zweifache Weltmeister an den neunten Platz im Vormittagstraining. Rückstand: 2,563 Sekunden. "Wir hatten keine Chance auf die Pole-Position, aber wir haben in der Türkei einen Schritt gemacht und hier noch einmal einen kleinen. Glücklich bin ich erst, wenn wir den Rückstand vernichtet haben und wieder um die Pole-Position kämpfen. Im Moment ist das nicht der Fall, Red Bull ist dominant."

Keine frischen Pirelli-Options mehr

Für morgen sieht Alonso auch schwarz, denn "Red Bull und McLaren haben noch frische Reifen. Dagegen können wir nichts tun, das wird es uns im Rennen noch schwieriger machen", weiß er. "Aber so ist es nun einmal. Ich werde versuchen, 60 Qualifying-Runden zu fahren, und hoffe, dass das dann reicht." Und - aufgrund seiner fahrerischen Ausnahmeleistung bestens gelaunt - der Ferrari-Star kündigt lachend an: "Vettel werden wir in der ersten Kurve überholen. Danach sehen wir weiter..."

Dabei musste die Scuderia am Morgen einen Rückschlag einstellen, als die FIA erwartungsgemäß mitteilte, dass der neue Heckflügel mit dem verlängerten Gurney-Flap doch nicht verwendet werden darf. Costa relativiert dies jedoch: "Über dieses kleine Detail wird zu viel geredet", winkt der Ferrari-Technikchef ab. "Es macht keinen großen Unterschied, um ehrlich zu sein. Also haben wir es ohne zu murren runtergenommen."

Viel entscheidender sei, dass der Windkanal endlich wieder einigermaßen korrekte Daten ausspuckt: "Wir haben viele Teile getestet. Die meisten davon sind positiv und werden hier im Rennen eingesetzt", vermeldet Costa einen Erfolg an der Heimatfront. "Ein paar Details müssen noch aussortiert werden, aber das geht allen Teams so. Die Korrelation zwischen Windkanal und Strecke ist ein permanenter Vorgang. Wir sind zufrieden über diese Entwicklung."

Abstand zu Red Bull bleibt groß

Tatsache ist aber, dass selbst Alonso heute eine Sekunde langsamer war als Polesetter Mark Webber im Red Bull. "Wir brauchen eine Strecke, die unserem Auto entgegenkommt", seufzt er daher. "Barcelona ist die perfekte Red-Bull-Strecke, genau wie Ungarn, wie wir im Vorjahr gesehen haben. Kanada oder Monza waren im Vorjahr sehr gute Strecken für uns. Ich freue mich darauf, mit dem verbesserten Auto auf diesen Strecken zu fahren."

Ferrari setzt also zu einer ähnlichen Aufholjagd an wie im Vorjahr, als Alonso niemand mehr auf der Rechnung hatte, es am Ende aber noch zum Vize-WM-Titel reichte. Sepang, Schanghai, Istanbul und vor allem Barcelona gelten als aerodynamisch anspruchsvolle Strecken und damit als Red-Bull-Terrain, doch nun stehen mit Monte Carlo, Montreal und Valencia drei Stadtkurse bevor. Alonsos Teamkollege Massa kann sich vorstellen, dass Ferrari dort besser aussehen wird.

"Monaco ist schwierig einzuschätzen. Vergangenes Jahr waren wir konkurrenzfähig", erinnert er sich. "Kanada ist eine Strecke, auf der man einen guten Topspeed und einen guten Heckflügel braucht. Schwer zu sagen, wie es dort laufen wird. Und in Valencia braucht man Anpressdruck, aber es liegt wohl irgendwo zwischen Kanada und Monaco. Dort brauchst du Anpressdruck, aber auch Höchstgeschwindigkeit. Verglichen mit Barcelona sollten uns diese Strecken besser liegen."

Fotoquelle: xpb.cc

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