Stefano Domenicali war mit dem Rennen in Barcelona nicht wirklich zufrieden...

Formel 1 2011

— 22.05.2011

Domenicali: "Wir geben nicht auf"

Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali wertet das Spanien-Rennen als Rückschlag, fordert sein Team aber trotzdem zum konzentrierten Weiterarbeiten auf

Für das italienische Ferrari-Team war beim Großen Preis von Spanien nur wenig zu holen, obwohl es direkt nach dem Start noch ganz anders ausgesehen hatte: Unter dem frenetischen Jubel seiner spanischen Landsleute war Fernando Alonso sensationell in Führung gegangen, beendete das fünfte Saisonrennen aber "nur" auf Rang fünf. Felipe Massa war indes farblos unterwegs und schied prompt mit Technikdefekt aus. Entsprechend enttäuscht zeigt sich Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali.

Frage: "Stefano, vor wenigen Wochen konntet ihr Red Bull noch ans Limit pushen, jetzt wurde Ferrari im Rennen überrundet. Würdest du sagen, es war eine peinliche Vorstellung deines Teams?"
Stefano Domenicali: "Nun, das Ergebnis ist sicherlich nicht, was wir erreichen wollten. Es entspricht gewiss auch nicht unseren Erwartungen. In den ersten Rennen sahen wir aber so viele Schwankungen in der Formel 1, dass es schwierig ist, jetzt eine Einschätzung abzugeben. Auf einer solchen Strecke und bei solchen Bedingungen braucht das Fahrzeug den maximalen Abtrieb."

"Eben diesen haben wir nicht. Wir brachten speziell die harten Reifen nicht zum Arbeiten und hatten daher einen erhöhten Pneuverschleiß. Man muss bedenken: Fernando führte das Rennen zunächst für fast 20 Runden an. Wir wurden demnach innerhalb von 46 Umläufen überrundet. 40 Runden lang büßten wir demnach jeweils fast drei Sekunden ein."

"Es ist sehr schwierig, diesen Sachverhalt zu erklären. Leider brachten wir unser Auto angesichts dieser Bedingungen und dieser Reifen nicht zum Arbeiten. Unsere Fahrer rutschten herum und konnten ihre Pneus nicht auf Temperatur bringen. Und wie man sich vielleicht denken kann, sind drei Sekunden eine ganze Menge."

"Im Hinblick auf unser Renntempo war das ohne Zweifel unser bisher schlechtester Grand Prix. Das ist sehr schade, denn in den vergangenen Rennen hatten wir noch ein ganz ordentliches Tempo gehabt. Wie wir aber bereits sehen konnten, gibt es in diesem Jahr einfach große Schwankungen. Wir wissen auch: Die Reifen haben einen sehr großen Einfluss auf das Gesamtbild."

"Da müssen wir sehr vorsichtig sein. Jetzt geht es darum, abzustecken, wo wir in den kommenden Rennen sein werden. Die Reifen werden künftig deutlich weicher sein und auch die Kurse unterscheiden sich sehr von den bisherigen. Wir wollen um den WM-Titel kämpfen. Uns ist klar: Das wird nicht einfach. Wir geben aber nicht auf."

Frage: "Fernando absolvierte zwei Stints auf den harten Reifen. Hattet ihr keine weichen Pneus mehr und musstet ihm deshalb harte Reifen mitgeben?"
Domenicali: "Ja. Wir hatten den Spielraum, um einen weiteren Reifenwechsel einzulegen. Wir lagen 27 Sekunden vor Michael (Schumacher; Anm. d. Red.). Wir hatten noch weitere Reifen und hätten noch einmal hereinkommen können."

"Wir waren aufmerksam, denn es hätte ja auch noch eine Safety-Car-Phase oder dergleichen geben können. Seine Reifen waren hinüber. Wir befanden uns aber im Duell mit Mark Webber. Wir wussten, dass er schneller war. Für den Fall einer Safety-Car-Phase verhielten wir uns daher eher defensiv - und das bestmöglich."

Frage: "Schon in Australien hatte Ferrari einige Probleme mit den harten Reifen, in Spanien war das erneut der Fall. Werdet ihr euch selbst dieser Schwierigkeiten annehmen oder sucht ihr die Hilfe von Pirelli, was dieses Thema angeht?"
Domenicali: "Zumindest kann man nicht sagen, dass sich Pirelli an Ferrari ausrichtet."

"Da gab es anfangs viele Zweifel, so nach dem Motto: 'Pirelli ist ein italienisches Unternehmen. Sie werden schon dafür sorgen, dass Ferrari optimale Reifen bekommt.' Spaß beiseite: Wir müssen nun schauen, wie es weitergeht. Wir müssen eng mit ihnen zusammenarbeiten, um dieser Sache auf den Grund zu gehen."

Alonso mit Zauberrunde im Qualifying

Frage: "Bei den vergangenen Rennen betontet ihr stets, eure Leistung in der Qualifikation ausbauen zu müssen. War dies vielleicht ein Hemmschuh im Rennen oder gibt es eine andere Erklärung?"
Domenicali: "Wenigstens gelang es uns, unsere Leistung im Zeittraining zu steigern. Am Samstag belegten wir Platz vier."

"Das lag aber in erster Linie daran, dass Fernando eine fantastische Runde zustande gebracht hatte. Angesichts der nicht perfekten Konfiguration des Autos, was den Abtrieb anbelangt, hatten wir schon damit gerechnet, heute einige Schwierigkeiten zu haben. Uns war klar: Hier in Barcelona würden wir uns verteidigen müssen. Mehr war nicht drin."

Frage: "Kommen wir noch einmal auf die Qualifikation zurück: Wäre es möglich gewesen, einen weichen Reifensatz aufzusparen?"
Domenicali: "Nun, ich möchte mal so sagen: Wenn man sich rückblickend noch einmal damit auseinandersetzt, kommt man zu dem Ergebnis, dass wir Q1 auch ohne den Einsatz eines weichen Reifensatzes überstanden hätten. Das kann man aber nicht riskieren, wenn man wie wir einige Probleme im dritten Freien Training hatte."

"Wir mussten es einfach tun, denn sonst hätten wir sicherlich andere Schwierigkeiten bekommen. In Anbetracht der Situation trafen wir meiner Meinung nach die richtige Entscheidung. Selbst Mercedes ließ in Q1 weiche Reifen aufziehen. Wenn ich mich nicht irre, verzichteten lediglich McLaren und Red Bull darauf, Q1 auf weichen Reifen zu bestreiten."

"Der Unterschied zwischen hart und weich betrug ungefähr zwei bis zweieinhalb Sekunden. Da kannst du kein Risiko eingehen. Natürlich: Heidfeld stand in der Garage und deswegen hätte man es vielleicht dabei belassen können, aber das ist auch schon alles. Unterm Strich hätte sich am Endergebnis des Rennens sicherlich rein gar nichts verändert."

Ist Red Bull bald uneinholbar vorne?

Frage: "Wenn nicht bald etwas passiert und die Verfolger um McLaren und Ferrari nachrüsten, wird Red Bull uneinholbar vorne liegen und die Meisterschaft vorzeitig entscheiden. Teilst du diese Ansicht?"
Domenicali: "Ja, klar. Wenn sie weiterhin solche Fortschritte machen, gibt es keinen Zweifel daran, dass es nicht einfach wird."

"Die Einstellung der Leute in Maranello ist aber, Druck zu machen. Solange wir noch eine Chance sehen, arbeiten wir sehr hart darauf hin. 2009 war das zum Beispiel nicht möglich. Hier und jetzt sehen wir eine Chance, die wir möglichst lange am Leben erhalten möchten. Wir glauben noch immer daran."

Frage: "Barcelona galt in den vergangenen Jahren immer als Prüfstand für den weiteren Saisonverlauf. Würdest du das Ergebnis aus Sicht von Ferrari als alarmierend bezeichnen?"
Domenicali: "Barcelona ist sicherlich eine Referenzstrecke, denn es gibt andere Kurse, die eine ähnliche Konfiguration erforderlich machen."

"In den vergangenen Rennen litt aber beispielsweise auch McLaren. Damit meine ich: Dieses Jahr ist anders, was an den Reifen und an der Strategie liegt, die man aufgrund der Pneus an den Tag legen muss. Letztendlich ist Red Bull sehr weit vorneweg. Wir müssen sicherstellen, alles zu geben, um diesen Rückstand wettzumachen."

Frage: "Sprechen wir über die Motorensituation. Du sprachst am Freitag in der Pressekonferenz darüber, am Samstag hattet ihr ein FIA-Meeting und am Sonntag gab es ein Treffen der FOTA. Gibt es irgendwelche Neuigkeiten?"
Domenicali: "Im Augenblick nicht, nein. Wir arbeiten noch immer sehr eng zusammen. Am Sonntagmorgen sprachen wir ihm Rahmen der FOTA darüber. In den kommenden zwei Wochen sollten mir darüber wissen."

Fotoquelle: xpb.cc

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