Sebastian Vettel überquerte die Ziellinie von Barcelona als Sieger des Rennens

Formel 1 2011

— 22.05.2011

Vettel: "McLaren setzte uns schwer unter Druck"

Red-Bull-Fahrer Sebastian Vettel spricht über seinen vierten Sieg im fünften Rennen und das Duell mit Lewis Hamilton, welches die Fans in Atem hielt

Sebastian Vettel fährt weiterhin auf der Siegerstraße: Der WM-Spitzenreiter setzte sich im fünften Rennen des Jahres bereits zum vierten Mal gegen alle Konkurrenten durch und bescherte dem Red Bull RB7 von Adrian Newey einen weiteren Erfolg. Vettel musste sich beim Großen Preis von Spanien allerdings lange gegen Lewis Hamilton (McLaren) zur Wehr setzen, der ihn in der Schlussphase massiv attackierte. In der Pressekonferenz schildert Vettel, wie ihm in dieser Situation zumute war.

Frage: "Sebastian, vierter Sieg im fünften Rennen. Und du hattest ein ungeheuer spannendes Duell mit Lewis Hamilton - bis zur Zielflagge. Wie ist es um dein Innenleben bestellt?"
Sebastian Vettel: "Ja, es war ziemlich hart. Ich dachte zu Beginn des Rennens eigentlich, dass ich einen guten Start erwischt hatte."

"Ich konnte nicht nachvollziehen, wo Fernando (Alonso; Anm. d. Red.) so plötzlich herkam. Er startete hinter mir, etwa 16 Meter. Auf dem halben Weg zur ersten Kurve war er aber schon direkt neben mir. Er schnappte sich die Innenseite von Mark (Webber; Anm. d. Red.) und ich ging nach außen, weshalb Fernando die erste Runde als Führender beendete."

"Wir kamen nicht wirklich nahe genug an ihn heran, um den verstellbaren Heckflügel einzusetzen. Wir hatten also keinen Vorteil dadurch und konnten ihn auch nicht überholen. Das gelang erst beim Boxenstopp. Anfangs schienen alle die weichen Reifen möglichst schnell austauschen zu wollen. Wir mussten aber auch eine aggressive Strategie an den Tag legen."

"Danach waren im Prinzip noch die Hälfte des Rennens sowie die harten Pneus übrig. McLaren und ganz speziell Lewis waren sehr stark und sie blieben etwas länger auf der Strecke. Sie hatten eine andere Strategie, die sie bis auf Rang zwei nach vorne brachte. Da war mir klar: Es würde eine richtig enge Geschichte werden. In den letzten zehn Runden fühlte ich mich ein bisschen an China erinnert."

"Auf den harten Pneus taten wir uns schwer. Meine Reifen ließen nach und ich betete, dass Lewis ebenfalls Schwierigkeiten bekommen würde, wo er doch aufholte. Er schien deutlich schneller zu sein, was vor allem im letzten Sektor der Fall war. Er kam stets in die Überholzone und konnte den verstellbaren Heckflügel aktivieren, als wir auf der langen Zielgeraden waren."

"Er fuhr dort zwar meist lange im Drehzahl-Limit, doch es reichte nicht. Am Ende der Zielgeraden schaute ich in meine Spiegel und sah ihn direkt hinter mir. Ich wusste nicht, ob ich mich verteidigen musste oder nicht. Es war ungeheuer eng. In den letzten zwei Runden erwischte ich jedoch einen guten Schlusssektor und das war genug, um meine Position zu halten."

"Darüber hinaus stand mir KERS manchmal zur Verfügung, manchmal wiederum nicht. Ich spielte mit den Knöpfen und der Bremskraft-Verteilung herum, also war es kein einfaches Rennen. McLaren und Lewis boten uns einen sehr heißen Tanz. Es war eine große Erleichterung, die Ziellinie zu überqueren oder schon auf die Zielgerade einzubiegen und die Zielflagge zu sehen. Wir schafften es und ich war einfach nur glücklich."

"Es ist ein großartiges Ergebnis. Nach dem Samstag unterstreicht es sicherlich, dass wir sehr stark sind. Viele Leute hatten vorhergesagt, dass es in Spanien kein Rennen geben, sondern dass die Entscheidung zwischen Mark und mir fallen würde. Wie wir alle sahen - puff! - war Ferrari aber in der ersten Kurve zur Stelle. McLaren setzte uns schwer unter Druck."

"Das Team arbeitete prima, die Boxenstopps klappten und wir trafen stets die richtigen Entscheidungen. Das stimmt mich heute umso zufriedener, denn McLaren pushte wirklich sehr. Ich bin einfach nur zufrieden. Jetzt können wir uns ein bisschen zurücklehnen, heute Abend vielleicht etwas trinken. Es aber recht bald schon wieder weiter, denn am Donnerstag sitzen wir in Monte Carlo ja erneut im Auto."

Spannung pur: Vettel gegen Hamilton

Frage: "Lewis Hamilton setzte dich doch ziemlich unter Druck. Dreimal hatte es den Anschein, als könnte er dich kriegen..."
Vettel: "Ja, er holte mich ein. Da musst du schon ihn fragen, wie sehr er dafür pushen musste. Wir saßen im selben Boot, nur eben genau gegenüber."

"Wir versuchten, uns zu verteidigen, er versuchte, anzugreifen. Beim Rennstart waren wir beide davon überrascht worden, wie Fernando losgekommen war. Keine Ahnung, wie er das gemacht hat. Danach hielt er uns ein bisschen auf. Er leistete gute Arbeit, denn ich denke nicht, dass wir so viel schneller hätten fahren können."

"Es wäre aber nicht verkehrt gewesen, speziell im Hinblick auf das Duell gegen McLaren. Rückblickend waren wir wohl recht aggressiv, um ihn zu überholen. Beim ersten Mal klappte das nicht, doch der zweite Versuch saß. Lewis hatte im zweiten Stint neue Reifen an seinem Auto, wodurch er aufholen konnte."

"Er blieb dann auch länger auf der Strecke und manövrierte sich so an Fernando vorbei. Wenn du aber 'noch 48 Runden' auf deiner Boxentafel liest und bereits zwei Reifenwechsel absolviert hast, dann weißt du, dass noch lange drei Stints vor dir liegen. Mir war klar: Die Zeit auf harten Reifen würde sehr wichtig sein. McLaren schien schneller zu fahren. Punkt."

"Ich denke nicht, dass wir so viel langsamer waren, doch dank des verstellbaren Heckflügels kam er immer näher heran und gewann dadurch auch rund drei Zehntel pro Runde. Im ersten Sektor blieb er meist nahe an mir dran, verlor aber in den schnellen Kurven. Er machte auf jeden Fall viel Druck. Ich hoffte stets darauf, genug Reserven in den Schlusssektor mitzunehmen, denn dort schienen wir Probleme zu haben."

"Ich wollte auf der Geraden eine Lücke haben. Wir waren recht langsam auf dieser Geradeaus-Passage und wenn du zehn Runden vor Schluss dann auch noch gesagt bekommst, dass KERS nicht funktioniert, ist das nicht so toll. Man wünscht sich ja gerade das Gegenteil: 'Wir haben gerade ein zweites KER-System im Auto gefunden, also drücke den Knopf!' So war es aber nicht."

"Das machte die Geschichte nicht einfacher. Es zeigt aber auch: Wir bleiben cool. Wir erreichten das bestmögliche Ergebnis. Wie, ist egal. Wir hatten uns eigentlich ein ganz anderes Rennen erhofft, also müssen wir nun schauen, was mit unserem Tempo passierte."

"Ich bin aber sehr zufrieden. Es machte viel Spaß. Zehn Runden vor Schluss dachte ich, meine Reifen würden mich im Stich lassen. Ich fuhr auf der harten Mischung und Lewis kam von hinten, wie schon in China. Dieses Mal ging es aber anders aus. Das freut mich sehr."

Red Bull: Immer wieder KERS...

Frage: "Sprechen wir über die Renntaktik: War dein Stopp in Runde neun von Anfang an geplant?"
Vettel: "Nein, so etwas ergibt sich. Das muss man so verstehen: Ab einem gewissen Punkt bauen die Reifen in diesem Jahr sehr stark ab. Das heißt, man wird generell immer langsamer."

"Wenn dann jemand an die Box geht und frische Reifen mitnimmt, ist er sofort schneller. Der vermeintlich Zurückliegende kann in diesem Fall unheimlich aufholen. Man muss agieren, aber auch reagieren - und das recht schnell."

"Eine Runde zu spät kann bedeuten, man landet hinter einem Konkurrenten. In diesem Fall müsste man erst wieder an seinem Vordermann vorbeifahren - auch mit frischen Reifen. Es braucht einfach eine gewisse Aggressivität. Wenn man seine Reifen nicht ganz aufbraucht, spürt man das gegen Rennende, wenn man dabei mehr Runden auf seinen gebrauchten Pneus absolvieren muss."

Frage: "Dein KER-System funktionierte einmal mehr nicht einwandfrei. Nervt dich diese Thematik mittlerweile?"
Vettel: "Nun, nicht wirklich. Wir machen da sehr viel Druck und bescheren den Jungs in der Fabrik eine harte Zeit. Die Presse nimmt sie ziemlich hart ran, weil KERS in diesem Jahr ein bisschen unsere Achillesferse ist. Darauf sind die Jungs nicht stolz, ganz im Gegenteil. Wir sitzen dagegen nur im Cockpit und verändern die ganze Zeit irgendwelche Einstellungen oder drücken Knöpfe."

"Das kommt alles sehr oft vor. Den Effekt kann man sehen. Speziell hier auf der Zielgeraden war es gut ersichtlich - und überaus wichtig. Als mir mein Team etwa zehn Runden vor Schluss sagte, dass ich KERS nicht nutzen sollte, war das sicherlich nicht die Nachricht, die ich mir erhofft hatte. Ich wusste: Genau darauf hatte McLaren gewartet."

"Einige Runden vor Schluss stand mir KERS jedoch wieder zur Verfügung und es war nützlich. Ich muss das jetzt nicht extra betonen, denn die Jungs wissen nur zu gut, dass es in Zukunft funktionieren muss. Es ist absolut notwendig. Nach dem KERS-Ausfall in der Qualifikation war es aber schon ein großer Schritt, dass es im Rennen funktionierte."

"Wir sind dabei aber noch so weit, wie wir gerne sein wollen. Heute verrichtete das System etwa für die Hälfte des Rennens seinen Dienst, wie es das tun sollte. Da wird man als Fahrer schon wütend, denn du willst ja, dass die das Drücken des Knopfes auch einen Schub verpasst. KERS ist schließlich ein Zeitgewinn."

Alonso überrascht mehrfach

Frage: "Überraschte es dich, dass du zunächst mit Fernando Alonso kämpftest, ihn später aber sogar überrunden musstest?"
Vettel: "Ja, das überraschte mich durchaus. Irgendwann fiel mir in Kurve sieben ein Ferrari in der Auslaufzone auf, doch das muss Felipe gewesen sein. 15 oder zehn Runden vor Rennende liefen wir auf Fernando auf und überrundeten ihn. Wir hatten ihn beim Boxenstopp überholt und Lewis war länger draußen geblieben, um an ihm vorbeizukommen."

"Lewis war dann auch für den Rest des Rennens in meinem Rückspiegel. Ich war daher ziemlich beschäftigt und weiß nicht genau, was mit Fernando geschah. Auf der Anzeige am Streckenturm sah ich seine Startnummer aber immer weiter abrutschen. Ich weiß nicht, weshalb, aber plötzlich gab es eine große Lücke."

Frage: "Kannst du uns erklären, was es mit der Nachahmung des Klingeltons auf sich hat, als du in der Ehrenrunde im Teamfunk sprachst?"
Vettel: "Ach, das ist eine lange Geschichte, wenn ich ehrlich sein soll. Erstmals hatten wir das 2009 in Silverstone, als wir das dortige Rennen gewannen. Danach... ich weiß nicht. Es ist halt ein Witz zwischen mir und meinem Renningenieur."

"Er macht über Funk diesen verrückten Sound und wenn mir danach ist, antworte ich entsprechend. Wenn man es analysiert, ist es wahrscheinlich ein Ausdruck der Freude. Vielleicht sollte ich mir beim nächsten Mal etwas anderes für die Zieldurchfahrt überlegen, damit da keine Nachfragen kommen (lacht; Anm. d. Red.). In diesem Moment, wenn man die Zielflagge sieht, ist man einfach sehr erleichtert."

Fotoquelle: xpb.cc

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