Würfeln DRS und die Pirelli-Reifen das Feld dieses Jahr durcheinander?

Formel 1 2011

— 24.05.2011

Monaco: Sorgen Reifen und DRS für Überholmanöver?

Was sich die Fahrer von den superweichen Reifenmischung erwarten und welche Folgen der Einsatz des verstellbaren Heckflügels haben könnte

In Monaco galten stets die gleichen Grundsätze: Überholen ist so gut wie unmöglich, das Rennen wird im Qualifying entschieden und jeder Fehler wird bestraft. Doch dieses Jahr ist die Situation durch das neue Reglement etwas unberechenbarer. Bei den bisherigen Grands Prix sorgten die schnell verschleißenden Reifen stets für unterschiedliche Strategien und somit für Überholmanöver. Das galt sogar für den Circuit de Catalunya - ein Kurs, auf dem das Überholen in den vergangenen Rennen noch unmöglich schien.

Nun darf man gespannt sein, ob auch die engen Straßenschluchten plötzlich spannende Zweikämpfe und Positionsverschiebungen zulassen werden. "Im vergangenen Jahr war das Rennen nicht sonderlich spannend, weil wir nur einen Boxenstopp hatten", erinnert sich Lewis Hamilton. "Ich war, so glaube ich, vom Anfang bis zum Ende auf der fünften Position. In diesem Jahr geht es dort hoffentlich etwas aufregender zu."

Vor allem die Reifen sind dieses Jahr die große Unbekannte. Zum ersten Mal in dieser Saison bringt Pirelli die Mischung "supersoft" - den weichsten Reifentyp - zu einem Rennen. Noch kann keiner wirklich einschätzen, wie lange der Reifen halten wird. Eins ist aber auf jeden Fall klar: Mit einem Boxenstopp wie im Vorjahr wird kaum jemand über die Distanz kommen, vielmehr darf mit einer weiteren Boxenstopporgie gerechnet werden.

Verhindern Gummimurmeln Überholmanöver?

"Auf der Strecke wird es schon hektisch werden", glaubt Jenson Button. "Ich weiß nicht, wie gut die Reifen halten werden. Sorgen machen einem nur die Gummireste auf der Bahn. Da werden sich neben der Ideallinie wohl Berge auftürmen. Das macht sicher auch das Überholen schwer." Bereits in der Vergangenheit machten die Gummimurmeln den Asphalt abseits der Ideallinie zu einer Art Eislaufplatz. Da die Reifen in Monaco generell die Charakteristik aufweisen, viel Gummi zu verlieren, dürfte dies 2011 also noch stärker der Fall sein - kein Indiz für Überholmanöver.

Auch Nick Heidfeld blickt der Premiere der superweichen Mischung gespannt entgegen: "Es wird interessant, wie er sich verhalten wird, wie lange er hält. Das ist eine Unbekannte, obwohl wir ihn beim Testen verwendet haben, doch Monaco ist eine ganz andere Strecke." Neben dem superweichen wird der weiche Reifen als härtere Mischung zum Einsatz kommen. Die Mischung "supersoft" besticht durch ihre kurze Anwärmzeit, geht aber laut Pirelli nach zehn Runden in die Knie.

Sauber-Technikchef James Key möchte aber keine vorschnellen Prognosen machen und wartet zuerst den Donnerstag ab. Erst dann kann man Rückschlüsse auf eine mögliche Strategie ziehen: "Der superweiche Reifen ist eine Unbekannte. Hinzu kommt: In Monte Carlo legen wir sehr viele Rennrunden zurück. Andererseits gibt es dort keine wirklich schnellen Kurven. Es könnte einige Überholmöglichkeiten geben. In dieser Hinsicht werden wir am Donnerstag vermutlich klarer sehen."

Wie lange hält der superweiche Reifen?

Der Sauber gilt als reifenschonendes Auto - bereits bei den bisherigen Rennen wusste das Schweizer Team strategisch zu überraschen. "Je nachdem, wo man sich qualifiziert, wird man vielleicht die Strategie aufsplitten", kündigt Key an. "Einen Fahrer könnte man recht aggressiv ins Rennen schicken, zumal in Monaco immer Chancen auf eine Safety-Car-Phase bestehen. Das muss man sich nach der Qualifikation im Detail ansehen."

Einen kleinen Hinweis gibt er dennoch: "Bei den Wintertests in Barcelona war die superweiche Mischung rund eine Sekunde schneller als die weiche Variante, wenn ich mich nicht irre. In Monte Carlo dürfte es sich ähnlich verhalten. Ich denke, man braucht einen Puffer von etwa 20 Sekunden. Wir werden sehen."

Heikki Kovalainen rechnet nicht damit, dass die Reifen im Qualifying eine besondere Rolle spielen werden. Diese sei "ohnehin schwierig genug, denn jedes Jahr kommt es vor, dass ein schnelleres Fahrzeug hinter einem langsameren festhängt. Der Schlüssel in Monaco ist, eine Runde hinzulegen sobald du auf der Strecke einigermaßen einen Abstand nach vorn hast. Unterm Strich geht es dort mehr um den Verkehr als um die Reifen. Man braucht definitiv etwas Glück, um heil durch die Qualifikation zu kommen."

Trulli: DRS-Vorteil ein Zehntel pro Runde

Auf diese Herausforderung freut sich Button: "Der letzte schnelle Versuch im Qualifying ist dort einfach nur atemberaubend." Auch, wenn man den verstellbaren Heckflügel einsetzen muss, um schnell zu sein? Im Vorfeld des Grand Prix von Monaco stand DRS im Mittelpunkt der Diskussion. Vor allem Jarno Trulli forderte schon länger aus Sicherheitsgründen ein Verbot des aus dem Cockpit zu bedienenden Systems in den engen Straßenschluchten, schließlich wurde es aber doch zugelassen. Mit einer Einschränkung: im Tunnel darf es nicht eingesetzt werden.

Die Entscheidung, dass das System nun doch zur Anwendung kommt, verändert laut Trulli "rein gar nichts. Wenn man will, kann man das System in Monaco zum Einsatz bringen. Ich rechne aber nicht damit, dass das so oft der Fall sein wird. Wahrscheinlich bringt es dich mehr aus dem Konzept, als dass es eine Hilfe ist. Sehr seltsam."

Der italienische Routinier, der seinen einzigen Triumph in Monaco feierte, vermutet: "Vielleicht lohnt es sich nur an einer Stelle. Der Zugewinn liegt in Monte Carlo möglicherweise nur bei einem Zehntel pro Runde." Heidfeld schlägt in die gleiche Kerbe: Der Renault-Pilot - ohnehin kein Fan der Überholhilfen - findet, dass das System im Fürstentum wirkungslos ist.

DRS laut Heidfeld keine Überholhilfe

"Ich glaube nicht, dass DRS dort irgendeine positive Auswirkung auf die Überholmanöver haben wird", sagt der Mönchengladbacher. "Das ist der Grund, warum sich die Fahrer einig waren, es dort nicht zu verwenden - ich weiß auch gar nicht, wo man es dort für Überholmanöver verwenden soll. Nun ist es aber doch so, dass wir es verwenden. Man muss sich nur darauf einstellen, das ist kein Thema."

Laut Heidfeld sprach sich bei der Fahrerbesprechung nur ein Pilot für den Einsatz des Systems in Monaco aus. "Ohne da jetzt irgendwelche Namen zu nennen", so Heidfeld, "finde ich es einfach nicht sinnvoll, weil es das Überholen nicht erleichtern wird, weil es keine Gerade gibt und erst recht keine, die lang genug ist."

Die Startziel-Gerade sei jedenfalls zu kurz. Außerdem sei diese "ja keine Gerade, sondern ein Rechtsknick. Und dann in die erste Kurve hinein wird es nochmal sehr eng. Man hat außen links erst Platz und dann verengt es sich noch einmal. Es wird beim Überholen nicht helfen, dabei ist das der einzige Grund, warum es eingeführt wurde." Dass ein Einsatz im Tunnel verboten wurde, ist laut Heidfelds Angaben bedeutungslos, da man es dort ohnehin nicht verwenden könnte.

Monaco als Vorteil für Nachzügler?

Im Formel-1-Fahrerlager vermutet manch einer, dass McLaren-Star Hamilton gegen das Verbot des Systems stimmte. Der Brite gilt als sehr risikofreudig - das bewies er im Vorjahr in Südkorea, als er sich trotz strömenden Regens via Boxenfunk für einen Start des Rennens aussprach. "Wir dürfen den verstellbaren Heckflügel zum Einsatz bringen, was ziemlich schwierig werden wird", meint der Brite. Er rechnet mit einem spannungsgeladenen Rennen: "Angesichts der Boxenstopps sollte es eine gute Sache werden."

Die unkonventionelle Strecke bietet oft auch Nachzügler-Teams die Chance auf ein gutes Ergebnis. Darauf hofft Lotus-Pilot Kovalainen: "Ich glaube, in Monaco sollten wir eine der besten Chancen überhaupt haben, ein Überraschungsergebnis landen zu können. Die Strecke ist einfach etwas ganz Spezielles. Ich genieße es jedesmal, dort zu fahren. Gleichzeitig wird es nicht einfach werden. Wir müssen abwarten."

Weniger zuversichtlich gibt sich Timo Glock, dessen Marussia-Virgin-Rennstall nach wie vor nicht vom Fleck kommt: "Die Reifen sind das große Fragezeichen vor Monaco. Der superweiche Reifen wird interessant, aber wir wissen nicht, wie unser Auto in Monaco und auf anderen Stadtkursen funktionieren wird. Wir müssen abwarten." Hoffnung gibt aber das Vorjahr: "Da waren wir in Monaco mit weniger Abtrieb als die Topteams nicht so schlecht."

Fotoquelle: Force India

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