Sebastian Vettel ist gespannt auf die Hatz im Fürstentum - und würde gerne siegen

Formel 1 2011

— 25.05.2011

Vettel: "Zu sicher kann man sich hier niemals sein"

Red-Bull-Fahrer Sebastian Vettel spricht im Interview über das Geheimnis einer schnellen Runde in Monaco und über den möglichen Sieg im Fürstentum

Mit dem Sieg in Spanien im Rücken reiste Sebastian Vettel in dieser Woche weiter nach Monaco, wo am Donnerstag bereits der Fahrbetrieb aufgenommen wird. Dann möchte sich der Deutsche einmal mehr langsam an das Limit von Monte Carlo herantasten und sich sukzessive steigern. Den ersten Platz hat Vettel erneut im Blick, will in den Straßen des Fürstentums aber kein unnötiges Risiko eingehen. In seiner Medienrunde spricht der WM-Spitzenreiter über seine Aussichten.

Frage: "Sebastian, ist die Pole-Position hier in Monte Carlo noch wichtiger als anderswo?"
Sebastian Vettel: "Es war schon immer sehr wichtig, sicherzustellen, von vorne ins Rennen zu gehen. Überholen ist hier auf diesem Kurs schier unmöglich, denn Monte Carlo ist sehr eng und es gibt keine langen Geraden."

"Je weiter vorne du dich qualifizierst, umso größer sind deine Chancen am Sonntag. Augrund der Reifen gab es in diesem Jahr schon einige verrückte Rennen und wir wissen nicht richtig, was wir hier erwarten müssen. Wie viele Stopps es werden, ist noch offen. Man muss wohl flexibel bleiben und sich an die Sache heranwagen."

"In der Vergangenheit kam man in Monaco traditionell nur einmal oder höchstens zweimal an die Box. Es ist schwer vorherzusehen, wie viele Reifenwechsel an diesem Wochenende auf dem Programm stehen. Man kann den superweichen Pneu kaum einschätzen. Am Donnerstag werden wir klarer sehen."

Nur der Monaco-Sieg fehlt noch...

Frage: "In dieser Saison konntest du bereits einige Rennen zum ersten Mal gewinnen. Ich könnte mir vorstellen, dergleichen schwebt dir auch für Monaco vor..."
Vettel: "Da würde ich nicht nein sagen! Es ist ein schöner Grand Prix und wir reisen gerne hierher. Für die Zuschauer ist es eine fantastische Gelegenheit, um nahe an die Fahrzeuge heranzukommen."

"Es ist ein etwas anderer Rennplatz, denn der Kurs liegt mitten in der Innenstadt. Es ist einfach so anders. Die Geschichte und die Tradition dieses Events sind riesig. Es wäre eine große Ehre, seinen Namen hier in der Siegerliste verewigen zu dürfen. Wir werden sehen. Es ist ein langes Rennen und hier sind schon viele verrückte Dinge vorgefallen. Zu sicher kann man sich hier niemals sein, denke ich."

"Es wäre toll, hier zu gewinnen. Dieser Grand Prix ist etwas Besonderes, auf der anderen Seite aber auch ein Rennen wie jedes andere. Es gibt genau gleich viele Punkte wie überall sonst. Am wichtigsten ist, dass wir im Hinblick auf die Gesamtwertung agieren. Monaco ist jedoch ein Rennen, in dem ein Sieg für jeden Fahrer sehr viel bedeuten würde. Das ist natürlich auch das Ziel."

Frage: "Was braucht es, um in Monte Carlo schnell zu sein?"
Vettel: "Nun, ich mochte diese Strecke schon immer. Es ist ein schwieriger Kurs, auf dem der Fahrer noch einen Unterschied ausmachen kann. Es ist aber ein langes Wochenende, wie ich schon sagte."

"Manche Dinge mögen dich vielleicht beschäftigen, die du im Verlauf des Wochenendes mitnehmen und verändern musst. Es ist nicht nur Schwarz und Weiß. Um wirklich schnell zu sein, muss alles perfekt stimmen. Du brauchst das Selbstvertrauen und das Auto muss sich genau so verhalten, wie du es magst."

"Es ist nicht unbedingt das schnellste Fahrzeug erforderlich, nur musst du dich wohl darin fühlen. Wenn wir uns an das vergangene Jahr zurückerinnern, kommen wir nicht umhin zu bemerken, dass Robert (Kubica; Anm. d. Red.) hier sehr schnell war. Auf Straßenkursen ist er sowieso immer richtig schnell. Wie ich schon sagte: Auf dieser Strecke ist alles etwas anders."

"Es gibt viele enge Kurven und die Geschwindigkeiten sind vergleichsweise niedrig, weil es kaum Geraden gibt. Es ist eine sehr fordernde Strecke. Als Fahrer musst du deine Konzentration aufrecht erhalten. Ja, du musst schnell sein, aber es ist eine andere Art von Rennbahn. Singapur ist ähnlich, auch dort ist eine andere Technik gefragt. Raum für Fehler gibt es kaum, aber Druck machen musst du trotzdem."

Neue Reifen und Heckflügel-Einsatz in Monte Carlo

Frage: "Der superweiche Reifen gibt an diesem Wochenende sein Debüt. Wie lautet dein Kommentar dazu? Rechnest du hier in Monte Carlo verstärkt mit Reifenabrieb, der sich am Rande der Ideallinie ablagert?"
Vettel: "Ich denke, das hängt sehr stark mit der Entwicklung der superweichen Reifen zusammen, die wir so noch nicht einschätzen können. Wir testeten diese Pneus im Winter, doch damals war es sehr kalt und auch der Kurs war ein ganz anderer. In Jerez werden die Reifen ganz anders beansprucht als hier in Monte Carlo."

"Die Pneus sollten hier ein bisschen länger halten, doch das werden wir erst am Donnerstag herausfinden - vorher nicht. Dann werden wir sehen, wie viel Gummiabrieb produziert wird und wie es neben der Linie aussieht. Ja, ich gehe davon aus, dass sich dort einiges ansammeln wird. Das wird das Rennen zusätzlich schwierig gestalten, vor allem gegen Rennende."

"Es kommt aber auch darauf an, wie viele Reifensätze die Teams einsetzen und wie viele Boxenstopps absolviert werden. In der Türkei war es in Kurve acht jedenfalls ziemlich schlimm. Wenn du dort nur ein kleines bisschen von der Linie abkamst, rutschtest du raus. Wir werden sehen. Ich rechne nicht damit, dass es schlimmer als in der Vergangenheit sein wird. Schmutzig war es hier neben der Linie schließlich schon immer."

"Natürlich: Wenn die Strecke nicht gerade sauber ist und noch dazu Gummimurmeln herumliegen, landet man schneller in der Mauer. Du wärst dann aber so oder so in die Bande gekracht. Deshalb kommt es ganz darauf an, der Linie treu zu bleiben und sicherzustellen, keine Fehler zu machen. Das könnte sonst das Ende deines Arbeitstages oder deines Rennens zur Folge haben."

Frage: "Die FIA hat entschieden, den verstellbaren Heckflügel zuzulassen, verbietet aber die Nutzung des Systems im Tunnel. Wie lautet dein Kommentar dazu?"
Vettel: "Nun, die meisten Fahrer sprachen sich dafür aus, den verstellbaren Heckflügel in Monaco komplett außen vor zu lassen. Für die FIA ist es auch nicht einfach, solche Entscheidungen zu treffen. Mit der jetzigen Lösung sind wir unsere Hauptsorge los - den Tunnel."

"Natürlich könnte man sagen: 'Wenn dir nicht das Einsetzen des Heckflügel-Systems nicht ganz geheuer ist, dann lass eben die Finger davon.' Man versucht aber immer, noch weiter ans Limit zu gehen, noch besser und noch schneller zu sein. Wir werden ein bisschen experimentieren und die Grenzen ausloten. Ich halte es in Monte Carlo auf jeden Fall für ein unnötiges Risiko. Diese Entscheidung steht nun aber, alles andere werden wir sehen."

Der Monaco-Freitag ist etwas Besonderes

Frage: "Hier in Monaco wird freitags nicht gefahren. Was hältst du davon? Hast du schon Pläne für den Freitag?"
Vettel: "Ich finde das nicht so schlecht. Das Wochenende wir so natürlich in die Länge gezogen. Die Freitage sind sonst immer sehr arbeitsintensiv und man kehrt erst spät ins Hotel zurück. Jetzt hat man den Freitag, um seine Daten zu analysieren und sich detaillierter damit beschäftigen."

"Man hat halt einfach etwas mehr Zeit. Andererseits glauben die Leute, man hätte nichts zu tun. Du wirst gebeten, dies und jenes zu tun, hierhin und dorthin zu gehen. Das macht das Wochenende nicht einfacher. Die Ingenieure und wir Fahrer haben so aber etwas mehr Luft, um die ganzen Informationen zu sichten und zu analysieren."

Frage: "Ferrari hat eine personelle Umstrukturierung vorgenommen. Siehst du das als Hinweis darauf, dass sie die Lücke zu Red Bull nicht schließen können?"
Vettel: "Ich hörte am Mittwoch davon. Wir haben ebenfalls ein großes Team und da kommt es halt vor, dass man sich manchmal von Leuten trennt, manchmal aber auch neue Leute hinzuholt."

"Es ist sehr schwierig zu sagen, 'das ist eine Folge der Leistung'. Ich kenne das aus eigener Erfahrung. Für Außenstehende macht so etwas hin und wieder keinen Sinn, für die Beteiligten indes sehr wohl. Wer weiß? Vielleicht war das ja schon seit geraumer Zeit geplant. Man kann so etwas bei einem anderen Team nur schwer einschätzen."

"Wenn es sportlich nicht läuft wie geplant und jemand das Unternehmen verlässt, dann hat man natürlich schnell die entsprechenden Schlagzeilen, wonach dies die Folge daraus sei. Aldo (Costa, Technischer Direktor; Anm. d. Red.) hat bei Ferrari meiner Meinung nach gute Arbeit geleistet. Von außen die Gründe zu kennen, ist schwierig."

Fotoquelle: xpb.cc

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