Das PK-Sextett von Monaco: Insgesamt drei Monte-Carlo-Sieger sitzen hier...

Formel 1 2011

— 25.05.2011

FIA-PK: "Mythos Monaco" aus Fahrersicht

Sechs Fahrer stellen sich in der offiziellen FIA-Pressekonferenz den Fragen der Journalisten und erklären, was Monaco zu einer Legende macht

Treffen sich Rubens Barrichello (Williams), Jenson Button (McLaren), Nick Heidfeld (Renault), Nico Rosberg (Mercedes), Michael Schumacher (Mercedes) und Jarno Trulli (Lotus) in Monaco... - so geschehen in der offiziellen Pressekonferenz der FIA, wo sich die sechs Formel-1-Piloten mit den Medienleuten über die spezielle Herausforderung von Monte Carlo unterhielten. Das Sextett sprach unter anderem über den verstellbaren Heckflügel sowie über die veränderte Reifensituation.

Frage: "Nick, 2005 warst du hier in Monaco Zweiter. Renault hat hier eine gute Bilanz. Was rechnest du dir für diesen Grand Prix aus?"

Nick Heidfeld: "Ich freue mich auf jeden Fall sehr darauf. Renault war hier in den vergangenen Jahren immer sehr stark. Robert (Kubica; Anm. d. Red.) leistete 2010 richtig klasse Arbeit, als er sich auf Rang zwei qualifizierte und das Rennen auf dem Treppchen beschloss. Ich bin allerdings zum ersten Mal mit diesem Auto in Monte Carlo. Das Fahrzeug scheint auf holprigen Passagen gut zurecht zu kommen. In Monaco haben wir das immer, also dürfte es interessant werden."

Frage: "...zumal du neun deiner zehn Monaco-Grands-Prix beendet hast. Was ist dein Geheimnis?"

Heidfeld: "Nicht in die Leitplanken krachen! Das war mir nicht bewusst. Ich denke, das ist eine ziemlich gute Zielankunfts-Bilanz. Wahrscheinlich holt man so Punkte, wenn man nicht gerade ein Topauto hat. Das ist also sehr wichtig."

Frage: "Würdest du sagen, dass die Reifen in diesem Jahr eine Schlüsselrolle einnehmen?"

Heidfeld: "Nun, bisher waren die Pneus in jedem Rennen ungeheuer wichtig. Erstmals in dieser Saison kommen nun die superweichen Reifen zum Einsatz. Wir hatten sie beim Testen am Auto, doch das ist schon lange her. Es wird wichtig und interessant sein, zu sehen, wie sich diese Pneus verhalten. Wir wollen in den beiden Freien Trainings am Donnerstag ein gutes Verständnis für sie aufbauen."

Frage: "Nico, Monaco ist ein Heimrennen für dich. Deine alte Schule befindet sich direkt neben dem Eingang zum Fahrerlager..."

Nico Rosberg: "Ja. Es ist immer ein sehr, sehr spezielles Rennen für mich. In dieser Stadt wuchs ich auf und meine alte Schule liegt genau um die Ecke, wenn ich mich nicht irre. Einfach nebenan."

Frage: "Dort wartet man wahrscheinlich auf dich..."

Rosberg: "Es ist schön und ich mag auch die Strecke. Es ist ein fantastischer Kurs und ich war hier immer recht gut unterwegs. Ich denke, wir können an diesem Wochenende gut abschneiden."

Frage: "Was ist dein Geheimnis und wie gehst du dieses Rennen an? Ist es eine Mischung aus Aggressivität und Präzision?"

Rosberg: "Ja. Es geht um die Kombination aus diesen beiden Dingen. Auf einem Stadtkurs wie diesem hier musst du sehr aggressiv zu Werke gehen. Gleichzeitig kannst du dir keine Fehler leisten. Du musst präzise vorgehen und schauen, wie du das Auto platzierst. Das macht mir großen Spaß."

Frage: "Deine beste Platzierung in der Qualifikation ist hier ein fünfter Platz. Und wenn ich mich nicht irre, warst du in den vergangenen drei Jahren jeweils Sechster in der Startaufstellung..."

Rosberg: "Echt? Ich war in den vergangenen drei Jahren immer Sechster?"

Frage: "Ich glaube schon..."

Rosberg: "Okay. Nun, dann wird es höchste Zeit für einen Sprung nach vorne."

Frage: "Und wie groß soll dieser Satz ausfallen?"

Rosberg: "Das werden wir sehen. Möglich ist es allemal, denn bei der Qualifikation war ich hier in den vergangenen Jahren immer schneller, als das meine letztendliche Position in der Startaufstellung wiedergibt. Wenn alles passt, sollte es weiter nach vorne gehen. Im Rennen ist alles möglich, denn wir haben einige Boxenstopps und in diesem Jahr dreht sich eh vieles um die Reifen."

Frage: "Das ist es ja gerade: Alles ist möglich. Es ist nicht mehr so, dass die Rennen vorhersehbar sind oder allesamt nach Schema F ablaufen..."

Rosberg: "Ja. Selbst bei einem Grand Prix wie Monaco wird es nun deutlich offener zur Sache gehen."

Frage: "Jarno, du bist ein ehemaliger Rennsieger in Monaco. 2004 gewannst du auf diesem Kurs. Wie besonders ist es, hier zu siegen?"

Jarno Trulli: "Meiner Meinung nach sehr speziell, denn Monaco ist speziell. Wir haben den Glamour und außerdem will jeder Fahrer einmal dieses Rennen gewinnen. 2004 gelang mir das und jetzt bin ich wieder hier. Ich mag die Straßen von Monaco und war hier immer gut unterwegs."

Frage: "Das Wochenende in Spanien war gut für dich und dein Team. Erzähle uns davon..."

Trulli: "Es war ein hartes Wochenende - bis zum Rennen. Ab dann ging alles viel besser. Das Team leistet großartige Arbeit, denn wir konnten einige Aerodynamik-Updates einführen, die unterm Strich aufzeigten, wie knapp wir hinter dem Mittelfeld rangieren. Wir konnten sogar unsere - sagen wir einmal - 'direkten Rivalen' aus dem vergangenen Jahr überrunden."

"Das unterstreicht, wie weit wir es gebracht haben. Jetzt müssen wir einen weiteren Schritt machen, um uns im Mittelfeld zu etablieren. Spanien war klasse, denn über die halbe Distanz hinweg duellierte ich mich mit den Jungs aus eben dieser Gruppe. Danach brachen wir auf den harten Reifen ein bisschen ein, weil wir mit ihnen zu kämpfen hatten. Das Team arbeitet aber zweifelsohne sehr gut."

Frage: "Kann Lotus angesichts der besonderen Charakteristiken dieser Strecke hier in Monte Carlo eine ähnliche Leistung an den Tag legen?"

Trulli: "So gut oder sogar noch besser. Wir scheinen immer noch besser sein zu können. Monaco ist natürlich Monaco. Wir wissen: Alles kann passieren und hier ist es einfach unvorhersehbar. Wir haben die Zuversicht, um positiv zu denken. Wir kommen hierher und sagen, dass wir besser abschneiden können als in Barcelona."

"Hoffen wir einfach, wir können das erreichen. Rückmeldung dazu werden wir nicht vor dem Trainingsbeginn am Donnerstag erhalten. Dann können wir uns ein Bild machen. Ich kann mich gut daran erinnern, dieses Rennen schon von der Pole-Positon, aber auch aus der letzten Reihe aufgenommen zu haben. Das zeigt wie wichtig das Auto in den Straßen von Monaco ist."

Frage: "Michael, du hast hier fünfmal gewonnen. Alleine sieben Mal fuhrst du aus der ersten Startreihe los. Wie besonders ist dieses Rennen?"

Michael Schumacher: "Ich denke, dazu haben alle die gleiche Meinung. Es ist das Rennen des Jahres mit den meisten Emotionen und dem höchsten Prestige."

Frage: "Ist es auch ein Rennen, das man vorhersehen kann? Es scheint, das ist speziell in diesem Jahr unmöglich..."

Schumacher: "Jepp, absolut. Das liegt wahrscheinlich daran, dass wir 2011 ganz andere Strategien verwenden als noch in den vergangenen Jahren. Ich habe rein gar kein Gefühl und auch keinen Eindruck davon, ob unser Fahrzeug besser zu diesem Kurs als zu anderen passen könnte. Meine Meinung ist: Es ist vollkommen offen."

Frage: "In Spanien hattest du ein besseres Rennen. Hat dir das Spaß gemacht?"

Schumacher: "Ich denke, ich hatte in Spanien genau so viel Spaß wie in der Türkei, was die Action und das Fahren anging. Mit dem Ergebnis war ich aber zufriedener."

Frage: "Mit welchem Resultat? Spanien?"

Schumacher: "Ja, na klar."

Frage: "Dort füllte Nico Rosberg deine Rückspiegel aus..."

Schumacher: "Allerdings, ja."

Frage: "Er benahm sich aber gut, oder?"

Schumacher: "Wir hatten ein paar tolle Manöver zusammen, doch wir sind beide clever und smart genug, um Berührungen zu vermeiden und trotzdem Spaß auf der Strecke zu haben."

Frage: "Du hast also keine Ahnung, wie ihr hier abschneiden könnt?"

Schumacher: "Nein."

Frage: "Jenson, auch du hast hier schon gewonnen, doch im vergangenen Jahr gab es ein Problem an deinem Auto. Als du siegtest, musstest du zum Treppchen rennen, weißt du das noch?"

Jenson Button: "Ja. Das lag aber nur daran, dass ich hier in Monaco so lange nicht auf dem Podium gewesen war. Ich denke, es lagen fünf Jahre zwischen meinem zweiten Platz und meinem Sieg in Monte Carlo. Es waren aber die herrlichsten 200 Meter, die ich je gelaufen bin."

Frage: "Siehst du dieses Rennen als Heimevent an?"

Button: "Ich lebe nicht hier."

Frage: "Nicht mehr? Ich weiß, dass dein Vater hier oder hier in der Gegend wohnt..."

Button: "Ja. Für mich ist es ein besonderes Rennen. Es ist ein Grand Prix, den jeder nur zu gerne gewinnen würde. Natürlich möchtest du jedes Rennen gewinnen, doch dieses hier ist etwas Spezielles. Das liegt vielleicht daran, dass es enorm anstrengend ist, wenn du hier in Führung liegst. Das ist mental anstrengend. Es fühlt sich so an, als würde sich die Straße im Verlauf der 78 Runden immer mehr verengen."

"Es ist ein besonderer Ort für einen Sieg. Für mich war das Aufregendste aber die Qualifikation. Das Auto hier auf die Pole-Position zu stellen ist wahrscheinlich eine fast so große Leistung wie den Sieg einzufahren. Wenn du das Auto bei wenig Sprit und mit neuen Reifen ans Limit bringst und möglichst nahe an die Leitplanken heranfährst, dann verschafft dir das einen riesigen Kick. Den Samstag genoss ich so sehr wie den Sonntag."

Frage: "Dein Teamchef Martin Whitmarsh meint, dass es gut aussieht für euch. Ihr hättet speziell im dritten Sektor von Barcelona sehr gut ausgesehen. Das ist der enge, kurvenreiche Abschnitt. Ist das ein gutes Omen für Monte Carlo?"

Button: "Ja. Sowohl in der Türkei als auch in Spanien waren wir besonders in den Schlusssektoren sehr gut unterwegs. Ob sich das verändert, wenn man direkt neben sich eine Leitplanke hat, weiß ich nicht. Das müssen wir abwarten. Wir gehen aber mit einem positiven Gefühl in dieses Rennen. Der vergangene Grand Prix war gut für Lewis und mich - nach Runde eins. Lewis konnte Sebastian bis zum Ende unter Druck setzen."

"Es hatte eine Weile gedauert, bis wir erfuhren, dass unsere Updates tatsächlich eine Hilfe waren. Man will immer mehr, doch diese Neuerungen waren klasse. Hier weiß ich wirklich nicht, wo wir stehen werden. Es sollte aber okay sein. Mechanisch ist unser Auto sehr stark und unser KER-System ist sehr gut. Vier andere Autos haben es ebenfalls an Bord. Das ist mir klar. Für uns sollte es jedenfalls gut funktionieren."

Frage: "Rubens, du warst bereits 18 Mal in Monaco am Start. Ich kann mir gut vorstellen, dass es für dich wie ein zweites Heimrennen sein muss..."

Rubens Barrichello: "Ja, beinahe, allerdings."

Frage: "Verrate uns, warum..."

Barrichello: "Nun, ich lebe hier und mag es einfach noch immer, im wahren Monte Carlo zu fahren und Spaß zu haben mit diesen Autos, so wie sie sind. Ganz ehrlich: Als ich 1993 an diese Strecke kam und sie mir anschaute, sagte ich nur: 'Es ist unmöglich. Keine Chance, hier mit einem Formel-1-Auto zu fahren.'"

"Mit der Zeit lernt man diesen Kurs schlichtweg lieben. Ich bin da ein bisschen wie Jenson, denn ich mag den Samstag etwas mehr. Die Qualifikation ist echt ein Kick. Man ist ständig so nahe an den Leitplanken dran - und das spornt mich an. Das ist der Kick, den dir die Formel 1 verschaffen kann."

Frage: "Sprechen wir über das Setup des Autos. Was gilt es dabei am meisten zu beachten?"

Barrichello: "Du brauchst maximale Traktion und eine gute Balance. Weist das Auto zu viel Übersteuern oder zu viel Untersteuern auf, hast du ein Problem. Du willst ein besser balanciertes Fahrzeug, denn das Gripniveau ist sehr niedrig."

"Wir haben es hier mit ganz normalem Asphalt zu tun. Die Strecke wurde hier und dort mit neuem Belag versehen, der dir zugegebenermaßen etwas mehr Grip bietet. Es geht aber nur um Traktion. Der Reifenverschleiß ist ebenfalls sehr wichtig, wo wir doch nun Reifen haben, die sind wie sie sind. Man muss hier sehr reifenschonend vorgehen."

Frage: "Du bist natürlich auf die ersten Saisonpunkte für dein Williams-Team aus. Habt ihr hier in Monaco eine größere oder kleinere Chance als sonst?"

Barrichello: "Ich denke, eine bessere, denn in Monaco kann alles passieren. Die Qualifikation ist aber nicht mehr so wichtig, wie sie einmal war. Das liegt an den Reifen. Trotzdem ist das Zeittraining noch von großer Bedeutung, damit du ein gutes erstes Renndrittel haben kannst. Es ist sehr traurig, dass wir bisher noch keine Punkte holen konnten. Vor Saisonbeginn redet man über unterschiedliche Aussichten, doch ich bin mir sicher: Die Punkte werden noch kommen. Hoffentlich schon an diesem Wochenende."

Frage: "Eine Frage an Michael, Jenson und Jarno: Welche Erinnerungen habt ihr an euren ersten Sieg in Monaco und wie aufregend war das für euch? Zweite Frage: Veränderte sich dadurch etwas für euch?"

Schumacher: "Das war 1994, nach der Tragödie von Imola. All das war damals noch sehr präsent für uns, also war die Stimmung etwas bedrückt. Nichtsdestotrotz sagte ich ja schon vorhin, dass es das prestigeträchtigste Rennen ist, das man gewinnen kann. Jenson sagte es bereits und für mich war es nicht anders: In der Qualifikation erwischte ich eine fantastische Runde. Sie passte perfekte und das ist ein unheimlicher Kick. Und wenn dir das erst im Rennen erneut gelingt... Wir hatten aber etwas Luft nach hinten, denke ich."

"Es war relativ komfortabel an der Spitze. Dann brauchst du keine Qualifikations-Runden mehr einlegen. Es ist einfach das Größte, was du dort im Rennen erreichen kannst, kein Zweifel. Veränderte es etwas für mich? Ich trug meinen Namen in die Siegerliste von Monaco ein. Danach konzentriert man sich auf die Meisterschaft und das Rennen ist ein Einzelevent."

Button: "Für einen Rennfahrer lautet das Ziel, die Formel-1-WM zu gewonnen. Das muss dein Hauptziel sein. Direkt danach hast du es auf Rennsiege abgesehen. Ich denke, der Grand Prix in Monaco und dein Heimrennen sind beides besondere Events für dich. Die Erinnerung, die mir am meisten geblieben ist, ist natürlich mein 'Falschparken' und mein Sprint zur Ziellinie."

"Ich würde das um alle Welt nicht ändern wollen. Damals mag es vielleicht peinlich gewesen sein, doch ich habe tolle Erinnerungen daran, wie ich zu spät kam und noch beim Erklimmen der Stufen zu Prinz Albert 'sorry' sagte. Also ja, es ist ein spezielles Rennen. Wer auch immer in diesem Jahr siegt, er wird einige besondere Emotionen verspüren."

"Diesen Sieg feiert man nicht nur mit seinem Team, sondern mit jedem hier in Monaco. Es ist eine große Sause und ich denke, das bedeutet schon etwas. All diese Leute kommen nur wegen des Rennens hierher. Die Leute auf den Booten, die Zuschauer auf den Tribünen, die Streckenposten - jeder ist in die Feierlichkeiten mit eingebunden. Das ist das Schöne hier."

Trulli: "Nun, es ist immer schön, einen Sieg einzufahren. Der Große Preis von Monaco ist das prestigeträchtigste Rennen, das man gewinnen will. Es macht zwar keinen Unterschied für mich, aber es war schön. Ich kann mich an einige Augenblicke erinnern, als ich die Ziellinie zu meinem ersten Formel-1-Sieg überquerte. Es war das perfekte Wochenende, denn ich hatte die Pole-Position und dominierte das gesamte Rennen."

"Und als ich über die Linie gefahren war und gesiegt hatte, ging mir meine gesamte Karriere durch den Kopf. Ich war unheimlich zufrieden. Mich veränderte dieser Sieg nicht. Einigen Leuten schmeckte es aber nicht, dass ich in Monaco gewonnen hatte - vor allem im Team. Vielleicht war es schlechtes Timing. Abgesehen davon veränderte sich für mich nicht wirklich vieles."

Frage: "Nico, weder dein Vater noch du habt bisher in Monaco gewonnen. Sollte es dir gelingen, würde dir dann etwas Besonderes bedeuten, das du mit Keke feiern könntest?"

Rosberg: "Nein, ganz und gar nicht. Es wäre einfach auf seine eigene Art und Weise besonders. Ich vergleiche mich überhaupt nicht mit meinem Vater. Es wäre aber klasse, wenn wir beide hier gewonnen hätten. Das wäre toll."

Frage: "Michael, in Spanien hattest du einen klasse Start, obwohl du von der schmutzigen Seite aus losgefahren warst. Bei Fernando Alonso war es das Gleiche. Ist es möglich, dass der Nachteil, von der schmutzigen Seite zu starten, bei den Pirelli-Reifen geringer ausfällt?"

Schumacher: "Es gibt ganz klar einige Strecken, wo die Unterschiede geringer sind als auf anderen Kursen. Ich denke, in der Türkei war es zweifelsohne ein Nachteil, auf der falschen Seite zu stehen. In diesem Fall war das die linke Seite. In Barcelona ist es ein kleiner Nachteil, von rechts loszufahren, aber kein großer. Normalerweise ist es immer ein Nachteil, nicht auf der Ideallinie zu stehen. Mal ist dieser Nachteil größer, mal kleiner."

Frage: "Eine Frage an alle: Monaco ist auch etwas Besonderes, weil freitags nicht gefahren wird. Wie gefällt euch das und was für eine Routine habt ihr am Freitag?"

Button: "Ich sähe es lieber, am Freitag das Training zu haben und am Samstag direkt mit der Qualifikation weiterzumachen. Es ist einfach nur ein weiterer Tag voller Arbeit."

Schumacher: "Es wäre klasse, wenn wir donnerstags und freitags fahren und noch mehr Spaß haben könnten. Nun, üblicherweise hat man gewisse Veranstaltungen. Bei mir stehen ein paar Events an, die ich nicht versäumen kann. Wahrscheinlich werde ich auch noch Zeit mit dem Team verbringen, um etwas für Samstag vorzubereiten. Der Rest ist einfach nur für die Entspannung da."

Button: "Ja, die meiste Zeit verbringt man an diesem Tag mit den Ingenieuren und den Sponsoren."

Barrichello: "Mir wäre es lieber, am Freitag zu fahren und dafür den Donnerstag frei zu haben. Der Freitag ist fast ein bisschen langweilig, denn du kannst nicht schlafen, weil es draußen so viel Krach gibt. Irgendwelche Leute fahren auf der Strecke herum. Ich hätte lieber ein normales Wochenende, das vom Freitag ausgehend wie üblich abläuft."

Heidfeld: "Für mich gilt im Prinzip das Gleiche. Ich würde auch lieber am Freitag fahren. So wie es jetzt ist, absolviert man diverse Meetings mit den Ingenieuren, erledigt PR-Angelegenheiten. Eigentlich freut man sich aber schon auf den Samstag. Du willst einfach wieder ins Auto und weitermachen."

Rosberg: "Für mich ist es okay. Auf meinem Programm steht ein schnelles Meeting mit den Ingenieuren und danach geht es ab an den Pool mit Freunden. Wir haben eine gute Zeit und entspannen uns. Das kann auch schön sein."

Trulli: "Es ist das längste Wochenende des Jahres und ich denke nicht, dass es einem von uns großen Spaß macht, denn Monaco ist logistisch schwierig. Das ist uns allen bewusst. Wir verbringen einfach nur einen weiteren Tag in chaotischen Bedingungen. Dieser Tag steht ganz im Zeichen von PR- und Medienaktivitäten oder dergleichen."

"Was werde ich am Freitag tun? Das müssen wir noch mit Tom (Webb, Lotus-Pressechef; Anm. d. Red.) abstimmen. Ich hoffe, ich kann eine Ausfahrt mit meinem Fahrrad unternehmen und mich danach an den Pool legen. Ich bin mir aber sicher: Ich werde an die Strecke kommen und etwas Arbeit erledigen müssen."

Frage: "Eine Frage an alle: Die Qualifikation scheint überaus aufregend, aber nicht so wichtig zu sein. Würdet ihr vorschlagen, das System zu verändern und vielleicht wieder zu dem Modus zurückzukehren, den wir vor einigen Jahren hatten, bei dem nur eine gezeitete Runde gefahren wurde? Wäre das nicht spannender?"

Schumacher: "Ich denke, es ist gut. Und ganz ehrlich: Es ist eh nur eine Runde, denn die Reifen halten nur eine Runde lang oder sind nur über eine Runde am schnellsten. Ich denke, da besteht kein großer Unterschied."

Button: "Ja. Die Leute sparen sich ihre Reifen so sehr auf, dass sie heutzutage nur einmal pro Session hinausfahren und das war's. Es ist nicht so, dass man ständig neue Pneus ans Auto schrauben würde. Beim vergangenen Rennen fuhren wir drei Runs und in Q2 und Q3 markierten wir jeweils lediglich eine gezeitete Runde. Wir fahren also nur sehr eingeschränkt. Ich halte das für ein gutes System."

Barrichello: "Ich denke, die Veränderungen sind recht groß, denn niemand war darauf vorbereitet, wie die Reifen sind. Die Pneus sind so anders als im vergangenen Jahr, also sollte man sich das anschauen. Ich halte die Qualifikation allerdings für gut."

"Zum Beispiel hier in Monaco: Wenn du in Q1 nur einen Versuch hast und Verkehr bekommst, dann bekommst du auch ein Problem. Es wäre also nicht schlecht, sich die Sache einmal anzusehen. In den vergangenen Jahren war die Qualifikation prima, doch nun haben wir lediglich einen Versuch. Vielleicht sollte man sich das im Hinblick auf 2012 anschauen."

Heidfeld: "Nun, der Grund, weshalb die Qualifikation nun nicht mehr so wichtig zu sein scheint wie in der Vergangenheit, hat nichts mit dem Qualifikations-Modus zu tun, wie wir in jetzt haben - drei Sessions."

"Es liegt an den Reifen und daran, dass einige Teams in den vergangenen Rennen die Entscheidung trafen, einige Pneus aufzusparen. Ich halte das Zeittraining mit seinen drei Teilsessions und einem Top-10-Finale, wie wir es aktuell haben, für gut. Wir müssen schauen, ob wir es weiterhin so haben wollen, dass die Leute nicht auf den schnelleren Reifen fahren möchten."

Rosberg: "Ich stimme Nick zu."

Trulli: "Ich schließe mich dieser Meinung an. Heutzutage ist der Reifenhaushalt so wichtig und auch die Art und Weise, wie man mit den Pneus umgeht. Du musst versuchen, sie möglichst wenig zu strapazieren. Du solltest sie für das Rennen aufsparen, bist aber ohnehin limitiert, was das Fahren angeht und wie du gerne agieren würdest."

"Es gab schon Rennen, in denen Fahrer ganz hinten standen, weil sie ein Problem gehabt hatten. Sie hatten noch alle neuen Reifensätze zur Verfügung und konnten so trotzdem und einfach noch Positionen gutmachen und leicht in die Punkte oder auf das Podium fahren. Die Qualifikation ist nun nicht mehr so wichtig."

Frage: "Eine Frage an alle: Was erwartet ihr angesichts der superweichen und weichen Reifen vom Rennen? Werden wir superkurze Stints sehen wie in Barcelona oder werdet ihr dieses Mal länger draußenbleiben?"

Button: "Ich habe noch keine Ahnung. Wir sind schon lange nicht mehr mit den superweichen Reifen gefahren - und auch nicht mit dem Auto in seiner jetzigen Form. Ich bin mir sicher: Die superweiche Mischung wird ziemlich stark verschleißen. Die weiche Variante sollte länger halten."

"Vielleicht länger als auf anderen Kursen, weil wir hier keine hohen Geschwindigkeiten haben. Dementsprechend gibt es in den schnellen Ecken weniger Verschleiß. Im Hinblick auf die Strategie ist es schwierig zu wissen, was man tun soll. In dieser Saison war es bei jedem Rennen knifflig, die richtige Taktik zu wählen."

"Im Rennen könnte es vielen passieren, dass der Reifenverschleiß doch größer ist als erwartet. Das ist meiner Meinung nach noch vollkommen offen. Man muss wohl sehr vorsichtig zu Werke gehen, weil man einfach nicht weiß, wie groß oder gering der Reifenverschleiß ausfallen wird. Es könnte zwei Stopps geben, es könnte fünf Stopps geben. Wir wissen es nicht."

Barrichello: "So viel anders wird es meiner Meinung nach nicht sein. Wir müssen wirklich abwarten, denn beim Testen war die superweiche Mischung nicht auf der geeigneten Strecke und als wir in Valencia, Jerez und Barcelona fuhren, hielt der Pneu nur eine Runde lang."

"Dort hat es aber auch viel mehr Grip, also nimmt man den Reifen viel härter ran und entsprechend mehr steht das Gummi unter Stress. Wie Jenson schon sagte: Schauen wir einmal. Am Donnerstag werden wir erste Eindrücke bekommen, doch am Samstag dürfte es knifflig werden, weil mehr Gummi auf der Strecke liegt. Ich glaube: Eine wirkliche Antwort werden wir erst am Sonntag erhalten."

Frage: "Ich weiß nicht, ob es euch bewusst ist, aber es gab gestern Abend einen großen Lastwagen-Brand in Kurve eins. Dort musste ein großes Stück des Belags ersetzt werden - kurz vor dem Scheitelpunkt. Das betrifft auch die Bremszone. War jemand von euch dort und hat es sich angesehen? Falls nicht: Was sind eure Gedanken dazu? Wie gefährlich könnte das sein?"

Heidfeld: "Nun, ich weiß nicht, ob es stimmt. Nach dem zu urteilen, was ich gehört habe, war es gefährlich von dem Burschen, während des Tankvorgangs zu rauchen. Keine Ahnung, ob es wirklich einen Grund gibt, aber so wurde mir das erzählt. Ich lief die Strecke ab und es sah okay aus. Es sah nicht... es sah ganz danach aus, dass gute Arbeit geleistet wurde."

Button: "Ich hörte davon, aber nein, ich überprüfte die Strecke nicht. Es sind allerdings Profis am Werk, die wissen, wie man Asphalt legt. Hoffentlich wird es am Donnerstag okay sein."

Rosberg: "Es könnte den Asphalt etwas schmieriger machen als die umgebende Strecke, weil der Belag so frisch ist. Das könnte ein Problem sein."

Barrichello: "Falls es schmierig ist, müssen wir schauen, ob es regnet. Ich glaube aber nicht, dass die Vorhersagen darauf hindeuten. Es könnte trotzdem Schwierigkeiten geben."

Frage: "Wir wissen, das Überholen möglich ist. Wie ist es auf einem so engen Kurs wie Monaco? Was wird hier vor sich gehen?"

Barrichello: "In gewisser Weise ist Monaco eine Strecke, auf der man nicht überholen kann. Es war sehr klug von der FIA, den verstellbaren Heckflügel ein bisschen zuzulassen, aber eben nicht im Tunnel. Wir werden versuchen, zu überholen - ganz klar. Es gibt Unterschiede beim Tempo, die das erlauben sollten. Es ist aber sehr eng."

"Wir sahen es in der Vergangenheit: Fahrer versuchten sich an einem Überholmanöver und kollidierten. Ich denke, wir müssen lernen. Ich freue mich über die Entscheidung, das System im Tunnel zu verbieten. Alles andere ist okay. Wir sollten es probieren und sehen, was es dem Event gibt. Wenn wir hier Überholen ermöglichen können, bedeutet das, wir können überall auf der Welt überholen. Das bleibt aber abzuwarten."

Heidfeld: "Ich denke, wir sahen bisher überall deutlich mehr Überholmanöver. Monaco wird meiner Meinung nach aber immer eine Sonderrolle einnehmen. Wir werden hier nicht mehr überholen als in der Vergangenheit, auch wenn wir nun auf der Zielgeraden den verstellbaren Heckflügel einsetzen können. Erstens ist die Überholzone sehr kurz und misst nur etwa 350 Meter, eben die gesamte Gerade. In der Vergangenheit war sie schon 800 Meter lang."

"Darüber hinaus kannst du, auch wenn du das System nutzt, trotzdem kein Manöver wagen, weil das Auto vor dir auf der Ideallinie fährt, wie wir es nennen. Es nimmt die Kurve auf der rechten Seite, der Innenseite. Du kannst nicht nach links, weil es keine Chance gibt, dort jemanden zu überholen. Ich halte es daher ein bisschen für sinnlos, das Heckflügel-System in Monaco zu verwenden."

"Wir werden es aber einsetzen. Werden wir dadurch mehr Überholmanöver sehen? Es wird wohl eher auf die Reifen ankommen, wie wir schon sagten. Wir müssen aber erst noch herausfinden, wie groß der Unterschied zwischen den weichen und superweichen Reifen ausfällt, um zu wissen, wie lange die Pneus halten."

Rosberg: "Ich denke, die Reifen könnten an diesem Wochenende sehr interessant sein. Wenn sie stark verschleißen sollten, würde das die Menge an Überholmanövern sicherlich vergrößern."

Trulli: "Wahrscheinlich sehen wir mehr Überholmanöver, doch das wird ein Manöver bleiben, an dem man sich versuchen, das man aber nicht immer erfolgreich beschließen kann. Egal - es kommt nicht auf KERS oder den verstellbaren Heckflügel an. Wahrscheinlich steht eher die unterschiedliche Reifenabnutzung im Fokus."

Schumacher: "Die Reifen werden sicherlich die größte Rolle spielen. Wenn man zur rechten Zeit den passenden Pneu am Auto hat, dann sollte einem das helfen. Ich habe zumindest gute Erinnerungen daran, als ich in einem Rennen von hinten losfuhr und nach vorne gelangte. Man hat also eine Überholchance und ja, es ist schwierig. Es ist eine Herausforderung, aber nicht unmöglich. Es ist sicherlich eine Zusatzhilfe."

Button: "Wie die Jungs schon sagten, die Reifen stellen hier den großen Unterschied dar. Ich denke nicht, dass der verstellbare Heckflügel sehr viel zum Überholen beitragen wird. Es mag eine Hilfe sein, um näher heranzukommen, doch wir haben auch den Vorteil durch KERS."

"Wenn dein Vordermann mit seinen Reifen kämpft und du KERS korrekt anwendest, dann kann das einem Überholmanöver zugute kommen. Wir haben zwar zwei Dinge, die uns dabei helfen sollten, aber es wird trotzdem unheimlich schwierig werden. So ist es jedoch immer in Monaco. Probieren werden wir es aber allemal."

Frage: "Michael, in den vergangenen Jahren wurdest du von vielen Beobachtern für deine Manöver auf der Strecke kritisiert, auch von Rubens. Lewis Hamilton ist der jüngste Neuzugang in diesem Klub. Er meinte, im vergangenen Rennen hättest du dich in den Kampf um die Führung eingemischt. Du sollst deinen Freund Sebastian Vettel - in den letzten zehn Runden, glaube ich - durchgelassen haben und Hamilton kurz darauf nach außen und in den Gummiabrieb gedrängt haben. Ist das richtig, falsch oder ist es dir egal?"

Schumacher: "Ich kann mich nicht daran erinnern. Ich denke nicht, dass das Sinn machen würde, denn ich habe meiner Meinung nach viel mehr... Seb ist zwar mein Freund, doch Lewis hat einen Mercedes-Motor im Heck. Das ist mir natürlich viel wichtiger. Nicht, dass ich versuchen würde, jemanden zu bevorteilen oder zu benachteilen. Nein. Das muss ein Missverständnis sein. Das war sicher nicht meine Intention. Ich versuche stets, den anderen aus dem Weg zu gehen und einfach mein eigenes Ding zu machen."

Fotoquelle: xpb.cc

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