Sergio Perez hat den Horrorcrash ohne allzu schwere Verletzungen überlebt

Formel 1 2011

— 28.05.2011

Perez-Unfall überschattet Vettels Pole-Position

Sergio Perez überlebt im Monaco-Qualifying einen Horrorcrash am Hafen - Freude über Sebastian Vettels tolle Pole-Position leicht getrübt

Nach einem 19. (2008 auf Toro Rosso) und zwei dritten Plätzen (2009 und 2010) sicherte sich Sebastian Vettel heute seine erste Pole-Position in Monaco, doch die Freude darüber konnte der Red-Bull-Pilot nur gedämpft ausleben. Denn das Qualifying wurde überschattet von einem schweren Unfall des erst 21-jährigen Mexikaners Sergio Perez in der Hafenschikane.

Der Hergang war ein Abziehbild des Trainingscrashs von Nico Rosberg (Mercedes) am Vormittag, nur hatte der Sauber-Pilot etwas weniger Glück: Während Rosbergs Silberpeil haarscharf an der Barriere rechts neben der Schikane vorbeisegelte, krachte Perez direkt dort hinein. Weil er sich am Funk zunächst nicht meldete, erlebte Teamchef Peter Sauber bange Minuten. Sein damaliger Fahrer Karl Wendlinger war 1994 an gleicher Stelle abgeflogen und wochenlang im Koma gelegen...

Doch Pressesprecher Hanspeter Brack konnte früh Entwarnung geben: "Er hat gesprochen und ist bei Bewusstsein." Im Krankenhaus soll Perez angeblich schon wieder angekündigt haben, dass er morgen den Grand Prix bestreiten will. Die Ursache für seinen Unfall ist zwar nebensächlich, liegt aber auf der Hand: "Ein Fahrfehler", analysiert 'Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer. Perez war weit links aus dem Tunnel gekommen, krachte rechts in die Leitplanken und schlitterte dann weiter.

Freude bei Red Bull gedämpft

"Wenn du so einen Unfall siehst, denkst du nur an den Fahrer. Da ist alles andere zweitrangig", so Red-Bull-Teamchef Christian Horner. Dabei hätte er rein sportlich gesehen allen Grund zur Freude, denn Vettel wird den klassischen Grand Prix von Monaco vom ersten Startplatz aus in Angriff nehmen. Nach Platz drei in Q1 und Platz zwei in Q2 lieferte er auf den Punkt wieder einmal eine Topleistung ab und verpasste dem Rest der Welt eine deutliche Klatsche.

"Im ersten und zweiten Qualifying habe ich mich noch nicht ganz wohlgefühlt, aber die Runde in Q3 war punktgenau getroffen. Damit bin ich sehr zufrieden", strahlt der Red-Bull-Pilot. "Aber das Wichtigste ist, dass Sergio okay ist. Wir haben die Bilder gesehen und haben uns Sorgen gemacht und es war nicht einfach, nach so langer Pause wieder zu fahren. Es hat sich am Ende ja auch kaum noch jemand verbessert."

Denn als nach der langen Unterbrechung wegen Perez weitergefahren wurde, stand die Uhr bei nur noch 2:26 Minuten. Lewis Hamilton (McLaren) stellte sich als Erster am Boxenausgang an, um im Finish freie Fahrt zu haben, konnte sich aber mit einer unsauberen Runde nur an Rosberg vorbei vom achten auf den siebten Startplatz verbessern. In den ersten drei Reihen blieb es bei den Positionen, wie sie vor dem Perez-Unfall waren.

Das bedeutet: Jenson Button (McLaren/+0,441) auf Platz zwei, Vorjahressieger Mark Webber (Red Bull/+0,463) auf Platz drei und der Trainingsschnellste Fernando Alonso (Ferrari/+0,927) auf Platz vier. Button wollte am Ende noch die Pole-Position in Angriff nehmen, konnte sich aber nicht mehr steigern: "Es war sehr rutschig und ich hatte keine Reifentemperatur mehr, denn ich stand zweieinhalb Minuten lang am Boxenausgang. Aber mit dem Ergebnis bin ich zufrieden", erklärt er.

Webber gratuliert übermächtigem Vettel

Webber fehlte ebenfalls eine halbe Sekunde auf Vettel. Der Australier wirkt fast schon resignativ, wenn er sagt: "Seb hat wieder eine großartige Runde hingelegt." Allerdings glaubt er nicht, dass er den Traum vom zweiten Monaco-Sieg schon begraben muss, denn: "Die Rennen sind mehr durchgemischt als in den vergangenen Jahren. Morgen wird da keine Ausnahme sein, aber das Qualifying ist trotzdem wichtig."

Schnellster Verfolger der vier Topfavoriten war Routinier Michael Schumacher, in Q1 und Q2 noch hinter seinem Teamkollegen Rosberg, obwohl der nach dem Trainingscrash am Vormittag erst nach zehn Minuten in die Session eingegriffen und quasi einen "Kaltstart" hingelegt hatte: "Ich musste mich schon ein bisschen rantasten, aber dann ging es halbwegs", seufzt Rosberg (+2,210) , der mit Platz acht "absolut nicht das Beste rausgeholt" hat.

Schumacher stellte damit im teaminternen Qualifying-Duell auf 1:5 und gilt für das Rennen als Außenseitertipp, weil der Mercedes mit seinem kurzen Radstand für den Stadtkurs wie maßgeschneidert sein müsste. Aber: "Ob es reicht, um auf das Podium zu fahren, sei mal dahingestellt", ist der siebenfache Weltmeister skeptisch. "Ich glaube, unter normalen Umständen wäre nicht mehr als Platz sieben drin gewesen."

Monaco-Spezialist Pastor Maldonado (Williams/+2,972) und der verunfallte Perez, schon in Q1 sensationell Vierter und Sechster, rundeten das Top-10-Finale ab. Elfter wurde Witali Petrow (Renault), der seinen Teamkollegen Nick Heidfeld (16.) einmal mehr sicher im Griff hatte. Heidfeld klagte über "too much bounce" in Kurve fünf, nahm eine Veränderung am Frontflügel vor, fand aber trotzdem nicht die gewünschte Balance.

Heidfeld nach Platz 16 enttäuscht

"Es verwundert uns auch ein bisschen", gibt er zu. "In den letzten Qualis sind wir immer in die Top 10 gekommen. Hier hatten wir uns etwas mehr ausgerechnet, aber das hat leider nicht geklappt." Ihre Teamduelle verloren geben mussten Rubens Barrichello (12./Williams) und Kamui Kobayashi (13./Sauber). Paul di Resta (14.), bisher stets im Schatten von Adrian Sutil (15.), setzte sich hingegen im entscheidenden Moment um drei Tausendstelsekunden durch.

Bereits in Q1 ausgeschieden war neben den sechs Fahrern der drei "neuen" Teams Jaime Alguersuari (20./Toro Rosso). Sebastien Buemi im zweiten Toro Rosso wurde in Q2 17. und Letzter, nahm aber zumindest die erste Hürde. Erfreulich aus deutscher Sicht: Timo Glock (21./Marussia-Virgin) brummte dem zuletzt stark aufzeigenden Jerome D'Ambrosio die Grenzen auf und gewann sein Stallduell um fast eine Sekunde.

HRT ist hingegen auf die Gnade der FIA-Kommissare angewiesen, aber: "Ich glaube nicht, dass sie sie fahren lassen werden", meint Ex-Teamchef Eddie Jordan. Das spanische Team erklärt den Verzicht auf das Qualifying so: "Wir konnten Tonios Auto nach dem Unfall im dritten Training nicht mehr rechtzeitig reparieren. Bei Narain fanden wir am Ende des dritten Trainings ein Problem mit der Hinterradaufhängung, das wir bis zum Qualifying nicht in den Griff bekamen."

Nun hat es Vettel in der Hand, sich mit dem Sieg in Monaco einen Kindheitstraum zu erfüllen: "Das würde mich nicht stören", grinst er selbstbewusst, weiß aber ganz genau: "Monaco ist immer ein langes Rennen, ein richtiges Casino mit 78 Runden. Durch die Boxenstopps kann sich bis zum Schluss noch alles ändern, aber eines ist noch wie früher: Die Pole-Position ist die beste Ausgangsposition. Ich freue mich auf das Rennen."

Fotoquelle: xpb.cc

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